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Sagen aus der Pfalz

: Sagen aus der Pfalz - Kapitel 7
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titleSagen aus der Pfalz
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Der Nonnenfels bei der Hartenburg

Einer der Grafen von Leiningen, der auf Hartenburg wohnte, ein rauher Mann von wilden Sitten, besaß eine Tochter mit Namen Adelinde, ein Bild zarter Weiblichkeit und edlen Sinnes. Die Jungfrau hatte ihre Zuneigung einem anmutigen, edlen Jüngling geschenkt, der als Knappe bei ihrem Vater diente. Stilles Glück verklärte die Liebe der beiden jungen Leute, bis dem Grafen das Geheimnis hinterbracht wurde. Adelinde hatte nun die ganze Härte seines Zornes zu tragen; der mit dem Tode bedrohte Knappe mußte fliehen und fiel später im Gelobten Land als Streiter Christi in einem harten Handgemenge.

Ein Kreuzfahrer, der die Nachricht vom qualvollen Leben sowie von dem ruhmvollen Tode des Jünglings im heiligen Kampf in die Heimat brachte, hatte den Leib des Gefallenen bei Jerusalem in den Sand gebettet. Adelinde, die sich gegen ihren Willen mit einem ebenbürtigen Freier vermählen sollte, ließ sich in ein Kloster aufnehmen, da die Welt ihr nun kein Glück mehr zu bieten hatte. Sie weinte ihren Schmerz aus und teilte ihre Zeit zwischen Gebet, Wohltun und Pflege der Kranken.

Doch ihre teure Heimat konnte die junge Gräfin nicht vergessen; begleitet von einer treuen Freundin, verließ sie heimlich das Kloster und kehrte in das Tal zurück, wo sie ihre glückliche Jugend verlebt hatte. In der Höhle eines Felsens, welcher der Hartenburg gegenüber liegt und noch heute der Nonnenfels heißt, lebten die beiden als Klausnerinnen, ohne daß die Welt ihre wahre Abstammung kannte. Wohl aber verbreitete sich der Ruf der hilfreichen und heilkundigen Nonne, die häufig mit Kräutersammeln beschäftigt war, in der ganzen Umgegend; nur der rauhe Graf beachtete sie nicht. Er lebte für die Freuden der Tafel und der Jagd, bis er einmal auf einem Ritt vom Pferd stürzte und an den Folgen des Sturzes lange schwer darniederlag. Alle Mittel, seine Schmerzen zu lindern und seine Wunden zu heilen, waren vergeblich. Das hörte auch seine Tochter, die Klausnerin, und dem Drange des Herzens folgend, stieg sie zur Hartenburg hinauf und rettete unerkannt das Leben ihres Vaters.

Nach seiner Genesung besuchte der alte Graf die hilfsbereite Nonne in ihrer Klause, erkannte sie aber diesmal und bat sie nach den lebhaftesten Umarmungen, den wüsten Felsen zu verlassen und sogleich mit in das Schloß zu kommen. Ihre Antwort aber war: »Zieht nur hin, lieber Vater, auf Eure Burg! Ich will Euch gern wieder Tochter sein, doch als Klausnerin.« So blieb sie in ihrer Felsenwohnung und widmete auch den Rest ihres Lebens der Nächstenliebe.

Heute noch zeigt man den Bildstock, an dem sie ihr Gebet zu verrichten pflegte, und die Vertiefungen im Fels, in denen die Tür ihrer dürftigen Hütte befestigt war.

 


 

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