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Sagen aus der Hanse

: Sagen aus der Hanse - Kapitel 20
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Der Teufel als Schatzhüter

In Niedervielande bei Bremen wohnte ein Bauer, der sehr reich war. Der Überfluß machte ihm aber große Sorgen, denn ringsum war Krieg, und jeden Tag konnten räuberische Horden auch auf seinen Hof kommen. Da dachte er mit allem Fleiß daran, sein Gut vor den Räubern zu schützen und beschloß, es dem Schoß der Erde anzuvertrauen.

Er hatte aber einen jungen Knecht, den er aus Mitleid in seine Dienste genommen, da er arm und elternlos war. Als nun an einem Sonntag der Bauer alle seine Leute in die Kirche geschickt hatte, um unbeobachtet seine Absicht ausführen zu können, versteckte sich der Knecht in der Scheune, weil er sich schämte, in seinen schlechten Kleidern in den Gottesdienst zu gehen. Gerade die Scheune hatte der Bauer zum Versteck seiner Habe ausersehen, und so konnte der Knecht, der im Heu ganz verborgen war, gut beobachten, wie sein Herr zuerst ein großes Loch grub, immer tiefer und tiefer, bis es mannstief war, wie er dann in einem großen kupfernen Kessel Gold und Silber, Münzen und Gefäße in gewaltigen Mengen hinabsenkte, wieder zuschaufelte und den Boden einebnete und dann den Teufel zu des Ortes Hüter bestellte, dergestalt, daß in sieben Jahren niemand den Schatz heben dürfe, und wer dann käme ihn zu holen, dürfe kein anderer sein als seiner Tochter Bräutigam: der solle nicht graben mit Spaten oder Schaufel, sondern müsse den Kessel mit silbernem Fuhrwerk, vor das lebendige, beflügelte Feuer gespannt sei, zu Tage fördern. Jedem Unbefugten, der sich daran wagte, möge der Böse den Hals brechen.

Als der Bauer seinen Spruch getan, schwirrte eine große Fledermaus durch die Scheune, umkreiste dreimal in schnellem Fluge den Mann und den Schatz und verschwand im Augenblick. Der Bauer nickte befriedigt und ging seiner Wege.

Der Bursche konnte dieses Erlebnis nicht vergessen; wo er ging und stand, lag ihm der Schatz im Sinn und wie er seiner habhaft werden könne. Er nahm seinen Abschied von dem Bauern, ging zur See und wurde ein schmucker und starker Mann, aber als die sieben Jahre zu Ende gingen, hielt es ihn nicht länger auf dem Schiff, und er machte sich auf und wanderte seinem Heimatdorf zu. Dort kannte ihn längst keiner mehr, aber er erfuhr bald im Wirtshaus, daß sein Bauer vor kurzer Zeit gestorben sei; nun lebe die Familie in großer Not, denn mit dem Reichtum des Alten scheine es nicht weit her gewesen zu sein – in seinem Nachlasse habe sich weder Gold noch Silber gefunden. Der Bursche ging bald auf den Hof, fand alles, wie man es ihm geschildert hatte und wurde, da die verwaiste Tochter sich seiner noch gern erinnerte, dort ein häufiger Gast, bis er den Mut fand, um das schmucke Mädchen zu freien, das ihn nicht abwies. Nun hätte er in aller Ruhe mit seinem zur See erworbenen Gute seinen Haushalt als ein vermögender Mann beginnen können, aber der Schatz lag ihm im Sinn, und er trachtete danach, wie er ihn heben könne. Da träumte er einmal, die Scheune stehe in Flammen, und als er genauer hinsah, war es ein roter Hahn, der auf dem Strohdach stand und mit den Flügeln schlug. Der flog einen Augenblick hernach von seinem hohen Standpunkt herab, setzte sich auf eine umgestürzte Pflugschar auf dem Hofe, pickte mit dem Schnabel und scharrte mit den Füßen daran und gebärdete sich ganz, als wolle er den Pflug in die Höhe richten und mit sich führen.

Lange Zeit verstand der Bursche diesen Traum nicht, aber plötzlich kam ihm ein guter Gedanke. Er fuhr ungesäumt zu einem Goldschmied in die Stadt und bestellte einen silbernen Pflug, den er sofort mit blanken Talern bezahlte; nach acht Tagen schon konnte er ihn holen, und nun machte er sich sofort ans Werk. In der nächsten Nacht, sobald die Glocke zwölf geschlagen, machte er sich auf, unter dem rechten Arm den Silberpflug, unter dem linken einen prächtigen roten Hahn. Vor der Scheune spannte er den Hahn vor den silbernen Pflug, öffnete das Tor und fuhr nach der Stelle, wo der Schatz verborgen lag, und obgleich kein Mondschein in die Scheune fiel, war es doch kerzenhell darin, denn der Pflug leuchtete hell, und der Hahn glänzte wie Feuer und Flammen.

Schweigend ging er daran, im Kreise zu ackern und die Erdschollen zur Seite zu pflügen, und obwohl ein Gebrause und schreckliches Stimmengewirr anhob, vollbrachte er in tiefster Ruhe sein Geschäft, bis er an den Deckel stieß und den Schatz in all seiner Herrlichkeit gehoben hatte. Dann nahm er alles, packte es in Körbe und lief damit in den Hof, es zu bergen. Da machten die Leute freilich große Augen und freuten sich des wiedererrungenen Gutes, und im Herbst gab es eine lustige Hochzeit.

Der Silberpflug blieb dann lange Zeit ein Wahrzeichen der Familie, bis er im Schwedenkrieg verlorenging.

 


 

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