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Sagen aus dem Salzburger Land

: Sagen aus dem Salzburger Land - Kapitel 30
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König Watzmann

Vor undenklich langen Zeiten herrschte über Salzburg und das angrenzende Bayern ein mächtiger König, Watzmann genannt. Er war seinen Untertanen kein gnädiger Herr. Hartherzig und grausam ließ er ihnen seine Macht fühlen, wo er nur konnte, bedrückte und quälte sie über alle Maßen und verhängte bei den unwichtigsten Anlässen die härtesten Strafen. Sein Schloß erhob sich nahe dem Königssee hoch in die Lüfte.

Eines Tages trieb ihn die teuflische Lust, die armen Bauern vor den Pflug spannen zu lassen und die Hunde hinter ihnen drein zu hetzen, damit die Arbeit rascher vor sich gehe. Während dieser menschenunwürdigen Arbeit, die sonst durch die Tiere geleistet wurde, stieß ein Bauer zufällig mit dem Fuß an eine größerer Erdscholle. Plötzlich sprang hinter der Scholle ein kaum spannenlanges Männchen hervor und hüpfte dem Pflügenden auf die Hand! Der erschrockene Landwirt konnte nur mit Mühe einen Aufschrei unterdrücken, aber das Männlein legte warnend den Finger an den Mund und sprang dann rasch in des Mannes Rocktasche.

Zu Hause angekommen, zog der Landwirt den Kleinen aus der Tasche und stellte ihn vor sich auf den Tisch. Da fing das Männchen mit gar feiner Stimme zu reden an: »Bauer, passe auf, was ich dir jetzt sagen will. Ich bin Heinzel, der König der Erdmännchen, und will dem verruchten und lästerlichen Treiben des Königs Watzmann nicht mehr länger ruhig zusehen. Ich werde eurem Leiden ein Ende machen und euch von dem grausamen Wüterich befreien. Rufe mir sofort deine Leidensgenossen herbei!«

Der Bauer befolgte sogleich diesen Befehl und eilte fort, um seine Kameraden zu holen. Bald waren alle um das Erdmännlein versammelt Nun sprang König Heinzel auf einen Holzklotz und begann: »Ihr armen Leute, hört: Bevor ihr morgen zur Arbeit geht, füllt eure Taschen mit Kieselsteinen. Hetzt Watzmann wieder die Hunde auf euch, so werft kühn die Kieselsteine auf ihn. Fürchtet euch nicht, denn ich bin in eurer Nähe.«

Während das Männlein diese Worte sprach, war es immer kleiner geworden, bis es endlich vor den Augen der Bauern verschwand.

Am anderen Morgen fanden sich alle wie gewöhnlich zur Arbeit vor dem König ein. Dieser war nicht besser gelaunt als an den früheren Tagen und begann sofort mit lauten Schreien die Hunde hinter die Bauern zu hetzen. Diese aber griffen sogleich in die Taschen, wie ihnen das Männchen befohlen hatte, und schleuderten ihre Kiesel auf den König. Im Flug vergrößerten sich die Steine, wurden zu gewaltigen Felsbrocken und sausten auf den König und seine Hunde nieder, die sich heulend um ihren Herrn geschart hatten. Bald waren Meute und Herr unter der Last ungeheurer Felsblöcke begraben. Nun begannen auch die Steine auf dem Boden sich zu bewegen, rollten auf die geworfenen Felstrümmer hinauf, wälzten sich übereinander, und bald türmte sich an der Stelle, wo eben noch König Watzmann gestanden war, ein mächtiger steinerner Bergriese in die Lüfte.

Die Landwirte verließen bald darauf die Gegend, die ihnen zuwider war, und zogen in das nahe Tirol. Von dem Erdmännlein sah und hörte man von dieser Zeit an nichts mehr. Wenn aber um die Klüfte des Watzmanns der Sturmwind braust, sagen die Leute, es seien König Watzmanns Hunde, die heulend um ihren Herrn springen

 


 

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