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Sagen aus dem Salzburger Land

: Sagen aus dem Salzburger Land - Kapitel 25
Quellenangabe
titleSagen aus dem Salzburger Land
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Der Putz von Neukirchen im Pinzgau

Unweit des freundlichen Örtchens Neukirchen im Pinzgau erstreckt sich die dichtbelaubte, fichtenbewachsene Dürrnbachau, die der murmelnde Dürrnbach durchströmt.

In längstvergangener Zeit, als das Faustrecht herrschte, als überall Fehden und Kämpfe tobten und das Land unsicher machten, lebte auf der Burg Neukirchen ein Ritter, der in den Krieg fortziehen mußte. Da nahm er alles, was ihm lieb und teuer war, Schätze und Reichtum, trug es in die Dürrnbachau und vergrub es an einem versteckten Platz.

Der Ritter kehrte aus der Fremde nicht mehr in die Heimat zurück, er war im Kampf gefallen. Da er aber zu Lebzeiten ein arger Geizhals und Bösewicht gewesen war, konnte er auch im Grab seine Ruhe nicht finden. Er wurde zur Strafe für seine Sünden in ein kleines graues Männchen verwandelt und verdammt, seine Schätze zu hüten.

Seitdem treibt dieser Kobold, der »Putz«, wie ihn die Leute heißen, in der Dürrnbachau sein Unwesen, äfft den Wanderer und führt ihn irre, indem er bald als zuckende Flamme, bald als kleines, kaum drei Spannen langes Männchen vor seinen Füßen hin und her hüpft. Er liebt es, den Menschen jeglichen Schabernack anzutun, und ist auch schon manchem als grunzendes Schwein eine Strecke weit nachgelaufen.

Jahrelang hatte sich der Putz nicht mehr gezeigt, und man dachte schon, er sei für immer verschwunden, da kam einst ein Bauer in die Dürrnbachau, um ein paar Stämme für Brennholz zu fällen. Eben wollte er sich an einem Baum heranmachen, als ihm eine Stimme zuriet »Den nicht – geh nur weiter!« Erschrocken schaute der Mann umher, wer ihn da angeredet habe, sah aber niemand. Er ging ein Stück weiter und kam an eine freie Stelle, die rings von Fichten umgeben war. Da ertönte wieder die Stimme: »Hier schlag Holz, daß die Späne fliegen!«

Wieder spähte der Bauer umher, gewahrte aber diesmal auf einem Fichtenast zusammengekauert ein kleines graues Männchen, das er sogleich als den Putz erkannte, von dem man ihm als Kind so viel erzählt hatte. Nichts Gutes ahnend, war er schon im Begriff, schleunig das Weite zu suchen, als ihm der Kleine zurief: »Bleib nur, ich bin doch dein Taufpate und meine es gut mit dir. Darum habe ich dir heute einen einträglichen Platz zum Holzfällen zugewiesen. Schau nur, daß du den richtigen Stamm erwischst!«

Der Holzhauer besah sich die Stämme im Umkreis und ging zuletzt auf den Baum zu, in dessen Ästen das Männlein saß. Weil er glaubte, der Kleine könne nicht herabklettern, gedachte er diesen Baum zu fällen, um dem Männlein zu helfen. »He, Pate«, sagte er, »wenn ich mich an diesen Baum mache, um dir von da oben herabzuhelfen, so gibt das wohl ein tüchtiges Stück Arbeit, aber ich hoffe, es wird dir dann um einen guten Schluck Wein nicht leid tun!«

Doch der Putz machte ein so bitterböses Gesicht, daß dem Mann alle Lust zum Scherzen verging und er in seinem Entschluß wankend wurde. Endlich aber faßte er sich doch ein Herz und begann auf den Baum loszuhauen, der sich schon beim dritten Streich neigte und krachend zu Boden stürzte. Der Stamm war hohl, aus dem Loch aber kollerten glänzende Dukaten heraus. Mit kühnem Sprung ließ sich der Kobold aus dem Geäst zur Erde fallen, schrie dem Holzfäller zu: »Nimm dir, was du kannst!« und saust in wilder Hast davon, dem Dorf zu.

Der Holzhauer aber ließ sich das nicht zweimal sagen und füllte sich alle Taschen mit den funkelnden Münzen. Dann setzte er seine Arbeit fort. Aber da ihn das Gold in seinen Säcken am Hacken und Spalten der Stämme behinderte, leerte er alles auf die Erde – das hätte er aber nicht tun sollen! – und überließ seinem Hund die Bewachung. Als am Abend die Arbeit beendet und der Holzstoß aufgerichtet war, füllte er, höchlichst zufrieden mit seinem Tagwerk und dem klingenden Taglohn, der ihm da zugefallen war, wiederum seine Taschen, pfiff seinem Hund und trabte frohgemut heimwärts. Schwer hing die Last an seinen Kleidern.

Als er jedoch daheim die Hosen- und Rocksäcke umstülpte, brachte er statt der Dukaten nur taube Haselnüsse zutage. Dazwischen lag ein Zettel, auf dem etwas geschrieben stand. Mit Mühe buchstabierte der Bauer: »Die Erde verschlingt den Menschen und ebenso auch das Erz. Menschen und Erz bilden den Samen, aus dem eine Fichte wachsen wird, die in ihren Zweigen ein Kreuz trägt. Erst wenn sich einmal diese Fichte in ihrem Wuchs so weit gedreht hat, daß das Kreuz nach der Kirche schaut, hat die Stunde meiner Erlösung geschlagen. An dir wäre es heute gewesen, mich zu erlösen, wenn du das gewonnene Gold nicht wieder zur Erde gelegt hättest«

Kaum hatte der Holzfäller das letzte Wort gelesen, sank er zu Boden und war eine Leiche. Der Putz aber muß auf seine Erlösung warten, bis jene Fichte gewachsen ist, die auf dem Zettel beschrieben stand.

 


 

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