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Sagen aus dem Rheinland

: Sagen aus dem Rheinland - Kapitel 114
Quellenangabe
titleSagen aus dem Rheinland
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Loreley

Von Clemens Brentano

              Zu Bacharach am Rheine
wohnt eine Zauberin,
die war so schön und feine
und riß viel Herzen hin.

Und machte viel zu Schanden
der Männer rings umher,
aus ihren Liebesbanden
war keine Rettung mehr.

Der Bischof ließ sie laden
vor geistliche Gewalt
und mußte sie begnaden,
so schön war ihre Gestalt.

Er sprach zu ihr gerühret:
»Du arme Loreley!
Wer hat dich denn verführet
zu böser Zauberei?«

»Herr Bischof, laßt mich sterben
ich bin des Lebens müd,
weil jeder muß verderben,
der meine Augen sieht.

Die Augen sind zwei Flammen,
mein Arm ein Zauberstab –
O legt mich in die Flammen,
O brechet mir den Stab!«

»Den Stab kann ich nicht brechen
du schöne Loreley!
Ich müßte denn zerbrechen
mein eigen Herz entzwei!

Ich kann dich nicht verdammen;
bis du mir erst bekennt,
warum in diesen Flammen
mein eigen Herz schon brennt!«

»Herr Bischof, mit mir Armen
treibt nicht so bösen Spott,
und bittet um Erbarmen
für mich den lieben Gott!

Ich darf nicht länger leben,
ich liebe keinen mehr,
den Tod sollt Ihr mir geben,
drum kam ich zu Euch her!

Mein Schatz hat mich betrogen,
hat sich von mir gewandt,
ist fort von hier gezogen,
fort in ein fremdes Land.

Die Augen sanft und milde,
die Wangen rot und weiß,
die Worte still und milde,
die sind mein Zauberkreis.

Ich selbst muß drin verderben,
das Herz tut mir so weh,
vor Schmerzen möcht' ich sterben,
wenn ich mein Bildnis seh.

Drum laßt mein Recht mich finden,
mich sterben wie ein Christ.
Denn alles muß verschwinden,
weil er mir treulos ist.«

Drei Ritter läßt er holen:
»Bringt sie ins Kloster hin!
Geh, Lore! Gott befohlen
sei dein berückter Sinn.

Du sollst ein Nönnchen werden,
ein Nönnchen schwarz und weiß.
Bereite dich auf Erden
zu deines Todes Reis!«

Zum Kloster sie nun ritten,
die Ritter alle drei,
und traurig in der Mitten
die schöne Loreley.

»O Ritter, laßt mich gehen
auf diesen Felsen groß,
Ich will noch einmal sehen
nach meines Liebsten Schloß.

Ich will noch einmal sehen
wohl in den tiefen Rhein.
Und dann ins Kloster gehen
und Gottes Jungfrau sein.«

Der Felsen ist so jähe,
so steil ist seine Wand,
doch klimmt sie in die Höhe,
bis daß sie oben stand.

Es binden die drei Ritter
die Rosse unten an,
und klettern immer weiter
zum Felsen auch hinan.

Die Jungfrau sprach:
»Da wehet ein Segel auf dem Rhein,
der in dem Schifflein stehet,
der soll mein Liebster sein.

Mein Herz wird mir so munter,
er muß mein Liebster sein!«
Da lehnt sie sich hinunter
und stürzet in den Rhein.

Die Ritter mußten sterben,
sie konnten nicht hinab.
Sie mußten all verderben
ohn' Priester und ohn' Grab.

Wer hat dies Lied gesungen?
Ein Schiffer auf dem Rhein,
und immer hat,s geklungen
von dem Dreiritterstein:

Loreley!
Loreley!
Loreley!
Als wären es meiner drei.

 


 

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