Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus dem Harz

: Sagen aus dem Harz - Kapitel 8
Quellenangabe
titleSagen aus dem Harz
typelegend
senderjuergen@redestb.es
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Schäfer von Wernigerode und der Alte aus dem Berg

Unweit der Stadt Wernigerode befindet sich in einem Tal eine Vertiefung im steinigen Boden, die das Weinkellerloch genannt wird. Darin sollen große Schätze aufgestapelt sein. Vor vielen Jahren weidete ein armer Schäfer, ein gutmütiger, stiller Mann, in jenem Tal seine Herde. Einmal gegen Abend trat ein Greis zu ihm und sprach: »Komm mit mir, ich will dir Schätze zeigen, wovon du dir nehmen kannst, soviel du Lust hast.«

Der Schäfer überließ dem Hund die Bewachung der Herde und folgte dem Alten. Sie gingen nicht weit, da öffnete sich plötzlich der Boden vor ihnen; sie traten ein und stiegen in die Tiefe, bis sie zu einem Raum gelangten, worin ungeheure Reichtümer an Gold und edlen Steinen aufgetürmt lagen. Während sich der Schäfer einen Goldklumpen wählte, ertönte eine unsichtbare Stimme, die sprach : »Bringe das Gold dem Goldschmied in die Stadt, der wird dich reichlich bezahlen.« Darauf geleitete ihn sein Führer wieder zum Ausgang.

Der Schäfer tat, wie ihm geheißen war, und erhielt von dem Goldschmied eine Menge Geld. Erfreut brachte er es seinem Vater. Dieser redete ihm zu, nochmals in die Tiefe zu steigen. »Ja, Vater,« erwiderte der Schäfer, »ich habe außerdem meine Handschuhe unten liegenlassen. Geht mit mir, wir wollen sie holen!«

In der Nacht machten sich beide auf den Weg, fanden die Stelle und die Öffnung im Boden und gelangten auch zu den unterirdischen Schätzen. Es war noch alles so wie das erstemal, auch die Handschuhe des Schäfers lagen da, wo er sie hingelegt hatte. Beide füllten so viel in ihre Taschen, als sie tragen konnten, und eilten dann wieder ins Freie. Hinter ihnen schloß sich der Eingang mit lautem Krachen.

In der folgenden Nacht wollten sie es zum drittenmal wagen; lange suchten sie hin und her, konnten aber den Eingang nicht mehr finden. Plötzlich trat ihnen der alte Mann entgegen und sagte zum Schäfer: »Hättest du deine Handschuhe nicht mitgenommen, sondern unten liegenlassen, so würdest du auch diesmal den Eingang gefunden haben, denn dreimal sollte dir die Schatzkammer offenstehen. Nun aber ist dir der Eingang auf immer verschlossen.«

Der Schäfer hatte nicht gewußt, daß Geister nichts behalten dürfen, was irdischen Menschen gehört, sonst hätte er seine Handschuhe sicher wieder unten liegenlassen.

 


 

 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.