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Sagen aus dem Burgenland

: Sagen aus dem Burgenland - Kapitel 5
Quellenangabe
titleSagen aus dem Burgenland
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Die Romfahrt der Dorfhexe

Und es war eine Dorfhexe, und es waren im Dorf Au sieben Bräute und sieben Bräutigame. Und sie gingen zusammen alle sieben Bräute und alle sieben Bräutigame, in die heilige Kirche (um) zu heiraten. Und wie sie gingen zu heiraten, sah sie die Dorfhexe. Und sie verwünschte sie, daß niemals eine einzige Braut Kinderchen bekommen möge. Und die Bauern waren mit ihren Frauen sieben Jahre, und es war (ihnen) kein einziges Kindchen. Und es dachte die Dorfhexe, daß sie das diesen sieben Bräuten gemacht hatte, weil sie sie verwünscht hatte, daß sie niemals Kinderchen bekommen. Und es dachte die Dorfhexe, daß sie gehen muß nach dem heiligen römischen Papst, dies herauszubeichten, was sie diesen sieben Bräuten gemacht hatte, daß sie keine Kinderchen bekommen.

Und sie machte sich auf und ging fort nach dem heiligen römischen Papst. Und als sie auf die römisch-päpstliche Grenze kam, kam ihr der größte Priester entgegen, daß sie nicht hinübertrete auf die heilige Grenze. Und wo er sie getroffen hatte, sagte zu ihr der Priester, auf jener Stelle, wo er sie getroffen hatte, sie möge nichts vorwärts (und) nichts zurück gehen, sondern dort auf jener Stelle soll sie sich niederlassen. »Und am Morgen werde ich kommen, der Priester, hierher auf diese Stelle zu dir. Und du wirst mir erzählen, was für einen Traum du heute nacht sahst.«

Und der Priester kam zu ihr am Morgen, und sie, die Dorfhexe, schlief noch, und der Priester weckte sie auf, die Dorfhexe. Und der Priester sagte zu ihr: »Nun, erzähl mir, was für einen Traum du heute nacht sahst! «

Und (es) sagte zu ihm, dem Priester, die Dorfhexe, daß sie, die Dorfhexe, keinen anderen Traum sah, nur eine Triste Stroh [Strohbündel], daß (diese) bis in das Himmelreich reichte. »Und ich war oben auf ihrer Spitze gelegen.«

Und der Priester sagte zu ihr, er kann ihr nicht Beichte (hören), und er kann sie nicht lossprechen diesen Tag. Und er nahm (die) Hexe und steckte sie in eine Kapelle hinein. Und er sagte zu ihr, der Hexe: »Am Morgen komme ich und nehme dich heraus, und dann kannst du beichten.« Und er sagte zu ihr, zu der Dorfhexe, sie kann nicht beichten, weil, wieviel lauter Stroh in jener Triste war, so viele Menschen hat sie auf der Welt verhext. Und er sagte dann zu ihr, daß sie, eine Dorfhexe, so viele Leute auf der Welt verhext hat, darum kann sie nicht beichten, und steckte sie nachher hinein in eine Stube, und bis zum Morgen fraßen sie die Schlangen und die Ratten.

Und am Morgen ging der Priester in die Stube, wo er die Dorfhexe hineingesteckt (hatte) und klaubte ihre Knochen zusammen und steckte sie in einen gläsernen Sarg. Und der Priester gab einen Zettel auf diesen gläsernen Sarg. Und es stand darauf, daß jene Knochen einer Dorfhexe sind. Weil jene Dorfhexe sieben Bräuten die Kinderchen verhext, und darum ließ er sie auffressen und quälte sie in jener Stube, damit sie nur die Schlangen und die Ratten fressen, weil sie so viele Leute auf der Welt verhext.

 


 

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