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Sagen aus dem Burgenland

: Sagen aus dem Burgenland - Kapitel 19
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Der Purbacher Türke

Als die Türken im Jahre 1532 neuerlich in das Land eingefallen waren, streiften vereinzelte Horden raubend und plündernd auch in der Gegend des Neusiedler Sees umher und kamen auf ihren Raubzügen bis in die Nähe von Purbach. Die Bewohner der Ortschaft, die vom Herannahen des Feindes rechtzeitig Nachricht erhalten hatten, verborgen schleunigst alle ihre Habseligkeiten, so gut sie vermochten, und versteckten sich im nahen Leithagebirge. Als die Türken kurze Zeit darauf in das Dorf eindrangen, fanden sie die Häuser leer und keinen Menschen in den Straßen. Wütend durchsuchten sie alle Räume nach Nahrungsmittel und ließen dabei auch die Keller nicht außer acht. Hier aber hatten die Purbacher ihren guten Wein eingelagert, dem die Türken bald Geschmack abgewannen, so daß gar mancher des Guten zuviel tat.

Nun war auch einer unter ihnen, der gerade noch mit Müh und Not über die Kellerstiege herauftaumeln konnte, dann aber in eine Kammer geriet, wo der gleich hinfiel und seinen Rausch ausschlief. Als er nach vielen Stunden erwachte und sich ernüchtert davonmachen wollte, hörte er Stimmen, die eine fremde Sprache redeten. Er ahnte sogleich, daß seine Kameraden abgezogen und die Dorfbewohner wieder zurückgekehrt seien. Da er bei Tag nicht ungesehen aus dem Ort entkommen konnte, versteckte er sich in der Hoffnung, des Nachts Gelegenheit zur Flucht zu finden.

Sobald es finster geworden war, tastete er sich die Wände entlang und kam schließlich in eine Küche, wo der Mond durch den Rauchfang hereinschien. Hier meinte er, unbemerkt hinausgelangen zu können. Er stieg auf den Herd, zwängte sich in den Schornstein und kroch mit vieler Mühe in den engen Schlauch aufwärts, bis er endlich seinen Kopf ins Freie hinausstecken konnte.

Als er nun von seiner luftigen Höhe Umschau hielt, wie er am besten zur Erde hinabkommen könne, hörte er auf einmal ein lautes Geschrei. Wie der Blitz fuhr er wieder in seinen Rauchfang zurück, aber die Bauern, die noch auf der Straße standen, hatten im Mondenschein seinen Kopf aus dem Schornstein ragen gesehen und sogleich einen versprengten Türken in ihm erkannt. Als er den Kopf nochmals hinaussteckte, schrien sie wieder und drohten ihm mit den Fäusten. Da zog er sich abermals in den Rauchfang zurück und rührte sich nicht mehr, obwohl sie ihn aufforderten herunterzusteigen. Nun gab ein Bauer den Rat, ihn auszuräuchern. Das Half. Der Türke mußte aus dem Rauchfang heraus und kletterte zitternd auf den Boden herunter, wo ihn die derben Fäuste der Bauern in Empfang nahmen und einstweilen in den Dorfkotter sperrten.

Sogleich folgte eine große Beratung im Gemeindehaus, was mit dem gefangenen Türken geschehen solle. Man einigte sich schließlich, ihm das Leben zu schenken, wenn er den christlichen Glauben annehme.- Damit er aber der Gemeinde nicht zur Last falle, sollte er bei dem Bauern, in dessen Haus man ihn gefangen hatte, als Knecht dienen. Der Türke war froh, so gut davonzukommen, trat zum Christentum über und blieb ein getreuer Knecht seines Herrn.

Nach seinem Tode ließ der Bauer zum Gedächtnis an dieses Ereignis einen steinernen Türkenkopf am Schornstein seines Hauses anbringen, der heute noch in Purbach zu sehen ist.

 


 

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