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Sagen aus Brandenburg

: Sagen aus Brandenburg - Kapitel 57
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titleSagen aus Brandenburg
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Der Teufel und die Holzhauer am Zootzen

Als die Holzhauer aus einem Dorfe am Zootzen eines Morgens in den Wald kamen, um sich an ihre Tagesarbeit zu machen, fanden sie das tags zuvor aufgeschlichtete Holz umgestoßen. Ärgerlich beschuldigten sie die Knechte des Dorfes, ihnen diesen Schabernack gespielt zu haben. Sie setzten das Holz wieder auf, fanden es aber am nächsten Morgen wieder umgestoßen. Nun beschlossen sie, daß einer von ihnen die nächste Nacht Wache halten solle, um die Übeltäter auf frischer Tat zu ertappen. Da sich aber niemand freiwillig meldete, wurde gelost. Das Los traf einen bärenstarken Mann, der erklärte, er habe sich schon melden wollen; nun sei es gut, daß ihn das Los getroffen habe. Als er dann des Nachts Wache stand, zündete er sich ein Feuer an und begann aus Langeweile Holz zu spalten.

Zwischen zwölf und ein Uhr tauchte plötzlich ein kleines rotes Männchen – es war der Teufel – neben ihm auf und fragte neugierig: »Warum setzt du denn da immer einen Keil in die Spalte? Kannst du das Holz nicht mit den Händen auseinanderreißen?«

Der Holzhauer antwortete mit der Gegenfrage: »Kannst du es denn?«

Der Kleine erwiderte, ja, das könne er. Da wählte der Holzhauer einen starken Eichenklotz aus, schlug mit der Axt hinein und setzte einen Keil in die Spalte; darauf stieß er mit der Axt gegen den Keil, um diesen ordentlich zu lockern. Als nun der Kleine den Klotz auseinanderreißen wollte, zog der Holzhauer flugs den Keil aus der Spalte und klemmte dem Männchen die Finger ein. Verzweifelt schrie da der Kleine: »Setz, doch den Keil ein! Setz, doch den Keil ein!«

Aber er war gerade an den Rechten gekommen; denn der Holzhauer packte einen Prügel und hieb tüchtig auf den Kleinen ein. Der Teufel aber schrie weiter: »Setze doch den Keil ein!« Doch je mehr er brüllte, desto kräftiger schlug der andere zu und knirschte dabei: »Wirst du uns noch einmal das Holz umstoßen?«

Nach vielen Anstrengungen gelang es dem Teufel endlich, seine Finger aus der Klemme zu ziehen und seinem Widersacher durch die Flucht zu entrinnen. Aus sicherer Entfernung aber schrie er zurück: »Nun stoße ich euch das Holz erst recht um.«

Am andern Morgen erzählte der Holzhauer seinen Kameraden wie es ihm in der Nacht ergangen sei, und machte den Vorschlag, an jedes Klafter Holz einen Klotz mit einem Keil zu stellen. Als nun der Kleine in der folgenden Nacht wieder erschien, um sein Mütchen zu kühlen, erblickte er den Klotz an dem ersten Klafter und rief: »Huh, da ist der Klotz!,« wobei er sich seine in der vorigen Nacht zerschundenen Finger besah. Darauf eilte er weiter zum zweiten Klafter; auch hier fand er einen Klotz und ebenso an den andern Holzstapeln. Da bekam es der Teufel mit der Angst zu tun, drehte sich um und lief schleunig davon, ohne jemals wiederzukommen. Die Holzstöße im Wald hatten von nun an Ruhe vor ihm.

 


 

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