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Sagen aus Brandenburg

: Sagen aus Brandenburg - Kapitel 54
Quellenangabe
titleSagen aus Brandenburg
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Die Erlösung des Großmütterchens in Gransee

Wer vor langen Jahren auf der Straße von der Stadt Gransee nach dem Dorf Schönermark wanderte, konnte, wenn er das alte Stadttor im Rücken hatte, gleich zur Linken mitten in Gärten ein kleines Gehöft erblicken, unansehnlich und zerfallen. In der ganzen Stadt war das Gerücht verbreitet, daß es dort spuke, und jedermann scheute sich, in dieser Gegend zu wohnen.

Eines Tages ließ sich ein junges, armes Brautpaar trauen. Die Hochzeit wurde gefeiert, aber nirgends in der Stadt war eine Wohnung zu finden, wo die jungen Leute hätten unterkommen können. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als das verrufene kleine Haus zu beziehen. Lange wohnten sie darin friedlich, nichts geschah; weder bei Tag noch bei Nacht trat etwas Auffallendes ein.

Da, eines Abends, tat sich die Tür auf, und herein trat ein altes Mütterchen mit einem Schemel und einem Spinnrocken in den Händen, setzte sich am Kaminfeuer nieder und begann zu spinnen, ohne ein Wörtchen zu sagen. Nach ein paar Stunden erhob sich die alte Frau und ging stillschweigend, wie sie gekommen, wieder zur Tür hinaus. Anfangs erschraken die jungen Leute über die Erscheinung; als sich aber der merkwürdige Besuch Abend für Abend wiederholte, gewöhnten sie sich daran und blieben ruhig beieinander an ihrem Tische sitzen, während die Alte am Kamin ihren Faden spann. Nur eins wunderte die beiden, daß nämlich die Frau auf keine ihrer Fragen antwortete, sondern immer schwieg, als ob sie nichts hörte.

Einmal ging der junge Mann in die Stadt; es war gegen Abend, und seine junge Frau bat ihn, recht bald wiederzukommen.

»Nun, du wirst dich doch nicht fürchten?« erwiderte der Gatte. »Großmütterchen« – so pflegte nämlich das Ehepaar die Alte zu nennen, sooft von ihr die Rede war – »Großmütterchen ist ja bei dir.« Mit diesen Worten verließ der junge Ehemann die Stube.

Die Frau blieb zurück, setzte sich am Tisch nieder und schaute unverwandt der Arbeit des Mütterchens zu, das auch heute wieder erschienen war. Plötzlich rief sie: »Großmutter, Ihr spinnt ja nach links herum!«

»Meine Tochter,« gab ihr die Alte zurück, »ich danke dir; mit diesen Worten hast du mich erlöst. Zum Lohne aber für die Wohltat, die du mir erwiesen hast, tue ich dir kund, daß hier unter diesen Steinen, auf denen mein Schemel und mein Spinnrocken stehen, ein Topf mit vielem Gelde verborgen liegt. Grabe ihn aus, doch so, daß dein Mann nichts davon sieht, und verbirg ihm das Geheimnis, das ich dir anvertraut habe, bis zum dritten Tag; dann wird euch der Schatz zu glücklichen Leuten machen.«

Damit ergriff das Mütterchen Schemel und Spinnrocken und verließ das Zimmer, um nie wieder zu erscheinen. Das junge Ehepaar aber gelangte von da an zu Wohlstand und Glück.

 


 

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