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Sagen aus Brandenburg

: Sagen aus Brandenburg - Kapitel 3
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titleSagen aus Brandenburg
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Die drei Blutstropfen

Es lebte ungefähr zur Zeit der Regierung des Großen Kurfürsten ein Brauer in der Lindenstraße, der besaß dreierlei: ein gutes Bier, einen Batzen Geld und eine hübsche Schenkin. Freute sich auch, daß letztere so keusch und sittsam war, daß sie sich auf die Liebesbeteuerungen der Gäste nicht einließ, denn er begehrte das schöne Kind selber zur Ehefrau. Aber als er damit Ernst machen wollte, ging's ihm wie den andern, das Mädchen lachte ihn aus und wies ihn ab. Da schlich er sich zu nächtlicher Zeit in des Mädchens Kammer, wollte sie durch gleißendes Gold betören und gebrauchte schließlich Gewalt, um den Widerstand der schönen Schenkin zu brechen. Die aber entfloh vor ihm und sprang in ihrer Angst zum Fenster hinaus auf den Hof. Als der Brauer ihr nacheilte, war sie verschwunden, aber die Stelle, wo sie herabgesprungen, war durch drei Blutstropfen gekennzeichnet. Haß und Rache füllten nun das Herz des Brauers. Er schlug Lärm, behauptete, er sei von seiner Schenkin bestohlen worden und wies auf die Goldstücke hin, die in ihrer Kammer gefunden wurden, die er selbst aber dort zurückgelassen hatte. Das Mädchen wurde erwischt und nach kurzem Prozeß zum Tod verurteilt. Als man sie noch einmal nach dem Hof ihres früheren Brotherrn führte, rief sie aus: »Diese drei Blutstropfen werden für mich zeugen, wenn ich unschuldig sterben muß.« Und so geschah es auch. Die Blutflecken blieben sichtbar, so sehr sich auch der Brauer, von Gewissenspein gequält, bemühte, sie fortzuschaffen. In der Nacht erhob er sich von seinem Lager und wusch und scheuerte auf dem Hof herum, bis ihm Arme und Beine schmerzten und er sich kaum halten konnte von Ermattung. Aber auch in nächtlicher Stunde leuchteten ihm die drei Blutstropfen wie flammende Wahrzeichen entgegen, also daß er keine Ruhe mehr finden konnte bei Tag und Nacht. Da entschloß er sich, den ganzen Hof neu pflastern zu lassen. Die Steine mit den Blutstropfen hob er selber heraus, nahm sie in den Keller und zerschlug sie mit einem großen Hammer. Nun hoffte er Ruhe zu haben sein Leben lang. Als er aber am andern Morgen erwachte, sah er auf der Straße viele Gaffer vor seinem Haus stehen, hörte auch laute Verwünschungen gegen sich aussprechen. Er eilte auf die Straße und gewahrte zu seinem Schreck die drei Blutstropfen an der weißgestrichenen Wand des Hauses. Da packte ihn die Verzweiflung und in der Nacht stieg er zum Fenster hinaus auf ein Gesims und versuchte, mit den Nägeln die Blutflecken abzukratzen. Als es ihm aber nicht gelang, hob er verzweifelnd die Hände zum Himmel, verlor den Halt und stürzte auf die Straße. Dort fand man ihn am andern Morgen tot, mit zerschmetterten Gliedern. Die drei Blutstropfen aber verschwanden erst mit dem Abbruch des Hauses.

 


 

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