Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Böhmen

: Sagen aus Böhmen - Kapitel 35
Quellenangabe
titleSagen aus Böhmen
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Die Verwünschung am Dreisesselberg

Der Dreisesselberg oder die Dreisteinemark ist ein 1336 Meter hoher Gipfel des südlichen Böhmerwaldes, da, wo Böhmen, Bayern und Österreich zusammenstoßen. Sein Gipfel besteht aus Granitblöcken, die als Krönung drei Spitzen bilden. Sie haben die Form von Sitzen und jeder von ihnen bietet die Aussicht in eines der drei Länder. Es heißt, daß in heidnischer Zeit die Könige von Böhmen, Bayern und Österreich sich diese Sessel aus dem Fels heraushauen haben lassen, wobei sie übereingekommen seien, daß der Bayer gegen Westen, der Böhme gegen Osten der Österreicher aber gegen Süden sich niedersetzen sollte. So viel Land dürfe er dann in Anspruch nehmen soweit sein Blick reichte. So teilten sie also die Länder unter sich. Den Abend dieses denkwürdigen Tages sollte ein Festschmaus beschließen, und man sandte Diener aus, damit sie aus dem See unterhalb des Berges, der fortan der Dreisesselberg hieß, Forellen holen sollten. Wie sie nun das Netz in das Wasser warfen, drängten sich die Fische in großer Menge heran, und bald hätten sie das Netz gar nicht mehr hochheben können, so schwer war es von der zappelnden Last. Die Knechte stutzten, als sie die Fische sahen, denn sie waren rotgefleckt um das Maul, und dann und wann sprühten auch Funken aus ihren Schuppenleibern. Es wurde ihnen bange, und am liebsten hätten sie die Fische, die gar nicht aussahen wie Forellen, der Flut zurückgegeben, aber sie fürchteten, ihre Herren würden ihnen nicht glauben. Also trugen sie ihre Last zur Bergspitze hoch, entzündeten dort ein Feuer und setzten einen Kessel mit Wasser darüber. Dahinein warfen sie den Fang. Die Könige hatten ihre steinernen Throne verlassen, um sich zum Mahl zusammenzusetzen. Doch die Fische, statt im Wasser zu garen, wurden dort erst recht lebendig, und je stärker es im Topf brodelte, desto lustiger wurden sie, sprangen hoch und sangen ... ja sangen, wie Menschen singen, und manchmal gaben sie auch Töne von sich, die sich wie das Sausen der Windsbraut anhörten. Da rief der böhmische König, die Diener sollten die Fische zurückbringen in den See, und er verwünschte das blühende Land. Statt Ähren wuchsen dort nun fortan Bäume, und so entstand der Böhmerwald.

 


 

 << Kapitel 34  Kapitel 36 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.