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Sagen aus Bayern

: Sagen aus Bayern - Kapitel 6
Quellenangabe
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Der Teufelsgrund

Zwischen Steinbach im Kahlgrunde und der Oberschur zieht ein kleiner Grund gegen die Kahl, der fast ringsum von Wald umgeben ist und wild genug aussieht. Er heißt jetzt der Teufelsgrund und die Mühle darinnen die Teufelsmühle.

Vor langen Jahren, ehe die Teufelsmühle gebaut war, standen in dem Teufelsgrunde einige kleine Hütten. Die Leute sagten: sie seien von Zigeunerinnen bewohnt, aber niemand sah diese Zigeunerinnen; in die Hütte selbst mochte aber auch niemand gehen.

Es kam ein neuer Jäger aus dem hohen Spessart in den Kahlgrund. Der hörte auch von den Zigeunerinnen erzählen und meinte, wer sich im hohen Spessart vor dem wilden Jäger nicht gefürchtet habe, brauche auch kein Zigeunerweibchen zu scheuen, zudem die Zigeunerinnen, wenn auch ziemlich schwarz, doch meist lieblichen Antlitzes seien. Er dachte ihnen deshalb seinen Besuch zu und betrat, sobald ihn der Weg vorüber führte, eine der Hütten – sie war leer, so auch die zweite, dritte und vierte. Der Waidmann war nun überzeugt, daß die Erzählung von den Zigeunerweibchen nur eine Erfindung müßiger Leute sei und dachte nicht mehr daran.

Einige Zeit danach befand sich der Jäger in einem Walde unfern des Teufelsgrundes, als ein fürchterliches Wetter hereinbrach. Der Wind heulte, daß man sein eigenes Wort nicht hörte, der Regen fiel in Strömen vom Himmel, und es ward so finster, daß man jeden Augenblick in Gefahr war, an einen Baum zu laufen. Der Jäger erinnerte sich der leeren Hütten und nahm seine Zuflucht in eine, um das Unwetter abzuwarten. Gegen draußen war es in dem Hüttchen ganz behaglich; der Jäger machte sich ein Lager zurecht und schlief bald ein.

Um Mitternacht erwachte er von einem Geräusche um sich her; als er die Augen aufschlug, glaubte er zu träumen: das ganze Hüttchen war mit einer unzählbaren Menge Weiblein angefüllt, aber das waren keine rundwangigen, schwarzäugigen Zigeunermädchen, sondern erdfahle kleine Ungeheuer mit unförmlichen Köpfen und Affengesichtern. Eben hatten auch sie den Jäger wahrgenommen und nun fielen sie ihn wütend an. Sie kneipten, bissen und zerkratzten den Mann, der sich der Menge nicht erwehren konnte, dergestalt, daß kein heiler Fleck an seinem Leibe blieb und trieben dieses Unwesen, bis der erste Hahnenschrei erscholl; dann waren sie verschwunden.

Der Jäger dankte Gott, daß er mit dem Leben davongekommen, hat aber die Hütten in der Folge nie mehr betreten und lieber einen Umweg gemacht, als daß er auch nur an ihnen vorbei ging.

 


 

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