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Sagen aus Bayern

: Sagen aus Bayern - Kapitel 129
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titleSagen aus Bayern
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Tiere reden in der Christnacht

Der Wolfbauer war ein Mann, der nicht nach altem guten Brauch gehaust hat, sondern alles besser machen wollte als sein Vater und Ahnherr und Urahnherr, die doch die reichsten Bauern in der Gegend gewesen sind. Er las Zeitungen, disputierte mit dem Herrn Pfarrer, sagte zu seinen Ehehalten, man brauche des Pfarrers Predigt und Messe nicht, man könne sich zu Hause mit Gott unterhalten, und stak immer in Prozessen. Der nun in seinem freventlichen Übermut hielt die Geister und alles Überirdische für eitel Lug und Trug und wollte seine Gedanken bei Gelegenheit an den Tag kommen lassen. Da war Christnacht, wo das Vieh um die zwölfte Stunde miteinander redet. Aber sein Mutwille wurde hart bestraft. Der Wolfbauer legte sich im Trunke unter den Barn, wo seine liebsten Ochsen, der Müller und Ruckl, angebunden waren, und freute sich schon im stillen, wie er den Glauben an Geister niederschlagen werde. Als es zwölf Uhr schlug, da hub der Ruckl an: »Schau, Müller! Tut mich recht erbarmen unser Bauer; heut über acht Tag müssen wir ihn auf den Friedhof fahren.« Darauf sagte der Müller: »Ja, ist mir auch ganz zuwider; er ist alleweil so brav gegen uns gewesen; keinen Schlag hat er uns gegeben, und Futter und Ruhe hat er uns genüglich gelassen.«

»Wart, wart! Ich will euch die Faxen austreiben«, schrie der betrunkene Bauer, »ihr sollt mich gewiß nicht in die Grube bringen.« Und gleich in der Frühe verkaufte er die Ochsen an einen andern um ein Spottgeld, nur daß er sie wegbrachte.

Aber eine Viehseuche entstand und raffte alles Vieh des Bauern und seiner Nachbarn hin bis auf die zwei Stierlein, die dem FrevIer sein Ende vorhergesagt. Sogar der Wolfbauer, der viel mit dem kranken Vieh umging und durch Menschenklugheit dem Verderben Einhalt tun wollte, wurde von der bösen Seuche ergriffen und starb, ganz wie es ihm die Tiere in der Christnacht prophezeit hatten, und, da kein ander ›Mähnt‹ da war, weil die Seuche alles Vieh weggerafft hatte, so zogen der Ruckl und der Müller des ungläubigen Bauern Bahre auf den Gottesacker, acht Tage nach jener Begebenheit im Stalle.

 


 

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