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Sächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen

Josef Haltrich: Sächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen - Kapitel 56
Quellenangabe
titleSächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen
authorJosef Haltrich
sendernoname@abc.de, hille@abc.de
typefairy
firstpub1856
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55. Die Geschenke der beiden Liebhaber

Es war einmal ein schönes Mädchen, das hatte zwei Liebhaber, von denen war der eine reich, der andere arm. Jeder aber dachte bei sich und sagte zum andern: »Es wird mich lieber haben, es wird mich lieber haben!« Da beschlossen sie, jeder solle ihr ein Geschenk kaufen, und der solle sie bekommen, dessen Geschenk von ihr mehr geschätzt würde. Der Reiche kaufte nun einen schönen und teuern Rock, der Arme aber ein Paar neue Schuhe. Als am nächsten Sonntag das Mädchen in die Kirche ging, paßten schon die beiden Liebhaber. Es war aber sehr kotig, und so hatte das Mädchen, wie es ja zu geschehen pflegt, bis zur Kirche sich den Rock aufgehoben, um ihn nicht zu bespritzen. Da lachte schon der Reiche im Herzen, als er sah, wie besorgt sie um sein Geschenk war. Aber vor der Kirchtüre stand das Mädchen nur einmal still, bückte sich und wischte mit dem Rocksaum den Kot von den neuen Schuhen hübsch ab. Als der Arme das sah, frohlockte er und sprach: »Ich habe gewonnen!« Der Reiche ließ die Nase hängen und machte sich fort, und so bekam jener das Mädchen. Wißt ihr nun, warum die Mädchen so lange vor der Kirchentüre stehen? Um ihren Liebhabern zu zeigen, ob ihnen ihr neuer Rock oder die neuen Schuhe besser gefallen.

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