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Russische Volksmärchen

Anton Gotthelf Dietrich: Russische Volksmärchen - Kapitel 21
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titleRussische Volksmärchen
publisherWeidmann'sche Buchhandlung
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translatorAnton Dietrich
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Anmerkungen.

Zum ersten Märchen.

Die Urschrift ist in Oktav mit gewöhnlichen russischen Buchstaben einzeln gedruckt, und nicht mit Bildern verziert.

Hackebret, liegende Harfe, russisch Gußli.

Erdwall. Um viele Häuser der untern Klassen in Rußland, namentlich um Bauerwohnungen, befindet sich ein Erdwall, der unmittelbar am Hause anliegt, ohngefähr 1 1/2 Elle hoch und 1 Elle breit ist, und von einer einschließenden Bretwand festgehalten wird. Er dient dazu, um das Erdgeschoß gegen die eindringende Nässe und Kälte zu schützen.

Zum zweiten Märchen.

Die Urschrift ist, wie die des ersten Märchens, einzeln ohne Bilder in Oktav gedruckt, mit guten neuen Buchstaben. Das Märchen soll neuern Ursprungs sein, ist aber in Rußland schon ziemlich verbreitet.

König Filon wird an einigen Stellen der Urschrift auch Fedron genannt; das Eine oder das Andere ist wahrscheinlich ein Gedächtnißfehler des Schreibers. Hier kommt nichts darauf an.

Die alte Zauberin peitscht den Prinzen Astrach in der Badestube nach russischer Sitte mit Birkenzweigen, an denen die Blätter noch befindlich sind, um die Haut geschmeidig zu machen, und die Ausdünstung zu befördern, die man nach dem Gebrauche des Dampfbades im Bette abwartet.

Zum dritten Märchen.

Die Urschrift ist in Quart ziemlich undeutlich gedruckt und mit Bildern ausgestattet. Sarg, der Name des Vaters der schönen Helene, ist hier nicht Uebersetzung, obschon er sonst in Rußland nicht gebräuchlich ist.

Zum vierten Märchen.

In einigen Theilen hat dieses, so wie das zehnte Märchen (Bulat, der brave Bursche), große Aehnlichkeit mit dem englischen Volksmärchen »Robert, der Teufel« (vergl. Alt-Englische Sagen und Märchen nach alten Volksbüchern, herausgegeben von William J. Thoms. Deutsch und mit Zusätzen von R. O. Spazier. 1 Bdchen. Braunschw. 1830.). Die Urschrift ist in Quart mit Bildern schlecht gedruckt.

Der Spruch, mit welchem Ritter Iwan das Heldenroß herbeiruft, ist in der Urschrift nicht ganz verständlich. Siwka Burka ist ohne Zweifel der Name des Rosses und bezeichnet zugleich dessen Farbe. Siwka ist nicht mehr im Gebrauch, Siwost aber heißt die schwarzgraue Farbe im Allgemeinen, und unter Siwisna versteht man die gräuliche Farbe der Pferde in's Besondere. Mit diesen Worten ist Siwka verwandt, Burka ist ein kurzer Filzmantel, wie man ihn im südlichen Rußland in Gebrauch hat; hier kann sich dieses Wort nur auf die Farbe beziehen, und Siwka Burka würde somit ein schwarzgraues Pferd bezeichnen. Damit steht aber das Folgende im Widerspruch, wo das Heldenroß ein Lichtfuchs genannt wird, denn das in der Urschrift stehende Wort Kaurka () bezeichnet ein Pferd von hellrother, ins Gelbliche fallender Farbe: Frühlings-Lichtfuchs, d. i. ein im Frühling geborner Lichtfuchs, heißt es, um auf seine Stärke und Kräftigkeit hinzudeuten, da bekanntlich die Frühlingsfüllen besser gedeihen, als die später gebornen.

Zum fünften Märchen.

Das einzeln mit Bildern in Quart gedruckte Volksbüchlein, welches dieses Märchen enthält, gibt in der zweiten Hälfte die Erzählung desselben nur sehr unvollständig. Ich ließ sie deshalb von meinem Bedienten ganz in der einfachen Weise, wie sie im Munde des Volkes lebt, ergänzen, und nach dieser weiteren Ausführung theile ich sie hier mit, ohne in seiner schlichten Darstellung etwas geändert zu haben. Doch beziehen sich diese Ergänzungen nur auf die zweite Hälfte des Märchens; die Uebersetzung der ersten folgt genau der gedruckten Urschrift.

Zum sechsten Märchen.

Ein allbekanntes und sehr beliebtes russisches Märchen, hier nach einem einzeln auf acht mit Bildern gezierten Quartblättern gedruckten Volksbüchelchen übersetzt. Ein russischer Heldengesang, welcher in der von dem Kosaken Kirscha Danilof veranstalteten Sammlung allrussischer Gedichte befindlich ist, behandelt ebenfalls die Abenteuer des Muromer Helden Ilija.

Murom, eine Stadt im russ. Gouvernement Wladimir, Hauptstadt eines Bezirks, auf einem Gebirge am Ufer der Oka. Ihr Ursprung fällt noch in die vorgeschichtliche Zeit Rußlands. Die dichten Wälder, welche sich in der Nähe befanden, spielen sowol in den Volkssagen und uralten Ueberlieferungen der Russen, als auch in den Erzeugnissen ihrer neuern Dichter, eine wichtige Rolle. Auch jetzt denkt man sich noch bei diesen Wäldern, welche bereits ganz ausgemessen und in Hufen eingetheilt sind, wie der Dichter Sagostin sagt, einen

Aufenthalt von Hexen, Wölfen,
von Räubern und von bösen Geistern.

Der Brianskische Wald, in dem der Räuber Nachtigall (russisch Solowei) auf sieben Eichen sein Nest hatte, ist in der Nähe des Städtchens Briansk im Gouvernement Orel, zwischen Tschernigof und Kiew. Noch jetzt gibt es in dieser Gegend treffliche Holzungen.

Zum siebenten Märchen.

Die Sage von Vowa Korolewitsch ist eine der bekanntesten in Rußland. Fast jeder Russe, der Vornehme, wie der Geringe, entsinnt sich ihrer als eines Märchens, das er in frühester Jugend von der Mutter oder Amme gehört. Sie ist in zwei Ausgaben gedruckt, einer größern und einer kleinern. Der hier gegebenen Uebersetzung liegt die ausführlichere Bearbeitung der Sage zu Grunde, die mit ziemlich guten Bildern ausgestattet und weit besser gedruckt ist, als die gewöhnlichen Ausgaben dieser Märchen zu sein pflegen. Ich kann nicht sagen, welche von beiden Ausgaben die ursprüngliche ist; im Munde des Volkes scheint nur die hier mitgetheilte vollständigere Erzählung zu leben.

Ritter Polkan, welcher in dieser Sage eine wichtige Rolle spielt, kommt schon in dem Märchen vom Ritter Iwan, dem Bauersohne, vor. Obschon dort nicht gesagt wird, daß Polkan die Gestalt eines Kentauren gehabt habe, welche ihm die gegenwärtige Sage gibt, so wird er doch in den Bildern, die jenes Märchen in der Urschrift begleiten, als solcher dargestellt. Beide Märchen stehen indeß in keinem innern Zusammenhang, und jedes bildet ein selbstständiges Ganzes für sich. So ist auch Polkan's Todesart in beiden ganz verschieden. Spiel der Sage, welche die Willkür liebt.

Salz und Brod bei mir zu essen, d. h. mit meinem Tische vorlieb zu nehmen. Noch jetzt laden die Russen oft auf diese Weise Gäste zu sich ein. Salz und Brod ist auch eine gewöhnliche russische Begrüßungsformel, die man (wie unser »Gesegnete Malzeit«) gebraucht, wenn man die, welche man besucht, bei Tische trifft. Auf den Gruß der Eintretenden »Salz und Brod!« antworten die Begrüßten: »Wir bitten um Vergunst.«

Zum achten, neunten und zehnten Märchen.

Die Urschriften dieser drei Märchen sind auf einzelnen Blättern gedruckt und mit Bildern versehen, die ersten beiden in Quart, letztes in Oktav.

Zum elften Märchen.

Diese Volkssage scheint neueren Ursprungs zu sein, und gehört nicht zu den allgemein verbreiteten. Sie ist einzeln in Oktav mit guten neuen Buchstaben in der Urschrift gedruckt.

Da bei dem Zaren nicht Bier gebraut, nicht Branntwein gebrannt wird. – Eine russische Redensart: der Zar hat Alles vorräthig, es braucht nichts erst zubereitet zu werden. Demnach soviel als: Da Alles angeschickt war, da es keiner Vorbereitungen bedurfte.

Zum zwölften Märchen.

Ein wahrscheinlich ebenfalls neues Märchen, das nicht sehr verbreitet zu sein scheint. Die äußere Ausstattung desselben in der Urschrift entspricht ganz der des vorigen Märchens.

Zum dreizehnten Märchen.

In mancher Hinsicht abweichend von dem gewöhnlichen Geiste der russischen Märchen, doch wurde mir versichert, es sei echt russisch. Druck auf einzelnen Quartblättern mit Bildern.

Starosta, Dorfältester, Schulze.

Die Neigung, auf dem Ofen zu liegen, theilt die Mehrzahl der russischen Bauern mit dem Narren Emeljan. Die Oefen sind sehr groß und behalten die Wärme lange; darum dienen sie auch im Winter zur Schlafstelle für ganze Familien, die bei dem Mangel an Federbetten und guten Matratzen ein warmes Lager zu suchen genöthigt sind. Um den Raum zu erweitern, legt man ohngefähr in der Mitte der Stube unmittelbar neben dem Ofen Breter, auf besonders dazu angebrachte Balken. Auf diesen Bretern, welche im Sommer wieder weggenommen werden, liegen die Kinder und in müßigen Minuten die Erwachsenen fast den ganzen Tag.

Zum vierzehnten Märchen.

Dieses Märchen, welches man auch nicht mit Unrecht in's Gebiet der Fabel verweisen könnte, ist uralt und so bekannt, daß das Schemjaksche Urtheil zum Sprichwort geworden ist, dessen man sich noch heute häufig bedient, um den Ausspruch eines bestechlichen Richters zu bezeichnen. Prof. Snogiroff, welcher die Märchen nach ihrem Inhalte verschiedentlich eintheilt, rechnet es zu dem satinischen. Schemjaka ist übrigens auch eine geschichtliche Person; er war ein durch Grausamkeit sich auszeichnender Großfürst von Rußland und herrschte um das Jahr 1446. Die Urschrift dieser Erzählung, welche ich der Güte des Prof. Snegiroff verdanke, ist auf einen Bilderbogen von gewöhnlicher Größe gedruckt und mit den Bildern in acht Felder vertheilt.

Zum fünfzehnten Märchen.

Muthmaßlich ein ursprünglich französisches Märchen, jetzt aber in der hier gegebenen Form ganz in Rußland eingebürgert. Die Urschrift ist auf einzelnen Quartblättern mit Bildern fehlerhaft gedruckt.

Zum sechszehnten Märchen.

Die Urschrift ist auf neun Quartblättern mit Bildern gedruckt.

Zum siebzehnten Märchen.

Die Urschrift dieses sehr beliebten und verbreiteten Märchens ist auf zwei und dreißig Quartblättern gedruckt und mit Bildern geziert. Die Platte hat immer zwei Blätter oder einen halben Bogen zugleich bedruckt; am Ende des letzten Blattes steht die Jahrzahl 1822. Der Erzähler dieser Volkssage hat einige Zeichnungen darin angelegt und unausgeführt gelassen, die zu recht guten weitern Entwickelungen und Beziehungen hätten verbraucht werden können. Rätselhaft und zwecklos ist die Erscheinung des kleinen alten Mannes, welcher den jungen Jeruslan Jeruslanowitsch vom Pferde bläst; wenn es nicht etwa die Absicht des Erzählers war, den Hochmuth des jungen Helden dadurch zu demüthigen, daß er ihn durch einen scheinbar ganz unbedeutenden und schwachen Greis mit leichter Mühe besiegen läßt. Ebenso erfährt man nicht, was aus der von Jeruslan Lasarewitsch begünstigten Prinzeß Legia wird, welche er auffordert, furchtlos auf dem freien Felde zu bleiben, indem er ihr das Versprechen gibt, sich bald wieder bei ihr einzufinden. Er erfüllt sein Versprechen nicht, und es wird ihrer überhaupt nicht wieder gedacht. Unerwähnt darf nicht bleiben, daß sich in der Urschrift einige nicht echt russische Wortfügungen befinden.

Er legte den Filz unter sich: den Filz, der unter den Sattel als weichere Unterlage gebreitet wird, damit sich das Pferd nicht wund reibt.

Posadnik. An der Spitze der Verwaltung in manchen russischen Städten stand vor Zeiten der Stepennoi Posadnik. Wer ein Mal dieses Amt bekleidet hatte, behielt sein Leben lang den Titel eines Posadnik's oder wurde auch Staroi Posadnik (alter Posadnik) genannt; er konnte auch wieder Stepennoi Posadnik werden, wenn ihn der Rath aufs Neue zu dieser Würde wählte.

O meine rothe Sonne! Ein noch jetzt in Rußland unter dem gemeinem Volke sehr gewöhnlicher Liebkosungsausdruck. An ähnlichen schmeichelnden Redensarten ist die russische Volkssprache überaus reich.

Frei-Zar, freier Zar ist ein Zar, der keinem anderen Herrscher tributpflichtig ist.

Druckfehler lt. Liste die hier folgte korrigiert. Re.

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