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Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht - Kapitel 75
Quellenangabe
typefiction
booktitleRuhe ist die erste Bürgerpflicht / I. Band
authorWillibald Alexis
year1996
publisherManuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG
address45611 Recklinghausen
titleRuhe ist die erste Bürgerpflicht
pages3-6
created19991228
sendergerd.bouillon
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Achtzehntes Kapitel.
Der Weg zum neuen Leben.

Von der düster brennenden Kerze war ein verglimmendes Dochtstück nach dem andern gefallen; hier ohne Schaden auf die Marmorplatte des Tisches. Auch war es nicht dunkel im Zimmer, der Mond und das dämmernde Morgenlicht erhellten es. »Das ist mein Vaterland«, murmelte Louis, in das Licht starrend.

Adelheid fühlte wunderbare Kraft; er schien zerknickt. Mit wie leuchtenden Blicken er auch ihren Reden zugehört, das Leuchten verschwand allmählich, das Auge ward matt, ein wehmütiges Lächeln spielte um seinen Mund, und die Augenwimpern senkten sich wie die eines Einschlummernden.

Und sie hatte doch, eine begeisterte Prophetin, gesprochen. Den Weg zum neuen Leben hatte sie ihm gezeigt – es gab nur einen – das Vaterland.

Die angebornen Bande knüpfe fest,
Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an,
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft,
Dort in der fremden Welt stehst du allein,
Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.

Und das eine Vaterland war ein größeres geworden. Er war nicht heut erst der Gegenstand ihres Gesprächs. Warum hatte Louis immer durch ein stilles Nicken, was ebensogut dem schönen Munde und den schönen Worten galt, geantwortet? Er seufzte tief auf:

»Wo ist denn Deutschland?«

»Ich spreche nicht von dem Traum hinter uns, Lieber«, sagte sie lächelnd, »nicht vom Kyffhäuser und der Kaiserherrlichkeit. Du mokierst dich darüber. Das deutsche Vaterland liegt vor uns –«

»Das Walter dir malte«, unterbrach er.

»Walter und Hunderte und Tausende unserer Edelsten!«

»Was in der eignen Brust des Schwärmers lebt, überträgt er auf die Millionen Kreaturen, in denen nichts lebt als der Gedanke, wie sie morgen satt werden.«

»Als wüßte ich nicht, wie du voriges Jahr in edler Begeisterung selbst deinen Vater aufwecktest!«

»Damals! Seitdem – Gib die Hoffnung auf. – Dies Volk erwacht nicht wieder, es ist kein Volk. – Deutschland ist ein Traum der Dichter!«

»Und eben floß Palms Blut dafür. Es raucht zum Himmel.«

»Und ist übermorgen vergessen.«

»Überall knirscht die verhaltene Entrüstung. Greise, Knaben, schwache Frauen, kannst du ihre Stimmen verleugnen, die Tränen der Wut, die am stillen Herde geweint werden!«

»Ich hörte sie, ich sah mehr als du; sie schnitten Pfeifen aus dem Rohr, mit den Trompeten sollten sie's aufnehmen, sie sprangen auf die Bänke, einige, und ihre Fäuste zerdrückten in der Luft den Eroberer; die andern brüllten dazu und stampften das Seidel auf das Brett. Wenn man uns nur ruft! Pamphlete über Pamphlete, von den Kanzeln donnerte es, Schmähworte, Verwünschungen – heute! – Übermorgen sah ich sie wieder, er war als Sieger eingezogen. Sie hatten die Dächer ausgehoben, ihn zu sehen. In den Schenken war auch nur eine Stimme – der Bewunderung: die herrlichen Bärenmützen, die Bärte der Sappeurs, nein, das war ganz anders als bei uns. Die Einquartierung so liebenswürdig, sie hatte nicht den Teller zum Fenster hinausgeworfen, sie hatte ein Kind auf den Armen gewiegt; oh, es waren prächtige Menschen, verleumdet, sie hielten Mannszucht. Die Jungen, die die Pfeifen geschnitten, machten ihre Exerzitien nach. Wo gab es bei den Deutschen einen Tambourmajor!«

»Das ist ein Pasquill auf den Pöbel überall.«

»Der in Frankreich war ein anderer. Oh, die gepuderten Ehrenmänner! Gute Deutsche, sangen sie Claudius' Rheinweinlied, und die Augen gingen ihnen über, aber – aber nachher sah ich sie anders. Die Verhältnisse waren ja auch anders. Solange es ging, war es gut, was aber nicht mehr geht, ist nicht mehr gut. Man muß nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen. Wer nicht beizeiten nachgibt, hat nachher das Zusehen. Und im Grunde genommen, was ist es denn, was ein guter Bürger braucht? Ruhe und Ordnung, Handel und Wandel. Dafür zahlt er seine Steuern. Was kümmert's ihn, an wen!«

»Sind die Krämer die Nation?«

»Wenn du Pöbel, Alltagsseelen und Kaufleute davon nimmst, was bleibt vom Volk? Oh, erinnere mich nicht daran. Ich habe auch die andern kennengelernt. Da in den Ameisenhaufen, wie sie rannten, einer über den andern, um zu retten – sich! Das war ein Wirbelsturm der Angst, wer zuerst ankomme. Nur die Fahne des Vaterlandes brauche es aufzupflanzen, meinten unsere Freunde, ein Trompeter daneben, und die Deutschen würden in hellen Haufen heranbrausen, ›Waffen!‹ schreien. Die gute Fahne wäre zur Vogelscheuche geworden, sie wären in ihre Verstecke gelaufen, wie vor einem Pestzeichen. Nein, ich hörte Hüons Horn, der Kaiser der Franzosen stieß hinein, und sie tanzten sich rasend, tot. Wer das mit ansah, Adelheid, dieses Kriechen, Antichambrieren, diese Botschaften der kleinen Hohen und Höchsten, wie sich jeder entschuldigte, seine Veneration auf dem Präsentierteller vor dem Unüberwindlichen hinhielt, wie er den andern fortstieß, verredete, denunzierte, wie er, kaum daß er die Unterwerfung unterzeichnet, auch schon um die Belohnung petitionierte! wie sie, die Stolzen, Hochgemuten, mit Ahnen von Odin und aus dem Cheruskerwalde, seinen Satrapen um die gestickten Rockschöße tänzelten, froh eines Händedrucks, und wenn sein Vater auch ein Stallknecht gewesen! Ihre Elsteraugen verschmerzten auch einen Sporentritt um die Erlaubnis, mit zugreifen zu dürfen, wo sie ausgeschüttet lagen, zu Füßen des Giganten, die Klöster, Stifte, Städte, Schlösser, Abteien. Oh, wie er lächelte, das gelbe, schöne Gesicht mit den klugen, durchdringenden Augen, als er mit der Fußspitze ihnen die Erlaubnis zustieß und sie stürzten hin und rafften. ›Waren das meine Feinde!‹ sprach der Apoll mit dem Satanslächeln. Wer das sah –«

»Oh weh«, seufzte Adelheid mit abgewandtem Gesicht, »er hat auch den Glauben an sein Vaterland verloren.«

»Klage die Grüfte an!« sprach er dumpf vor sich hin. »Die da haben's verschuldet.«

Sie sah ihn mit tiefer Wehmut an, und eine helle Träne fiel aus ihren Wimpern. Sie galt nicht dem Vaterlande. Saß er nicht da wie eine schöne Ruine, ein Verschwender am letzten Rest seiner Habe! – Mit geknicktem Glauben und ohne Hoffnung! Aber er war ja noch krank!

»Der Erzherzog Karl war einst dein Held! Noch lebt er.«

»Es lebt nur einer«, rief er aufstehend – »er, der Gigant, vor dem diese Misere daliegt, wie das Blachfeld vom höchsten Turm gesehen. Er wird ihr Wohltäter werden, nicht wie unsere Philantropen faseln, nicht weil er sie erheben, verständiger, besser, glücklich machen, weil er die Qual ihres Daseins enden wird. Wer, die nicht glauben können, schnell sterben läßt, ist ihr Wohltäter. Sein Siegeswagen mit schnaubenden Rossen wird über die Staaten und Throne rasseln, und die zerbrochenen Zepter liegen wie Spreu an den Landstraßen. Was bauten sie die Throne nicht fester, warum stahlen sie der Sonne Schein, um ihre Kronen zu vergolden! Beim feuchten Herbstwinde kommt das schlechte Metall zum Vorschein. Warum brauchten sie die Stäbe nicht als weise Richter, warum als Korporalstöcke! Warum ward die Weisheit schimmlig, die Kraft stockig? Ihnen geschieht recht und den Völkern. Zum Kehraus wird geblasen, mit Posaunen, Pauken und Kanonen. Er ist der Mann dazu, seine Seele Stahl. Die Weichherzigen, die Gemütlichen haben ausgespielt; die Menschheitstränen sind in den Sumpf gefallen, aus dem kein reiner Bach mehr entspringt; es muß wettern, blitzen, donnern, daß das Unterste sich zuoberst kehrt. Meine Seele jauchzt, ein Weltgericht ist im Anzug und das neue Evangelium in Blut und Brand getauft.«

Adelheid erschrak nicht, es zuckte ein Freudenstahl in ihrem Auge. Das war ja das Schütteln eines Fiebers. Louis zitterte, indem er den Rock vor der Morgenluft sich zuknöpfte; aber ein hitziges Fieber bringt eine Krisis hervor, das schleichende nur ist ohne Hoffnung. Stahl war noch in dieser Seele.

»Du bis für ihn begeistert?« sprach sie rasch.

»Du bist ein freier Mann«, fuhr sie fort, als er schwieg. »Senke nicht den Blick, ich erschrecke nicht darüber, ich freue mich, daß du begeistert bist. Louis Bovillard, ist das französische Blut in dir erwacht? Du begehst dann kein Verbrechen, wenn du das erworbene Land deiner Väter abstreifst, wo dich nichts mehr fesselt, du kehrst zurück in das Land deiner Vorfahren. Siehst du da nur Leben, Rettung, für einen großen Gedanken, für dich, oh, so zaudere nicht, aber offen, ehrlich, kehre dahin zurück, zu ihm, den du für einen Heros und Heiland hältst, schlürfe den Feueratem ein aus seiner mächtigen Brust, diene ihm, wie du willst, du wirst in jeder Gestalt willkommen sein, und lebe auf als Mann.« – Er schwieg noch immer. – »Dein Vater hat es dir ja leicht gemacht. Er hat seine französischen Erinnerungen wieder ans Licht gezogen, so etwas gefällt jetzt an Napoleons Hofe.«

Er schwieg noch immer, dann brach es heraus: »Ich kann ihn aber nicht lieben.«

»Aber Louis, du bist ein Mann. Ein Mann muß lieben oder hassen; in wetterschweren Zeiten darf er nicht die Hände in den Schoß legen, abwarten, was kommt. Mein innig Geliebter, du darfst nicht unter die Alltagsmenschen versinken. Dein edles Selbst darf nicht untergehen in dem Schwarm, den du verachtest; nein, aufrichten sollst du dich, stärken am Anblick der Jämmerlichen, deren Unentschiedenheit das Elend über uns gebracht. Du mußt dich entscheiden; hast du gewählt, oh, dann wird der Funke wieder sprühen, er wird dich drängen zum Handeln. Wo du wählst, ich folge dir.«

Er hielt seine Hand auf ihre Stirn: »Wäre ich Sachse gewesen, und hätte den großen Karl bewundert, ich glaube doch nicht, daß ich gegen mein Volk streiten könnte.«

Ihr Auge blickte ihn freudig an.

»In dieser Luft bin ich, sind meine Väter geboren, in diesen Sitten, Gewohnheiten sogen sie das Leben ein, zeugten ihre Kinder. Wir erwarben ein Vaterland, und es hat uns erworben. Ich hätte in den Reihen der Sachsen gestritten, Adelheid, auch wenn ich gewußt, daß Karl sie zertreten mußte.«

Sie hatten gesiegt, er war wiedergewonnen, doppelt gewonnen. Es waren Momente der Seligkeit, die Feder und Farbe umsonst zu malen versuchen. Die Morgenluft wehte schon frisch ins Zimmer, als sie die Balkontür öffneten, die ersten Vögel erhoben ihre zwitschernden Stimmen in den dunkeln Gebüschen, und ein rötlicher Streifen färbte den östlichen Horizont. Im Himmel und in den Büschen war noch Poesie.

Die gefiederten Sänger brauchen nicht für morgen zu sorgen. Der himmlische Vater speist sie, aber von denen, welchen er Verstand gab, fordert er, daß sie selbst ihre Speisung suchen. Es galt für Louis einen Wirkungskreis zu suchen, und auf die Poesie folgte ein langes prosaisches Gespräch. Es geht nun einmal nicht anders im Leben.

»Du glaubst nicht, wie mich der Gedanke anwidert, für diesen Staat zu arbeiten, mich hineinzuwerfen in einen Topf, wo der Zufall die Lose zieht, zum Werkzeug herzugeben, wo keiner weiß, was er will, und niemand, wessen Wille gilt. Ja, wär's in Österreich, im kleinsten Lande, wo sie den Mut haben, sich zu gestehen, was sie wollen. Und wär's das absolut Schlechte, die Gewißheit ist ein Trost.«

Sie war beredt, sie hatte Trost auch dafür. Österreich lag auf den Tod verwundet, wo war das deutsche Land, wie er es wünschte! Preußen konnte in diesem Augenblick alles wiedergutmachen, es stand da wie berufen, einzutreten in die große Geschichte. Durfte da einer seiner Söhne sich losreißen, in der Fremde kämpfen wollen? Sie hatte Schillers »Dreißigjährigen Krieg« eben gelesen. Sie erinnerte daran, wie die letzten Ritter für die geistige Freiheit von einem Fürsten und einem Heer, wenn diese geschlagen, zu dem andern übergingen, und mit dem letzten Häuflein, das noch im Felde stand, kämpften sie unverzagt, ohne die Hoffnung zu lassen – und die Hoffnung ließ auch sie nicht zuschanden werden.

Das Kämpfen mit dem Schwert war jener Zeit für den, der nicht dafür geboren oder dazu gezwungen war, ein noch fremder Gedanke. Es gab viele Wege, dem Vaterlande sich zu widmen. Der gefundene sollte zugleich der zu ihrer Verbindung sein. Adelheid errötete nicht vor dem Gedanken, daß sie ihr Glück daran knüpfte. »Wer nicht zugleich an den teuren eignen Herd denkt, dessen Liebe zum Vaterlande ist ein Feuer, das in den Schlot prasselt und keine Wärme zurückläßt«, hatte Walter gesagt. – Es lag wieder kraus vor ihnen, sie konnten den Weg nicht finden. Die Fürstin wollte sich damit nicht befassen; Adelheid wußte nicht weshalb, denn sie glaubte nicht an den vorgeschützten Grund: eine Fremde dürfe sich nie in die innern Angelegenheiten eines Staates mischen. »Die Verwendung meines Vaters würde einen Preis kosten«, rief er unwillig, »für den ich alle Ämter der Welt fortstieße.« Aber soll uns das kümmern! schienen beider Blicke sich zu sagen. Sie hatten die Hände ineinandergeschlungen zum Abschied. Da rötete sich plötzlich wunderbar Adelheids Gesicht, als sie eben gesprochen: »Mut, Lieber, wir haben uns ganz gefunden, das übrige wird sich von selbst machen. Wer weiß, was du zu Hause findest!« Die Röte kam aber nicht vom Blut; es war der erste Sonnenstrahl, der durch die Büsche schoß. Sie nahmen es als ein gutes Omen.

Adelheid führte ihren Freund auf dem Wege, den vorhin Wandel genommen, durch das Souterrain nach der Hofpforte.

Als sie die steinerne Wendeltreppe hinab waren, kam ihnen Lichtschein entgegen. In der Mitte des Flurs lag eine Leiche, die Diener hatten Kerzen darum angezündet. Sie starrten zurück. »Eine Leiche!« Adelheid unterdrückte einen Schrei.

In dem Augenblick ward ihr Name oben von der Fürstin gerufen. »Wir müssen scheiden!« – »Bei einer Leiche! Das ist ein böses Omen, Adelheid.« – »Ein gutes!« rief sie an seinem Halse. »Auch der Tod soll uns nicht erschrecken, auch der Tod nicht trennen!«

Die Fürstin war sehr blaß. Mit gläsernen, durchwachten Augen starrte sie das junge Mädchen an, aber nicht verwundert, sie noch wach zu finden. Sie fragte auch nicht, woher sie komme. Es war eine innere Bewegung, als sie Adelheid an sich drückte und sie bat, bei ihr zu wachen oder auf dem Sofa zu schlafen. Sie hatte gelesen, das Buch war ihr entfallen, und sie hatte böse Träume gehabt oder Visionen, wie sie sagte. Man sah, sie fürchtete sich in der unheimlichen Einsamkeit des grauenden Morgens. Adelheid wollte die Kammerfrau wecken. Die Fürstin schüttelte den Kopf: »Tun Sie es diesmal selbst, mir zuliebe.« Sie zitterte heftig, als Adelheid sie entkleidete; sie hatte nie die Fürstin zittern gesehen. Auch war sie seit lange nicht so zärtlich gewesen. Als sie ihr zum Schlafengehen die Hand drückte, sprach sie: »Apropos, ich vergaß Ihnen zu sagen, die Königin hat sich wieder durch die Voß nach Ihnen erkundigen lassen. Bereiten Sie sich vor, bei nächster passender Gelegenheit werde ich Sie der Majestät vorstellen. Sie werden ihr sehr gefallen.«

Die aufsteigende Sonne konnte nicht durch die schweren Jalousieläden in das dunkle Zimmer dringen, sonst hätte sie auf dem Sofa ein sehr frohes Gesicht gesehen. Das Lächeln blieb, als Adelheid einschlief. Sie hatte sich bis heut vor der angekündigten und immer wieder aufgeschobenen Vorstellung vor der Königin gescheut. Heut träumte sie, daß Engel sie zu ihr führten.

Als Louis Bovillard in sein Zimmer trat, goß die Tageskönigin ihr erstes Rot durch das Fenster. Alle Gegenstände waren purpurn, am leuchtendsten aber sein Gesicht, als er in dem Goldschein Walters Brief las und überlas. Er mochte zuerst glauben, es sei ein Traum. – Er zerdrückte eine Träne, die sich über die Wimpern schleichen wollte, riß das Fenster auf, schlürfte die wonnige Morgenluft ein und warf sich dann lächelnd aufs Sofa. Es war am späten Vormittag, als er erwachte, aber sein Gesicht lächelte noch immer.

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