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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 55
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2. Flora.

Auch diese Göttin ist von altitalischer Abkunft und wurde bei den Sabinern und überhaupt im innern Italien viel verehrt. Varro l. l. V, 74 nennt sie unter den Göttern des T. Tatius; auch kennen wir sie und einen eignen Monat der Flora, welcher dem April oder Mai entsprochen haben wird, aus den von Sabinern, Marsern und Samnitern bevölkerten GegendenOr. n. 1620, Mommsen I. N. n. 6755, vgl. die Inschr. von S. Agnone bei Mommsen Unterit. Dial. S. 128 und die aus Pompeji ib. S. 180, wo fluusaı oscisch = Florae ist. Ueber den Mt. der Flora s. Or. n. 2488, Mommsen I. N. n. 6011, Unterit. Dial. S. 339, 4. In der Inschrift aus Furfo, welche vom J. 58 v. Chr. ist, steht mense Flusare, in der andern, welche aus Amiternum oder dem Lande der Marser stammt, mesene Flusare f. mense Florali.. Es ist die 379 Göttin der Blüthen und Blumen in weitester Bedeutung, denn wo immer etwas blüht, wie Ovid sagtOvid F. V, 261 ff. Vgl. Lactant. 1, 20, 7 deam finxerunt esse quae floribus praesit, eamque oportere placari ut fruges cum arboribus aut vitibus bene prospereque florescerent., auf dem Acker, im Weinberge, in der Olivenpflanzung und im Baumgarten, auch in der Blume des Weins, wenn er sich im Fasse regt, so wie im Honig, dem feinsten Stoffe der Blumen, endlich in der Blüthe der Jugend und eines fröhlichen Lebensgenusses »so lange die Rose blüht«, da ist Flora thätig. Daher sie auf dem Lande und in den Städten viel verehrt wurde, auch als mütterliche Göttin, Flora MaterRustica Flora bei Martial. V, 22, 4. Vgl. das Kalend. Rust. Farnes. im Mt. Mai. In den Urkunden der Arval. Br. wird sie als eine der Göttinnen genannt, denen bei der Pflanzung von Bäumen zu opfern ist, t. XLIII, Marini p. 377. Flora Mater heißt sie bei Lucret. V, 737 und Cic. in Verr. V, 14, 36. Vgl. Arnob. III, 23 Flora illa genetrix et sancta., des Frühlings, der Feldfrucht und selbst der »guten Hoffnung« der Frauen, deren Symbol die Blüthe ist, natürlich weit mehr im Sinne der Venus als in dem der Juno. Denn immer wurde sie in der populären Vorstellung gleich der Acca Larentia und andern Göttinnen des Frucht empfangenden Erdbodens als »liebe Buhle« gedacht und in diesem Sinne auch allerlei Mährchen von ihr erzähltLactant. 1, 20, 5 Flora quum magnas opes ex arte meretricia quaesivisset, populum scripsit heredem certamque pecuniam reliquit, cuius ex annuo foenore suus natalis dies celebraretur etc. Offenbar ist sie hier, wie sonst Acca Larentia, eine Göttin der römischen Stadtflur. und ihr Fest mit ausgelassenem Frohsinn begangen. In Rom gab es einen eignen Flamen FloralisVarro l. l. VII, 45, vgl. die Inschr. bei Mommsen I. N. 5192. und zwei Tempel der Flora, von denen der eine vermuthlich sabinischen Ursprungs war und auf dem Quirinale lag, der andre, welcher mit den Spielen der Flora entstand, in der Nähe des Cerestempels am Circus MaximusBecker Handb. 1, 577 und über den angeblichen circus Florae ib. S. 673, Tacit. Ann. II, 49.. Der Cultus der Flora hatte demnach seit alter Zeit bestanden d. h. man hatte ihr um die Zeit, wo das Korn in der Blüthe stand und der Kornbrand zu fürchten war, sowohl auf dem Lande als in der Stadt geopfertVarro r. r. 1, 1, 6 quarto Robigum ac Floram, quibus propitiis neque rubigo frumenta atque arbores corrumpit neque non tempestive florent. Plin. H. N. XVIII, 29, 69., wahrscheinlich auch damals schon mit allerlei derb muthwilligen 380 Späßen und Gebräuchen, welche zum Wesen dieser Gottheit gehörenOvid Fast. V, 331 ff., 351 Non est de tetricis, non est de magna professis, Volt sua plebeio sacra patere choro, Et monet aetatis specie dum floreat uti, Contemni spinam cum cecidere rosae. Vgl. Lucret. V, 1393 ff. und in Italien zu allen Zeiten beliebt und volksthümlich gewesen sind. Dann aber entstanden bald nach dem ersten punischen Kriege eigne Spiele der Flora, welche namentlich dem gemeinen Manne sehr willkommen, aber gleichfalls sehr ausgelassen waren. Ueber ihre Entstehung berichten Ovid und Tacitus, daß die beiden Publicii, dieselben von welchen der clivus Publicius am Aventin seinen Namen hatte, als plebejische Aedilen jenen T. der Flora beim Circus Maximus und die Spiele in demselben aus eingezogenen Strafgeldern gestiftet hättenOvid F. V, 277 ff., Tacit. Ann. II, 49. Nach Vellei. Pat. 1, 14, 8 und Plin. XVIII, 29, 69 wurden die Floralien gleich im Jahre 516 ex oraculis Sibyllae, ut omnia bene deflorescerent, also auf Veranlassung eines Miswachses gestiftet, vgl. Verr. Flacc. F. Praen. 28. April. Die Münzen der gens Servilia nennen den C. Servilius C. F. als ersten Urheber der ludi Florales, was sich vermuthlich wie bei den Cerealien auf eine spätere Anordnung bezieht. Der Kopf der Flora auf derselben M. ist jugendlich und mit Blumen und Geschmeide reichlich geschmückt.. Doch seien diese im J. 514 oder 516 d. St. (240 oder 238 v. Chr.) gestifteten Spiele nicht regelmäßig alle Jahre gefeiert worden, sondern diese jährliche Feier erst später i. J. 581 (173 v. Chr.) beschlossen, auf Veranlassung eines von der Flora selbst, weil sie sich vernachlässigt glaubte, verhängten Miswachses. Genug diese Spiele hatten sich wie die der andern Götter erst allmälich bis zu solcher Ausdehnung und Ausstattung sowohl circensischer als scenischer Lustbarkeiten erweitert, in welcher wir sie bei den späteren Schriftstellern und in den Kalendern des Augusteischen Zeitalters kennen lernen, nach welchen sie vom 28. April bis zum 3. Mai gefeiert wurdenKal. Maff. Praen. Venus., wo nach Mommsen I. N. n. 698 die Worte LVD. IN CIRCO FLORAE zum 3. Mai gehören, aber dennoch zu verbinden ist Ludi Florae in Circo. Vgl. Ovid F. V, 185 Incipis Aprili, transis in tempora Maii, Alter te fugiens, cum venit alter habet.. Am 28. April war der Stiftungstag des Tempels, also der alte Festtag der Flora, zu welchem die übrigen Festtage erst mit der Zeit hinzugetreten sein mögen. Von den Spielen, deren entsprechende Ausrüstung zu den wichtigsten Obliegenheiten eines curulischen Aedilen gehörteCic. in Verr. V, 14, 36., wird namentlich der characteristische Gebrauch erzählt, daß bei ihnen Tänzerinnen nicht allein auf der Bühne auftraten, sondern auch, wenn es das 381 Volk verlangte, alle Kleidung abwerfen und völlig entblößt ihre Stellungen und Tänze fortsetzen mußten: ein Herkommen welches zu dem bekannten Auftritte mit dem älteren Cato führte, da er lieber das Theater verlassen als durch seine Gegenwart des Volkes Vergnügen stören wollteVal. Max. II, 10, 8, Seneca Ep. 97, 7, Martial. 1, 1. Vgl. Iuvenal VI, 249 mit den Scholien und Augustin C. D. II, 26, Arnob. III, 23, VII, 33, Lactant. 1, 20, 10. Es scheinen vorzüglich Mimen aufgeführt worden zu sein.. Auch sonst wurde in diesen Tagen viel geschlemmt und viel leichtfertiger und lärmender Spaß getriebenVarro Eumenides bei Non. Marc. p. 11, 10 contra cum psalte pisia (psallis?) et cum Flora lurcare ac strepis.; war doch auch Flora ein lustiges Blut gewesen und die Jahreszeit eine solche, daß die ganze Natur zu Lust und Scherz von selbst einlud. Daher auch die bunten Kleider bei diesen Spielen und die brennenden Lichter, welche bei den Alten gewöhnlich ein Symbol der heitern Festlust sind. Auch die Ziegen und Hasen, welche im Circus gehetzt wurden, entsprechen diesem Character der Flora, denn auch ihre Natur ist üppig und muthwillig, daher der Hase bei den Griechen zur Umgebung der Aphrodite gehörte. Andre Schriftsteller erzählen von einer auch sonst herkömmlichen, bei den Floralien aber vorzüglich beliebten Lustbarkeit, indem Erbsen und Bohnen, die gewöhnliche Kost des gemeinen Mannes, unter das Volk geworfen wurden, wo denn Jeder greifend und balgend so gut er konnte seine Taschen füllen mochtePers. V, 177 an einen Ehrgeizigen: Vigila et cicer ingere longe rixanti populo, nostra ut Floralia possint aprici meminisse senes. Vgl. Horat. S. II, 3, 182 und Martial. VIII, 78, 8., noch Andre von einem Umlaufe von Personen, welche Blumen, namentlich Rosen trugen und durch die Eile ihres Laufes die Flüchtigkeit alles natürlichen Reizes andeuten solltenPhilostr. Ep. 55 p. 360 Kayser: Eros liebe die Rosen, doch seien beide vergänglich, εχθρὸς γὰρ ο θεὸς καὶ τη̃ κάλλους οπώρα καὶ τη̃ ρόδων επιδημία· ει̃δον εν ‛Ρώμη τοὺς ανθοφόρους τρέχοντας καὶ τω̃ τάχει μαρτυρου̃ντας τὸ άπιστον τη̃ς ακμη̃ς. Doch wohl an diesem Feste, vgl. Ovid F. V, 194 dum loquitur vernas efflat ab ore rosas.. Denn immer ist die Rose vor allen übrigen Blumen das Symbol des Frühlings und aller fröhlichen Lust gewesen, wie sich denn auch in Italien von solcher Anwendung dieser Blume bei öffentlichen und privaten Gelegenheiten viele Spuren nachweisen lassenSo wurde nach dem feriale von Capua am 13. Mai in Capua ein eignes Rosenfest gehalten, während in Rom der Kalender des Constantin ein ähnliches Fest am 23. Mai andeutet. Privatfeste gleicher Art werden in einzelnen Collegienordnungen und Grabschriften erwähnt. Vgl. Marini Arv. p. 573. 580 sq., Avellino Opusc. III p. 247 sqq.. Endlich wurden unter den Kaisern noch 382 manche außerordentliche Vergnügungen hinzugefügt, denn fort und fort, sowohl in Rom als in den Provinzen, behaupteten sich die Spiele der Flora unter den beliebtesten Ergötzlichkeiten der schönen JahreszeitVgl. Sueton Galb. 6 und die Inschr. aus Algier bei L. Renier 1. n. 1875 Honoratus Baebianus – per diem ludorum Floralium – quos triumvir sua pecunia fecit..

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