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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 26
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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e. Der Nagel in der cella Iovis.

Da dieser Nagel nach einer alten ritualen Vorschrift, die ehedem an der rechten Wand der cella Iovis, da wo die cella Minervae an dieselbe stieß, zu lesen war, jährlich an den Iden des September, dem Einweihungstage des Capitolinischen Tempels und dem heiligsten Festtage der Römischen Spiele (S. 195) von der höchsten obrigkeitlichen Person des Römischen Staats (qui praetor maximus sit, Liv. VII, 3) eingeschlagen werden sollte, so kann er unmöglich blos die praktische Bedeutung gehabt haben, die Jahre in Ermangelung einer bessern Einrichtung zu zählen, sondern er muß auch eine religiöse Bedeutung gehabt haben. Das Vorbild finden wir auch hier, wie bei den meisten andern Einrichtungen des Capitolinischen Cultus, bei den Etruskern, wie namentlich in Vulsinii die ähnliche Sitte bestand, mit jedem Jahre in dem Tempel der Schicksalsgöttin Nortia einen Nagel einzuschlagen und diese Nägel als eine Art von Jahresregister zu benutzen. Auch fehlt es nicht an sichrer Kunde der symbolischen Bedeutung eines solchen Balkennagels, daß nehmlich dadurch der feste und unwiderrufliche Beschluß des Schicksals ausgedrückt werden sollte, daher Balkennägel, Klammern und flüssiges Blei, lauter Mittel um die Glieder eines Gebäudes unerschütterlich fest zusammenzufügen, bei Horaz Od. 1, 35, 18 die Attribute der ehernen Nothwendigkeit sind, und in einer andern Stelle bei Horaz Od. III, 24, 5 so wie auf einem etruskischen Spiegel die 232 unabwendbare Stunde des Todes durch einen von der Parce über dem Haupte des der Zeit Verfallenen eingeschlagenen Nagel sinnbildlich ausgedrückt wirdAuf dem Spiegel ist Atropos (Athrpa) d. h. das unabwendbare Schicksal eben im Begriff den Nagel über dem Haupte des Meleager einzuschlagen, s. bei Gerhard 1, 176.. Dazu kommt der sprichwörtliche Gebrauch der Nägel und des Nageleinschlagens für alles unwiderruflich Abgemachte und unerschütterlich ErgriffeneCic. Verr. V, 21, 53 ut hoc beneficium, quemadmodum dicitur, clavo trabali figeret. Petron. 71 nosti, quod semel destinavi, clavo trabali fixum est. Plaut. Asinar. 1, 3, 4 fixus hic apud nos est animus tuus clavo Cupidinis. Vgl. Aeschyl. Suppl. 907 τω̃ν δ' εφήλωται τορω̃ς γόμφος διαμπὰξ ως μένειν αραρότως., endlich daß Jupiter selbst unter andern Beinamen als Tigillus angerufen wurde d. h. als fester Stütz- und Tragebalken des Himmels und der himmlischen ErscheinungenAugustin C. D. VII, 1, wo mundus der Himmel ist, das dium, s. oben S. 165, 269. Vgl. den Ausdruck columen reipublicae, familiae, rerum und Horaz in dem Gedichte auf die Fortuna Antias Od. 1, 35, 13 iniurioso ne pede proruas stantem columnam d. h. die bestehende Ordnung der Dinge.. Mithin wird auch jener an den Iden des September eingeschlagene Nagel etwas Aehnliches bedeutet haben, entweder das Unerschütterliche seiner himmlischen Beschlüsse überhaupt, oder speciell die lichte Jahresordnung der Idus (S. 140), unter denen die des September für den Capitolinischen Göttercultus so besonders bedeutsam waren und deshalb auch zu einer regelmäßigen Zählung der Jahre gut dienen konnten. Uebrigens wurde dieser Nagel seit dem Einweihungsjahre des Tempels eine Zeitlang regelmäßig von den Consuln eingeschlagen. Dann wurde, seit der Einführung der Dictatur im J. 253 d. St. dem Dictator als höchster Obrigkeit nach dem Wortlaute jenes Gesetzes die Vollziehung jener Ceremonie übertragen und dadurch ihr regelmäßiger Verlauf von selbst unterbrochen. Bald wurde sie nach römischer Weise zum bloßen opus operatum mit wunderbarem Erfolge, wie man z. B. im J. 260. d. St., dem Jahre der Secession, dem vom Dictator eingeschlagenen Nagel einen sonderbaren Einfluß der Sühnung und Beruhigung zuschrieb und bei einer andern Gelegenheit das Aufhören einer Pestilenz mit demselben Acte in Verbindung brachte (Liv. VII, 3; VIII, 18). Später ward der Gebrauch nur ausnahmsweise angewendet, so daß jedesmal ein eigner dictator clavi figendi causa gewählt wurde, namentlich im J. 391 d. St. auf Veranlassung einer Pestilenz, bei welcher man sich jenes 233 früheren Falls erinnerte, und im J. 423, da viele Personen an Gift starben und endlich eine Magd verrieth daß römische Matronen, darunter zwei patricischer Abkunft, dieses Gift gebraut hatten: eine so unerhörte Unthat, daß man an eine geistige Störung und Gemüthskrankheit dachte und dabei sich des Nagels im Jahre der Secession erinnerte. August bestimmte daß die abgehenden Censoren in den T. des Mars Ultor einen Nagel einschlagen sollten (Dio LV, 10). Das Privatleben kannte denselben Gebrauch als abergläubisches Heil- und Sühnungsmittel, durch welches man Krankheiten und dämonische Einflüsse abzuwenden und anderswo zu fixiren (defigere) glaubtePlin. H. N. XXVIII, 6, 17 clavum ferreum defigere in quo loco primum caput fixerit corruens morbo comitiali absolutorium eius mali dicitur. Vgl. die Zaubernägel bei O. Jahn über den Aberglauben des bösen Blicks bei den Alten, in den Berichten über d. V. d. K. Sächs. G. d. W. Leipzig 1855 S. 107 und die Geschichte aus Falerii bei Plutarch Parall. 35, wo eine Pestilenz durch das Opfer einer Jungfrau beschwichtigt werden soll. Da kommt ein Adler vom Himmel, der das Opfer unterbricht und einen Hammer auf den brennenden Altar legt, mit welchem dann die Jungfrau die Kranken schlägt und dadurch heilt..

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