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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 24
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Fides.

Auch dieser Cultus ist ein Beweis von der großen Innigkeit und Feierlichkeit, mit welcher im alten Italien die Rechtsbegriffe erfaßt wurden, in Rom seit der Ansiedelung der Sabiner und der Gesetzgebung Numas, denn auf diese wird sowohl die Stiftung des Dienstes der Fides (Varro l. l. V, 74) als des Terminus zurückgeführt, dieser beiden Säulen alles privaten und öffentlichen Rechtsverfahrens in Sachen des Eigenthums und des gegenseitigen Verkehrs. Was insbesondre den Begriff fides betrifft, so ist sie eigentlich das auf Treu und Glauben, gewöhnlich durch einen Handschlag unterstützte Wort des Mannes, welches in dem älteren Rom so heilig gehalten wurde, daß es so gut wie ein Eid war und in streitigen Fällen, wo Zeugen fehlten, nach der Versicherung auf Treu und Glauben entschieden zu werden pflegteDionys II, 75, Plut. Numa 16. Vgl. Cic. de Off. 1, 7 fundamentum iustitiae fides i. e. dictorum conventorumque constantia et veritas. Partit. 22 extr. iustitia in rebus creditis fides nominatur. Terent. Andr. 1, 5, 55 te oro per tuam fidem. Ad. III, 4, 79 homo antiqua virtute et fide. Cic. de Fin. II, 20 Regulus sua voluntate, nulla vi coactus propter fidem quam dederat hosti ex patria Karthaginem revertit.: daher fides auch sehr oft die anerkannte Gewissenhaftigkeit eines Bürgers oder eines Staates selbst ist, wie in den Redensarten conferre se in fidem et clientelam oder in amicitiam et fidem oder in fidem et tutelam alicuius. Daß dieser Begriff einen tieferen religiösen Grund hatte, beweist schon die Stiftung des Numa; der bestimmtere Grund ist aber auch hier durch den alten italischen Cult des Diespiter und des Iup. Lucetius gegeben: weil nehmlich Jupiter als der Gott des lichten Himmels zugleich selbst die höchste Treue und das höchste Gesetz aller himmlischen und irdischen Verhältnisse istVgl. den Spruch des Freidank: Niman doch gevelschin mac Gotis Wort unde lichten tac, der im alten Rathhause zu Erfurt in einer Reihe von Bildern und Sprüchen aus dem Freidank von einem edlen Frauenbilde, einer Art von Fides gesprochen ward. P. Cassel das alte Erf. Rathhaus u. s. Bilder, Erf. 1857 S. 43., in welchem Sinne sowohl der 225 terminus auf Erden als der regelmäßig wiederkehrende Tag und Vollmond am Himmel für sein Werk gehalten und letzterer sogar Iovis fiducia, seine Bürgschaft (S. 140, 215) genannt wurde. Scheint doch selbst der Name der Fetialen, dieser geheiligten Diener des internationalen Rechtsverkehrs, mit fides und fidus zusammenzuhängen, welchem jedenfalls das Wort und der Begriff foedus aufs engste verwandt istVarro l. l. V, 86 Fetiales quod fidei publicae inter populos praeerant, nam, per hos fiebat ut iustum conciperetur bellum et inde desitum ut foedere fides pacis constitueretur. – Per hos etiam nunc fit foedus, quod fidus Ennius scribit dictum.. In Rom gab es ein altes Heiligthum der Fides publica oder der Fides Populi Romani, welches sogar älter war als der große Capitolinische Tempel, denn es war von Numa gegründet wordenBecker Handb. 1, 403, wo aus dem oben S. 208, 392 citirten Militärdiplome die tropaea Germanici – quae sunt ad aedem Fidei Populi Romani hinzuzusetzen sind. Vgl. Valer. Max. III, 2, 17 in aedem Fidei Publicae convocati Patres. VI, 6, 1 de Fide publica.. Der später wiederholt erneuerte Tempel lag in der Nähe dieses großen Tempels, auf welchen für das Wesen beider Gottheiten bedeutungsvollen Umstand der alte Cato gelegentlich in einer Erinnerung an die römische Vorzeit hingewiesen hatteCic. de Off. III, 29 qui iusiurandum violat, is Fidem violat, quam in Capitolio vicinam Iovis O. M., ut in Catonis oratione est, maiores nostri esse voluerunt.. In der That war diese Fides publica auf dem Capitole nichts weiter als eine Personification des guten Gewissens des römischen Staates, wie dasselbe sich in der treuen Aufrechterhaltung und gewissenhaften Beobachtung aller von ihm eingegangenen Rechtsverhältnisse und Bündnisse bewähren sollte und in der alten guten Zeit auch zu bewähren pflegte; daher der Senat sich oft in diesem Tempel versammelte und die verbündeten Völker und Städte auch wohl in öffentlichen Monumenten z. B. auf ihren Münzen dieser fides populi Romani die Ehre gebenRoma von der Πίστις bekränzt auf einer Münze von Locri in Italien. Val. Max. VI, 5, 5 illam curiam mortalium quis concilium an non Fidei templum dixerit? Der alte T. der Fides in Palatio, von welchem der Grieche Agathokles bei Fest. p. 269 spricht, scheint ein bloßes Compliment an Rom zu sein.. Von dem Cultus dieser Capitolinischen Fides publica hat Liv. 1, 21 die merkwürdige Nachricht bewahrt, daß nach der Satzung des Numa die drei von ihm eingesetzten Flamines des Jupiter, Mars und Quirinus zu diesem Gottesdienste in einem Wagen hinauffahren sollten, welcher mit einem gewölbten Schirmdache versehen war, und daß sie beim Opfer ihre rechte 226 Hand bis zu den Fingern in eine weiße Binde wickeln solltenAd id sacrarium flamines bigis curru arcuato vehi iussit manuque ad digitos usque involuta rem divinam facere, significantes fidem tutandam sedemque eius etiam in dextris sacratam esse. Vgl. Serv. V. A. 1, 292. Das Wort tutari gilt dem Schirmdache des Wagens, s. Liv. III, 22 Volsci tutabantur se vallo. Cic. N. D. II, 57 genae ab inferiore parte tutantes (oculos) subiectae. Tacit. A. I, 30 Hiems imbribus adeo saevis ut non egredi tentoria, vix tutari signa possent.. Jenes hatte die sinnbildliche Bedeutung, daß die Fides nicht sorgfältig genug behütet und beschirmt werden könne, dieses daß ihr Sitz, die rechte Hand, rein und heilig gehalten werden müsse. Denn immer wurde die Hand und der Handschlag, namentlich der mit der Rechten, als das Symbol eines Versprechens und einer Verbindlichkeit auf Treu und Glauben angesehnPlin. H. N. XI, 45, 103 inest et aliis partibus quaedam religio, sicut dextera osculis aversa appetitur, in fide porrigitur. Vgl. die Redensarten dextram fidemque dare u. dgl. bei Danz der sacrale Schutz im Rechtsverkehr S. 133. 139., und die Umwicklung eines Gliedes mit geweihten Binden ist dem Alterthum auch sonst als Sinnbild der Heiligung dieses Gliedes bekanntUeber die heiligen Binden und ihre Anwendung zur Weihe s. Bötticher Baumcultus S. 43. 418. Nach Phot. p. 180, 7 und Lex. rhet. p. 273, 25 banden sich die Mysten, wahrscheinlich bei den Eleusinien, einen Faden um die rechte Hand und den rechten Fuß, vermuthlich über dem Knöchel. Auch dieses scheint der symbolische Ausdruck einer Heiligung oder eines Gelübdes zu sein.. Auch das Bild der Fides war mit vorgestreckter Rechten dargestellt und mit einem weißen Schleier versehn, denn weiß ist die Farbe des Lichts und der lautern TreueHorat. Od. I, 35, 21 albo Fides velata panno. Val. Max. VI, 6, 1 cuius imagine ante oculos posita venerabile Fidei numen dexteram suam, certissimum salutis humanae pignus ostentat. Vgl. Hesiod. T. W. 197 λευκοι̃σιν φαρέεσσι καλυψαμένω χρόα καλὸν – Αιδὼς καὶ Νέμεσις., der Schleier aber bedeutet dasselbe was bei der Fahrt der Flamines zum Tempel das schirmende Dach des Wagens. – Die römischen Dichter sprechen von der alten Treue wie die griechischen von der Zeit da Αιδὼς und Νέμεσις, die hehren Göttinnen, noch auf der Erde weilten. In diesem Sinne nannte Ennius sie beschwingt (apta pinnis), weil sie sich zum Himmel aufgeschwungen, Virgil altersgrau (cana), weil sie dem vergangnen Geschlechte der Vorzeit angehört, und endlich führt Silius es weiter aus, wie sie die Erde verlassen habe seitdem Mord, Ungerechtigkeit und Geiz auf derselben heimisch geworden, und wie sie nun im Himmel weile, älter als Jupiter, eine Zierde unter Göttern 227 und Menschen, ohne welche weder die Erde noch das Meer den Segen des Friedens kennen würde, eine Gesellin der Gerechtigkeit und eine stille Gewalt in der Brust jedes guten MenschenSil. Ital. Pun. II, 484 ff. Vgl. Virgil Aen. 1, 292 und Ennius b. Cic. de Off. III, 29, 104 o Fides alma apta pinnis et iusiurandum Iovis, im Thyest, wo nur die Rede von verletzter Treue sein kann, vgl. die folgenden Verse bei Ribbeck v. 411 nulla sancta societas nec fides regni est. Sonst heißen Cupido, die Musen, Fama bei den römischen Dichtern pinnatae, was immer dem griechischen πτερωταί entspricht..

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