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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 18
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Anhang. Der Kalender.

Auch der römische Kalender trägt ganz das Gepräge der römischen Staatsreligion, wie sie sich im Laufe der Jahre aus einfachen Anfängen zu einem immer künstlicheren Systeme entwickelt hatte. Man erkennt wohl die alte Grundlage der Naturreligion, aber die praktischen und zufälligen Beziehungen des bürgerlichen und häuslichen Lebens haben sich doch weit mehr geltend gemacht, und der nüchterne Sinn der Römer, welcher die Töchter des Hauses nicht benannte, sondern numerirte, zeigt sich auch in der Benennung der meisten Monate, welche bis auf die ersten und letzten einfach gezählt wurden.

Innerhalb der einzelnen Monate sind Jupiter und Juno als herrschende Mächte des lichten Himmels die bestimmenden Gottheiten. Dem Jupiter waren alle Idus heilig d. h. die Tage des Vollmonds, welche immer in die Mitte des Monats fielen, also denselben theilten, und zwar deshalb weil dann der Gott des Lichtes und der Helle, Iupiter Lucetius und Diespiter, sich den Tag und die Nacht hindurch in einer beständigen Folge 140 lichter Klarheit offenbarte, daher diese Tage für ein Unterpfand seiner Weltregierung galten und sehr heilig gehalten wurdenMacrob. S. 1, 15, 14 Iduum porro nomen a Tuscis, apud quos is dies Itis vocatur, sumptum est. Item autem illi interpretantur Iovis fiduciam. Nam cum Iovem accipiamus lucis auctorem, unde et Lucetium Salii in carminibus canunt et Cretenses Δία τὴν ημέραν vocant, ipsi quoque Romani Diespitrem appellant ut diei patrem, iure hic dies Iovis fiducia vocatur, cuius lux non finitur cum solis occasu, sed splendorem diei et noctem continuat illustrante luna: quod semper in plenilunio i. e. medio mense fieri solet. Iovis fiducia ist die Bürgschaft, das Unterpfand, s. Cic. de Off. III, 17, pr. Caecina 3, pr. Flacco 21 u. a. Doch ist, wie ich unten zeigen werde, so wenig diese Idee blos etruskisch als das Wort idus, welches vielmehr Theilung bedeutet und der griechischen διχομηνία entspricht, s. Macrob. l. c. 16 Idus – dies qui dividit mensem. Iduare enim Etrusca lingua dividere est, unde vidua. Varro l. l. VI, 28 Idus ab eo quod Tusci Itus, vel potius quod Sabini Idus dicunt. Das Wort ist allgemein italisch und Itus nur die etruskische Form von Idus. Ueber den Kalender der Etrusker s. O. Müller Etr. 2, 323 ff., der Juno Lucina alle Kalenden, d. h. alle Tage an denen nach der Verborgenheit des Neumonds die Mondessichel zuerst wieder am Himmel erschienMacrob. S. 1, 15, 18, Ovid Fast. 1, 55.. Einer der Subalternen des Collegiums der Pontifices hatte die Obliegenheit diese Erscheinung zu beobachten und, sobald er sie wahrgenommen, nachdem der Rex und die Regina Sacrorum zuvor der Juno geopfert hatten, das Volk auf das Capitolium zu berufen (calare) und ihm anzuzeigen, wie viel Tage es von den Kalenden bis zu den Nonen zu zählen habe, ob fünf oder sieben: daher der Name Kalendae. An den Nonen versammelte sich das Volk von neuem auf der Burg, um von dem Opferkönige zu erfahren, welche Feste in jedem Monate zu feiern und welche Geschäfte in demselben vorzunehmen seien. Auch an den Nonen und an den Idus wurden regelmäßige Opfer dargebracht, an den Idus immer dem Jupiter. Man erkennt aus dieser ganzen Ordnung sehr deutlich sowohl das alte Mondjahr als die religiöse Begründung derselben in dem Culte der Lichtgötter. Erst seit dem J. 450 d. St., 302 v. Chr., in welchem Cn. Flavius die Fasti bekannt machte, mögen jene alten Gebräuche eine wesentliche Aenderung erlitten haben.

Außer jenen beiden Göttern, dem Jupiter und der Juno, ist der Dienst des Mars und des Janus für den römischen Kalender von besondrer Bedeutung. Mars ist der alte Nationalgott der schaffenden Naturkraft, auch des Frühlings: daher der Monat dieses Gottes, der mensis Martius, bei den Römern und den verwandten Völkern den natürlichen Jahresanfang bildete und 141 namentlich am ersten Tage dieses Monats zugleich die Juno als Göttin aller Kalenden und der wiederkehrende Gott Mars mit unverkennbarer Beziehung zur Natur gefeiert wurden. Neben diesem natürlichen und die längste Zeit der Republik hindurch beibehaltenen Anfange des alten Mondjahres aber giebt es noch einen zweiten Anfang, den des Janus und des ihm geheiligten Monats Januar, wobei ohne Zweifel andre und jüngere Principien der Jahresordnung zu Grunde liegen, ohne daß wir leider etwas Bestimmteres zu sagen wissen, als daß die Einführung des Januscultus und der Monate Januar und Februar dem Numa zugeschrieben wurde. Höchst wahrscheinlich aber war Janus ursprünglich ein Sonnengott, der als solcher zum Gott des Anfangs schlechthin geworden ist, weil man den Sonnengott auch kosmogonisch für den Gott des Ursprungs der Dinge, für den Eröffner aller Natur und aller Geschichte hielt. Heiligte man diesem Gotte grade den Monat, in welchem nach dem kürzesten Tage die Sonne und das Licht wieder zunimmt, also nach dem gewöhnlichen Begriffe das Jahr beginntVarro l. l. VI, 28 ut novus annus Kalendae Ianuariae ab novo Sole appellatae. Ovid Fast. 1, 163 Bruma novi prima est veterisque novissima Solis, Principium capiunt Phoebus et annus idem. Vgl. Plutarch Qu. Ro. 19., so darf auch darin eine Beziehung auf den Sonnencultus erkannt werden; nur ist es seltsam daß der alte Jahresanfang mit dem März dennoch beibehalten und nur die Anfänge aller Monate, also die Kalenden, von nun an nicht blos der Juno, sondern auch dem Janus geheiligt wurden. So entstand die eigenthümliche Ordnung des römischen Kalenders, daß die Monate nach wie vor von dem März an gezählt wurden, also auf den April und Mai zunächst der Quintilis folgte, dann der Sextilis u. s. w. bis zum December. Darauf folgte nach dem kürzesten Tage der Januar als Monat des Janus, der erst in späterer Zeit und sehr allmälig auch als Gott des Jahresanfangs sich geltend machen konnte, und der Februarius als der allgemeine Reinigungs-, Sühnungs- und Allerseelenmonat, in dem gewissermaßen alle Ansprüche und alle Befleckung des alten Jahres, des Winters, des Todes beseitigt wurden, damit im März das neue Jahr in aller Reinheit und Freudigkeit begangen werden könne. Weil auf diese Weise nur bis zum zehnten Monate, dem December, gezählt wurde und die beiden letzten Monate, der Januar und Februar, wie spätre Anhängsel erschienen, ist bei den Alten oft behauptet worden, daß das römische Jahr 142 ursprünglich nur zehn Monate und 304 Tage gehabt und erst durch Numas Zusatz jener beiden Monate zwölf Monate und 355[?] Tage bekommen habe: eine Ordnung welche, wenn sie überhaupt jemals bestanden hat, unmöglich jemals eine praktische Bedeutung für das Leben gehabt haben kann.

Eine weitere Beziehung des Cultus zu dem natürlichen Verlaufe des Jahres und seinen wichtigsten Abschnitten hat gewiß vielfach stattgefunden, doch tritt sie bei weitem nicht so klar und entschieden als in den Kalendern und Monatsnamen der Griechen hervor. Außer dem Martius ist auch der gleichfalls allgemein latinische, auch oskische Maius nach einer Gottheit benannt, der alten Frühlingsgöttin Maia; ob auch bei dem Aprilis eine ähnliche Beziehung anzunehmen, muß bei der Unklarheit des Namens dahingestellt bleibenDer Maius und die Maia werden allgemein latinisch genannt bei Fest. p. 134. Bei den Oskern hieß er Maesius, ib. p. 136. Im Monate Aprilis wurde seit alter Zeit die Venus gefeiert, s. dort. J. Grimm D. M. 749 vergleicht mit den Monaten März, April, Mai die drei deutschen Frühlingsmonate. Ueber die Namen der römischen Monate vgl. Macrob. S. 1, 12 und Merkel Ovid F. p. LXXIX sq.. Auch der Junius wurde häufig auf die Juno bezogen, obgleich hier wie bei den andern Monatsnamen schon von den römischen Gelehrten die verschiedensten Erklärungen versucht wurden. Gewiß ist daß die schaffenden, empfangenden und begeisternden Gottheiten Faunus, Mars, Pales, Venus, Bona Dea vorzugsweise in den drei Frühlingsmonaten d. h. vom Februar bis zum Mai gefeiert wurden, Vulcan als heißer Gott des Feuers recht in der Mitte des heißen Sommers, Jupiter vorzüglich in den Herbstmonaten vom September bis November, wo die Witterung in Italien am beständigsten und der Himmel meist heiter und freundlich ist, endlich die Götter der Erde und der Unterwelt, Consus, Saturnus, Ops u. s. w. in den Wintermonaten, namentlich im December, wo die Felder wieder bestellt sind und die Hoffnung des Säemanns im verborgnen Schooße der Erde ruht. – Sehr auffallend ist es aber, daß nicht etwa blos die verschiedenen Völker und Staaten in Italien verschiedene Kalender hatten, sondern selbst unter den Latinern die einzelnen Städte, z. B. Tusculum, Aricia, Präneste, Tibur, daher auch die Bedeutung der Monatsnamen und die Festordnung in diesen Kalendern eine verschiedne war. So war z. B. der Martius, welcher gewiß in keinem italischen Kalender fehlte, in Alba, Aricia und Tusculum wie in Rom seit dem neueren 143 Jahresanfange der dritte Monat, bei den Laurentern und Faliskern der fünfte, bei den Hernikern d. h. zu Anagnia der sechste, bei den Aequern der zehnte, in Cures der erste von drei Monaten, bei den Sabinern und Pelignern der vierte, nach Ovid F. III, 87 ff.

Schon aus dem oben Bemerkten geht hervor, daß der Kalender ursprünglich eine Sache des Gottesdienstes, also auch der Oberaufsicht der Pontifices unterworfen war. Sie kündigten nicht allein die neuen Monate und die innere Disposition jedes Monats sammt seinen Festtagen an, sondern sie hatten auch über alle Geschäftstage im öffentlichen und privaten Leben zu verfügen, welche Tage für Volksversammlungen und Gerichtsverhandlungen geeignet d. h. dies fasti, comitiales sein sollten, welche zu allen Geschäftstagen ungeeignet d. h. dies atriDies atri waren z. B. alle Tage nach den Kalenden, Nonen und Idus, weil die römischen Waffen an solchen Tagen wiederholt schweres Unglück erlitten hatten, s. Macrob. S. 1, 16, 21, Gellius N. A. V, 17., welche Tage religiosi d. h. wegen gewisser religiöser Bedenken zu öffentlichen Geschäften, zum Reisen, zum Heirathen nicht geeignet. Außerdem hatten die Priester, hier die Flamines, aber unter der Oberaufsicht der Pontifices, auch dadurch einen bedeutenden Einfluß auf das Geschäftsleben, namentlich das ländliche, daß die meisten Geschäfte des Ackerbaus, des Weinbaus, also die Erndte, die Saat u. s. w. von ihnen initiirt d. h. durch gewisse religiöse Gebräuche eröffnet wurdenCic. de Leg. II, 8, 19. Die Feste sollen nach dem Kalender begangen werden, certasque fruges certasque bacas sacerdotes publice libanto, hoc certis sacrificiis ac diebus. 20. Itemque alios ad dies ubertatem lactis feturaeque servanto. Idque ne committi possit, ad eam rem ratione cursus annuos sacerdotes finiunto.. Endlich war auch das eben so schwierige als wichtige Intercalationswesen in den Händen der Pontifices, worüber die römische Jahresrechnung zuletzt in eine gräuliche Verwirrung gerieth.

Eine politische Reaction gegen diese Herrschaft des Priesterthums erfolgte in Rom sobald die Plebs d. h. das neue auf politischen Principien beruhende Bürgerthum, mit dem Patriciate d. h. der alten, von sacralen Elementen durchdrungenen Bürgerschaft zu kämpfen begann und bald einen Erfolg nach dem andern erlangteLiv. IV, 3 Obsecro vos, si non ad fastos, non ad commentarios pontificum admittimur etc.. Dennoch wurde erst im J. 450 d. St., 304 v. Chr. durch den Aedilen Flavius jene wichtige Veröffentlichung der 144 Fasti vorgenommen, seit welcher der Kalender jedem Bürger zugänglich war. Höchst wahrscheinlich wurden schon damals die Monate, die Wochen, die einzelnen Tage so benannt, abgetheilt, gezählt und notirt, wie es seitdem herkömmlich geblieben istVgl. über die dabei üblichen Zeichen Merkel Proleg. Ovid Fast. p. XXXI sqq.. Die einzelnen Tage waren entweder festi d. h. Feiertage oder profesti d. h. Geschäftstage oder intercisi d. h. halbe FeiertageVarro l. l. VI, 31 Intercisi dies sunt per quos mane et vesperi est nefas, medio tempore inter hostiam caesam et exta porrecta fas.. Zum Wesen eines Feiertags gehört für die Freien Ruhe von allem Geschäfts- und Gerichtsverkehr, für die Unfreien Ruhe von der Arbeit, wie dieses in den Urkunden der Pontifices wieder sehr genau vorgesehen war und von gewissen Ausrufern der höheren Priester, die an solchen Tagen keine Arbeit auch nur sehen durften, den Handwerkern in der Stadt noch besonders eingeschärft wurdeSie hießen praeciae oder praeciamitatores und gehörten zu der Klasse der calatores, s. Paul. p. 224, Fest. p. 249, Macrob. 1, 16, 9 und 19, Serv. V. Ge. 1, 268. Ueber die Festtage und ihre Heiligung s. Cic. de Leg. II, 12, 29, Serv. ib. 272, Marquardt S. 233, 1398.. In sacraler Hinsicht machen einen Festtag aus Opfer, Opferschmäuse und feriae d. h. Gottesdienst und Ruhe von der Arbeit. Diese waren theils stativae theils conceptivae theils imperativae d. h. gebundene, bewegliche und außerordentliche Festtage. Feriae conceptivae d. h. ein bewegliches Fest, welches nicht immer an denselben Tagen gefeiert, also immer vorher concipirt d. h. angesagt wurde, waren z. B. die latinischen Ferien, das Fest der Dea Dia in Rom, die Erndtefeierlichkeiten u. a.Macrob. I, 16, 6 conceptivae sunt quae quotannis a magistratibus vel sacerdotibus concipiuntur in dies vel certos vel etiam incertos, ut sunt Latinae, Sementivae, Paganalia, Compitalia. Vergl. Marini Att. Arv. p. 128.. Natürlich konnten nur die feriae stativae in den Kalendern angemerkt werden.

Bekanntlich gerieth dieser ältere römische Kalender durch die Fahrlässigkeit und Willkür der Priester zuletzt in eine so heillose Unordnung, daß Cäsar eine gewaltsame Reform vornehmen mußte, und ohne Zweifel ist es als eine Folge von dieser anzusehn, daß ein älterer römischer Kalender d. h. einer aus der Zeit vor Cäsar und August bis jetzt nicht zum Vorschein gekommen ist. Vielmehr sind die meisten aus der Zeit unter August und Tiberius, unter welchen also solche Kalender in Rom und 145 durch ganz Italien auf den Märkten oder in öffentlichen Gebäuden von Obrigkeitswegen oder auf Veranlassung von Privatpersonen aufgestellt wurden und auch in dem Gebrauche der Privaten viel vorhanden gewesen sein mögen. Eine Eigenthümlichkeit aller dieser Kalender ist einmal die lange Dauer aller größeren Feste, namentlich der Spiele, welche, wie schon bemerkt worden (S. 23), erst in den späteren Zeiten der Republik in solcher Weise ausgedehnt wurden, zweitens die große Anzahl der August und der kaiserlichen Familie geltenden Bet- und Festtage. Neben den größeren Festen, welche sich als solche im Laufe der Zeit entwickelt hatten, erscheinen viele andre, zum Theil gleichfalls sehr alte Feste und Götterdienste, nur als Dedicationstage der Tempel, welche jährlich durch gewisse Opfer, ausnahmsweise auch wohl durch Spiele zu begehen waren. Der älteste von diesen Kalendern und zugleich der einzige vollständige ist das Kalendarium Maffeanum, dessen Original sich ehemals im Palazzo Maffei zu Rom befand. Er giebt den Kalender, wie er unter August geordnet wurde, und ist auch deshalb wichtig, weil Ovid in seinen Fasten in den meisten Fällen mit ihm übereinstimmtS. den Abdruck der Copie des Pighius bei Merkel Ovid. Fast. p. XII sq.. Nächst dem ist besonders wichtig der des Grammatikers Verrius Flaccus (S. 35), welcher die von ihm selbst geordneten Fasten auf dem Markte von Präneste hatte aufstellen lassen. Davon wurden im J. 1770 verschiedne Bruchstücke gefunden, welche außer dem eigentlichen Festcalender der vier ersten Monate und des December allerlei erläuternde Anmerkungen enthaltenHerausgegeben von Foggini, Rom 1781 fol. Abgedruckt bei F. A. Wolf zu Sueton Vol. IV p. 315 ff.. Außerdem giebt es Bruchstücke eines Kalendarium Amiterninum, Venusinum, Capranicorum (sonst im Pal. Capranica), Farnesianum, Allifanum, Antiatinum, Exquilinum, Pincianum und Vaticanum, deren Zusammenstellung in zuverlässigen Texten sehr zu wünschen wäreEine unzureichende Sammlung ist die bei Orelli Inscr. II p. 379–413. Verbesserte Ausgaben des Kal. Amitern. b. Mommsen l. N. 5750, des Venusinum ib. 698, der Fasti Capranicorum ib. 6748, des Farnesianum ib. 6749, des Allifanum ib. 4741, des Antiatinum b. Henzen Suppl. Or. n. 6445.. Als Probe eines Festkalenders, wie sie im Culte des Augustus gebräuchlich waren, haben sich in Cumae verschiedene Bruchstücke des sogenannten Kal. Cumanum gefundenKellermann bei O. Jahn Spec. Epigr. p. 1–22, Mommsen l. N. n. 2557., als Probe 146 eines ländlichen Kalenders, in welchem die Feldarbeiten der einzelnen Monate, die wichtigsten Feste der ländlichen Gottheiten, der Eintritt der Zeichen des Thierkreises u. A. bemerkt wird, dient das Kal. rusticum FarnesianumBei Or. Inscr. II p. 380. Vgl. Mus. Borbon. t. II tav. 44.. Endlich haben sich doch auch aus den letzten Zeiten des sinkenden Heidenthums zwei wichtige Urkunden der Art erhalten. Das eine ist ein erst neuerdings in den Ruinen des Amphitheaters zu Capua ausgegrabenes feriale d. h. ein Verzeichniß blos der Feste, kein vollständiges Kalendarium, und zwar der Feste wie sie in Capua und in der Provinz Campanien gefeiert wurden, übrigens erst im J. 387 nach Chr. Geb. concipirt und zur Characteristik des religiösen Verhaltens der Zeit recht merkwürdigZuerst publicirt von Avellino Opuscoli T. III p. 215–307 mit einem ausführlichen Commentar. Neuerdings berichtigt und besprochen von Mommsen in den Berichten der K. Sächs. Ges. d. W. zu Leipzig 1850 S. 63 ff. Der Text auch bei Henzen Suppl. Or. n. 6112.. Das andre ist ein unter Constantius II. (337–361) verfaßter römischer Staatskalender, welcher wegen seines späten Ursprungs gleichfalls in vielen wesentlichen Punkten von jenen älteren Kalendern abweicht, also über die Entwicklung des öffentlichen Gottesdienstes unter den Kaisern wichtige Aufschlüsse giebtCalendarium Romanum sub Imp. Constantio, Imp. Constantini Magni filio, circa a. Chr. 354 compositum et Valentino cuidam dedicatum, nach der Ausgabe von Lambecius wiederholt in Graevii thes. Antiq. Ro. T. VIII p. 97 sqq. Vgl. Th. Mommsen über den Chronographen vom J. 354, Abh. d. Philolog. histor. Classe der K. Sächs. Ges. d. W. Bd. I S. 569 ff.. Noch werden hier die alten Feste des Mars, der Vesta, die römischen Spiele und andre Festtage des ältesten römischen Kalenders gefeiert, aber neben diesen altrömischen Culten nehmen nun auch die ausländischen Gottheiten, die Göttermutter aus Phrygien und die ägyptischen Sacra der Isis und des Serapis, schon eine sehr bedeutende Stelle im Kalender ein, desgleichen der Cultus der Divi d. h. der consecrirten Kaiser und die Spiele zum Andenken der von Constantin oder früheren Kaisern über die Perser, die Gothen, die Marcomannen, Alamannen, Franken und Sarmaten gewonnenen Siege. 147

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