Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Preller >

Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 13
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

4. Dienende Gottheiten.

Neben den Hauptgöttern werden noch gewisse dienende Götter genannt, welche mit jenen gewöhnlich eine Gruppe ausmachen und insofern einen gottesdienstlichen Collectivbegriff bilden. Nach Paulus p. 19 hießen sie anculi und anculae, ein Wort welches mit ancilla, anculare und ancus zusammenhängt, welches letztere in der Zusammensetzung cupencus bei den Sabinern einen Priester des Hercules bedeutete, s. Serv. 88 V. A. XII, 534. Nach Andern hießen sie famuli, wie z. B. bei Virgil Aen. V, 95 Aeneas, nachdem er am Grabe seines Vaters geopfert hat und darauf eine Schlange erscheint um dieses Opfer zu verzehren, unsicher ist geniumve loci famulumve parentis esse putet, zu welcher Stelle Servius (vgl. zu Aen. VII, 84. 761) bemerkt, in gleichem Sinne könne Virbius für einen Diener der Diana, Adonis für den der Venus, Erichthonius für den der Minerva gelten. Auch gebraucht Horaz A. P. 239 das Wort famulus vom Silen in seinem Verhältnisse zum Bacchus, Ovid. Met. VIII, 272 von dem kalydonischen Eber als einem heiligen Thiere der Diana; endlich kennen auch die Urkunden der Arvalischen Brüder denselben Cultusbegriff und zwar in einer interessanten Zusammenstellung mit entsprechenden weiblichen Gottheiten, indem sie neben den höheren Cultusgöttern des Hains der Dea Dia wiederholt Virgines Divae und Famuli Divi nennen, s. tab. 32 und 43. Jene »göttlichen Jungfrauen« waren höchst wahrscheinlich Nymphen, entweder Baum- oder Quellnymphen, denn von beiden wird das Wort auch sonst gebraucht, wie es denn nach der zu Grunde liegenden Vorstellung offenbar den griechischen Nymphen entspricht. So heißt es bei Fest. p. 261 Querquetulanae Virae putantur significari nymphae praesidentes querqueto virescenti, quod genus silvae indicant fuisse intra portam quae ab eo dicta sit Querquetularia. Sed feminas antiqui, quas scias dicimus, viras appellabant, unde adhuc permanent virgines et viragines, wobei zu bemerken ist daß der Ausdruck mulieres sciae auch sonst in der Bedeutung von weisen Frauen, sagae (a sagiendo) vorkommtPetron. 13 Rogo vos, oportet credatis, sunt mulieres plus sciae, sunt nocturnae et quod sursum est deorsum faciunt. Vgl.die intpp. und Muncker zu Hygin f. 92 p. 149. Vira ist eigentlich Männin. Vgl. die slavischen Wilen. Ueber die Form Vires s. unten bei der Diana und Virbius, dessen Name vermuthlich auch mit diesem Worte zusammenhängt.. Diese also hießen in alter Sprache Virae oder Vires, denn auch diese Form kommt vor; und zwar wurden sie vorzüglich als Baumnymphen gedacht, wie denn auch das Wort virere und viridis offenbar damit zusammenhängt. Zugleich aber wurde auch das Wort virgines und viragines in seiner ursprünglichen Bedeutung solcher herbjungfräulicher Elementar- und Baumgeister davon abgeleitet, wie andrerseits die Namen Sagae, Sciae, auch Fatuae und Fata das übernatürliche Wissen und Weissagen dieser Frauen und Jungfrauen 89 ausdrücken, welche in den Mythologieen aller Völker so ziemlich dieselben sind. Wassernymphen werden dagegen bei Paul. p. 63 Camelis Virginibus supplicare nupturae solitae erant vorauszusetzen sein, obgleich dieselben sonst mit dem eigentlich italischen Worte Lymphae genannt werden. Was die neben ihnen verehrten »göttlichen Diener« oder »göttlichen Gesellen« betrifft, denn das oskische famel und das lateinische famulus, wovon familia, drückte ursprünglich mehr das Verhältniß der Gesellung als das der Bedienung aus, so wäre nach jenen Andeutungen zunächst an Cultusgenien zu denken, in dem Sinne der genii deorum, namentlich wenn nur von einem famulus, nicht von mehreren die Rede ist. Ist aber dieses der Fall, wie in den Arvalinschriften, da ist höchst wahrscheinlich, schon der entsprechenden Jungfrauen wegen, an Faune oder Silvane zu denken, welche als männliche Wald- und Naturgeister jenen Viren und Viragines zunächst standen. Ueberhaupt aber scheint diese Collectivverehrung der Götter, so daß in einer bestimmten Cultusgruppe den örtlichen oder natürlichen Beziehungen derselben gemäß dem Hauptgotte andre Gottheiten in verwandter aber untergeordneter Bedeutung hinzugefügt wurden, wie in GriechenlandVgl. über die δαίμονες πρόπολοι Lobeck Aglaoph. p. 1234 sq., so auch in dem alten Italien etwas Gewöhnliches gewesen zu sein, namentlich im ländlichen und Naturculte. So kommen neben der marsischen Angitia in Inschriften der Gegend mehrere Angitiae im Plural vor und neben der römischen Furina gleichfalls mehrere Furinae. Ferner gab es eine Carmenta und mehrere Carmentes und jenseits des Tiber einen Cult der Divae Corniscae, welche für Schutzgöttinnen der Krähen, die unter der Obhut der Juno standen, erklärt wurden. Auch gehört dahin die Verehrung der Egeria in der gleichartigen Umgebung der Camenen und die des umbrischen Flußgottes Clitumnus als eines Divus Pater der Gegend in der Umgebung von kleineren Quellgöttern, welche neben seinem Tempel in kleineren Capellen verehrt wurden, s. Plin. Ep. VIII, 8. Auch scheinen mir auf gleiche Weise die sabinischen Novensiles oder Novensides erklärt werden zu müssen, obgleich schon die Alten über diesen Namen sehr im Unklaren waren, s. Arnob. III, 38. Nach Livius VIII, 9 (S. 81) wurden sie in alten Formeln neben den Laren und Indigeten angerufen, daher man sie in der Voraussetzung daß diese letzteren einheimische, eingeborne Götter oder Dämonen seien in späterer Zeit für ausländische und neu eingeführte 90 Götter erklärteSo namentlich Cincius b. Arnob. l. c. nam solere Romanos religiones urbium superatarum partim privatim per familias spargere partim publice consecrare ac ne aliquis deorum multitudine aut ignorantia praeteriretur, brevitatis et compendii causa uno pariter nomine cunctos Novensiles invocari.. Indessen erklärt Varro sie sehr bestimmt für sabinische GötterVarro. l. l. V, 74 Feronia, Minerva, Novensides a Sabinis. Die Vertauschung von d und l ist in den italischen Dialekten etwas sehr Gewöhnliches., ja wir wissen aus einer Inschrift vom Fucinersee, daß sie auch in dieser Gegend, also im Gebiete der Marser, und aus einer andern aus Pisaurum, daß sie auch in Umbrien verehrt wurdenMommsen Unterital. Dial. S. 339 und 342, Huschke Osk. und Sabell. Sprachdenkm. S. 254. In beiden Inschriften erscheint die Form Novensides (NOVESEDE) als die ursprüngliche.. Die Sabiner, von denen Varro spricht, sind also die des T. Tatius, welche diesen Gottesdienst wie viele andre mit nach Rom gebracht hatten, daher sie fortan wie der sabinische Quirinus neben dem römischen Mars, so diese Gottheiten neben den römischen Indigeten angerufen wurden. Als das Gebiet aber im Lande der Sabiner, woher sie stammten, wird Trebia genannt, welches höchst wahrscheinlich mit Trebula Mutuesca identisch ist, einem alten Centralorte sabinischer Gottesdienste, wo auch der sabinische Mars und die sabinische Feronia seit alter Zeit verehrt wurdenArnob. l. c. Novensiles Piso deos esse credit novem in Sabinis apud Trebiam constitutos. Hos Granius Musas putat. Consensum accommodans Aelio novenarium numerum tradit farro etc. Vgl. Arnob. III, 44 Novensiles Musae sunt, Trebiani quinimmo dii sunt, und Plin. H. N. III, 12, 17 Anio in monte Trebanorum ortus, wo das jetzige Trevi gemeint ist. Eine Stadt Trebia b. Sueton Tib. 31, Trebiates in Umbrien b. Plin. III, 14, 19. Der Name ist identisch mit Trebia und Trebula, unter welchem Namen zwei sabinische und eine campanische Stadt bekannt sind, s. Aufrecht u. Kirchhoff Umbr. Sprachdenkm. 2 S. 120.. Unter den verschiedenen Erklärungen des Namens wird aber die von novem die beste sein, an welche auch Varro, Piso und Aelius Stilo dachten, welcher das Wort vermuthlich auch in dem Saliarischen Liede gefunden hatte. Einige erklärten sie für neun männliche Gottheiten, Andre für Musen, also für Quellnymphen, welche den römischen Camenen gleichen mochten. Jedenfalls war auch dieser Cultus ursprünglich ein bei der alten italischen Bevölkerung verbreiteter Collectivbegriff d. h. der Ausdruck einer Göttergruppe, welche namentlich den Sabinern theuer war und durch sie auch in das römische Göttersystem eingebürgert wurde. Die spätere Zeit 91 hielt sich nach ihrer oberflächlichen Weise an den Klang und die Alterthümlichkeit des Namens, den sie bald hier bald dort verwendeteSo nannte Manilius die neun Götter, welchen Jupiter nach etruskischer Theorie den Blitz überließ, Novensiles, während Andre alle dii novicii d. h. die divi ex hominibus facti so genannt wissen wollten, s. Arnob. III, 38, 39. Martian Cap. 1, 46 dagegen verbindet Fons, Lymphae, Dii Novensiles.. 92

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.