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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 126
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
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351 Sechs und dreissigstes Buch.

1. Die Consuln Publius Cornelius Scipio, des Cneus Sohn, und Manius Acilius Glabrio wurden bei dem Antritte ihres Amts von den Vätern angewiesen, ehe sie auf die Vertheilung der Standplätze antrügen, in allen Heiligthümern, in welchen gewöhnlich die meiste Zeit im Jahre Göttermahle gegeben würden, die Opfer mit größeren Thieren ausrichten zu lassen, und die Götter anzuflehen, da der Senat zu einem neuen Kriege entschlossen sei, diesen Vorsatz für Roms Senat und Volk von glücklichen und segensreichen Folgen sein zu lassen. Alle diese Opfer fielen erfreulich aus und versprachen gleich bei den ersten Thieren die volle Gnade der Götter. Die Opferschauer erklärten, sie sähen die Gränzen des Römischen Stats durch diesen Krieg sich erweitern und Sieg und Triumph angedeutet. Da man sich vermöge dieser Mittheilung von Seiten der Götter gedeckt sah, so gaben nun die Väter den Befehl, bei dem Gesamtvolke darauf anzutragen: «Ob die Quiriten damit zufrieden wären und es bewilligten, daß man gegen den König Antiochus und Alle, die sich an seine Partei geschlossen hätten, auf einen Krieg eingehe;» Wenn der Vorschlag durchginge, dann möchten es sich die Consuln gefallen lassen, die Sache ganz von vorn an im Senate zur Sprache zu bringen. Publius Cornelius brachte die Frage vor das Gesamtvolk und sie ging durch. Darauf stimmte der Senat, die Plätze, worüber die Consuln zu losen hätten, sollten Italien und Griechenland sein: wem Griechenland zufiele, der sollte außer jener Truppenzahl, welche Lucius Quinctius für jenen Standort nach einem Senatsgutachten selbst angeworben oder eingefordert habe, auch jenes Heer übernehmen, welches der Prätor Marcus Bäbius im vorigen Jahre einem Senatsschlusse zufolge nach 352 Macedonien übergesetzt habe. So wurde ihm freigestellt, wenn es die Umstände erforderten, auch außerhalb Italien sich von den Bundesgenossen, doch nicht über fünftausend Mann, Hülfstruppen geben zu lassen. Der Consul des vorigen Jahres, Lucius Quinctius, wurde für diesen Krieg zum Unterfeldherrn bestimmt. Der andre Consul, der zu seinem Standorte Italien bekäme, sollte zum Kriege gegen die Bojer sich eins von den beiden Heeren wählen, welche die vorigen Consuln gehabt hätten, das andre aber nach Rom schicken, damit an ihm der Senat Stadtlegionen in Bereitschaft habe, die er abgehen lassen könnte, wohin er es nöthig fände.

2. Als dies Alles im Senate bis auf den Punkt ausgemacht war, welcher Standort jedem zufallen werde, so ließ man nun die Consuln losen. Den Acilius traf Griechenland, den Cornelius Italien. Nach entschiedener Bestimmung erließ der Senat den Beschluß: «In Beziehung auf den Krieg, welchen das Römische Gesamtvolk zu dieser Frist gegen den König Antiochus und alle unter ihm stehenden Völker beschlossen habe; in Rücksicht auf diesen Gegenstand sollten die Consuln ein Betfest anordnen: ferner solle der Consul Manius Acilius dem Jupiter große Spiele geloben und eine Darlegung von Geschenken auf alle Altäre.» Dies Gelübde legte der Consul nach folgender Formel ab, wie sie ihm der Hohepriester Publius Licinius angab: «Wenn der Krieg, den das Gesamtvolk gegen den König Antiochus zu eröffnen beschlossen hat, des Senats und des Römischen Gesamtvolks Wünschen gemäß geendet sein wird; dann wird dir, Jupiter, das Römische Gesamtvolk zehn Tage daurende große Spiele feiren und auf alle Altäre sollen Geschenke niedergelegt werden, wozu der Senat die Geldsumme anweisen wird. Wenn nur eine obrigkeitliche Person diese Spiele anstellt, wann und wo es auch sein mag, so soll die Feier der Spiele gültig, und die Darbringung der Geschenke gültig sein.» Das hierauf von beiden Consuln angeordnete Betfest dauerte zwei Tage. Als die Consuln über ihre Plätze geloset hatten, loseten 353 sogleich auch die Prätoren. Den Marcus Junius Brutus traf die doppelte Gerichtspflege, den Aulus Cornelius Mammula das Bruttische, den Marcus Ämilius Lepidus Sicilien, den Lucius Oppius Salinator Sardinien, den Cajus Livius Salinator die Flotte, den Lucius Ämilius Paullus das jenseitige Spanien. Die Heere wurden ihnen so bestimmt. Dem Aulus Cornelius wurden die neuen Truppen gegeben, welche im vorigen Jahre der Consul Lucius Quinctius nach einem Senatsschlusse geworben hatte, und der Befehl, die ganze Küste von Tarent und Brundusium zu decken. Lucius Ämilius Paullus sollte in das jenseitige Spanien außer dem Heere, welches er vom Proprätor Marcus Fulvius übernehmen würde, dreitausend Mann neuer Truppen mitnehmen und dreihundert Ritter; und zwar sollten zwei Drittel davon verbündete Latiner, und eins geborne Römer sein. Eine eben so starke Ergänzung wurde dem Cajus Flaminius, dem man den Oberbefehl verlängerte, in das diesseitige Spanien zugeschickt. Marcus Ämilius Lepidus sollte vom Lucius Valerius, in dessen Platz er träte, Provinz und Heer zugleich übernehmen; wenn er es gerathen fände, den Lucius Valerius als Proprätor in der Provinz bleiben lassen, und diese so eintheilen, daß die eine Hälfte sich von Agrigent bis Pachynum, die andre von Pachynum bis Tyndarium erstrecke. Die letztere Seeküste sollte Lucius Valerius mit zwanzig Kriegsschiffen decken. Auch wurde dem Prätor aufgetragen, den doppelten Getreidezehnten zu erheben, und die Hinlieferung des Getreides an das Meer und die Überfuhr nach Griechenland zu besorgen. Eine gleiche Erhebung des doppelten Zehnten in Sardinien wurde auch dem Lucius Oppius befohlen; doch wolle man dies Getreide nicht nach Griechenland, sondern nach Rom geschafft wissen. Der Prätor Cajus Livius, dem die Flotte zugefallen war, erhielt Befehl, mit dreißig gefertigten Schiffen sobald als möglich nach Griechenland überzugehen und vom Atilius die Flotte zu übernehmen. Die alten Schiffe, die auf den Holmen standen, auszubessern und zu bemannen, dies 354 Geschäft wurde dem Prätor Marcus Junius gegeben, auch zu Seetruppen für diese Flotte Freigelassene auszuheben.

3. Nach Africa schickte man an die Carthager drei Gesandte und drei nach Numidien, um Getreide zu bestellen, das nach Griechenland geliefert würde, doch gegen bare Bezahlung von Römischer Seite. Und die Aufmerksamkeit der Bürgerschaft auf die Anstalten und Vorkehrungen zu diesem Kriege ging so weit, daß der Consul Publius Cornelius bekannt machte: «Von allen denen, welche Senatoren wären, oder welche im Senate stimmen dürften, auch, die in den kleineren Ämtern ständen, solle keiner sich so weit von Rom entfernen, daß er nicht noch an dem Tage zurückkommen könnte, auch sollten nicht fünf Senatoren auf einmal von der Stadt Rom abwesend sein.» In der raschen Ausrüstung der Flotte hielt den Prätor Cajus Livius ein mit den Pflanzstädtern von der Seeküste entstandener Streit ein Weilchen auf. Denn als sie auf die Flotte gepreßt wurden, nahmen sie den Schutz der Bürgertribunen in Anspruch: von diesen wurden sie an den Senat verwiesen. Der Senat, in welchem auch nicht ein Einziger anders stimmte, fertigte den Schluß aus, daß diesen Pflanzstädtern die Befreiung vom Seedienste nicht zukomme. Ostia, Fregenä, Castrum novum, Pyrgi, Antium, Tarracina, Minturnä und Sinuessa waren die, die den Streit über die Dienstfreiheit mit dem Prätor führten.

Nun that der Consul Manius Acilius nach einem Senatsschlusse bei dem Gesamtamte der Bundespriester die Anfrage: «Ob der Krieg durchaus dem Könige Antiochus in Person angekündigt werden müsse, oder ob man dies bloß irgend einem bewaffneten Posten andeuten könne.» Ferner: «ob sie es für nöthig erachteten, daß man auch den Ätolern den Krieg besonders erkläre.» Endlich: «ob man vor der Kriegserklärung Bündniß und Freundschaft aufzukündigen habe.» Die Bundespriester antworteten: «Schon das vorigemal, als man sie Philipps wegen befragt habe, hätten sie erklärt, es verschlage nichts, ob man die Anzeige ihm selbst, oder bei einem 355 seiner Posten mache. Die Freundschaft scheine ihnen schon dadurch aufgekündigt, daß sich jene gegen die so oft Ersatz fordernden Gesandten weder zur Herausgabe, noch zu einer Genugthuung hätten verstehen wollen. Die Ätoler hätten zuvorkommend sich selbst den Krieg dadurch erklärt, daß sie Demetrias, eine Römische Bundesstadt, durch einen Gewaltstreich besetzt, daß sie sich darauf eingelassen hätten, Chalcis zu Lande und zu Wasser zu belagern, daß sie den König Antiochus nach Europa herübergeführt hätten, um mit dem Römischen Volke Krieg anzufangen.» Als der Consul Manius Acilius mit allen Vorkehrungen fertig war, ließ er den Befehl ergehen: «Die Truppen, welche Lucius Quinctius ausgehoben, auch die, welche er sich von den Bundesgenossen und Latinern habe stellen lassen, die nun mit ihm auf seinen Posten abgehen müßten, so auch die Obersten bei der ersten und dritten Legion, hätten sich sämtlich auf den funfzehnten Mai zu Brundusium einzufinden.» Er selbst zog am dritten Mai im Feldherrnpurpur aus Rom. Auch die Prätoren gingen in diesen Tagen auf ihre Posten ab.

4. Um diese Zeit kamen auch Gesandte von zwei Königen, von Philipp in Macedonien und von Ptolemäus in Ägypten zu Rom an, und versprachen zu diesem Kriege Hülfstruppen, Geld und Getreide. Die vom Ptolemäus brachten sogar tausend Pfund Gold und zwanzig tausend Pfund Silber mit. Von dem Allen nahm der Senat nichts an, ließ aber die Könige seines Danks versichern. Da sich auch beide bereit erklärten, mit allen ihren Truppen in Ätolien einzutreffen und den Krieg mitzumachen, so lehnte man dies in Ansehung des Ptolemäus ab; Philipps Gesandte aber erhielten die Antwort, der König werde Roms Senate und Volke eine Gefälligkeit erzeigen, wenn er dem Consul Manius Acilius seine Hülfe nicht versage. So kamen auch von den Carthagern und vom Könige Masinissa Gesandte an. Die Carthager versprachen, ....... tausend Maß Weizen und fünfhundert tausend Maß Gerste dem Heere zu liefern und halb so viel nach Rom; sie 356 baten die Römer, dies von ihnen als ein Geschenk anzunehmen: auch wollten sie eine Flotte mit eigner Bemannung auf ihre Kosten ausrüsten; und die Steuer, die sie auf viele Jahre in mehreren Zahlungen zu entrichten hätten, auf einmal bar auszahlen. Die Gesandten des Masinissa sagten, der König wolle fünfhundert tausend Maß Weizen, dreihundert tausend Maß Gerste an das Heer in Griechenland, und dreihundert tausend Maß Weizen nebst zweihundert funfzig tausend Maß Gerste nach Rom abgehen lassen; auch dem Consul Manius Acilius fünfhundert Reuter und zwanzig Elephanten zusenden. In Ansehung des Getreides erhielten beide die Antwort, das Römische Volk wolle davon Gebrauch machen, wenn sie die Bezahlung annähmen. Die Flotte wurde den Carthagern erlassen, außer was sie etwa an Schiffen vertragsmäßig zu stellen hätten. So bekamen sie auch wegen des Geldes zur Antwort, man werde vor dem bestimmten Tage keins annehmen.

5. Während dies in Rom geschah, war Antiochus in Chalcis, um auch in den Winterquartieren nicht unthätig zu sein, damit beschäftigt, durch seine ausgeschickten Gesandten mehrere Staten für sich zu gewinnen: aus andern kam man unaufgefordert zu ihm. So fanden sich die Epiroten nach einem gemeinschaftlichen Beschlusse ihres Gesamtvolkes bei ihm ein, und aus dem Peloponnes die Eleer. Die Eleer baten um Hülfe gegen die Achäer, weil sie glaubten, nach der wider ihre abgegebene Stimme erfolgten Kriegserklärung gegen den Antiochus würden sie nun auch zuerst von diesen angegriffen werden. Ihnen wurden unter Anführung des Cretensers Euphanes tausend Mann Fußvolk zu Hülfe geschickt.

Die Epiroten benahmen sich durch ihre Gesandschaft gegen keine Partei nur einigermaßen mit Unbefangenheit oder Offenheit. Bei dem Könige wollten sie Dank verdienen, doch mit der Rücksicht, ohne es mit den Römern zu verderben. Sie baten ihn: «Er möge sie nicht geradezu für ihn Partei nehmen lassen, da sie als Vorlage des gesamten Griechenlandes Italien gegenüber ständen und 357 die ersten Angriffe der Römer auszuhalten hätten. Wenn er sich aber in Person mit seiner Land- und Seemacht zum Schutze des Epirus aufstellen könne, so würden ihn alle Epiroten mit Sehnsucht in ihre Städte und Häfen aufnehmen. Könne er das nicht, so müßten sie ihn bitten, sie nicht als die Ungeschützten und Wehrlosen einem Kriege mit den Römern auszusetzen.» Offenbar legten sie es durch diese Gesandschaft darauf an, daß sie, falls sich der König das Einrücken in Epirus nicht erlaubte – und dies war ihnen das Wahrscheinlichste – bei den Römischen Heeren eine völlig unverdorbene Sache behielten, und sich doch den König dadurch hinlänglich zum Freunde gemacht hätten, daß sie ihn, wenn er gekommen wäre, hätten aufnehmen wollen: käme er aber, so ließ sich auch dann noch bei den Römern dafür Verzeihung hoffen, daß sie, ohne die ihnen so ferne Hülfe abwarten zu können, der Übermacht des im Lande Stehenden hätten erliegen müssen. Der König, der auf einen Antrag mit so vielen Verknotungen jetzt gleich nicht zu antworten wußte, sagte ihnen, er werde zur Verabredung dessen, was sie und ihn gemeinschaftlich betreffe, Gesandte schicken.

6. Er selbst brach nach Böotien auf, wo man freilich als Vorwand der Erbitterung gegen die Römer jene Gründe angeben konnte, die ich früher erwähnte, die Ermordung des Brachyllas und den Angriff auf Coronea, mit welchem Quinctius die gemordeten Römischen Soldaten rächete; wo aber eigentlich schon seit vielen Menschenaltern die ehemals so treffliche Sittenzucht des Volks im Ganzen und im Einzelnen wankte, und Viele in einer Lage waren, daß sie ohne eine Statsumwälzung sich nicht halten konnten. Mit den ihm allenthalben entgegenströmenden Böotischen Vornehmen kam er nach Theben. Ob er nun gleich hier in ihrer Statenversammlung, bei allen seinen nicht unbedeutenden, nicht zweideutigen Schritten, die er durch seinen Angriff auf den Römischen Posten bei Delium, und dann bei Chalcis, zu einem Kriege mit den Römern gethan hatte, seinem Vortrage dieselbe Einleitung gab, wie 358 seiner ersten Unterredung mit ihnen bei Chalcis, und dem Antrage seiner Gesandten auf der Versammlung der Achäer; daß er nämlich bloß ihre Freundschaft, keine Kriegserklärung gegen Rom verlange; so leuchtete doch Jedem ein, worauf es abgesehen sei. Und dennoch wurde unter einer nichtigen Beschönigung ein Beschluß zu Gunsten des Königs gegen die Römer abgefaßt. Als er den Beitritt auch dieses Volks bewirkt hatte, ging er nach Chalcis zurück, ließ von hier an die Ätolischen Großen die schriftliche Einladung zu einer Zusammenkunft in Demetrias, wo er sich mit ihnen über den Krieg im Ganzen zu berathen habe, vorangehen, und kam auf den zur Versammlung angesetzten Tag zu Schiffe dort an, Auch Amynander wurde zu dieser Berathschlagung aus Athamanien berufen, und diesmal erschien im Statsrathe auch der schon lange nicht dazu gezogene Punier Hannibal. Hier ging man über das Gesamtvolk der Thessalier zu Rathe, auf deren Stimmung, nach der Meinung der sämtlichen Anwesenden, ein Versuch gemacht werden sollte. Nur waren die Stimmen insofern getheilt, daß Einige meinten, dies müsse sogleich geschehen; Andere, es lasse sich vom Winter, der beinahe halb verflossen war, bis auf den Anfang des Frühjahrs verschieben: auch riethen Einige, bloß Gesandte hinzuschicken; Andere, mit allen Truppen hinzugehen, um sie, wenn sie zögerten, durch Drohungen zu schrecken.

7. Da sich nun die ganze Verhandlung fast um diese einzige Frage drehete, so gab Hannibal, namentlich um seine Stimme befragt, dem Könige und den übrigen Anwesenden durch folgende Rede die Richtung zum Nachdenken über den Krieg im Ganzen:

«Wäre ich seit unsrer Ankunft in Griechenland zu Rathe gezogen, als man sich über Euböa, über die Achäer und Böotien berieth, ich würde dieselbe Meinung geäußert haben, die ich jetzt vortragen werde, da die Rede von Thessalien ist. Ich stimme dahin, daß man vor allen Dingen den Philipp und die Macedonier durch jedes Mittel zur Theilnahme am Kriege bewegen müsse. Denn was Euböa, die Böotier und Thessalier betrifft, 359 wer zweifelt daran, daß diese als Völker ohne eigne Macht auch als jedesmalige Schmeichler der im Lande Stehenden, aus eben der Furchtsamkeit, die sie bei Ergreifung ihrer Maßregel leitete, auf eine zu erflehende Verzeihung Rücksicht nehmen? daß sie, sobald sie in Griechenland ein Römerheer erblicken, unter den gewohnten Oberbefehl zurückkehren? und daß ihnen kein Verbrechen daraus gemacht wird, wenn sie bei der weiten Entfernung der Römer nicht Lust hatten, deine und deines Heeres Überlegenheit auf der Stelle zu fühlen. Wie viel dringender und wichtiger ist es also, lieber den Philipp mit uns zu vereinigen, als jene; da er, wenn er sich einmal für unsre Sache eingelassen hat, dies nicht ungeschehen machen kann, und uns eine Macht zuführt, die in einem Kriege gegen Rom nicht als eine bloße Zugabe gelten kann, sondern neulich noch für sich selbst es mit den Römern aufnehmen konnte. Haben wir ihn mit uns verbunden, wie könnte mir dann noch der Ausgang des Krieges – fern sei von diesem Ausdrucke alles Anstößige! – zweifelhaft sein? dann, wenn ich sehe, daß eben die Kräfte, durch welche die Römer gegen Philipp oben blieben, nun zum Angriffe auf sie selbst angewandt werden? Die Ätoler, wie jeder weiß, die eigentlichen Sieger Philipps, werden auf Philipps Seite gegen die Römer fechten. Amynander und die Athamanen, die nächst den Ätolern das meiste in jenem Kriege leisteten, werden auf unserer Seite stehen. Damals unterzog sich Philipp, während du still saßest, der ganzen Last des Krieges: und jetzt werdet ihr, zwei der größten Könige, mit den Kräften Asiens und Europens, gegen ein einziges Volk Krieg führen, – meines sich umändernden Glückes gegen Rom werde hier nicht gedacht! – das aber wenigstens zu unsrer Väter Zeiten nicht einmal einem einzigen Könige der Epiroten gewachsen war; und wo bleibt dieser gar im Vergleiche mit euch? Und welches sind die Gründe, die mich die Möglichkeit einer Verbindung zwischen uns und Philipp hoffen lassen? Der eine ist der gemeinschaftliche Vortheil, Jeder 360 Verbindung stärkstes Band: der andre, euer Wort, ihr Ätoler. Denn euer hier gegenwärtiger Gesandter Thoas betheuerte unter mehrerem, was er, um den Antiochus nach Griechenland zu rufen so oft erzählte, dies beständig vorzugsweise: Philipp tobe laut; er fühle es voll Unwillen, daß man ihm unter dem Scheine des Friedens Gesetze der Dienstbarkeit aufgebürdet habe. Thoas verglich in seinen Schilderungen den ergrimmten König mit dem wilden Thiere, welches angekettet oder eingeschlossen ist, und seine Riegel zu sprengen strebt. Ist dies die Stimmung Philipps, so laßt uns doch die Kette ihm abnehmen, laßt uns die Riegel sprengen, damit er den lange verhaltenen Groll gegen die gemeinschaftlichen Feinde heraustoben könne. Bleibt unsre Gesandschaft an ihn ohne Wirkung, nun dann lasset uns, weil wir ihn nicht mit uns verbinden können, wenigstens verhüten, daß er sich mit unsern Feinden vereinige. Dein Sohn Seleucus steht zu Lysimachien. Wenn der mit dem Heere, das er bei sich hat, durch Thracien in die nächsten Gegenden Macedoniens auf Plünderung ausgeht, so wird Philipp bald, von der den Römern zu leistenden Hülfe abgerufen, den Schutz seines Eigenthums allem Andern vorziehen. Hier hast du meine Meinung über Philipp. Was ich über den Krieg im Ganzen denke, blieb dir gleich von Anfang an nicht unbekannt. Hätte ich damals Gehör gefunden, so sollten die Römer jetzt nicht von der Einnahme der Stadt Chalcis auf Euböa, nicht von Erstürmung einer Schanze am Euripus hören, sondern von einem Kriegsfeuer, welches Hetrurien und die Küste von Ligurien und Gallien diesseit der Alpen ergriffen habe, und was ihnen immer eine schreckliche Nachricht bleibt, von Hannibals Erscheinung in Italien. Noch jetzt rathe ich dir, deine ganze See- und Landmacht kommen zu lassen. Der Flotte müssen die Lastschiffe mit Zufuhren folgen. Denn so wie unserer hier zu den Geschäften des Krieges zu Wenige sind, so sind unsrer bei diesem Mangel an Lebensmitteln viel zu Viele. Hast du dann alle deine Kräfte gesammelt, so behältst du von deiner 361 getheilten Flotte das eine Geschwader bei Corcyra auf dem Posten, um die Römer nicht so frei und ungestört landen zu lassen; das andre lässest du an jene Küste Italiens hinübergehen, welche Sardinien und Africa zugekehrt ist: du selbst rückst mit deiner ganzen Landmacht in das Gebiet von Byllis. Von hier aus deckst du Griechenland so, daß du den Römern immer den Anschein erhältst, als wolltest du hinübergehen, und auch wirklich, wenn es erforderlich sein sollte, hinübergehen kannst. So rathe ich dir, der ich, ohne mir darum für jeden andern Krieg eine große Einsicht beizumessen, wenigstens den Krieg mit Rom, unter guten und schlimmen Erfahrungen für mich selbst, gelernt habe. Wozu ich dir meinen Rath ertheilt habe, dazu verspreche ich auch meine treue, meine thätige Mitwirkung. Mögen den Entschluß, welcher dir als der beste gelten wird, die Götter genehmigen!»

8. Dies etwa war Hannibals Rede, die mehr für diesen Augenblick von den Anwesenden gepriesen, als in der That befolgt wurde: denn es geschah von dem Allen nichts, außer daß der König den Polyxenidas abschickte, die Flotte und die Truppen aus Asien zu holen. Die Versammlung der Thessalier zu Larissa beschickte er durch Gesandte, Den Ätolern und dem Amynander wurde ein Tag bestimmt, auf den sie sich zu Pherä bei dem Heere einzufinden hätten. Hieher kam auch sogleich der König mit seinen Truppen. Während er hier den Amynander und die Ätoler erwartete, schickte er den Megalopolitaner Philipp mit zweitausend Leuten ab, um bei Cynoscephalä, wo Philipp die Schlacht verloren hatte, die Gebeine der Macedonier zu sammeln; wozu ihn entweder jener beredete, der sich dadurch bei den Macedoniern beliebt machen und ihrem Könige den Vorwurf zuziehen wollte, die Beerdigung seiner Soldaten vernachlässigt zu haben; oder Antiochus selbst war aus einer den Königen eigenen Eitelkeit auf diese dem Scheine nach ehrenvolle, in der That nichts sagende Maßregel verfallen. Die zerstreut herumliegenden Knochen bildeten nun, auf Einen Haufen zusammengetragen, einen Hügel, der ihm bei den Macedoniern 362 nicht den mindesten Dank, aber Philipps ganzen Haß erwarb. Eben der Philipp also, der bis jetzt Willens gewesen war, das Glück zu Rathe zu ziehen, ließ sogleich dem Proprätor Marcus Bäbius sagen: «Antiochus sei in Thessalien eingefallen; finde er es gerathen, so möge er zu den Winterquartieren aufbrechen; er selbst wolle ihm entgegenrücken, damit sie mit einander ausmachen könnten, was sie zu thun hätten.»

9. Zum Antiochus, der schon sein Lager bei Pherä hatte, wo die Ätoler und Amynander zu ihm gestoßen waren, kamen Gesandte von Larissa, und fragten an, durch welche That oder Äußerung sich die Thessalier von ihm einen feindlichen Angriff zugezogen hätten: auch baten sie, er möge nach seinem Abzuge, was er ihnen etwa zuzumuthen habe, durch Gesandte ausmachen. Zu gleicher Zeit aber schickten sie fünfhundert Mann unter Anführung des Hippolochus zur Besatzung nach Pherä. Da diese jeden Zugang unmöglich fanden, weil die königlichen Truppen schon alle Wege besetzt hatten, so zogen sie sich nach Scotussa. Den Gesandten der Larissäer antwortete der König sehr gnädig: «Er sei nicht in Thessalien eingerückt, um Krieg anzufangen, sondern die Freiheit der Thessalier zu schützen und zu befestigen.» Nach Pherä schickte er einen Abgeordneten hinein mit einer ähnlichen Erklärung. Ohne diesem zu antworten ließen die Pheräer von ihrer Seite den Pausanias, den ersten Mann ihres Stats, als Gesandten zum Könige gehen. Da dieser fast dasselbige, was unter gleichen Umständen die Chalcidier in der Unterredung an der Meerenge des Euripus vorschützten, manches auch in dreisterem Tone äußerte, so entließ der König die Gesandschaft mit der Warnung an die Pheräer, sie möchten die Sache recht ernstlich überlegen, damit sie nicht einen Entschluß faßten, von dem sie, aus gar zu großer Behutsamkeit und Vorsicht für die Zukunft, den Schaden gleich auf der Stelle hätten. Als dieser Bescheid nach Pherä zurückkam, bedachten sich die Bürger auch nicht einen Augenblick, aus Treue gegen die Römer Alles zu erdulden, was das Schicksal des Krieges über sie verhängen würde.

363 Sie also schickten sich aus allen Kräften an, die Stadt zu vertheidigen. Der König unternahm den Sturm auf die Mauern von allen Seiten zugleich; und da er sehr richtig einsah, was auch keinen Zweifel litt, daß der Erfolg seines Angriffs auf die erste Stadt darüber entscheiden werde, ob ihn das ganze Thessalische Gesamtvolk künftig verachten oder fürchten solle, so setzte er von allen Seiten jedes Schreckmittel gegen die Belagerten in Bewegung. Den ersten Anfall des Sturms hielten sie mit aller Standhaftigkeit aus; als aber von den Vertheidigern so Mancher sank oder verwundet ward, da fing ihr Muth an zu wanken. Doch durch die Weisungen ihrer Oberhäupter zur Beharrlichkeit auf ihrem Vorsatze zurückgerufen, zogen sie sich mit Hinterlassung des äußeren Mauerkreises, weil es ihnen anfing an Leuten zu fehlen, auf den innern Theil der Stadt, den eine engere Ringmauer umschloß. Endlich der Noth erliegend, und aus Besorgniß, nach der Eroberung durch Sturm bei dem Sieger gar keine Gnade zu finden, ergaben sie sich. Ohne zu säumen schickte der König, den noch neuen Schrecken zu benutzen, viertausend Mann gegen Scotussa. Hier fand die Übergabe keinen Anstand, weil die Bürger vor Augen sahen, wie es so eben den Pheräern ergangen war, die zu dem, was sie anfangs so hartnäckig verweigert hatten, durch die gebietende Noth sich dennoch endlich hatten bequemen müssen. Mit der Stadt selbst wurde ihm auch Hippolochus und die Larissäische Besatzung übergeben. Sie alle entließ der König ohne ihnen das mindeste Leid zu thun, weil er sich von einem solchen Benehmen für die zu erwerbende Liebe der Larissäer große Wirkung versprach.

10. Da er so viel innerhalb zehn Tagen nach seiner Ankunft bei Pherä ausgerichtet hatte, brach er mit seinem ganzen Heere nach Cranon auf, und eroberte es gleich bei seiner Ankunft. Dann nahm er Cypära, Metropolis und die umherliegenden kleineren Festungen, und schon war Alles in dieser Gegend, bis auf Atrax und Gyrton in seiner Gewalt. Nun beschloß er Larissa anzugreifen, nicht ohne Hoffnung, die Bürger würden entweder, durch 364 die Erstürmung der übrigen Städte geschreckt, oder durch die in ihrer entlassenen Besatzung ihnen erwiesene Wohlthat, oder durch das Beispiel so vieler sich ergebenden Städte bewogen, von ihrer Hartnäckigkeit nachlassen. Sich mit Schrecken anzukündigen, ließ er die Elephanten an der Spitze voraufgehen, und rückte in voller Schlachtordnung an die Stadt, so daß ein großer Theil der Larissäer über die Wahl zwischen der dringenden Gefahr vom Feinde und der schuldigen Rücksicht auf ihre entfernten Bundesgenossen in völliger Unentschlossenheit schwankte. In diesen Tagen besetzte auch Amynander mit seinen jungen Athamanen Pellinäum; und Menippus, der mit dreitausend Ätolern zu Fuß und dreihundert Reutern in Perrhäbien einrückte, erstürmte Mallöa und Cyretiä und plünderte die Landschaft Tripolitis. Das Alles thaten sie im Fluge ab und kehrten nach Larissa zum Könige zurück, wo sie eben ankamen, als er über seine Unternehmung auf Larissa Kriegsrath hielt. Hier hatten die Stimmen eine sehr verschiedene Richtung. Einige meinten, man müsse Gewalt brauchen und mit dem Angriffe durch Werke und Sturmgeräth von allen Seiten auf die Mauern einer Stadt nicht länger zögern, die in einer Ebene liege und auf allen Seiten demapertae, campestri]. – Ich folge der von Döring verbesserten Interpunction: in plano, apertae campestri undique aditu (für aditui). Zugange vom Felde her offen sei; Andere gaben bald die Stärke der Stadt zu erwägen, die man durchaus nicht mit Pherä vergleichen dürfe; bald den Winter und die Jahrszeit, die sich überhaupt nicht zu kriegerischen Unternehmungen, am wenigsten zu Einschließungen und zum Sturme auf Städte schicke. Gerade als der König zwischen Furcht und Hoffnung schwankte, machte ihm die Ankunft einer Gesandschaft von Pharsalus, welche ihm diese Stadt übergab, wieder Muth.

Unterdessen hatte sich Marcus Bäbius in Dassaretien mit Philipp besprochen und schickte nach gemeinschaftlicher Übereinkunft zum Entsatze von Larissa den Appius Claudius ab, der in starken Märschen durch 365 Macedonien bis auf den Bergrücken gelangte, der über Gonni ragt. Die Stadt Gonni liegt zwanzig tausend Schritte von Larissa, gerade in dem Eingange zu dem Gebirgswalde, der den Namen Tempe führt. Dadurch daß er hier sein Lager nach Maßgabe seiner Truppen viel zu groß aufschlug und mehrere Feuer anzünden ließ, als er nöthig hatte, gab er sich, wie seine Absicht war, in den Augen der Feinde den Schein, als stehe hier das ganze Römische Heer mit samt dem Könige Philipp. Antiochus also, der bei den Seinigen den dringenden Winter vorwandte, verweilte vor Larissa nur noch einen Tag, dann zog er ab und ging nach Demetrias zurück: auch die Ätoler und Athamanen zogen sich wieder in ihre Gränzen. Sah Appius gleich die Belagerung der Stadt, zu deren Entsatze er geschickt wurde, schon aufgehoben, so kam er doch, um die Bundesgenossen in ihrer Treue auch auf die Zukunft zu befestigen, nach Larissa herab; und nun war die Freude doppelt, weil ihr Gebiet von Feinden geräumt war und sie in ihren Mauern eine Römische Besatzung sahen.

11. Der König, der von Demetrias nach Chalcis ging, verliebte sich in die unverheirathete Tochter des Chalcidiers Cleoptolemus; und als er von dem Vater, den er zuerst durch Beschickungen, dann durch Bitten in eigner Person bestürmte, endlich die Bewilligung erhielt – denn auf eine so übergroße Partie hatte sich dieser nur ungern eingelassen – so feierte er das Beilager wie mitten im Frieden: und ohne daran zu denken, was für zwei wichtige Dinge er zugleich unternommen habe, einen Krieg gegen Rom und die Befreiung Griechenlands, brachte er den übrigen Winter, um Alles unbekümmert, in Gastereien und vom Weine erzeugten Wollüsten zu, endlich, wie er sich mehr darin erschöpft, als gesättigt hatte, mit Schlafen. In gleiche Schwelgerei verfielen die sämtlichen Unterfeldherren des Königs, wo sie allenthalben über die Winterquartiere gesetzt waren, hauptsächlich in der Gegend von Böotien: auch die Soldaten überließen sich ihr unaufhaltsam. Keiner von ihnen legte seine Waffen an, versah seinen Posten, oder seine Wache: keiner befaßte sich mit 366 irgend einer Kriegerarbeit oder Dienstsache. Wie also der König mit Frühlingsanfang durch Phocis nach Chäronea kam, wo sich das ganze Heer von allen Orten hatte zusammenziehen müssen, bemerkte er leicht, daß die Soldaten keine strengere Zucht in den Winterquartieren beobachtet hätten, als ihr Oberfeldherr. Von hier ließ er den Acarnanier Alexander und den Macedonier Menippus die Truppen nach Stratus in Ätolien führen. Er selbst brachte zu Delphi dem Apollo ein Opfer und ging weiter nach Naupactus. Nachdem er hier mit den Oberhäuptern Ätoliens einen Statsrath gehalten hatte, nahm er den Weg, der neben Calydon und Lysimachia vorbeiführt, und traf bei Stratusfert ad Stratum, suis – – occurrit.] – Ich ziehe die Worte ad Stratum suis occurrit zusammen, und setze das Komma, das hinter Stratum steht, hinter das Wort fert. Er trifft sie nicht auf seinem Wege nach Stratus; dann müßte es heißen in via; sondern via (scil. progressus), quae praeter Calydonem et Lysimachiam fert, ad Stratum – hieher hatte er sein Heer beschieden – suis occurrit. Es wundert mich, daß niemand die folgenden Worte per Maliacum sinum anstößig gefunden hat. Ich gestehe, ich kann sie mir nicht erklären. Denn Antiochus hatte seine sämtlichen Truppen (auch die aus den nördlichen Winterquartieren bei Demetrias und an der Malieischen Bucht durch den Paß Thermopylä) schon nach Chäronea kommen lassen. Hier fand er sie alle so verschlimmert, wie Hannibal die seinigen beim Aufbruche aus Capua. Nun sollen sie unter zwei andern Führern westwärts von Chäronea nach Stratos in Ätolien gehen; so können sie die Malieische Bucht nicht wieder berühren. Wozu sollten sie nach Nordost zurückgehen, und statt die Hypothenuse von Chäronea nach Stratos zu verfolgen, die beiden Catheten von Chäronea nach dem Passe Thermopylä und von da nach Stratos wählen? Ich würde mir selbst antworten: der König mit Wenigen konnte den Umweg über Delphi, Naupactus u. s. w., durch Phocis und Locris wohl machen; nicht aber das ganze Heer: dies mußte nach dem Passe an der Malieischen Bucht zurück; denn (Cap. XV. am Ende) Haec una militaris via est, qua traduci exercitu – possint. Allein wenn er sein Heer (XII. am Ende und XV. 3.) durch Phocis wieder zurückführen kann, so konnte es ja auch den Hinweg durch Phocis nehmen. Noch mehr: Ätolien und Acarnanien, also die Gegend von Stratos, liegt (nach XV. 8.) innerhalb des langen Bergrückens der Thermopylen südlich, so wie Chäronea. Es war also weit natürlicher, die Truppen diesseits bleiben und gleich durch Phocis nach Stratos gehen zu lassen, als sie von Chäronea ab durch den Malieischen Paß über den Bergrücken hinauszuschicken. Denn alsdann mußten sie, wo sie sich außerhalb am Fuße des Gebirges fast durch die ganze Breite von Griechenland westwärts gezogen hatten, wieder von auswärts einen Weg über den Bergrücken nach Ätolien hinein suchen. Bis ich über diese Zweifel belehrt werde, will ich glauben, die Lesart sei nicht richtig, und per Maliacum sinum vielleicht aus per medium sinum entstanden, so daß die Krümmung des Umweges, den der König über Delphi, Naupactus u. s. w. nahm, sinus genannt wäre, und unter den Worten per medium der gerade Diameter gemeint würde, den die Truppen von Chäronea durch Phocis nahmen. Iudicent acutiores. sein Heer, das durch den Paß der Malieischen (?) 367 Bucht gekommen war. Durch große Geschenke erkauft suchte hier Mnesilochus, einer der Acarnanischen Vornehmen, nicht nur für seine Person dem Könige die Nation zuzuführen, sondern er hatte auch den Prätor Clytus, der damals die höchste Gewalt in Händen hatte, für seine Absicht gewonnen. Da dieser sah, daß die Leucadier, das Hauptvolk Acarnaniens, aus Furcht vor der unter dem Atilius oder der bei Cephalenia stehenden Römischen Flotte nicht so leicht zum Abfalle zu bewegen sein würden, so suchte er auf sie durch List zu wirken. Denn als er in der Versammlung erklärt hatte, man müsse das Innere von Acarnanien decken und alle Waffenfähigen nach Medion und Thyrium ausrücken lassen, damit Antiochus oder die Ätoler diese Städte nicht besetzten, so behaupteten Einige dagegen, es sei nicht nöthig, das ganze Volk so lärmend aufzubieten; eine Besatzung von fünfhundert Mann sei dazu hinreichend. Diese Mannschaft ließ er sich geben, legte dreihundert als Besatzung in Medion, zweihundert in Thyrium und hatte dabei die Absicht, sie als künftige Geisel dem Könige in die Hände zu liefern.

12. Auch kamen in diesen Tagen Gesandte vom Könige nach Medion. Als man sie vernommen hatte, ging man über die dem Könige zu ertheilende Antwort in einer Volksversammlung zu Rathe; und da Einige dafür stimmten, man müsse in dem Bündnisse mit den Römern beharren, Andre, die Freundschaft des Königs nicht zurückstoßen; so schien die Meinung des Clytus den Mittelweg zu gehen und wurde eben darum angenommen; man müsse an den König Gesandte schicken und ihn bitten, den Medioniern zu gestatten, daß sie sich über eine so wichtige Sache in der Statenversammlung von Acarnanien berathen könnten. Mnesilochus und seine Anhänger, welche nicht ohne Absicht in dieser Gesandschaft angestellt wurden, ließen dem Könige heimlich sagen, er möge mit seinen Truppen anrücken, und sie selbst suchten die Zeit zu 368 verlieren. Kaum also waren die Gesandten zur Stadt hinaus, so stand Antiochus schon auf ihrem Gebiete, gleich darauf an ihren Thoren; und während die, die um den Verrath nicht wußten, in Verlegenheit geriethen und lärmend die Mannschaft in die Waffen riefen, wurde der König durch den Clytus und Mnesilochus in die Stadt geführt, und da auch Andre aus Zuneigung von selbst herbeiströmten, so fanden sich aus Furcht auch die, die anders dachten, bei dem Könige ein. Da er diese in ihrem Schrecken durch eine gnädige Anrede beruhigte, so fielen im Vertrauen auf seine ruchtbar werdende Gnade mehrere Völker Acarnaniens an ihn ab. Von Medion brach er nach Thyrium auf, wohin er eben den Mnesilochus und die Gesandten voraufgehen ließ. Allein die List, die sich zu Medion entdeckt hatte, hatte die Bürger von Thyrium nur vorsichtiger, nicht furchtsam gemacht. Sie gaben ihm die offene Antwort, ohne Genehmigung der Römischen Oberbefehlshaber würden sie keine neue Verbindung eingehen, schlossen die Thore zu und vertheilten ihre Mannschaft auf die Mauern. Die Acarnanen in dieser Gesinnung zu befestigen, kam gerade zu rechter Zeit Cneus Octavius, welcher vom Quinctius geschickt wurde und ein Kohr nebst einigen Schiffen vom Aulus Postumius in Empfang genommen hatte, der als Unterfeldherr vom Atilius zu Cephalenia angestellt gewesen war, zu Leucas an und erfüllte die Bundesgenossen mit Muth durch die Nachricht, daß der Consul Manius Acilius mit den Legionen schon über das Meer gesetzt sei und in Thessalien ein Römisches Lager stehe. Weil die bei der vorgerückten Jahrszeit schon offene Schifffahrt diesem Gerüchte Wahrscheinlichkeit gab, so zog der König, mit Hinterlassung einer Besatzung zu Medion und in einigen andern Acarnanischen Städten, vor Thyrium ab und nahm durch die Städte von Ätolien und Phocis seinen Rückweg nach Chalcis.

13. Um diese Zeit rückten auch Marcus Bäbius und König Philipp, die nach ihrer früheren Unterredung während des Winters in Dassaretien (von wo sie den Appius 369 Claudius zum Entsatze Larissa's nach Thessalien schickten) bei der damals für jede Unternehmung noch zu frühen Jahrszeit in ihre Winterquartiere zurückgegangen waren, in Thessalien ein, da sie mit Frühlingsanfang ihre Truppen vereinigt hatten. Antiochus stand damals im Acarnanien. Bei ihrer Ankunft griffen sie, Philipp Mallöa in Perrhäbien, Bäbius Phacium an, und da er dies beinahe im ersten Sturme gewonnen hatte, eroberte er Phästus eben so schnell. Von hier ging er nach Atrax zurück, nahm dann Cyretiä und Eritium ein, legte Besatzungen in die eroberten Städte und vereinigte sich wieder mit Philipp, der noch Mallöa belagerte. Da die Stadt bei der Ankunft eines Römischen Heers, entweder aus Furcht vor der Überlegenheit oder weil sie nun Schonung hoffte, sich ergab, unternahmen sie, zu Einem Zuge vereinigt, die Wiedereroberung der von den Athamanen besetzten Städte. Diese waren Äginium, Ericinium, Gomphi, Silana, Tricea, Meliböa, Phaloria. Von hier zogen sie zur Einschließung von Pellinäum, wo Philipp aus Megalopolis mit fünfhundert Mann Fußvolk und vierzig Reutern in Besatzung lag, und ließen, ehe sie zum Sturme schritten, den Philipp durch einen Abgeschickten warnen, es nicht auf das Äußerste kommen zu lassen. Er antwortete ihnen trotzig genug, den Römern oder den Thessaliern würde er sich anvertrauet haben, allein in Philipps Gewalt werde er nie sich hingeben. Da sie sahen, sie müßten Gewalt brauchen und sich in eben der Zeit ein Angriff auch auf Limnäa thun ließ, so machten sie aus, der König solle auf Limnäa gehen, und Bäbius blieb zur Belagerung vor Pellinäum.

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