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Robinson der Jüngere

Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere - Kapitel 45
Quellenangabe
typefiction
booktitleJoachim Heinrich Campe
authorRobinson der Jüngere
year1981
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007665-x
titleRobinson der Jüngere
pages4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1779
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Sieben und zwanzigster Abend.

Mathias. Na, Vater, wie war denn der Spanier unter die Wilden gekommen?

Vater. Nur noch ein wenig Geduld, so wirst du's hören! Es hat sich unterdeß noch etwas Anderes ereignet, welches ich zuerst erzählen muß.

Johannes. Nun, das sol mich wundern!

Vater. Robinson war neugierig, einen der beiden zurükgelassenen Kanoes zu besichtigen; trat also hinzu und fand in einem derselben zu seiner großen Verwunderung noch einen unglüklichen Menschen liegen, der so, wie der Spanier, an Händen und Füßen fest geknebelt war. Er schien mehr todt, als lebendig zu sein.

Robinson eilte, seine Bande aufzulösen, und wolte ihm aufhelfen. Allein er war weder im Stande zu stehen, noch zu reden, sondern winselte nur erbärmlich, weil er vermuthlich in der Meinung stand, daß man ihn jezt zur Schlachtbank führen wolte.

Da dieser kein Europäer, sondern ein Wilder war: so rief Robinson seinen Freitag herbei, der eben die todten Körper zusammen schlepte, um in seiner Landessprache mit ihm zu reden. Aber kaum hatte dieser ihn recht ins Auge gefaßt, so erfolgte ein Auftrit, dem Robinson und der Spanier nicht ohne Tränen beiwohnen konten. Freitag war nemlich auf einmahl, wie ausser sich. Er flog dem Gefangenen in die Arme, küßte, drükte ihn, schrie, lachte, hüpfte, tanzte, weinte, rang die Hände, zerschlug sich Gesicht und Brust, schrie wiederum und bezeugte sich durchaus, als ein Wahnwiziger. Es dauerte eine gute Weile, ehe Robinson auf sein wiederhohltes Fragen, die Antwort von ihm heraus brachte: mein Vater!

Es ist unmöglich alle Aeusserungen der Entzükkung und der kindlichen Liebe dieses guten Burschen zu beschreiben. Zwanzig mahl sprang er aus dem Kahne und wieder in den Kahn. Bald sezt' er sich nieder, machte seine Jakke auf und legte seines Vaters Kopf an seine Brust, um ihn zu erwärmen; bald rieb er ihm die Arme und Knöchel, welche von dem festen Binden steif geworden waren; bald fiel er ihm wieder um den Hals oder um den Leib und bedekte ihn mit liebevollen Küssen. Robinson hatte noch etwas Wein in der Flasche, womit er ihn die angelaufenen Gliedmaßen seines Vaters bestreichen ließ; und ging, um ihn seiner Freude ganz zu überlassen, ein wenig auf die Seite.

Da er nach einer guten Weile zurükkam, fragt' er ihn: ob er seinem Vater nicht ein bischen Brod gegeben hätte? »Der Schlingel hat alles selber aufgegessen!« antwortete Freitag, indem er auf sich selbst wies. Robinson reichte ihm darauf sein eigenes Frühstük, welches er noch in der Tasche hatte, und Freitag gab es seinem Vater. Kaum hatt' er dies gethan, so sahe man ihn eiligst aus dem Kahne springen, und mit der Geschwindigkeit des Sturmwindes davon laufen. Ehe Robinson Wohin? aussprechen konte, war er ihm schon aus dem Gesichte.

In kurzer Zeit sahe man ihn zurük kommen, jedoch viel langsamer, als er hingelaufen war. Da er näher kam, zeigt' es sich, daß er in der einen Hand einen irdenen Krug mit Wasser, in der andern etwas Brod und Käse trug. Jenes reicht' er seinem Vater, dieses seinem Herrn, um ihn für das abgetretene Frühstük schadlos zu halten. Das frische Wasser erquikte den Alten zusehends, weil er vor Durst beinahe ohnmächtig gewesen war.

Jezt wandte sich Robinson zu dem Spanier, der sich ganz kraftlos ins Gras gestrekt hatte. Er ließ ihn gleichfalls durch Freitag tränken und bot ihm etwas Brod und Käse zur Erquikkung an. Dieser blikte mit freundlicher Dankbarkeit zu ihm auf; versuchte aufzustehen, aber es war ihm unmöglich; so viel Schmerzen empfand er in den Knöcheln der Hände und Füsse, die von dem starken Binden sehr angeschwollen waren. Freitag muste sich neben ihm setzen, um sie ihm gleichfalls mit etwas Wein sanft zu reiben, so wie er vorher seinem Vater gethan hatte.

Da war es nun sehr rührend anzusehen, wie dieser gute Sohn während des ihm aufgetragenen Geschäftes alle Augenblikke den Kopf nach seinem Vater hindrehete, um zu sehen, was er mache? Einmahl, da der Alte, um besser auszuruhen, sich ganz niedergelegt hatte, flog Freitag, ohne ein Wort zu sagen, so geschwind zu ihm hin, daß man kaum bemerken konte, daß er den Boden berührte; kehrte aber augenbliklich wieder zurük, so bald er gesehen hatte, daß sein Vater sich nur aus Gemächlichkeit ein wenig niedergelegt habe. Dan wolte Robinson versuchen, ob er mit Freitags Hülfe den Spanier nach dem Kahne führen könte: aber Freitag, als ein junger starker Kerl, nahm den ganzen Spanier, als eine Kleinigkeit, auf den Rükken, und trug ihn allein dahin. Nachdem sie darauf die Kanonen, und die Flinten, nebst den erbeuteten Waffen der Erschlagenen in den andern Kahn gebracht hatten, sprang Freitag wieder in den ersten, und ruderte, ohngeachtet ein starker Wind zu wehen angefangen hatte, so schnel damit fort, daß Robinson nicht so geschwind am Strande laufen konte, als jener schifte. Dieser war daher noch nicht auf die Hälfte des Weges gekommen, als er Freitag schon wieder bei sich vorbei zurük rennen sahe, um auch den andern Kahn herbei zu hohlen; und ehe noch Robinson an dem Orte anlangen konte, wo der erste Kahn mit den Kranken lag, war Freitag mit dem andern auch schon da. So groß war die Geschwindigkeit, mit welcher dieser laufen und rudern konte!

Jezt waren sie der Burg gegen über. Um die Fortbringung der beiden Kranken zu erleichtern, lief Robinson hin, eine Tragbahre zu holen. Auf diese wurde Einer nach dem Andern gesezt und von Robinson und Freitag zur Burg getragen. Beiden schien der Schlaf nöthiger, als alles andere zu sein. Indeß nun Freitag für jeden ein Lager bereitete, wärmte Robinson etwas Wein, um ihre geschwollene Knöchel damit zu waschen. Dan musten sie sich zur Ruhe begeben.

Und nun machten die beiden Wirthe Anstalt zu einer erquikkenden Abendmahlzeit. Freitag wurde abgeschikt ein junges Lama zu holen und Robinson besorgte das Uebrige. Dieser konte nicht umhin zu lächeln, da ihm der Gedanke einfiel, daß er einem ordentlichen Könige nun immer ähnlicher werde. Die ganze Insel war sein Eigenthum; seine Unterthanen, die ihm alle ihr Leben verdankten, hingen lediglich von seinem Willen ab, und waren verbunden, wenn es sein müste, Leib und Leben für ihn zu wagen. Am merkwürdigsten schien ihm dabei der Umstand zu sein, daß er grade eben so viele Religionssekten, als Unterthanen, in seinem Reiche hatte. Freitag hatte diejenige christliche Religion von ihm angenommen, welche die Protestanten bekennen. (Ihr Grössern wißt, was dieser Nahme bedeutet; ihr Kleinern aber, müst euch gedulden, bis ihr erst ein wenig verständiger geworden seid; dan solt ihr's auch hören.) Freitag also, war, wie gesagt, ein Protestant, der Spanier ein katholischer Christ, Freitags Vater sogar noch ein Heide.

»Was must du nun wohl dabei thun?« dachte Robinson. »Hättest du nicht etwa das Recht, sie alle mit Gewalt zu zwingen, sich zu demjenigen Glauben zu bekennen, den du für den besten hältst?« Er san darüber nach, weil es eine Sache war, an die er noch niemahls gedacht hatte.

Und was meint ihr nun, Kinder, daß sein gesunder Menschenverstand ihm darauf geantwortet habe? Durft' er seine Unterthanen zwingen seine eigene Religion anzunehmen, oder nicht?

Alle. O bei Leibe nicht!

Vater. Warum denn nicht?

Johannes. Ja, weil das keinen etwas angeht, was Einer glaubt, wenn er nur so lebt, wie sich's gebührt.

Vater. Aber wenn nun Einer, der über einen Andern Macht hat, einsieht, daß dieser einen Irthum habe; solt' es ihm dan nicht erlaubt sein, ihn zu zwingen, seinen Irthum fahren zu lassen?

Hans. Ja, was würde das helfen? Dadurch, daß einer gezwungen wird, etwas zu glauben, wird er ja nicht klüger und nicht besser.

Vater. Richtig! Denn dadurch wird er ja nicht überzeugt, daß er vorher im Irthum gewesen sei. Und was kan uns ein Bekentniß nüzen, von dessen Wahrheit wir nicht überzeugt sind? – Und denn, woher weiß denn der Erste so ganz gewiß, daß der Andere, den er zu seinem Glauben zwingen wil, im Irthum sei? Könt' es nicht auch möglich sein, daß er, er selbst, sich darin befände?

Hans. O ja!

Vater. Warum?

Hans. Weil alle Menschen irren können.

Vater. Und sich also keiner einfallen lassen darf, seine Meinungen für untrügliche Wahrheit zu halten!

Gott also, lieben Kinder, Gott allein, als dem einzigen Untrieglichen, kömt es zu, Richter unsers Glaubens zu sein. Er allein weiß ganz genau, wie viel Wahrheit oder Irthum in unseren Meinungen sei; er allein weiß auch ganz genau, wie redlich, oder wie leichtsinnig wir bei der Erforschung der Wahrheit zu Werke gegangen sind; er allein weiß auch also nur, in wie fern wir an unserm Irthume schuldig, oder unschuldig sind.

Unser Robinson stelte sich die Sache ohngefähr eben so vor. Verwünscht, rief er daher aus, verwünscht sei der unvernünftige Eifer, jemanden mit Gewalt zu seinem Glauben bekehren zu wollen! Verwünscht die blinde Wuth, seinen Bruder zu verfolgen und zu quälen, blos weil er so unglüklich ist zu irren und so tugendhaft, nichts mit dem Munde bekennen zu wollen, wovon er in seinem Herzen noch nicht überzeugt ist! Auf meiner Insel wenigstens sol diese Unmenschlichkeit nie stat finden. Zwar wil ich thun, was ich kan, um meine neuen Mitbürger zu belehren: aber solt' ich nicht so glüklich sein, sie von ihrem Irthume und von der Wahrheit meiner Religion zu überzeugen: so mögen sie glauben, was sie können und nicht mir – ihrem irrenden Mitbruder – sondern Gott einst Rechenschaft davon geben.

Es ward also beschlossen, daß Allen ohne Ausnahme, eine freie Religionsübung zugestanden werden solte, fals sie, nach erhaltenem Unterrichte, nicht selbst für gut finden solten, einen und eben denselben Glauben anzunehmen.

Mitlerweile war Freitag zurükgekommen und nun ging's frisch ans Kochen und ans Braten. Dieser Tag, sagte Robinson, muß uns ein doppelter Festtag sein, weil wir zwei unserer Brüder aus den Klauen menschlicher Tiger gerissen haben, und weil du, Freitag, deinen Vater wieder erhalten hast. Das Beste also, was wir haben, sol heute auf unserm Tische sein!

Freitag bedurfte nicht, zur Freude erst ermuntert zu werden. Noch nie war er so lustig gewesen, als heute. Er hörte gar nicht auf, zu singen, zu springen und zu lachen; doch verrichtete er dabei alles, was er zu thun hatte, auf das hurtigste und ordentlichste; und wenn man das thut, so ist Lustigkeit kein Fehler.

Jezt waren die beiden Gäste erwacht. Ohngeachtet sie noch einige Schmerzen empfanden, so fühlten sie sich doch schon so erquikt und gestärkt, daß sie, mit Freitags und Robinsons Hülfe aufstehen und sich zu Tische sezen konten. Und nun bezeigte sich der alte Wilde bei allem, was er hier sahe, eben so verwundrungsvol und erstaunt, als sein Sohn gewesen war, da er die europäischen Sachen zum erstenmahle sahe.

Freitag muste seinem Herrn zum Dolmetscher dienen, indem dieser sich mit seinem Vater und mit dem Spanier unterredete.

Ferdinand. Verstand er denn Spanisch?

Vater. Nein! Aber der Spanier der schon ein halbes Jahr unter den Wilden gelebt hatte, verstand schon etwas von Freitags Landessprache, und konte sich also gegen ihn einigermaassen verständlich machen. Der Hauptinhalt seiner Erzählung war folgender:

»Unser Schif war zum Sklavenhandel bestimt. Wir kamen von der afrikanischen Küste, wo wir gegen allerlei europäische Sachen, Goldkörner, Elfenbein, und schwarze Menschen eingetauscht hatten. Der leztern hatten wir hundert geladen, die nach Barbados geführt und alda verkauft werden solten. Zwanzig davon waren aber schon gestorben, weil man sie, wie die Heringe, eingepakt hatte. Ein anhaltender gewaltiger Sturm verschlug uns von unserm Laufe bis an die Küste von Brasilien und weil unser Schif dabei lek geworden war: so getraueten wir uns nicht wieder auf die hohe See zu fahren, sondern steuerten vielmehr längst der Küste des festen Landes herauf. Plözlich überfiel uns ein abermahliger Sturm, der aus Westen bließ. Dieser trieb uns wüthend von dem festen Lande weg und warf uns zur Nachtzeit, ohnweit einer Insel, auf Felsen. Wir thaten einige Nothschüsse und waren entschlossen, auf dem Schiffe auszuhalten, so lange es möglich sein wurde. In dieser Absicht löseten wir die Fesseln der gefangenen Schwarzen, damit sie helfen solten, das eindringende Wasser auszupumpen. Aber diese fühlten sich kaum auf freien Füßen, als sie sich einmüthig der Böte bemächtigten, um damit ihre Freiheit und ihr Leben zu retten.

Was wolten wir nun thun? Sie zwingen konten wir nicht; denn unserer waren nur funfzehen, ihrer hingegen achtzig und viele unter ihnen hatten sich überdem unserer Waffen bemächtiget. Ohne Boot aber auf einem gestrandeten Schiffe zurük zu bleiben, war sichtbare Todesgefahr. Wir legten uns also aufs Bitten und suchten diejenigen, welche kurz vorher unsere Sklaven gewesen waren, durch unser Flehen zu bewegen, entweder zu bleiben, oder uns wenigstens mit zu nehmen. Und hier kan ich nicht umhin, die Großmuth und Menschlichkeit dieser armen Sklaven zu rühmen. Ohngeachtet unser Verfahren gegen sie sehr hart gewesen war, liessen sie sich doch von Mitleid rühren, und erlaubten uns, zu ihnen hinab zu steigen unter der Bedingung, daß wir keine Waffen mitnehmen. Wir gingen die Bedingung ein und sprangen in die Böte, die nun so sehr belastet waren, daß wir in jedem Augenblikke unsern Untergang erwarteten.

Wir bemüheten uns indeß, die nahgelegene Insel zu erreichen; aber plözlich drehete sich der Wind, und trieb uns, alles Ruderns ungeachtet, wieder der offenbaren See zu. Unser Tod schien nun nicht mehr zweifelhaft zu sein. Allein zu unserm eigenen Erstaunen hielten sich die schwerbeladenen Böte, von hoch aufschwellenden Wogen geschaukelt, noch immer glüklich über Wasser, bis wir endlich ganz unerwartet, und ohne einen einzigen Man verloren zu haben, an eine uns völlig unbekante Insel geworfen wurden, deren armseelige Bewohner uns ungemein liebreich aufnahmen.

Bei diesen haben wir nun bis jezt gelebt, jeder so gut er konte; aber freilig armseelig genug, weil die armen Wilden selbst nichts hatten, als die Fische, die sie fingen und einige wenige Früchte, welche die Insel trägt. Dennoch theilten sie mit uns, was sie hatten, und gaben uns Anweisung, wie wir selbst fischen könten. Am besten befanden sich unsere Schwarzen dabei, weil sie keine andere Lebensart gewohnt, und nun noch dazu in Freiheit waren.

Vor einigen Tagen wurde die Insel von einem benachbarten Volke kriegerisch angefallen. Alles grif zu den Waffen, und da hielten wir es für Pflicht, unsern guten Gastfreunden beizustehen. Ich focht an der Seite dieses ehrlichen Alten, der wie ein Löwe, dem man seine Jungen geraubt hat, in den Feind eindrang, wo er am diksten stand. Ich sahe ihn umringt, wolte ihm beispringen und hatte das Unglük mit ihm zugleich ergriffen zu werden.

Zwei Tage und zwei Nächte hab' ich in dieser traurigen Gefangenschaft, an Händen und Füßen geknebelt zu gebracht; und weder gegessen, noch getrunken. Denn alles, was man mir vorwarf, waren faule Fische, welche die See ausgespien hatte.

Diesen Morgen mit Anbruch des Tages wurden wir in die Kanoes geschlept, um den Unmenschen, ihrer Gewohnheit nach, an einem andern Orte zur Speise zu dienen. Und da führte die götliche Vorsehung euch, ihr edlen Männer, zu unserer Rettung herbei, um uns eine Wohlthat zu erweisen, die wir euch nie werden vergelten können.«

Hier schwieg der Spanier und Tränen der Dankbarkeit rolten ihm die Wangen herab. Robinson war entzükt, seine neuliche Vermuthung so ganz bestätiget zu sehen, und Freitag bewunderte mit ihm die Weisheit und Güte der götlichen Vorsehung.

Auf die Frage: wem das Schifsgut eigentlich gehört habe? antwortete der Spanier: daß es von zwei Kaufleuten in Kadix wäre befrachtet worden; aber nur der Eine von ihnen, habe Kommißion gegeben an der afrikanischen Küste Schwarze einzuhandeln; der Andere hingegen, dem dieser Handel ein Greuel gewesen sei, habe für seine Waaren nichts, als Goldkörner, verlangt.

Hierauf nahm Robinson den Spanier bei der Hand, führte ihn in sein Vorrathshaus und in seine Höhle und zeigte ihm, zu seinem Erstaunen, daß das Wichtigste von dem gestrandeten Schiffe hier beisammen sei. Freitag muste ihm die Geschichte davon erzählen; und der Spanier konte vor lauter Verwunderung kaum ein Wort sprechen.

Robinson erkundigte sich hierauf noch: für wessen Rechnung denn die Diamanten gewesen wären? Und wem die Offizierkleider gehört hätten, die er auf dem Schiffe vorgefunden habe? und erhielt zur Antwort: beides wäre der Nachlaß eines englischen Offiziers gewesen, der sich lange in Ostindien aufgehalten habe, und auf seiner Rükreise nach England so krank geworden sei, daß man ihn auf sein Verlangen an der afrikanischen Küste ans Land gesezt habe. Daselbst sei er gestorben. Das Spanische Schif habe seinen Nachlaß nach Barbados mitnehmen sollen, um von da nach England gebracht zu werden.

Robinson zeigte ihm darauf alle vom Schiffe gerettete Schriften vor, worin der Spanier so wohl den Nahmen des Kaufmans, dem die Goldkörner gehörten, als auch den Nahmen der Offizierwitwe fand, der die Diamanten und die Kleidungsstükke ihres verstorbenen Mannes hatten geschikt werden sollen. Und von diesem Augenblikke an verwahrte Robinson die Goldkörner, die Diamanten und diese Papiere als ein Heiligthum.

Unterdeß war der Abend angebrochen und die überstandenen Mühseeligkeiten und Gefahren des Tages hatten Aller Kräfte so sehr erschöpft, daß sie der wohlthätigen Erquikkungen des Schlafs früher, als gewöhnlich, bedurften. Sie thaten also, was wir auch thun wollen, sobald wir Gott für die ungestörte Ruhe und Glükseeligkeit, die uns heute wieder zu Theil ward, werden gedankt haben.

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