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Robinson der Jüngere

Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
booktitleJoachim Heinrich Campe
authorRobinson der Jüngere
year1981
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007665-x
titleRobinson der Jüngere
pages4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1779
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Achtzehnter Abend.

Am folgenden Tage war ein Flüstern und Zischeln und eine Bewegung unter dem kleinen Volke, daß man wohl merken konte, es sei irgend etwas Wichtiges unter ihnen auf dem Tapet. Indeß konte man doch nicht erfahren, was es eigentlich sei, bis die Stunde zur Robinsonserzählung geschlagen hatte. Aber da entstand auch ein Zulaufen und ein Andrängen um den Vater herum, daß dieser sich auf die Grasbank fluchten mußte, um nicht zerdrükt zu werden.

Vater. Nun, was gibt's, was gibt's denn?

Alle. Eine Bitte! lieber Vater! Eine Bitte!

Vater. Und was denn für eine?

Alle auf einmahl. O ich mögte – o ich wolte gern – o und ich –

Vater. Sch! – ja, da versteh ich kein Wort, wenn ihr alle zugleich sprechen wolt. Rede einer nach dem Andern! Diderich, fange an!

Diderich. Ich und Nikolas und Johannes wolten bitten, daß es uns erlaubt wäre, morgen Mittag nicht zu essen.

Gotlieb. Und ich, und Frizchen und Lotte wolten bitten, daß wir Morgen zum Frühstük nur ein Bischen trokken Brod und den Abend gar nichts essen dürften.

Vater. Und warum das?

Johannes. Ja, wir wollen uns auch gern überwinden lernen.

Nikolas. Und wolten uns üben, ein Bischen Hunger zu ertragen, damit es uns nicht sauer ankomme, wenn wir einmahl hungern müssen.

Gotlieb. Ja, und denn wolten wir Vater auch noch bitten, daß es uns erlaubt sein mögte, Morgen Abend nicht zu Bette zu gehen und die ganze Nacht einmahl zu wachen.

Vater. Und warum denn das?

Gotlieb. I, weil es doch auch wohl einmahl kommen kan, daß wir wachen müssen; damit es uns denn nicht zu schwer werde.

Vater. Ich freue mich, Kinder, daß ihr die Nothwendigkeit einsehet, sich zuweilen etwas Angenehmes mit Fleiß zu entziehen, um den Mangel desselben, wenn es sein muß, ertragen zu lernen. Das macht stark an Leib und Sele. Eure Bitte sei euch also gewährt, doch unter der Bedingung, daß ihr es recht gern thut, daß ihr vergnügt dabei seid, und daß ihr es frei heraus sagt, wenn's euch zu schwer fallen solte.

Alle. O es wird uns gewiß nicht zu schwer fallen.

Fr. R. Ich folge eurem Beispiel, ihr Kleinen, und faste Morgen Abend auch.

Fr. B. Und ich dem Eurigen, ihr Grössern; wir fasten zusammen Morgen Mittag, und die Nachtwache halt' ich mit euch Allen!

Vater. Bravo! Bravo! – Nun, ich werde doch nicht allein zurükbleiben auf dem Wege zum Guten? – Hört, wozu ich mich entschlossen habe!

Ihr wißt, daß ich in meiner Jugend sehr verwöhnt worden bin. Man hat mir Kaffee und Thee, Bier und Wein zu trinken gegeben. Aus eigener Narheit habe ich als Jüngling mir den Schnupftabak und Rauchtabak angewöhnt. Das Alles schwächt nun den Körper gar sehr und giebt uns so viel Bedürfnisse, daß uns alle Augenblikke etwas fehlt und macht daß wir unzufrieden sind, wenn wir es nicht haben können. Ich habe oft Kopfschmerzen; vermuthlich würd' ich sie nicht haben, wenn ich nicht von Jugend auf an warme und erhizende Getränke wäre gewöhnt worden. Dies und das Beispiel unsers Robinsons hat mich dan zu der Entschliessung gebracht, von nun an auf Alles dies Verzicht zu thun. Also von heute an, rauche und schnupfe ich keinen Tabak mehr; von heute an, trinke ich keinen Thee, keinen Kaffe, kein Bier und keinen Wein mehr, ausser an Geburtstagen und andern Freudenfesten, da wir gemeinschaftlich ein wenig Wein trinken wollen, um uns auch über diese Gottesgabe zu freuen und dem Geber derselben dafür zu danken.

Es wird mir sauer werden, dies Gelübde zu erfüllen, weil ich schon so lange verwöhnt gewesen und nun schon so alt bin. Aber mag's! desto grösser wird auch nachher meine Freude sein, wenn ich's doch werde erfült haben. Auch die Leute werden viel dawider einzuwenden haben; der Eine wird sagen: »der wil den Sonderbaren machen, wil dem DiogenesDiogenes war ein Man, der sich alles entzog, was zur Erhaltung des Lebens nicht schlechterdings nöthig war. nachäffen!« Der Andere: »der Man ist hipochondrisch, findet ein Vergnügen daran sich selbst zu quälen!« So werden die guten Leute sprechen; aber, lieben Kinder, wenn man etwas thun wil, was vor Gott und vor unserm eigenen Gewissen recht und gut ist, so muß man niemahls fragen: was werden die Leute dazu sagen? man muß vielmehr die Leute sagen lassen, was sie wollen, und selbst thun, was man als recht erkant hat. Auch die Aerzte werden den Kopf über mich schütteln, werden mir, ich weiß nicht was für Krankheiten profezeihn, weil ich aufhören wil krank an Leib und Seele zugleich zu sein: aber, lieben Kinder, wenn man Herz genug hat, auf den Weg der Natur zurük kehren zu wollen, so muß man nicht die Aerzte um Rath fragen, welche selbst davon abgewichen sind.

Ich habe geglaubt, daß es gut wäre, euch dies Alles vorher zu sagen, damit ihr aus meinem Beispiele lernen mögtet, daß man viel kan, wenn man viel wil, und daß keine böse Gewohnheit so stark sei, daß wir sie mit Gottes Hülfe nicht solten überwinden können, wenn es nur ein rechter Ernst damit ist. –

Nun, Kinder, zum Anfang werden diese Uebungen in der Enthaltsamkeit und Selbstbekämpfung, die wir jezt beschlossen haben, schon hinreichend sein. Haben wir diese glüklich überstanden, so wird uns jede folgende Uebung leichter werden. Also – es bleibt dabei, jeder thut, wozu er sich freiwillig entschlossen hat; und nun wieder zu unserm Robinson!

Der Zustand desselben, war jezt glüklicher, als er, seit seiner Ankunft auf dieser Insel, jemahls gewesen war. Die einzige große Sorge, die ihn jezt nur noch beunruhigte, war die, daß die Wilden vielleicht bald zurük kommen wurden, um ihre zurükgebliebenen Gefährten aufzusuchen, und daß es dan leicht zwischen ihm und ihnen wieder zu blutigen Händeln kommen dürfte. Er zitterte vor dem Gedanken, abermahls in die Nothwendigkeit versezt zu werden, Menschenblut vergiessen zu müssen, und sein eigenes zweifelhaftes Schiksal machte ihn nicht weniger bekümmert.

Bei diesen Umständen erfoderte die Pflicht der Selbsterhaltung, auf seine eigene Sicherheit, so viel möglich, bedacht zu sein. Schon längst hatt' er den Wunsch gehegt, seine Burg zu einer ordentlichen kleinen Festung machen zu können: aber so lange er noch allein war, schien ihm die Ausführung dieses Anschlages unmöglich zu sein. Jezt aber, da er zwei Arme mehr hatte, kont' er so was schon unternehmen. Er stelte sich also auf den Gipfel des Berges, von wannen er den ganzen Plaz übersehen konte, um den Plan dazu zu machen. Dieser war auch bald entworfen. Er durfte nur ausserhalb der Baumwand rund um seine Burg herum einen etwas breiten und tiefen Graben aufwerfen, und den inwendigen Rand desselben mit Pallisaden bepflanzen?

Frizchen. Was sind das Pallisaden?

Johannes. O du kannst auch leicht wieder was vergessen! Weißt du nicht mehr, die spizigen Pfäle, die Vater um das eine Ravelin an unserer kleinen Festung so dicht neben einander gepflanzt hat, – na! das sind Pallisaden.

Frizchen. Ach ja! – Nu nur weiter!

Vater. In diesen Graben beschloß er die kleine Quelle zu leiten, die ohnweit seiner Wohnung entsprang, und zwar so, daß ein Theil des Bachs mitten durch seinen Hofraum flösse, damit es ihm, in Fall einer ordentlichen Belagerung, nicht an Wasser fehlen mögte.

Es hielt schwer, alles dies seinem Freitag durch Zeichen verständlich zu machen. Indeß glükt' es ihm endlich damit; und Freitag lief darauf nach dem Gestade, um allerlei Werkzeuge zum Graben und Schaufeln, nemlich grosse Muscheln und platte scharfe Steine zu suchen. Dan sezten beide sich in Arbeit.

Ihr könt denken, daß dies abermahls kein leichtes Geschäft gewesen sei. Der Graben muste, wenn er etwas helfen solte, wenigstens drei Ellen tief und zum mindesten vier Ellen breit sein. Die Länge desselben mogte sich leicht auf 80 bis 100 Schritte belaufen. Und dazu kein eisernes Werkzeug, keine Hakke, keinen Spaten, keine Schaufel zu haben! Denkt einmahl nach, was das sagen wolle! Der Pallisaden bedurfte man beinahe 400 Stük; und diese blos mit einem einzigen steinernen Beile behauen und zuspizen zu wollen: in der That kein leichtes Unternehmen! Und dan, so muste auch noch von der Quelle bis zu diesem Graben ein beinahe eben so tiefer Kanal gegraben werden, um das Wasser herzuleiten; und zwischen diesem Quel und der Wohnung war noch oben drein eine Anhöhe, welche durchgestochen werden muste!

Aber alle diese Schwierigkeiten schrekten unsern entschlossenen Freund nicht ab. Durch ein mässiges und immer arbeitsames Leben war auch sein Muth zu jeder wichtigen Unternehmung viel grösser geworden, als er bei weichlichen, im Müssiggang und Wohlleben aufgewachsenen Menschen zu sein pflegt. Mit Gott und gutem Muth! war der Wahlspruch, mit welchem er jedes wichtige Geschäft anfing; und wir wissen schon, daß er dan auch nicht eher nachließ, als bis das Werk geendiget war,

So also auch jezt. Beide, er und Freitag, arbeiteten täglich vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit Lust und Eifer, und es war daher erstaunlich, wie viel sie, ihrer armseeligen Werkzeuge ungeachtet, an jedem Tage vor sich brachten. Zum Glük wehete zwei Monate hinter einander ein solcher Wind, der es den Wilden unmöglich machte, Robinsons Insel zu besuchen. Es war also auch, während der Arbeit, kein Ueberfal von ihnen zu besorgen.

Indeß nun Robinson so arbeitete, war er nebenbei bemüht, seinen Gehülfen nach und nach so viel von der deutschen Sprache zu lehren, daß er ihn verstehen könte, wenn er mit ihm redete; und dieser war so gelehrig, daß er in kurzer Zeit schon recht viel davon begriffen hatte. Robinson macht' es dabei eben so, wie wir es mit euch zu machen pflegen, wenn wir euch lateinisch oder französisch lehren; er zeigte ihm immer das Ding, wovon er redete und dan sprach er den Nahmen desselben laut und deutlich aus. Wenn er aber von Sachen redete, die er ihm nicht zeigen konte, so machte er so vernehmliche Mienen und Gebehrden dazu, daß ihn Freitag doch wohl verstehen mußte. So lernte dieser, noch ehe ein halbes Jahr verstrich, so viel Deutsch, daß beide sich ihre Gedanken schon so ziemlich mittheilen konten.

Ein neuer Zuwachs von Glükseeligkeit für unsern Robinson! Bisher hatt' er an Freitag nur einen stummen Gehülfen gehabt; nun ward er fähig, sein wirklicher Geselschafter, sein Freund zu werden. O wie verschwand nun gegen diese Freude das geringere Vergnügen, welches vorher das gedankenlose Geschwäz des Papagaien ihm verursacht hatte!

Freitag bewies sich immer mehr und mehr als einen gutherzigen, treuen jungen Menschen, in dem kein Falsch war; und schien seinem Herrn mit der aufrichtigsten Liebe zugethan zu sein. Daher gewan denn auch dieser ihn von Tage zu Tage lieber, und trug nach einiger Zeit gar kein Bedenken mehr, ihn neben sich in seiner eigenen Höhle schlafen zu lassen.

In weniger, als zwei Monaten, war die Grabenarbeit fertig geworden, und nun konten sie jeden Anfal der Wilden ziemlich ruhig erwarten. Denn ehe einer derselben über den Graben kommen und die Pallisaden ersteigen konte: war es ihnen leicht, ihn entweder mit Pfeilen zu erschiessen, oder mit den langen Spiessen zu erstechen. Für ihre Sicherheit war also nun wohl hinlänglich gesorgt.

Eines Tages, da Robinson und Freitag eine nahe am Strande liegende Anhöhe erstiegen hatten, von der sie weit ins Meer hinaus sehen konten: gukte Freitag sehr scharf nach der Gegend hin, wo man, wie wohl nur ganz dunkel, einige ferne Inseln liegen sahe. Auf einmahl fieng er an vor Freuden zu hüpfen und zu springen und allerlei seltsame Gebehrden zu machen. Auf Robinsons Frage: was ihn ankomme? rief er freudig aus, indem er fortfuhr zu tanzen: lustig! lustig! dort ist meine Heimath! Dort wohnt meine Nazion!

Aus dem glühenden Gesicht und den funkelnden Augen, womit er dies ausrief, leuchtete eine recht große Liebe zu seinem Vaterlande und der Wunsch hervor, wieder dahin zu kommen.

Diese Bemerkung war seinem Herrn gar nicht angenehm, ohngeachtet es sehr lobenswürdig an Freitag war, daß er sein Vaterland mehr, als andere Länder und seine zurükgelassene Freunde und Anverwandte noch zärtlicher, als jeden andern Menschen, liebte. Robinson, der daher Anlaß nahm, zu besorgen, daß er ihn bei Gelegenheit, um seiner Landsleute willen, wohl einmahl verlassen könte, versuchte, ihn darüber auszufragen. Er fing also folgendes Gespräch mit ihm an, woraus ihr den ehrlichen Freitag noch besser werdet kennen lernen.

Robinson. Hättest du denn wohl Lust, wieder unter deinen Landsleuten zu leben?

Freitag. Ach ja! ich wolte recht froh sein, wenn ich wieder bei ihnen wäre!

Robinson. Du wolltest vielleicht wieder Menschenfleisch mit ihnen essen?

Freitag. (Ernsthaft) Nein! ich wolte sie lehren, daß sie nicht mehr so wild leben, daß sie Fleisch von Thieren und Milch, aber keine Menschen mehr essen solten.

Robinson. Aber wenn sie dich selbst aufäßen?

Freitag. Das werden sie nicht!

Robinson. Aber sie essen doch Menschenfleisch?

Freitag. Ja, aber nur das Fleisch ihrer getödteten Feinde.

Robinson. Köntest du denn wohl einen Kahn machen, worin man hinüberfahren könte?

Freitag. O ja!

Robinson. Nun, so mache dir einen, und fahre nur immer hin zu ihnen.

Hier sahe Freitag auf einmahl ganz ernsthaft und traurig vor sich nieder.

Robinson. Nun, was ist dir? Worüber wirst du traurig?

Freitag. Ich bin traurig, daß mein lieber Herr böse auf mich ist.

Robinson. Böse? Wie das?

Freitag. Ja, weil er mich von sich wegschikken wil.

Robinson. Du wünschtest dich ja hin nach deiner Heimath!

Freitag. Ja, aber wenn mein Herr nicht da ist, wünscht Freitag auch nicht hin.

Robinson. Mich wurde deine Nazion für einen Feind halten und auffressen; reise also nur immer allein ab.

Freitag riß bei diesen Worten seinem Herrn das Beil von der Seite, gab's ihm in die Hand und hielt ihm den Kopf dar, damit er ihn mit dem Beile spalten mögte.

Robinson. Was sol ich?

Freitag. Mich umbringen! Besser umgebracht, als weggeschikt!

Die Tränen stürzten ihm dabei aus den Augen. Robinson ward gerührt, fiel ihm in die Arme und sagte: »Sei unbekümmert, mein lieber Freitag! Auch ich wünsche mich nie von dir zu trennen: denn ich liebe dich herzlich. Was ich gesagt habe, sagt' ich nur, um dich zu prüfen, ob ich dir wohl schon eben so lieb sei, als du mir bist.« Er umarmte ihn hierauf von neuen, und wischte sich selbst eine Freudenträne ab, die ihm aus dem Auge hervorgequollen war.

Freitags Versicherung, daß er wohl einen Kahn machen könne, war unserm Robinson sehr angenehm zu hören gewesen. Er faßte ihn also bei der Hand und führte ihn nach dem Orte, wo er selbst nun schon seit einigen Jahren an einem Schiffe gearbeitet hatte. Hier zeigt' er ihm den Blok, der noch nicht um den dritten Theil ausgehöhlt war und sagte ihm, wie viel Zeit er schon darauf verwandt habe.

Freitag schüttelte den Kopf und lächelte. Auf Robinsons Frage: was er daran auszusezen fände? antwortete er: daß es all' der Arbeit nicht bedurft hätte; man könte einen solchen Blok viel besser und zwar in kurzer Zeit durch Feuer aushöhlen. Wer war froher über diese Nachricht, als Robinson! Schon sah er den Kahn vollendet; schon sah er sich im Geiste auf dem Meere und landete schon, nach einer glüklichen Fahrt, in einer Gegend des festen Landes, wo Europäer waren! Wie schlug ihm vor Freuden das Herz bei diesem Gedanken an eine so nahe Erlösung! – Es ward beschlossen, das Werk gleich mit Anbruch des morgenden Tages anzufangen.

Gotlieb. O nun wird die Freude bald aus sein!

Vater. Wie so?

Gotlieb. Ja, wenn er erst ein Schif hat, so wird er bald absegeln; und wenn er denn erst wieder in Europa ist: so kan Vater uns nichts mehr von ihm erzählen.

Vater. Und wolltest du auf dieses Vergnügen nicht willig Verzicht thun, wenn du des armen Robinsons Befreiung dadurch erkaufen köntest?

Gotlieb. Ach ja, das ist auch wahr! Ich hatt' es nur nicht bedacht.

Vater. Indeß, wer weiß, was wieder dazwischen kommen kan, daß der Schifbau oder die Abreise doch noch eingestellt werden muß? Die Zukunft ist ein ungewisses, veränderliches Ding, und fält gemeiniglich ganz anders aus, als wir erwartet hatten. Unsere Hofnungen, wenn sie auch noch so zuverläßig zu sein scheinen, schlagen nicht selten fehl; und es ist daher sehr weise, sich immer schon zum voraus darauf gefaßt zu machen. –

Robinson, der dies nun schon oft aus der Erfahrung gelernt hatte, ging jezt, von Freitag begleitet, mit dem frommen Vorsaze nach Hause, daß er die Erfüllung seines feurigsten Wunsches der alweisen und algütigen Vorsehung überlassen wolle, weil diese doch besser, als er selbst, wisse, was für ihn das Zuträglichste sei. Und so, meine lieben Kinder, wollen wir in ähnlichen Fällen es auch machen.

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