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Robinson der Jüngere

Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleJoachim Heinrich Campe
authorRobinson der Jüngere
year1981
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007665-x
titleRobinson der Jüngere
pages4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1779
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Vorbericht.

Wenn ich die mannigfaltigen Zwekke, die ich bei der Ausarbeitung dieses Werkchens vor Augen hatte, nicht alle verfehlt habe, so liefere ich hier ein Buch, welches in mehr, als einer, Hinsicht Nuzen verspricht. Ich wil diese Zwekke kürzlich darlegen, um einen jeden in den Stand zu sezen, sie mit der Ausführung zusammen zu halten. Das wird dan auch den Vortheil haben, daß angehende Erzieher daraus den Gebrauch ersehen können, den ich von diesem Buche gemacht wünsche.

Erstlich wolte ich meine jungen Leser auf eine so angenehme Weise unterhalten, als es mir möglich wäre; weil ich wußte, daß die Herzen der Kinder sich jedem nüzlichen Unterrichte nicht lieber öfnen, als wenn sie vergnügt sind. Auch darf ich hoffen, diese meine erste Absicht in einem ziemlichen Grade erreicht zu haben.

Dan nahm ich mir zweitens vor, an den Faden der Erzählung, die in diesem Buche zum Grunde liegt, so viel elementarische Kentnisse zu schürzen, als es, ohne meinem ersten Zwekke Eintrag zu thun, nur immer geschehen könte. Ich verstehe aber unter den elementarischen Kentnissen nicht etwa blos litterarische, sondern auch vornehmlich solche, welche den eigentlichen litterarischen oder wissenschaftlichen Elementen vorgehen müssen; nemlich alle die Vorbegriffe von Dingen aus dem häuslichen Leben, aus der Natur und aus dem weitläuftigen Kreise der gemeinen menschlichen Wirksamkeit, ohne welche jeder andere Unterricht einem Gebäude gleicht, das keine Grundlage hat.

Nebenbei wolte ich freilig auch drittens manche nicht unerhebliche litterarische Vorerkentniß, besonders aus der Naturgeschichte, mitnehmen, weil es sich auf einem Wege thun ließ. Denn warum hätt' ich nicht, stat der erdichteten Dinge, womit die Geschichte des alten Robinsons aufgestuzt ist, lieber wahre Gegenstände, wahre Produkte und Erscheinungen der Natur – und zwar in Beziehung auf diejenigen Weltgegend, wovon die Rede ist, – in meine Erzählung aufnehmen sollen, da ich beide zu einem Preise haben, und mit beiden einerlei Absicht erreichen konte? Schon eine Ursache, warum ich von der Geschichte des alten Robinsons bei der Meinigen wenig Gebrauch machen konte. Es werden sich mehrere finden.

Meine vierte und wichtigste Absicht war, die Umstände und Begebenheiten so zu stellen, daß recht viele Gelegenheiten zu moralischen, dem Verstande und dem Herzen der Kinder angemessenen Anmerkungen und recht viele natürliche Anlässe zu frommen, gottesfürchtigen Empfindungen dadurch hervorwüchsen. Auch um dieser Ursache willen mußte ich mir einen eigenen Stof nach meinem jedesmahligen Bedürfnisse schaffen und von der alten Geschichte abgehen. Derjenige also, der dies Buch blos zur Leseübung für seine Kinder brauchen wolte, (welches gewöhnlicher Weise nicht das angenehmste Geschäft für sie ist) werde meinen angelegentlichsten Wunsch, – den Samen der Tugend, der Frömmigkeit und der Zufriedenheit mit den Wegen der göttlichen Vorsehung, in junge Herzen auszustreuen, gar sehr vereiteln. Es sol erwachsenen Kinderfreunden zum Vorlesen dienen und nur solchen Kindern selbst in die Hände gegeben werden, die im Lesen schon eine zureichende Fertigkeit erlangt haben.

Meine fünfte Absicht hatte Beziehung auf eine dermalige epidemische Selenseuche, welche unter allen Kräften unserer gesamten körperlichen und geistigen Natur, zu recht sichtbarer Verminderung der Summe unserer Lebensfreuden, seit einigen Jahren eine so fürchterliche Verwüstung angerichtet hat. Ich meine das leidige Empfindsamkeitsfieber. Zwar hat – dem Himmel sei Dank! – die Wuth dieser moralischen Seuche in so fern wieder nachgelassen, daß sie nicht mehr eine Pestilenz ist, die am hellen Mittage verderbet, weil wohl keiner mehr das Schild der Empfindsamkeit öffentlich auszuhängen wagt: aber nichts destoweniger ist sie noch bis auf diesen Tag eine Seuche geblieben, die im Finstern schleicht, und gleich andern Krankheiten, deren man sich schämt, an der Gesundheit der menschlichen Sele im Verborgenen nagt. Nichts hat mich mehr dabei gejammert, als zu sehen, daß man das säße einschmeichelnde Gift dieser Krankheit auch unserer jungen Nachkommenschaft anzuhauchen und also auch das kommende Geschlecht eben so an Leib und Sele kränkelnd, eben so nervenlos, eben so unzufrieden mit sich selbst, mit der Welt, und mit dem Himmel zu machen suche, als es das gegenwärtige ist. Indem ich nun darüber nachdachte, welches wohl das wirksamste Gegengift wider diese Anstekkung sein mögte, stelte sich meiner Sele das Ideal eines Buchs dar, welches grade der Gegenfüßler der empfindsamen und empfindelnden Bücher unserer Zeit wäre; ein Buch, welches die Kinderselen aus der fantastischen Schäferwelt, welche nirgends ist, und in welche Andere sie hinzukörnen suchen, in diejenige wirkliche Welt, in der wir uns dermalen selbst befinden, und aus dieser in den ursprünglichen Zustand der Menschheit zurükführte, aus dem wir herausgegangen sind; ein Buch, welches jede in uns schlummernde phisische und moralische Menschenkraft wekte, anfeuerte, stärkte; ein Buch, welches zwar eben so unterhaltend und anziehend, als irgend ein Anderes wäre, aber nicht so, wie Andere, blos zu unthätigen Beschauungen, zu müssigen Rührungen, sondern unmittelbar zur Selbstthätigkeit führte; ein Buch, welches den jungen Nachahmungstrieb der Kindersele (den ersten unter allen Trieben, die bei uns zu erwachen pflegen) unmittelbar auf solche Gegenstände richtete, welche recht eigentlich zu unserer Bestimmung gehören, ich meine – auf Erfindungen und Beschäftigungen zur Befriedigung unserer natürlichen Bedürfnisse; ein Buch, worin diese natürlichen Bedürfnisse des Menschen mit den erkünstelten und eingebildeten, so wie die wahren Beziehungen der Dinge in der Welt auf unsere Glükseeligkeit, mit den fantastischen, anschaulich kontrastirten; ein Buch also endlich, welches Junge und Alte das Glük des geselligen Lebens, bei allen seinen Mängeln und unvermeidlichen Einschränkungen, recht mit Händen greifen liesse, und dadurch Alle zur Zufriedenheit mit ihrem Zustande, zur Ausübung jeder geselligen Tugend und zur innigsten Dankbarkeit gegen die göttliche Vorsehung ermunterte.

Indem ich mir das herliche Ideal eines solchen Buches dachte und schüchtern nach dem Manne, der's uns geben könte, umherblikte; fiel mir ein, daß schon Rousseau (Friede sei mit seinem abgeschiedenen großen Geiste!) einmahl ein ähnliches Buch gewünscht und – wie fing mein Puls an zu pochen! – schon zum Theil gefunden habe. Geschwind ergrif ich den zweiten Theil des Aemils, um die angenehme Nachricht davon noch einmahl zu lesen; und hier ist die Stelle, worin ich sie fand:

»Solte es wohl kein Mittel geben, so viele in so vielen Büchern zerstreuete Lehren näher zusammen zu bringen? sie unter einen gemeinschaftlichen Gegenstand zu vereinigen, der leicht zu übersehen, nüzlich zu befolgen wäre, und auch selbst diesem Alter zum Antriebe dienen könte? Wenn man eine Verfassung finden kan, worinnen sich alle natürliche Bedürfnisse des Menschen auf eine dem Geiste des Kindes sinliche Art zeigen, und wo sich die Mittel, für diese Bedürfnisse zu sorgen, nach und nach mit eben der Lebhaftigkeit entwikkeln: so muß man durch die lebhafte und natürliche Abschilderung dieses Zustandes seiner Einbildungskraft die erste Uebung geben.

Hiziger Philosoph, ich sehe schon Ihre Einbildungskraft sich entzünden. Sezen Sie sich in keine Unkosten; diese Verfassung ist gefunden, sie ist beschrieben und, ohne Ihnen Unrecht zu thun, viel besser, als Sie solche beschreiben würden, wenigstens mit mehr Wahrheit und Einfalt. Weil wir durchaus Bücher haben müssen, so ist eins vorhanden, welches nach meinem Sinne die glüklichste Abhandlung von einer natürlichen Erziehung an die Hand giebt. Dies Buch wird das Erste sein, welches mein Aemil lesen wird; es wird lange Zeit allein seine ganze Bibliothek ausmachen und es wird stets einen ansehnlichen Plaz darin behalten. Es wird der Text sein, welchem alle unsere Unterredungen von den natürlichen Wissenschaften nur zur Auslegung und Erläuterung dienen werden. Es wird bei unserm Fortgange zu dem Stande unserer Urtheilskraft zum Beweise dienen, und so lange unser Geschmak nicht wird verderbt sein, wird uns das Lesen desselben allezeit gefallen. Welches ist denn dieses wundersame Buch? Ist es Aristoteles, ist es Plinius, ist es Büffon? – Nein; es ist Robinson Krusoe.

Robinson Krusoe ist auf seiner Insel allein, von allem Beistande seines Gleichen und von den Werkzeugen aller Künste entblößt;Hierin irret Rousseau. Der alte Robinson hat Werkzeuge in Menge, die er von dem gestrandeten Schiffe rettete. Der gegenwärtige jüngere Robinson hingegen hat zu seiner Erhaltung nichts, als seinen Kopf und seine Hände. er sorget indessen doch für seinen Unterhalt, für seine Erhaltung und verschaft sich sogar eine Art von Wohlsein. Dies ist ein wichtiger Gegenstand für jedes Alter und man hat tausenderlei Mittel ihn den Kindern angenehm zu machen. Man sehe, wie wir die wüste Insel wirklich machen, die mir anfangs nur zur Vergleichung diente. Dieser Zustand ist, ich gestehe es, nicht des geselligen Menschen seiner. Wahrscheinlicher Weise wird er auch nicht Aemils seiner sein. Allein nach eben diesem Stande sol er alle die andern schäzen. Das sicherste Mittel, sich aber die Vorurtheile zu erheben, und seine Urtheile nach den wahren Verhältnissen der Dinge einzurichten, ist, daß man sich an die Stelle eines einzelnen Menschen seze und von allem so urtheile, wie dieser Mensch in Absicht auf seinen eigenen Nuzen davon urtheilen muß.

Dieser Roman, welcher von allen seinem Gewäsche entladen, mit Robinsons Schifbruche bei seiner Insel anfängt und sich mit der Ankunft des Schiffes endiget, welches ihn von da abholet, wird während der Zeit, wovon hier die Rede ist, Aemils Zeitvertreib und Unterricht zugleich sein. Ich wil, daß ihm der Kopf davon schwindle, daß er sich unaufhörlich mit seinem Schlosse, mit seinen Ziegen, mit seinen Pflanzungen beschäftige; daß er umständlich, nicht aus Büchern, sondern an den Sachen selbst lerne, was er in dergleichen Falle wissen muß. Er denke, er sei selbst Robinson; er sehe sich in Felle gekleidet, wie er eine große Müze, einen großen Säbel trägt und den ganzen seltsamen Aufzug des Bildes machet, bis auf den Sonnenschirm beinahe, den er nicht nöthig haben wird. Ich will daß er sich wegen der Maaßregeln beunruhige, die er nehmen sol, wenn ihm dies oder das abgehen würde; daß er die Aufführung seines Helden untersuche; daß er nachforsche, ob derselbe nichts unterlassen habe; ob nichts besser zu machen gewesen wäre; daß er seine Fehler aufmerksam anmerke und daß er sich derselben zu Nuze mache, damit er in dergleichen Falle nicht selbst darein gerathe. Denn man zweifle nicht, daß er nicht den Anschlag fasse, einen dergleichen Siz anzulegen. Dies ist das wahre Luftschloß dieses glüklichen Alters, worin man keine andere Glükseeligkeit kennet, als das Nothwendige und die Freiheit.

Was für ein Hülfsmittel ist doch diese Thorheit für einen geschikten Man, der sie nur hervorzubringen gewußt, damit er sie zum Vortheile anwende! Das Kind, welches gedrungen ist, sich ein Vorrathshaus für seine Insel anzulegen, wird weit hiziger sein zu lernen, als der Lehrmeister zu lehren. Es wird alles wissen wollen, was nüzlich ist, und wird nur das wissen wollen. Man wird nicht mehr nöthig haben, es zu führen; man wird es nur zurük zu halten brauchen. – Die Ausübung der natürlichen Künste, wozu ein einziger Mensch genug sein kan, führet zur Nachforschung derjenigen Künste des Fleisses und der Geschiklichkeit, welche nöthig haben, daß viele Hände zusammen kommen.«

So weit Rousseau!

Und so wäre es dan wirklich schon längst da gewesen, das wunderseltsame Buch, welches uns noch zu fehlen schien? – Ja! und nein! je nachdem man entweder die bloße Hauptidee von einem solchen Buche, oder die ganze Ausführung derselben meint. In jener Hinsicht (aus welcher Rousseau davon redet) ist es da, ist es längst da gewesen und Robinson Krusoe ist sein Nahme; in dieser fehlt' es bisher noch gänzlich. Denn ich brauche doch wohl nicht erst anzumerken, daß so viel weitschweifiges, überflüssiges Gewäsche, womit dieser veraltete Roman überladen ist, die bis zum Ekkel gezerte, schwerfällige Schreibart desselben und die veraltete, oft fehlerhafte Sprache unserer alten deutschen Uebersezung eben so wenig, als so manche, in Rüksicht auf Kinder, fehlerhafte moralische Seite desselben, keine wünschenswerthe Eigenschaften eines guten Kinderbuchs sind.

Hierzu kömt in der Geschichte des alten Robinsons noch etwas, welches einen der größten Vortheile zernichtet, den diese Geschichte stiften könte; ich meine den Umstand, daß Robinson mit allen europäischen Werkzeugen versehen wird, deren er nöthig hatte, um sich viele von denjenigen Bequemlichkeiten zu verschaffen, welche das geselschaftliche Leben gesitteter Menschen gewährt. Dadurch geht der große Vortheil verlohren, dem jungen Leser die Bedürfnisse des einzelnen Menschen, der ausser der Geselschaft lebt, und das vielseitige Glük des gesellschaftlichen Lebens, recht anschaulich zu machen. Abermahls ein wichtiger Grund, warum ich von der Geschichte dieses alten Robinsons abgehen zu müssen glaubte.

Ich zerlegte daher die ganze Geschichte des Aufenthalts meines jüngern Robinsons auf seiner Insel in drei Perioden. In der ersten solt' er ganz allein und ohne alle europäische Werkzeuge sich blos mit seinem Verstande und mit seinen Händen helfen, um auf der einen Seite zu zeigen, wie hülflos der einsame Mensch sei, und auf der andern, wie viel Nachdenken und anhaltende Strebsamkeit zur Verbesserung unsers Zustandes auszurichten vermögen. In der andern geselte ich ihm einen Gehülfen zu, um zu zeigen, wie sehr schon die bloße Geselligkeit den Zustand des Menschen verbessern könne. In der dritten Periode endlich ließ ich ein europäisches Schif an seiner Küste scheitern, und ihn dadurch mit Werkzeugen und den meisten Nothwendigkeiten des Lebens versorgen, damit der große Werth so vieler Dinge, die wir gering zu schäzen pflegen, weil wir ihrer nie entbehrt haben, recht einleuchtend werde.

Nach dieser Anzeige meines ganzen Plans werden meine Leser sich wundern, in diesem Bande nur die angezeigte erste Periode beschrieben zu finden. Hierüber und über den doppelten Titel, womit ich diesen Band versehen habe, muß ich mich jezt, und zwar besonders gegen die Herrn Subskribenten, erklären.

Von Allem, was ich bisher für die Presse schrieb, giengen wenigstens drei halbbeschriebene Bogen auf einen gedrukten. Dieser Erfahrung zu folge, hatte ich darauf gerechnet, daß ich zum jüngern Robinson nicht weniger Handschrift brauchte, als ich zu jedem andern Buche von zwanzig Bogen in klein Oktav bisher gebraucht hatte. Darnach schnit ich also bei der Ausarbeitung meinen Stof zu.

Jezt solte das Papier zum Druk eingekauft werden, und nun erfuhr ich die erste Buchhändler Verlegenheit. Man sagte mir, daß ich nur unter zweierlei Schreibpapierarten zu wählen hätte, wovon die Eine ganz grosses, die Andere kleines Format habe. Da das erstere für ein Kinderbuch von der Art, wie dieses, ein sehr unschikliches Format sein werde, so mußte ich mich zu dem Leztern entschliessen. Und nun ließ ich den Sezer Ueberschlag machen, wie viel der geschriebenen Bogen zu einem so gedrukten erfodert werden durften.

Da erfuhr ich dan zu meiner grossen Befremdung, daß derjenige Vorrath von Manuskript, den ich zu ohngefähr zwanzig Bogen bestimt hatte, wohl an vierzig ausmachen werde. Ich ließ den Ueberschlag zwei, dreimahl wiederholen, aber immer ergab sich dasselbe Resultat.

Nun befand ich mich in einer ausnehmenden Verlegenheit. Die Schrift durfte nicht kleiner, der Zwischenraum zwischen Zeilen und Lettern nicht enger sein, weil es ein Buch für Kinder werden solte. Wurden hingegen beide so gewählt, und solte dennoch das Ganze abgedrukt werden: so mußt' ich mich entschliessen, stat achtzehn bis zwanzig Bogen, die ich versprochen hatte, vierzig zu liefern. Wolt' ich dies: so mußt ich entweder von den Pränumeranten und Subskribenten einen ansehnlichen Nachschuß fodern, oder mich entschliessen, einen ansehnlichen Schaden zu leiden. Aber jenes untersagten mir meine Begriffe von Recht und Unrecht, dieses meine ökonomischen Umstände. Ich suchte also einen Mittelweg, dessen Einschlagung sich mit beiden vertragen könte, und fand ihn in folgender Einrichtung.

Ich beschloß nemlich, nur so viel Bogen drukken zu lassen, als ich versprochen hatte, und diesen die Form eines ganzen vollendeten Buchs zu geben; damit derjenige, der kein Verlangen träge, noch mehr davon zu besizen, nicht gezwungen werde, einen zweiten Theil zu kaufen. Für solche Subskribenten und Käufer ist der erste Titel beigelegt, auf welchem der Zusaz: erster Theil, weggelassen worden ist. Für Andere hingegen, welche Lust haben, sich auch die zweite Hälfte dieses Kinderbuchs anzuschaffen, ist der andere Titel bestimt, welcher diesen Zusaz hat.

Durch diesen Ausweg glaubte ich meinen Subskribenten und mir selbst Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Solte aber dem ohngeachtet Einer oder der Andere von jenen mit dieser Einrichtung nicht völlig zufrieden sein: so erkläre ich ihn hiermit von der Verbindlichkeit seiner Unterschrift völlig frei und bitte ihn, sein Exemplar irgend einem armen Kinde seines Orts zu schenken, und, stat der Bezahlung, mir blos zu melden, daß dieses geschehen sei.

Der zweite Theil also, der die Fortsezung und das Ende der Geschichte in sich faßt, wird, wenn sein Abdruk verlangt wird, ohngefähr eben so viel Bogen stark werden, als der gegenwärtige erste Theil enthält. Wenn ich frühzeitig genug benachrichtiget werde, daß eine zureichende Anzahl Subskribenten diesen zweiten Theil begehrt, so kan er, nebst der französischen Uebersezung, schon zur nächsten Ostermesse erscheinen. Ich ersuche daher die Resp. Besizer dieses ersten Theils mir ihren Willen baldigst anzuzeigen.

Ehe ich aber von meinen Lesern Abschied nehme, sei es mir vergönt, junge Erzieher auf eine Nebenabsicht aufmerksam zu machen, die mir bei der Ausarbeitung dieses Buchs gleichfalls, als ungemein wichtig, vor Augen schwebte. Ich hofte nemlich, durch eine treue Darstellung wirklicher Familienscenen ein für angehende Pädagogen nicht überflüssiges Beispiel des väterlichen und kindlichen Verhältnisses zu geben, welches zwischen dem Erzieher und seinen Zöglingen nothwendig obwalten muß. Wo dieses glükliche Verhältniß in seiner ganzen Natürlichkeit einmahl eingeführt worden ist: da sinken viele der sitlichen Erziehung entgegenstehende Klippen von selbst nieder: wo dieses aber nicht ist, – nun da nimt man seine Zuflucht zu dem Kompaß pädagogischer Künsteleien, dessen Abweichungen so mannigfaltig, und durch hinlängliche Beobachtungen bei weitem noch nicht bestimt sind. –

Uebrigens enthält diese Absicht den Grund, warum ich lieber wirkliche, als errichtete Personen, habe redend einführen, und meistentheils wirklich vorgefallene Gespräche lieber habe nachschreiben, als ungehaltene und künstlichere Dialogen habe machen wollen.

Ueber die Ursachen, die mich bewegen, in Büchern, die für Kinder bestimt sind, die gewöhnliche so genante Rechtschreibung mit ihren meisten Anomalien beizubehalten, habe ich mich in der Vorrede zum zweiten Bändchen meiner kleinen Kinderbibliothek erklärt.

Man hat von diesem Buche zugleich eine französische Uebersezung, zum Nuzen der Lehrlinge dieser Sprache veranstaltet, die sich hoffentlich von selbst empfehlen wird. Solte sich ein, der lateinischen Sprache hinlänglich, mächtiger, Man finden, der Lust und Muße hätte, eine gute lateinische Uebersezung davon zu machen: so würde dadurch eine sehr erhebliche Lükke in unserer dermaligen, noch so überaus mangelhaften Schulbibliothek ausgefült werden. Denn wo ist das Buch, welches man Langens erbärmlichen Kolloquien unterschieben, und den ersten Lehrlingen der lateinischen Sprache, ohne alle Bedenklichkeit in die Hände geben könte? Das Buch, meine ich, welches lauter, für solche Kinder verständliche, für solche gehörige, für solche auch zugleich angenehme Sachen in einem leichten lateinischen Gewande enthielte? Ich hab' es sorgfältig gesucht; aber fand es nirgends.

 
Hamburg im Junius 1779.
 

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