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Ritter Harold's Pilgerfahrt

George Gordon Noël Byron: Ritter Harold's Pilgerfahrt - Kapitel 2
Quellenangabe
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typepoem
authorGeorge Byron
titleRitter Harold's Pilgerfahrt
publisherVerlag von Phillip Reclam jun.
seriesLord Byrons sämtliche Werke
volumeErster Band
translatorAdolf Seubert
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vorrede

zum 1. und 2. Gesang.

Das nachfolgende Gedicht wurde größtentheils mitten in der Scenerie niedergeschrieben, die es zu schildern versucht. Es wurde in Albanien begonnen; die Partieen, welche Spanien und Portugal behandeln, sind den Beobachtungen des Verfassers in diesen Ländern entflossen. So viel in Beziehung auf die Genauigkeit der Darstellung.

Spanien, Portugal, Epirus, Acarnanien und Griechenland sind die Schauplätze der Scenen, die ich hier zu skizziren versuchte. Hiemit schließt das Gedicht vorerst ab; von seiner Aufnahme im Publikum wird es abhängen, ob der Verfasser es wagen wird, seine Leser nach der Hauptstadt des Orients, durch Ionien und Phrygien zu führen.

Diese zwei Gesänge sind somit nur ein Fühler.

Eine fingirte Persönlichkeit wurde gewählt, um die einzelnen Theile des Gedichts inniger mit einander zu verbinden, das übrigens keinen Anspruch auf Regelmäßigkeit macht. Meine Freunde, auf deren Urtheil ich großen Werth lege, haben mir zu bedenken gegeben, daß ich in den Verdacht gerathen könnte, als wollte ich unter dem erdichteten Ritter Harold eine wirkliche Persönlichkeit darstellen. Ich müßte eine solche Unterstellung ein für alle Mal zurückweisen: Harold ist lediglich ein Kind meiner Phantasie und hat keinen andern als den angeführten, Zweck. In einigen unbedeutenden Kleinigkeiten und rem localen Beziehungen könnte man vielleicht einen Grund für jene Meinung finden, in der Hauptsache aber gewiß nicht.

Es wird wol kaum nöthig sein, zu bemerken, daß die Benennung Childe (Ritter), wie dies auch bei Childe Walters, Childe Childers u. A. der Fall ist, lediglich deshalb beliebt wurde, weil sie mit dem gewählten Versmaß besser übereinstimmt als eine andere. Die »Gute Nacht« zu Anfang des ersten Gesangs verdankt ihre Entstehung der »Gute Nacht« des Lord Maxwell im den von Scott herausgegebenen Minnesängerliedern.

Im ersten Theile, welcher die pyrenäische Halbinsel behandelt, wird man eine Ähnlichkeit mit verschiedenen über Spanien publicirten Gedichten entdecken; doch ist diese Ähnlichkeit nur eine zufällige, denn mit Ausnahme einiger Stanzen am Schlüsse, wurde das ganze Gedicht in der Levante geschrieben.

Die Spenser'sche Stanze gestattet nach der Ansicht eines unserer glücklichsten Dichter, jede Abwechselung. Dr. Beattie macht nämlich folgende Bemerkung hierüber: »Vor einiger Zeit begann ich ein Gedicht in Spenser'schen Stanzen. Ich habe die Absicht hiebei, meiner poetischen Laune vollkommen die Zügel schießen zu lassen, und wie es mir gerade kommt, heiter oder pathetisch, malerisch oder empfindsam, zärtlich oder satyrisch zu sein; denn wenn ich mich nicht täusche, gestattet jenes Versmaß jede dieser Ausdrucksweisen gleich gut.«

Diese Autorität und das Beispiel der größten italienischen Dichter haben mich in meiner Ansicht hierüber bestärkt und so werde ich den Versuch eines ähnlichen Wechsels im Ausdruck in dem nachfolgenden Gedichte nicht weiter entschuldigen. Wenn es nicht durchschlägt, so wird der Fehler eher in der Ausführung, als in der Methode zu suchen sein, welche durch die Praxis eines Ariost, Thomson und Beattie genügend sanctionirt sein dürfte.

London, im Februar 1812.

Zusatz zur Vorrede.

Ich habe abgewartet, bis die meisten periodischen Zeitschriften ihre gewöhnliche Portion Kritik über mein Gedicht abgegeben hatten.» Im Allgemeinen habe ich gegen die Gerechtigkeit derselben nichts einzuwenden; es würde mir übel lassen, wenn ich selbst einen gelinden Tadel nicht annehmen wollte. Waren sie weniger mild, so waren sie vielleicht aufrichtiger. Ich habe daher nur meinen besten Dank für ihre Güte zu sagen.

Nur in Betreff eines Punktes sei mir eine Bemerkung erlaubt. Unter anderen gerechten Einwürfen gegen den Charakter des unstäten Ritters (ich muß trotz Allem darauf beharren, daß er eine fingirte Persönlichkeit ist) hat man auch angeführt, daß er, abgesehen von dem Anachronismus, kein sehr ritterliches Wesen zeige, denn die Zeit der Ritter sei die der Liebe und Ehre. Nun war aber die gute alte Zeit, wo l'amour du bon vieux temps, l'amour antique blühte, die erbärmlichste aller Zeiten. Wer hierüber noch einen Zweifel hat, der möge Sainte Palaye, insbesondere Band II., S. 69, nachlesen. Die Gelübde der Ritterschaft wurden ebenso wenig gehalten wie die andern und die Lieder der Troubadours waren nicht sittlicher und jedenfalls weniger fein als die Ovid's. Die Cours d'amour, parlemens d'amour ou de courtésie et de gentilesse hatten weit mehr mit Liebe als mit Höflichkeit und Sitte zu thun. Man sehe Roland über diesen Gegenstand. Mag man der höchst unliebenswürdigen Persönlichkeit des Ritter Harold Vorwürfe machen, welche man will, ritterlich ist er: gewiß kein knechtischer Sklave, sondern ein Ritter des Tempels. Sir Tristrem und Sir Lancelot waren auch nicht besser, sehr poetische Figuren, wahre Ritter sans peur, aber nicht sans reproche. Wenn die Geschichte von der Entstehung des Hosenbandordens keine Fabel ist, so haben die Ritter dieses Ordens Jahrhunderte lang das Strumpfband der Gräfin Salisbury gleichgiltigen Angedenkens getragen. So viel vom Ritterthum. Burke hätte wirklich nicht zu bedauern brauchen, daß die Tage desselben vorüber seien, obschon Marie Antoinette ebenso keusch war, wie die meisten Damen, denen zu Ehren Lanzen gebrochen und Ritter in den Sand gestreckt wurden.

Von Bayard bis Sir Joseph Banks (dem keuschesten und gefeiertsten Ritter aller Zeiten) wird es in dieser Richtung wenige Ausnahmen geben; und ich glaube, daß wir bei einigem Nachdenken die ungeheuerlichen Mummereien des Mittelalters nicht zurückwünschen werden.

Ritter Harold muß nun einmal bleiben wie er ist; es wäre vielleicht angenehmer und jedenfalls leichter gewesen, einen liebenswürdigeren Charakter zu zeichnen. Ich hätte leicht seine Fehler übertünchen, ihn mehr handeln und weniger sprechen lassen können. Ich wollte ja aber kein Musterbild aus ihm machen, sondern nur zeigen, wie eine frühzeitige Verderbniß des Herzens und der Sitten zur Uebersättigung in alten Genüssen und zur Täuschung über neue führt und daß selbst die Schönheiten der Natur und die Reize des Reisens an einem so angelegten oder vielmehr irregeleiteten Gemüthe spurlos vorübergehen. Hätte ich das Gedicht fortgesetzt, so hätte der Charakter gegen den Schluß hin an Tiefe gewonnen; denn meine Skizze sollte ein moderner Timon, ein poetischer Zeluco werden.

An Janthe.

Nicht in den Ländern, die ich jüngst durchirret,
Obwol dort Schönheit lang für einzig galt,
Nicht in den Träumen, die mich oft verwirret
Durch Formen, ach! womit ein Traum nur prahlt,
Hat sich ein Wesen mir wie du gemalt!
Ich will auch nicht vergeblich unternehmen,
Den Reiz zu schildern, der so wechselnd strahlt;
Wer dich nicht sah, der könnte sich nur grämen,
Doch wer dich einmal sah, vor dem müßt' ich mich schämen.

Ach mögst du, was du jetzt bist, immer bleiben!
Und nie verrathend, was dein Lenz verspricht,
So schön an Leib, wie rein an Seele treiben,
Ein Amor, dem die Schwinge nur gebricht,
Und arglos wie selbst Hoffnung ahnte nicht.
Doch Die jetzt wacht, ob deinen Jugendjahren,
Sie schaut in dir, in deinem sanften Licht
Den Friedensbogen über ihren Laren,
Vor dessen Glanz vergehn die Nöthen und Gefahren.

Peri des Westens, lieblichste der Frauen!
Wie gut, daß du nur halb so alt wie ich!
Mein Auge kann dich ungerührt nun schauen
Und ruhig freuen deiner Schönheit sich;
Erbleicht sie einst, betrübt es nicht mehr mich,
Und während alle jungen Herzen bluten,
Entgeht das meine jenem tiefen Stich,
Der mitten in der Liebe höchsten Fluten
Den Armen trifft, den du beglückt mit deinen Gluten.

O laß dein Aug', das wild wie der Gazelle,
Jetzt strahlend kühn, jetzt wieder schüchtern hold,
Im Fluge siegt, verwirrt wo's ruht zur Stelle,
Dies Blatt bethaun, und weig're nicht das Gold
Des Lächelns ihm, wonach ich seufzen sollt',
Wollt' je ich mehr dir als ein Freund erscheinen;
Dies thu' und frag' nicht, reizender Kobold,
Warum mein Lied ich weih' der jungen Kleinen,
Laß meinem Kranze mich die reine Lilie einen.

So ist dein Name meinem Lied verwoben!
Eh' noch ein milder Richter schaut hinein,
Ward Janthe's Blick im Harold aufgehoben
Und soll deshalb zuletzt vergessen sein.
Wenn einst, da schon gezählt die Tage mein,
Die Huldigung Deß, der dich, Holde, grüßte,
Zu meiner Leier zög' dein Händchen fein,
Das Höchste wär's, was ich zu wünschen wüßte
Und, darf's die Hoffnung nicht, doch Freundschaft fordern müßte.

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