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Richard Dehmel: Erl

Richard Dehmel: Richard Dehmel: Erl - Erlösungen
Quellenangabe
modified20170815
typepoem
titleErlösungen
authorRichard Dehmel
year1920
firstpub1891
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Richard Dehmel

Erlösungen

 


 

Inhalt, sortiert nach Titel:

 


 

Die zwölf sittsamen Gastwirte

        Ihr Alle kennt den Dichter Liliencron,
den Freiherrn von Poggfred, den reichen armen Baron.
Doch bevor er sein Luftschloß, sein ewiges, baute,
war er Hardesvogt auf Pellworm und verdaute
Akten auf dieser »vermaledeiten einsamen kleinen Insel«
in der windigsten Gegend der Nordsee.

Im Amtskreis des Hardesvogts Liliencron
hatten dreizehn Gastwirte abwechselnd Tanzkonzession.
Und er ließ die Leute tanzen, soviel sie wollten,
mit der dollste, wenn sie nach Noten dollten;
weshalb er noch heute dort der Tanzbaron genannt wird,
wenn der Wind mal leise seinen Dichternamen hinträgt.

Da erhielt der Hardesvogt Liliencron
eines Morgens eine Denunziazion:

Gastwirt Nielsen untergrabe die guten Sitten,
er habe wiederholt den »Turnus«. überschritten.
Und verfaßt war das Skriptum nicht etwa vom Herrn Pfarrer,
sondern von den andern zwölf Gastwirten dieser
»vermaledeiten einsamen kleinen Insel«.

Der Herr Hardesvogt, der Dichterbaron,
kannte seine lieben guten Sittenwächter schon.
Und nächsten Nachmittag mußten die zwölf Tugendreinen
beim Gastwirt Nielsen, ihrem Konkurrenten, amtlich »erscheinen« –
und der Hardesvogt sprach vor Vernehmung des Tatbestandes:
Nu laat uns mal fix ierst 'n lütt Runn' Grogk kriegn!

Alsdann ließ leutselig der Herr Baron
den Ersten sich äußern, ohn Ansehn der Person.
Er ließ ihn weitschweifig immer weiter schweifen,
er hörte wohl draußen die Möwen keifen,
bis der nichts mehr wußte – da sprach der Herr Hardesvogt:
Denn laat uns man fix noch 'n lütt Runn' Grogk kriegn!

Und dann ließ der leutselige Herr Baron
den Zweiten sich äußern, im nämlichen Ton.
Er hörte wohl draußen über den Deichen
die Schneegänse schnatternd durchs Abendrot streichen
bis er abermals sprach: Na denn, miene Herrn,
denn laat uns man noch so'ne lütt Runn' Grogk kriegn!

Und dann lauschte dem dritten und vierten Sermen
der Herr Hardesvogt, der Dichterbaron.
Er hörte derweil wohl draußen im Grauen
einen wilden Schwan sich Bahn durch den Nebel hauen –
bis Gastwirt Nielsen Licht machte und höflich meinte:
Schall't denn woll noch sone lütt Runn' Grogk sien?

Und so hörte der Hardesvogt Liliencron
alle zwölf Konkurrenten, ohn Ansehn der Person.

Und als der zwölfte seinen Sermon geschlossen,
da war die siebente Runde Grogk genossen,
und das machte pro Mann eine Mark und fünfundsiebzig
oder zusammen zweiundzwanzig Mark fünfundsiebzig.

Da erhob sich der deutsche Dichterbaron
und sprach im königlich preußischen Regierungston:
Der p. p. Nielsen hat sich fraglos als sittenlos erwiesen,
und somit tu ich hiermit demselben zu wissen:
er zahlt eine Ordnungsstrafe im Betrag von drei Reichsmark –
Adjüs, miene Herrn! –

Da erhielt der Hardesvogt Liliencron
nie wieder eine Denunziazion.

Aber leider trat die Hohe Regierung
mit seinem Tanzbein in zarte Berührung;
itern ist er auf Poggfred, sein ewiges Luftschloß, gezogen,
denn da tanzen wir Alle nach seinem Fidelbogen.
Alle! –

 


 

Adlerschrei

        Schwere Tage schwanden,
seit ich zu dir stieß,
all im Flug bestanden,
von den Hügellanden
her durch Stürme auf dies Bergverlies.

Mit erprobten Schwingen
hocken. wir im Nest,
sehn die Wolken ringen,
fast zum Herzzerspringen
warm an unsre junge Brut gepreßt.

Und ich darf nicht fragen:
ist dir das genug?
darf nur Sehnsucht tragen
nach den schweren Tagen,
hin durch Stürme, Herz, zu kühnerem Flug!

 


 

Allgegenwart

        Du gehst nie von mir,
ich bleibe bei dir;
denn du bist in mi
fern wie nah.

In jedem Herzschlag,
der mich belebt,
bist du's, die mit mir
durchs Leben strebt.

Mit jedem Atemzug,
der mir die Seele klärt,
fühl ich, wie deine
Seele mich nährt,

die mir allinnerlich
Seele der Welt ist,
in Allem such ich dich,
du Welt mit mir!

In Allem find ich dich:
dich in dem bangen
Hinausverlangen
des Winds im Wald,

dich in dem Widerstreit
der Blätter über mir,
dich in der Innigkeit
der Gräser hier,

dich in der Wolke dort,
aus der die Sonne quillt,
wie du so lauter,
so warm und mild,

dich in der Träne,
die jetzt von Herzen still
aus meinen Augen
zu dir will.

 


 

Das alte Lied

        Die Rosenknospe gab sie mir,
ein weh Lebwohl klang nach;
ich wollte lächeln, als ich ihr
dafür ein Lied versprach.

Ihr stand ein Tränchen im Gesicht,
und lächeln wollte sie auch;
doch lächelten wir beide nicht,
das ist so Abschiedsbrauch.

Jetzt lächel ich in einem fort,
und ihr ist nicht mehr weh;
die Rosenknospe ist verdorrt,
das Lied ist aus – juchhee!

 


 

Den Anbetern Rembrandts

        Rembrandt und ihr? – Wer vor ihm kniet,
wer sich nicht reckt: Licht, gib mir Schwingen!
wird nicht das kleinste Fingerglied
von seiner Riesenhand erdringen.

 


 

Anders

        Du hast mir wundervoll beschrieben,
wie dich die Liebe fast zerbricht;
mich aber, du, mich liebst du nicht,
sonst würdest du mich anders lieben.

Sonst würdest du den Freund beglücken
und dächtest nicht an Ruf und Pflicht,
und dankbar würd' ich mein Gesicht
in deine seligen Brüste drücken.

Sonst wär ich nicht so stumm geblieben,
wenn mir dein Mund von Liebe spricht;
Ich nicht! – Nein nein, du liebst mich nicht;
sonst – o, wie anders würd' ich lieben!

 


 

Ansturm

        Nur zürne nicht, wenn mein Begehren
brausend aus seinem Dunkel bricht.
Soll es mich selber nicht verzehren,
muß ich's aussprühn! ans Licht, ans Licht!

Fühlst ja, wie all mein Innres brandet.
Und wenn herauf der Aufruhr bricht,
jäh über deinen Frieden strandet,
dann bebst du – aber zürnst mir nicht.

 


 

Ein Artifex

        Kunstkünstler – Meister in Kostümchen
für menschenleere Heiligtümchen
da prunkt sein Lebenswerk: ein Rühmchen.

 


 

Ausgleichungen

        Ob du Schönes erschaffst, ob lieber Wirkliches nachformst:
wnn das Schöne nur echt, wenn nur das Wirkliche wahr!
Freilich, das Schöne ist echt allein durch die Wahrheit des Wesens,
aber dasWirkliche schon wahr durch die Echtheit des Scheins.

Schwer, den gärenden Geist derZeit ans Licht zu beschwören;
schwerer den klärenden Geist, weil er verborgener wirkt.
Aber wir fühlen, er wirkt! Ihn schaun war immer des Lebens
höchste Sehnsucht und Lust, höchste daher auch der Kunst.

Jede Gewöhnung, sogar die Verstellung, wird Eigenschaft schließlich;
Schwermut, stelle dich leicht, bis du zum Gleichmut gedeihst!

 


 

Ballnacht

        Prunkende Klänge,
Tanz und Geflirre.
Stumm im Gedränge
steh ich und irre.
Steh ich und starre, suche nach dir,
und weiß und weiß doch, du bist nicht hier.

Alle die Blicke,
was sie wohl plaudern,
die Händedrücke,
die Hast, das Zaudern.
Immer verworrener, wie im Traum,
fremder und fremder rauscht der Raum.

Köpfe wiegen sich,
Füße schweben,
Arme biegen sich:
sinnlos Leben.
Sterbende Blumen, weh tuendes Licht,
seltne Juwelen, nur Seelen nicht.

Wie blaß die Sterne
durchs Fenster blinken!
O könnt ich ferne
jetzt hinsinken
mit ihren Strahlen zu Dir, zu Dir,
die du im Traum noch fühlst mit mir!

 


 

Bekenntnis

        Ich will ergründen alle Lust,
so tief ich dürsten kann;
ich will sie aus der ganzen Welt
schöpfen, und stürb' ich dran.

Ich will's mit all der Schöpferwut,
die in uns lechzt und brennt;
ich will nicht zähmen meiner Glut
heißhungrig Element.

Ward ich durch frommer Lippen Macht,
durch zahmer Küsse Tausch?
Ich ward erzeugt in wilder Nacht
und großem Wollustrausch!

Und will nun leben so der Lust,
wie mich die Lust erschuf,
Schreit nur den Himmel an um mich
ihr Beter von Beruf!

 


 

Ein bengalisches Licht

        Seht, das Dunkel scheint zu blühen!
Ja, die trübe Nacht errötet;
und die Finsternisse tötet
sacht ein schmachtendes Erglühen.

Nebel, die, durch Schatten schwimmen,
rosig hüllen sie das Grauen,
locken mich, dies holde Glimmen
immer näher zu beschauen.

Ach! welch Flackern nun und Schwelen,
welch ein Qualmen übler Dünste.
Keusche Nacht, durch Zauberkünste
will man deinen Reiz dir stehlen.

 


 

Glockenklänge an Bismarck

am Tage seiner Amtsenthebung, 20. März 1890

        Glocken, Glocken, wir
Mund der Macht,
oft wehklagten wir dem Donner,
oft frohlockten wir dem Flammensturm;
heut, Volk, frohlocken,
heut, Bismarck, klagen wir
dumpf Euch! aber
immer, Glocken,
dröhnt aus unserm
Mund die Macht.

Immer hungrig,
tief auf nach Opfern
stöhnt der Mund der Macht.
Doch auch immer
öffnet weit zu. hohen Jubellauten
dann den Mund die dunkle Mutter;
denn noch immer
zeugt sich, zeugt sich Opfer dann
unerschöpflich jung die Kraft der Macht.

Nur ein Hauch,
kommt und rührt der Lockruf
der erhabnen Mutter
die Erkornen.
Und empor, sturmgleich,
ihrem Schooß zu,
folgen sie gebannt und wachsen
zu den Wolken,
folgen sie und wankend
bebt der Boden; und sie fallen.

Einem Schooß entsprungen,
einem Muttergrunde,
rollt der Strom und
quoll der Glutblock,
der erkaltend – seht! – den Stromlauf, staut.
Hingetümt, schroff,
stolz im Wege der empörten Flut,
starr thront das Lavahaupt,
lagert die gewaltige Sohle:
seht starrer immer,
nur gewaltiger noch
von der Wucht der Brandung
eingebohrt dem Grund, der beide schuf.
Aber aufgebäumt nun:
wuchtiger prallt, wühlt, kocht der junge Strom,
seht, wuchtiger immer,
und es wankt die Sohle,
wankt das starre
alte Haupt,
das zur Macht die Kraft der Stromflut
stauend hob.

Horcht! Dumpfhin krachen,
hochauf rauschen
jäh verworrne Jubelklagelaute.
Horcht in Ehrfurcht:
heut gefallen,
weicht der Macht ein Opferzeuge.

Ruhe, ruhe,
Bismarck, graue Klippe du!
rolle, rolle,
Volk, du aufgewühlte junge Stromflut!
bald versprüht
eurer keuchenden Umarmung
dumpfe Wut,
ausgerungner Opferkampf.
Denn auch Er, der heute
übers alte Haupt dir, du Gestürzter,
hoch hinweg im Zollern-Stolz geschäumt ist:
ja, ein Schaum nur sprüht er,
der die Stromflut,
die empörte junge Stromflut krönt.

Doch wohin, wohin nun – fragst du schwer –
stürzt die Flut, die jäh verworrne Flut?!

Lausche, du Erlauchter,
der du selbst mit Kronen spieltest,
selbst dem Lockruf der erhabnen Mutter folgtest,
der du mit umwölkter Stirne
nun im abendstummen Park die dunkeln
Lebensbäume siehst
vom schwachesten Lufthauch schwanken:
lausche nur den fernen Glocken,
Sohn der dunkeln,
immer jungen,
nimmer satten Mutter Du:
der Macht! –

 


 

Durch die Blume

        Ich kann dir nicht die Blume nennen,
der deine Seele gleicht.
Sie müßte tief scharlachen brennen.
Solche Blumen welken leicht.

Und wen ihr roter Liebreiz bannt,
der möchte sie verjüngen
und muß tief herum den Sand
mit seinem Blute düngen.

 


 

Der Bräutigam

        Mein tolles Herz,
ich leg auf dich die Hände.
Nun träum dich an ein sonnig fern Gelände,
da deckt man dich mit stillen Blumen zu.
Da lauscht eine Mutter
dem Ruf der Morgenglocken
und glättet einer Braut die wirren Locken
und bittet dich: gieb Ruh, gieb Ruh.

 


 

Ein Brandbrief

        »Schöne und geliebte Dame« –
wenn die Kühnheit uns erlaubt ist;
oder,wenn sie nicht erlaubt ist,
»Gnädiges, verehrtes Fräulein« –
hehre Schwester in Apoll!

Höchst prosaisch, aber desto
mehr gelesen ist das Prachtwerk,
höchstens noch der Bildungs-Meyer
ist in Deutschland mehrgelesner
als dies Prachtwerk, drin wir eben
mit dem großen Blick der Freude
und mit kleinen Lettern Euer
holdes Dichterheim entdeckten,
nämlich im Adreßkalender:
Numro dreizehn, Blühmkes Hof.

Ach, der Eine von den beiden
höflichst Endesunterschriebnen
kann den Sonntag nicht vergessen,
jenen Sonntag, Donna Agnes,
als wir unter den Akazien
auf dem schmalen tiefen Sandweg,
neben dem Kartoffelacker
mit den vielen rosaroten
abendlich beglänzten Blümlein,
von den kleinen Kindern schwärmten,
ganz besonders von den dicken,
die Sie gern anbeißen möchten,
ach, und dann auch von den großen,
aber leider ziemlich magern
Kindern, jenen unverblümten
Liebesdichtern, die Sie, glaub' ich,
auch am liebsten beißen möchten,
ach, und von dem – Herrn Major.

Nein, er wird es nie vergessen,
nie und nimmer, dieser Eine.
Und der Andre von den beiden
höflichst Endesunterschriebnen
hat vor Neid kaum essen können
(achtzig Pfennig à la carte) –
als ich einmal übers andre
mein Erlebnis mit geschwenkter
Gabel in die Lüfte malend
»unvergeßlich, unvergeßlich«
schwurbereiten Mundes rief.
Ach, der Ärmste, dieser Andre:
melancholisch vor dem leeren
Teller saß er, saß und knurrte
durch den dicken, herbstlaubblonden,
mittaglich bewegten Schnurrbart:
»Teufel, war der Braten hart!«

Aber ich, ein Arzt für Seelen,
die sich selbst nicht helfen können,
winkte mit geschwungnem Messer
einem schwarzgeschwänzten Bückling:
»Kellner, bitte, das Rezeptbuch,
nein, pardon, Adreßbuch mein' ich«
und so fand ich und verschrieb ich
jenem Andern und mir selber:
Numro dreizehn, Blühmkes Hof.

Donna Agnes, zwei Verlassne,
die sich selbst nicht helfen können:
denn des einen Liebesdichters
Leib-und-Seelen-Zuflucht hat sich
in ein Ostseebad verflüchtigt,
und der andre mit dem dicken
blonden Schnurrbart hat gar keine:
zwei von Weib und Welt Verlassne
flehen hier mit zwanzig Fingern
um ein hilfbereites Herz.

Donna Agnes, Eures Namens
keusche Schutzpatronin wird Euch
mit viel tausend deutschen Lesern
und noch deutschem Leserinnen
einst zum Lohne benedeien:
Donna Agnes, bitte bitte,
pumpen Sie uns hundert M!

Wir verpflichten uns auch gerne,
sie uns selber abzuholen,
sie und Sie, und anstandshalber
auch die Sonne mitzubringen,
echte goldne Sonntagssonne,
die auch Wochentags kann scheinen,
einen ganzen halben Tag lang,
in ein paradiesisches Gärtchen,
wo es einen himmlischen Sekt gibt,
wo wir Abends mit den Blättern
um die Wette schwärmen können,
mit den Blättern der Akazien
oder auch der Roßkastanien
oder des Kartoffelackers,
von den kleinen dicken Kindern,
von den Kindern wie die Kinder,
nur nicht von dem – Herrn Major.

Item: Eures Winks gewärtig,
jedem Stephansboten fluchend,
der nicht Botschaft von Agnesen,
Botschaft und Entbietung bringt:
liegen wir (Straubinger Straße,
Numro fünfzehn, fünfte Treppe)
Donna Agnes, hehre Schwester,
ehrerbietigst hier auf unsern
unverblümten Dichterknieen
Dir zu Füßen:

Richad Dehmel,
Detlev Freiherr Liliencron.

 


 

Die Buße

        Graf Richard, was jagst du durch die Nacht,
als fliehst du vor deinem Gewissen?
Es war deine Pflicht, es war dein Recht!
Dein Weib beim Knecht:
das haben sie büßen müssen.

Graf Richard, was stierst du so ins Feld?
die Tote liegt still auf der Bahre!
Noch stiller als damals, da sie kalt deiner Gewalt
folgte zum Traualtare! –

Und hin, dahin am Eichenhain,
herunter vom Feld, die Straße hinein,
zurück, zurück zum Schlosse!
Wie schleichen die Nebel herüber vom Moor,
wie schaun aus der Waldung die Schatten hervor!
Dem Reiter wird wirr, wirr dem Rosse.

Hin, hin, vorbei mit hängendem Zaum,
vorüber, vorüber an Baurn und Baum,
will's Haus denn noch immer nicht ragen?
Noch Einmal küssen, und wär's mein Tod,
die blasse Wunde! Barmherziger Gott,
ich hab sie aus Liebe erschlagen! –

Was steht da auf aus Dunstes Wogen,
was schwebt so sanft, so bleich?
Was ist so bräutlich angezogen
und breitet die Arme so weich?
Allmächtiger Vater, sie lebt! sie verzeiht!
nun bin ich erlöst, nun bin ich befreit!

Was schwebt zurück, was schwebt entgegen,
vorbei an Stamm und Stamm?
Was schwebt und winkt auf schwanken Stegen
herunter vom sichern Damm?
Halt stille doch, Liebling! ich nehm dich aufs Pferd!
ich hab dich so lange, so sehr begehrt! –

Ich will dich haben! heut wirst du Mein!
hörst du? dein Gatte will ich sein!
Und glühenden Blicks irr vorgebeugt
hetzt er und horcht er; der Rappe keucht,
die Nebel kochen im Moore.

So halt doch stille, verfluchtes Weib!
Mir, hörst du, mir gehört dein Leib!
Halt! steh! sag Amen, verrückte Braut!
Halt-gurgelt's, verröchelt's in Schlamm undKraut;
die Nebel rollen im Rohre.

 


 

Christliche Frage

        Ist euch der »Heiland der Welt« als Gott nur wert der Verehrung?
Gilt euch ein menschlicher Gott mehr als ein göttlicher Mensch?

 


 

Das Eine

        Was sind Worte, was sind Töne,
all dein Jubeln, all dein Klagen,
all dies meereswogenschöne
unstillbare laute Fragen –
rauscht es nicht im Grunde leise,
Seele, immer nur die Weise:
still, o still, wer kann es sagen!

 


 

Denkzettel für den verehrten Leser

              Verehrter Leser! Mensch! ich beschwör dich:
lies mich richtig, Mensch, oder scher dich!
Nämlich das Lesen von Gedichten
ist zwar sehr einfach zu verrichten,
aber grade die einfachen Sachen
pflegt bekanntlich der Mensch sich schwer zu machen.
Vor allem: such keinen »Grundgedanken«!
sonst kommen deine paar Sinne ins Wanken.
Will ich dir meine Gedanken reichen,
schreib ich Sprüche, Aufsätze und dergleichen.
Gedichte sind keine Abhandlungen;
meine Gedichte sind Seelenwandlungen.
Selbe vollziehen sich aus Gefühlen,
die den ganzen Menschen aufwühlen.
So ein Gefühl, das steigt dann zu Kopfe,
sträubt mir manchmal die Haare vom Schopfe,
setzt mir meine paar Sinne in Schrecken,
daß sie plötzliche Luftbilder hecken;
die greifen einander in buntem Lauf,
jagen wohl auch Gedanken mit auf,
die dann über dem Grunde schaukeln,
etwa wie Schmetterlinge gaukeln
um eine große glühende Blume
über dem Brodem der Ackerkrume,
und so fang ich sie auf im Nu,
weiß wohl wie, weiß nicht wozu,
ist eine planvoll zwecklose Geschichte,
kurz – ich erlebe meine Gedichte.
Und kein Erleben geschieht aus Gedanken;
ach, die Gedanken sind nur Ranken,
die wir arabeskenhaft flechten
um Manifeste von grundlosen Mächten.
Denn das Leben hat kein Gehirn,
verwirrt dir höchstens Dein Gehirn,
wird dir nur mit Schmerz oder Lust
als ein beseelender Wille bewußt,
der dich unsinnig treibt und lockt,
und den zu verdauen, Mensch, unverstockt,
mit unsern paar Sinnen, für Heid wie Christ
die wahre Seelenseligkeit ist.
Drum, verehrter Leser, Mensch, ich beschwör dich:
verdau mich ebenso! sonst scher dich!
Und verwirrt dich doch mal mein Gewühl,
so schieb's nur, bitte, aufs Grundgefühl!
Wie ich auch hier nur, möglichst hold,
einem törichten Ingrimm Luft machen wollt.

 


 

Deutsches Tun

Humane Epistel

        Lieber Freund! ich sitze verstimmt bei Schillern und Goethen,
plötzlich reicht mir die Magd deine Bescherung aus Rom.
Nämlich die hellen Gemächer und glänzenden Säle der Beiden
hatt ich verlassen und saß zwischen dem Küchengerät,
wo's drin dampfte und schmorte, der Xenien salziges Frühstück
wider den schlechten Geschmack ihrer gepriesenen Zeit.
Da empfahl ich mich gern, und Goethe lächelte nickend,
denn er witterte wohl etwas Italisches gleich.

Und nun steh ich entzückt und atme den Duft der Orangen,
will mit süßestem-Reim, klingendsteni Dank dich erfreun,
aber da sitzt mir derKüchengeruch vonGoethen undSchillern
zäh in Nase und Mund, klassisch dampft mein Gehirn.

Ja, sie haben so Manchen auf ihrem olympschen Gewissen,
seit sie ihr deutsches Gericht füllten in griechisch Geschirr.
Oder liegt es dem Deutschen im Blut, mit trotzigem Willen
immer auf Staffeln zu stehn, die er der Fremde geraubt?
Mißt er nicht Freiheit und Recht sich zu nach Römischer Elle,
gab nicht zum Bau seines Staats Gallien das Winkelmaß her!
Will er den Bau der Natur, Dasein und Werden ergründen,
nimmt er den Grundriß vor, den ihm der Britte entwarf;
oder er möchte sich selber erbaun, dann strebt er zum Himmel
gar auf der Leiter hinauf, die ihm der Jude gebaut.

Doch nun heb' ich den Blick: da versinkt der Bestrebungen Fülle,
und es entschwebt dem Gewirr stark ein vereinender Geist.
Zwar der Tragwind, ja, der kam aus fremden Bezirken;
aber die Flugkraft, Freund, die doch ist eigen, ist deutsch.
Ruhig jetzt, fast trug, so schwebt er im Völkerzenithe,
zu noch höherem Flug sammelt er heimliche Kraft:
schon verspürt er die Hohn, wo Volk und Völker verschwinden,
wo ihn, das ewige Haupt hebend, die Menschheit begrüßt.
Nein, kein Gallier war's, kein Römer, kein Britte, kein Jude:
Mensch war Jeder, mein Volk, der dich zum Aufstieg erzog.
Und, mein römischer Freund, so stieg auch ich auf des Griechen
klappriges Schaukelpferd, hopp! reit es auf eigene Faust.
Lächeln wirst du vielleicht: dazu die erhabenen Worte,
daß sich das winzige Ich etwas gehobener fühlt?
Aber so geht's wohl stets: nimm irgend etwas, es deutet
immer vom Ganzen auf Uns, immer aufs Ganze zurück.
Hier dein Dutzend Orangen: ich lasse die rundeste rollen,
und sie werden im Nu Bild des Planetensystems.

Stets enteignet der Mensch sich selbst, je eignet sein Wille;
was sein innerster Trieb, äußert sich lehrhaft als Zweck.
Drum quält Mancher sich ab mit Einer Erlösung für Alle,
wo doch Jedem das All tausend Erlösungen gönnt;
was den Menschen entzückt, entsetzt, empört, das erlöst ihn,
weil's ihn außer sich bringt, weil's ihn mitLeben erfüllt.
Und so lernte mein Geist die Zweifel der Zwecksucht belächeln,
ob man lebt für sich selbst oder dem Ganzen zur Pflicht.
Denn kein Zweck gibt Kraft, allein der Antrieb begeistert;
Arbeit, unterste Pflicht, macht er zum obersten Recht.
Unabweisbar treibt Natur jed Wesen zum Wirken,
aber im Menschen der Trieb kennt sich als Wille und Wahl.
Und beim Jupiter, Freund: nie wieder wähl ich des Griechen
klappriges Schaukelpferd, brrr! hopp, aus poetischem Trieb.
Nur als Mensch, mein Freund, laß diesen Brief dir gefallen,
und mein Abschiedswort gelte der Menschheit in uns:
Treibe Jeder den Andern auf immer eignere Wahlstatt,
mag er erliegen im Kampf, mag er als Sieger bestehn!
Dann, wie immer du wählst, dann lebst du dem Ganzen zu Liebe
lebst dir selber zur Lust – Alles in Allem: leb wohl!

 


 

Spruch in die Ehe

Ehret einander,
wehret einander!

 


 

Ehre

        Wer meinen Rock bespeit,
hat ihn auch abzulecken;
wer meinen Ruf entweiht,
macht nur die Luft voll Flecken.

Die Luft, in der du treibst,
ist bald nicht mehr zur Stelle;
der Ruf, in dem du bleibst,
wird dir aus Eigner Quelle.

 


 

Einkehr

nach Verlaine

        Das Glöckchen überm Dache da
tönt heut so weise.
Das Bäumchen überm Däche da
bewegt sich leise.

Der Himmel überm Dache da
steht klar und stille.
Die Lerche überm Dache da
singt: es geschehe dein Wille.

Mein Gott, wie liegt das Dasein da:
wie Ruhebetten.
Und da, die ferne Unruh da
kommt aus Werkstätten.

O Du, o Mensch – Du da, Du da
mit deinen Klagen!
was hast du angefangen, Mensch,
mit deinen Jugendtagen?!

 


 

Einspruch

        Jugendsehnen, Jugendirren:
ach, was mag sich draus entwirren!
Nimmer ruht der Wünsche Spiel,
jeder Tag entfernt das Ziel.

 


 

Empfang

        Aber komm wir nicht im langen Kleid!
komm gelaufen, daß die Funken stieben,
beide Arme offen und bereit!
Auf mein Schloß führt keine Galatreppe;
über Berge geht's, reiß ab die Schleppe,
nur mit kurzen Röcken kann man lieben!

Stell dich nicht erst vor den Spiegel groß!
Einsam ist die Nacht in meinem Walde,
und am schönsten bist du blaß und bloß,
nur beglänzt vom schwachen Licht der Sterne;
trotzig bellt ein Rehbock in der Ferne,
und ein Kuckuck lacht in meinem Walde.

Wie dein Ohr brennt! wie dein Mieder drückt!
rasch, reiß auf, du. atmest mit Beschwerde;
O, wie hüpft dein Herzchen nun beglückt!
Komm, ich trage dich, du wildes Wunder:
wie dich Gott gemacht hat! weg den Plunder!
und dein Brautbett ist die ganze Erde.

 


 

Entbietung

      Schmück dir das Haar mit wildem Mohn,
die Nacht ist da
all ihre Sterne glühen schon.
All ihre Sterne glühn heut Dir!
du weißt es ja:
all ihre Sterne glühn in mir!

Dein Haar ist schwarz, dein Haar ist wild
und knistert unter meiner Glut;
und wenn die schwillt,
jagt sie mit Macht
die roten Blüten und dein Blut
hoch in die höchste Mitternacht.

In deinen Augen glimmt ein Licht,
so grau in grün,

wie dort die Nacht den Stern umflicht.
Wann kommst du?! – Meine Fackeln loh'n!
laß glühn, laß glühn!
schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!

 


 

Entweihung

        Wage selber kaum verstohlen
deinen Namen mir zu stammeln;
ist mir immer doch, die Menschen
müßten sich zur Andacht sammeln.

Und ich muß es höflich leiden,
muß mich wie ein Fant betragen,
wenn die fremdesten ihn nennen
und mich schamlos nach dir fragen,

mit denselben Lippen fragen,
die vor jedem Knecht sich blähen,
die um jeden Wicht scharwenzen,
die auf jeden Echten schmähen.

Fort! still fort – ich will dein Dulden
nicht mit meinem Ekel kränken;
will zu meiner Mutter flüchten,
ganz in Reinheit an dich denken.

 


 

Epitaph

    Eignes Leid und fremde Klage,
einst ist Alles schöne Sage.

 


 

Erleuchtung

          Plötzlich wird, was dunkel war,
dir von Grund aus offenbar;
und dann kannst du nicht verstehen,
daß du sonst es nicht gesehen.

Aus dem Grund der Welt durch dich
offenbart die Welt es sich;
aus der Ewigkeit geboren
bleibt es ewig unverloren.

 


 

Das erlösende Wort

        Er weinte, schwieg. Noch, hier ich ihn stammeln,
höre ihn leiden bei jedem Laut,
und höre das Lied meiner Seele dazu,
o selig Lied!

»Ich b-b-b-bebe« – ich bebe mit,
»wie kein M-M-Mensch sonst« – wie einst der Urmensch,
»bei j-jedem W-Wort« – armer Sünder!

»Jedes Wort« – einst Gestammel –
»ist m-mir haha-heilig« –
ist Allen heiliger noch als dir;
»sie aber lalala-lachen darüber!«
sie lachen, und du leidest noch?

»Ich k-kann nie s-sagen« – wer kann je sagen,
»was meine S-Seele will« – Aller Seele!
»ich b-bin so verlassen« – vom einigen Geist.

»Nur m-manchmal, w-wenn ich mein Lalala-Leiden
v-vergesse« – o lache, befreiter Geist –
»dann glückt mir« – o Glück – »das erlösende Wort«.
Er weinte, schwieg.

 


 

Ermutigungen

        Nimm dein Schicksal ganz als Deines!
Hinter Sorge, Gram und Grauen
wirst du dann ein ungemeines
Glück entdecken: Selbstvertrauen.

Weß Wesen ist so wohlgeglückt,
daß sich's allzeit ins Gleiche rückt?
Deß Handschlag warm, deß Auge kalt,
deß Herz blutjung, deß Haupt steinalt.

Glück? in dieser ungesunden
Welt voll Zweifel, Gier und Gift?
O, wir achten nicht der Wunden,
wenn ein Liebespfeil uns trifft!

 


 

Eröffnung

        Jetzt sing ich dir das letzte Liebeslied.
Ich fühl's bei jedem unsrer trauten Spiele,
daß mich ein Geist in seinen Dienst beschied,
der Geist der alten und der neuen Ziele.

Der duldet nicht in seinem weiten Bann
die allzu häuslich eingeengten Klänge;
und manchmal wandelt eine Pein mich an
als ob ich fehl von unsern Freuden sänge.

Denn Meine Sprache ist für Alle da.
Doch was wir kaum in Seufzern uns gestehen,
was rein in Blicken zwischen uns geschah,
ist eine Sprache, die nur wir verstehen.

 


 

An die Ersehnte

            Ich habe dich Gerte getauft, weil du so schlank bist
und weil mich Gott mit dir züchtigen will,
und weil eine Sehnsucht in deinem Gang ist
wie in schmächtigen Pappeln im April.

Ich kenne dich nicht – aber eines Tages
wirst du im Sturm an meine Türe klopfen,
und ich werde öffnen auf dies Klopfen,
und meine zuchtlose Brust wird gleichen Schlages
an Deine zuchtlosen Brüste klopfen.

Denn ich kenne dich – deine Augen glänzen wie Knospen
und du willst blühen, blühen, blühen!
und deine jungen Gedanken sprühen
wie gepeitschte Sträucher an Sturzbächen;
und du möchtest wie ich den Stürmen Gottes trotzen
oder zerbrechen!

 


 

Das Erwachen

        Stille füllt die flimmernde Rotunde;
aus den Marmorsäulen
blickt die Mittagsglut.
Götterbilder leuchten,
und ein Mädchen ruht
auf den Stufen mit verträumtem Munde.

Dunkel schmachten ihre Kinderaugen;
eine rote Rose
hebt sie, und entzückt
und die heißen Lippen
tief hineingedrückt
will sie Duft und will sie Kühlung saugen.

Doch da glänzt die Halle, wo ihr gestern
Daidalos, der junge
Gastfreund, bot die Hand.
Und sie sieht ihn wieder,
wie er vor ihr stand,
ihr die Blume gab und nicht den Schwestern.

Sieht und fühlt: er hat mich angesehen,
nicht die großen Schwestern,
und er war so still!
Ach, ich bin wohl kindisch,
weiß nicht, was ich will;
wie ich glühe! ich will baden gehen.

Und sie rafft sich von der warmen Schwelle;
aus dem Schooß der Rose
lockert sich ein Blatt.
Und sie nimmt und küßt es,
immt es mit zum Bad;
noch in Träumen öffnet sie die Zelle.

Öffnet und erbangt und steht in Staunen:
vor ihr liegt der Gastfreund,
schlafend, ohne Kleid.
Immer banger steht sie,
scheu zum Gehn bereit;
selig hört sie seinen Atem raunen.

Selig staunt sie seine nackten Glieder,
staunt sein ruhetrunknes
leises Lächeln an;
will davon und weiß nicht,
was sie hält in Bann,
immer trunkner staunt sie auf ihn nieder.

Da erschrickt sie: purpurn welch ein Wallen,
das ihr jäh vom Herzen
in die Schläfen bäumt!
Und auf einmal weiß sie,
was sie will und träumt,
und die Rose läßt sie zitternd fallen

und entflieht, als könnt er sie erreichen
Da erwacht der Schläfer,
sieht die Rose, sieht,
wo er ist – und jauchzend
stürzt er auf und kniet:
Klytia war hier! o Götterzeichen!

 


 

Fachmenschen

        Virtuosen von Fach:
die schöneren äffen Stile nach,
während die mehr wahren
einen eignen Unstil offenbaren.

Dilettanten von Fach:
die blöden beten der Unnatur nach,
während die dreistern
die Natur schulmeistern.

Rezensenten von Fach:
die törichten sagen der Kunst was nach
Während die hochwohlweisen
die Unkunst preisen.

Wer solchen Menschen kann verzeihn,
der muß ein wahrer Unmensch sein.

 


 

Die geflügelte Fackel

        Du wünschtest dir und deinem Haus ein Zeichen,
das euch für alle Zeit einGlücksbild sei;
doch welches Gleichnis ist so reich und frei,
so vieler Seelen Wünsche auszugleichen!

Wir möchten Alle gern das Glück erreichen,
daß endlich eint dies ewige Zweierlei;
doch fass ich meins, geht deins vielleicht entzwei.
So lag und sann ich über solch ein Zeichen.

Da träumte mir: Gewappnet mit zwei Schwingen
kam eine Fackel durch die Nacht geweht.
Sie loderte; die Sterne alle hingen
wie Mücken nach der Flamme hingedreht.
Und ihr Emporflug trieb mich aufzuspringen:
dies Zeichen gilt für Jeden, der's versteht!

 


 

Fatalitäten

        Die misera plebs begreift es nie:
wer für sie kämpft, ist wider sie.

Hebt nur die Staatsgewalt, ihr Memmen oben!
Ihr hebt so lange, bis sie aufgehoben.

Macht spornt den Wicht, Kraft den Braven;
Kraft schuf den Herrn, Macht den Sklaven.

 


 

Fernhin

        Durch Traum und Morgen-Unruh
Und jetzt noch seh ich dich:
die lange Nachtfahrt,
im Duft des Blumenstraußes,
den ich dir mitgab.

Jetzt nahst du dem Garten
um dein Vaterhaus,
drin deine Mutter dir
einst Blumen gab.

Jetzt stehst du am Eingang still,
im Sonnenduft,
drin unser Kind vielleicht schon keimt.

Jetzt beugst du dich fernhin
über den Strauß.

 


 

Nächtliche Frage

    Was bebt und bangt so wehe
mein Herz empor,
wenn ich dort oben sehe
der Sterne Chor?

Wie freie Seelen winken,
so bannt den Blick
ihr wandelbares Blinken:
steig auf zum Glück!

Wie reine Geister glänzen,
so mahnt ihr Licht:
steig auf aus deinen Grenzen,
sie wehren's nicht!

Und immer dann dies Beben,
und immer mehr.
O Stäubchen, Menschenleben,
und doch zu schwer?

 


 

Freispruch

        Mit Lust und Liebe sein Werk anpacken,
macht frei von allem Zweckzwickzwacken.

 


 

Frühlingsgebet

                  Frühling, knospengekrönter,
sonnesanfter,
liebreichster Gott der Erde:
willst du endlich erscheinen,
mir erscheinen?
Nach soviel Stürmen,
soviel unstäter Wetterflucht,
nach manchem kalten Sonnentage
voll leichenhaften Glanzes:
willst du endlich auferstehen,
mein Heiland?

Ja, mir sagt ein heiliges Grauen:
nun erwachst du,
den ich manchmal ahnte
in den Dämmertagen der Kindheit,
und den ich eitel vergaß
im selbst sich vergötternden Jünglingsrausch.

O strahle mir
deinen klaren Himmelsblick reinigend
in die sehnsuchtoffne Seele!
O, erfülle mich mit deinem Atem,
Frühling, ätherleichter,
lächelnder Sonnesohn!
Erfülle mich mit deiner Werdelust,
nicht der wilden, wolkensüchtigen,
staubaufschüttelnden, blinden Lust
hitzigen Knabenübermutes:
mit deiner heiter quellenden,
still knospenden,
sicher schaffenden Freudigkeit
erfülle mich, du Lichtgeist!

Schon jubl' ich laut:
ja, da erhörst mein Gebet!
Du bist in mir, Frühling,
du mein Jubelruf,
du bewegtest mich schon
vor meinem Gebet!
Du, du, Frühling, warst ja
meine fromme Seele,
als sie bang dich suchen ging,
mein Frühling!

O, verlaß mich nicht,
bleib mir, in mir,
welken auch die Blüten!
Dann werd' ich ansehn dürfen
mit geweihten Augen,
wie der Sommer Brände wirft
und der Herbst Giftnebel braut
und der Winter Leichenlaken-spinnt,
sicher meiner Frucht.

Ja, mein Frühling,
aller Seelen Frühling du,
mein Weltfrühling:
du tatest mir die Erde auf,
öffne mir auch das Himmelreich!

 


 

Frühlingsglück

        Der Frühling stieg zur Erde nieder,
o helle Lust, o fromme Scheu:
im Herzen lacht der Himmel wieder,
das welkeste wird warm und neu.

So schnell geschah's!
Kaum läßt sich's fassen,
der trübe Winter sei nun tot.
Man fühlte sich so lichtverlassen,
man liebte fast schon seine Not.

Ach Seligkeit: mir scheint die Sonne:
Und schickt der Mai auch Regen dann:
er weint sich aus von seiner Wonne,
daß er noch klarer lachen kann.

Ich möchte alle Menschen fragen,
ob sie nicht jauchzen wolln mit mir.
Nein, ganz im stillen will ich's tragen.
Ach, Liebste nein: ich sag es Dir!

 


 

Fürsprüche

    Laßt uns nur ins Blaue schweifen;
scheltet nur, wie weit wir's treiben.
Aber Ein Band sollte bleiben:
Jeden, wie er strebt, begreifen.

Nicht zum Guten, nicht vom Bösen
wollen wir die Welt erlösen,
nur zum Willen, der da schafft;
Dichterkraft ist Gotteskraft.

Laßt uns gern einander lauschen,
innerst grenzenlos gesellt,
Sinn und Seele liebreich tauschen,
so wird kleine große Welt.

 


 

Tiefe Gefahr

          Wie bewegte Himmelreiche
suchten mich die klaren Quellen
deiner Blicke aufzuhellen.
Und mir tauchte aus den Wellen
meine Unschuld auf: als Leiche.

Und im sanften Spiel der Wogen
kam ein Leuchten hergezogen;
und den bleichen Mund umschwebte
warm ein Schein, als ob er lebte
und wie einst so rein erbebte.

Doch vom Grund her hört' ich's, wallen,
hohl ein Qualgelächter schallen;
und wir sahn die blanken Krallen
der Begierden, sahn im Dunkeln
ihre grellen Augen funkeln.

Und dir graute; und die Leiche
schwand hinab, der Glanz verglühte.
O, halt Stand, du Herz voll Güte:
wehr mir, wehre dich und hüte
die bewegten Himmelreiche!

 


 

Gebet an die Geliebte

        Meine Hoffnung du, nun hilf mir hoffen!
Schleicht der Winter schon in unser Leben,
das noch kaum ein Frühlingsstrahl getroffen?
Sahn wir darum einen Himmel offen,
nur um Grabeszielen nachzustreben?

Hilf mir glauben! Nimm mir nicht den Segen,
daß ich Ein Herz durch mich glücklich wisse!
O, es geht sich schwer auf meinen Wegen:
Schnee und Eis starrt von den Höhn entgegen,
und im Abgrund gähnen Finsternisse.

Drum von Liebe still! Wer kann sie sagen.
Laß mich fühlen, fühlen, ob die Gluten
auch in Dir empor zu Flammen schlagen,
in der Lohe uns gen Himmel tragen,
Schnee und Eis zerschmilzt in Lavafuten!

 


 

Genesen

        Nun atmen deine Worte wieder Leben.
Im Zittern deiner Lippen steht's geschrieben,
in deinen seligen Augen kann ich's lesen,
ich lausch es mir aus deinem stillsten Wesen,
wie's in dir jubelt: ihm geblieben!

Nun will auch meine Seele wieder leben.
Als räng ich willenlos um all mein Lieben,
so hielt ich dich in deinem Fieberkrampf,
mein ganz Gefühl ein einziger Todeskampf,
ein einziger Dank jetzt: nur geblieben!

Nun atmet Alles, Alles wieder Leben.
Hinaus zum Frühling hat es mich getrieben,
als müßte jede Knospe davon springen,
als müßt's im Liedchen jedes Vogels klingen,
daß Alles, Alles uns geblieben!

 


 

Gesetz

          Jeder will möglichst viel vom Leben
und möglichst wenig dafür geben.
Als bloßer Anblick scheint's abscheulich,
doch handle, Mensch, dann weicht der Schein;
du wirst.dir wert, das ist erfreulich,
nun muß das Ganze wertvoll sein.
Vergieb dir nichts, tu nichts vergebens,
das ist das Lohngesetz des Lebens.

 


 

Geständnis

    Und daß ich deiner ganz vergessen
in einem trüben Augenblick,
in wüster Laune mich vermessen,
zu scheiden dein und mein Geschick:
kannst du's verzeihn?

Die Nacht so öd, die Welt so dunkel,
heiß in die Augen schoß mir's Blut;
unten im Strom welch wild Gefunkel,
ein irrer Schrei, ein Sprung zur Flut –
kannst du's verzeihn?

Kannst du dem Retter mit mir danken,
daß du noch mein, daß ich noch dein?
Du Reinste, kannst du ohne Wanken
dem Frevler noch dein Leben weihn?
Kannst du verzeihn?

 


 

Die Getrennten

        Nie mehr bin ich allein,
gleich bebt in mir deine Stimme:
Du, wie ist dir ums Herz?
Du, wie ist dir ums Herz?

Wie dem Schwanenpaar damals,
das wir beim Nestbau belauschten,
Beide wie Ein Herz bewegt,
Beide wie Ein Herz bewegt.

Oh, jetzt bin ich allein,
jetzt bebt in mir deine Stimme:
Du, wo bist du, mein Herz?
Oh, wo bist du, mein Herz!

 


 

Gleichnis

        Neulich erwacht' ich und griff zum Kruge; da hing einer Spinne
hundertmaschiges Netz über die Öffnung gespannt.
Ärgerlich rück ich ihn weg, durch Zufall grad in die Sonne:
hundertfätig bewegt glänzte das Wasser mir nun.
Künstler, entrücke die Dinge der Welt ins Licht deines Gistes,
auch das Gemeine, doch so, daß es ins Reine sich fügt!

 


 

Sprüche vom Glück

        Glück ist Gabe;
rechte nicht um fremde Habe,
Richter mit dem Bettelstabe!

Gieb und vergieb von Herzen gern,
das ist des Glückes Keim und Kern.

Ob wir nehmen, ob wir geben:
liebes Kind, wenn's Herz nur lacht!
Selig bist du, wenn dein Leben
Dir und Andern Freude macht.

 


 

An eine Gütige

          Es mag mir oft nicht in den Mienen stehen,
wie tief ich in mein Innres dich geschrieben;
ach, oft schon hat es mich zum Wort getrieben
und wortlos mußt ich meines Weges gehen.

So ist, wie sehr du suchtest, es zu sehen,
ein Ungesehnes zwischen uns geblieben:
die alte Mühsal, daß sich Menschen lieben
und doch im eignen Kreis sich weiterdrehen.

Wie fruchtlos schon des Kindes Spiel sich mühte,
daß jeder Kreis sich glatt auf jeden lege!
Bald glitt der eine und durchschnitt den andern,
und bald verschob ein dritter ihre Wege.
In Einem Kreis nur läßt sich einig wandern:
dem allumschlingenden grundloser Güte.

 


 

Dante Guidante

      Wer sich durch eine Hölle hat gesungen,
den fragt, welch Paradies ihm endlich tagte!
Doch wer an seinem Leben nie verzagte,
hat um das höchste Leben nie gerungen.

 


 

Guter Rat

        Nur kein törichtes Ereifern,
werm die Wichte dich begeifern.
Diese Kautschukmännlein fliegen
mannshoch, wenn sie Hiebe kriegen;
laß sie lügen, laß sie liegen.

 


 

Die Hauptperson

        Kraft und Klugheit waren Schwestern,
machten sich das Leben schwer;
kam zu Gast Frau Ruhe gestern,
kam Frau Weisheit bald nachher.

 


 

Hausspruch

Steh fest, mein Haus
im Weltgebraus!

 


 

Heidnischer Glaube

        Als der kindliche Mensch noch seinen Träumen vertraute
und dem luftigen Raum luftige Wesen ersann,
als sein Sehnen die Freiheit, die keinem Irdischen glückte,
einem himmlischen Volk schenkte mit betender Hand:
da verlieh er den Bildern des Traums leibhaftuges Leben,
auf erstrittenen Herd thronte der ruhige Gott.
Seinem seligen Wahn entwuchs die beglückende Schönheit;
weil edel geirrt, wurde ein Edleres wahr.
wo er Gottheit geglaubt, da hatte die Menschheit gewaltet;
glaub an die Menschheit, Mensch, und sie befreit dich zum Gott.

 


 

Heimat

        Und auch im alten Elternhause
und noch am Abend keine Ruh?
Sehnsüchtig hör ich dem Gebrause
der hohen Pappeln draußen zu.

Und höre sacht die Türe klinken,
Mutter tritt mit der Lampe ein;
und alle Sehnsüchte versinken,
o Mutter, in dein Licht hinein.

 


 

Die Heimkehr

Nach einem französischen Volkslied

              Der Seemann kommt vom Krieg zurück,
so sacht;
verbrannt so sehr, verstaubt so sehr –
»Wo kommst du, armer Seemann, her?
so sacht, so sacht?«

Frau Wirtin, ich komme vom Krieg zurück,
so sacht.
»Schnell Wein! vom weißen! so macht doch flink!
Nun, armer Seemann, komm und trink!
so sacht, so sacht.«

Der wackre Seemann sitzt und trinkt,
so sacht.
Er sitzt und hinkt und schaut ins Glas;
der Wirtin werden die Augen naß,
so sacht, so sacht.

Was habt Ihr, schöne Frau Wirtin, sagt!
so sacht?
Tut Euer weißer Wein Euch leid?
Der Seemann ist zum Gehn bereit!
so sacht, so sacht.

»Mein weißer Wein tut mir nicht leid,
so sacht;
mein toter Mann kam mir in Sinn,
Ihr ähnelt ihm an Mund und Kinn,
so sacht, so sacht.«

O sagt mir, schöne Frau Wirtin, sagt,
so sacht:
zwei Kinder, hört ich, hattet Ihr
von Euerm Mann – nun habt Ihr vier?!
so sacht, so sacht?

»Man hat mir manchen Brief geschickt
so sacht,
und zeigte seinen Tod mir an,
da nahm ich einen andern Mann,
so sacht, so sacht.«

Der wackre Seemann leert sein Glas,
so sacht.
ohne Dank, mit schwerem Blick,
ging er zu seinem Schiff zurück,
so sacht, so sacht.

 


 

Heldentümliches

      Ihr meint, ihr hättet euch ermahnt,
weil ihr euch hart wie Brutus stellt?
Jesus kam mit weichster Hand
und brachte Schwerter in die Welt.

»Er hat als Gott sich aufgespielt!«
Das sei mit Freuden ihm verziehn.
Doch daß er euch für Götter hielt,
dafür, ihr Menschen, kreuzigt ihn!

Wer sich nicht um Menschlichkeiten,
wer sich rein zu Gott erhebt,
will kein Weltglück mehr erstreiten,
mitbeglückt, wie's lebt und webt.

 


 

Der Herr der Liebe

Nach Dante

        An Jeden, der mit edlem Geist dem Bunde
der Himmelsmächte dient in Erdentalen
und willig dartut, was sie anbefahlen,
ergeht vom Geist der Liebe meine Kunde.

Es war zur Nacht und schon die vierte Stunde,
da sah ich plötzlich Alles um mich strahlen
und vor mir stand der Herr der Liebesqualen,
sein Blick entsetzte mich bis tief zum Grunde.

Erst schien er fröhlich. In der Hand, der einen,
hielt er mein Herz; auf seinem Arm indessen
schlief meine Herrin, blaß, in rotem Leinen.

Er weckte sie, und ließ sie von dem kleinen
und völlig glühenden Herzen schüchtern essen.
Darauf entwich er mir mit lautem Weinen.

 


 

Erste Hoffnung

           

Eine Frauenseele klingt:

Mein Freund hat mir ein Bild gemalt:
Maria weint vor Wonne
und ist von lauter Sonne
überstrahlt.
Wer weiß die Melodie dazu?

Mein Freund hat mir ein Wort gesagt;
das klang so fern beglückend,
mir schlag das Herz so drückend,
so verzagt.
Wer weiß die Melodie dazu?

.Mein Freund hat mir ein Lied gemacht;
es ist ein Lied vom Leben,
ich fühl es in mir beben
Tag und Nacht.
Wer weiß die Melodie dazu?

Sie liest sein Lied:

O Leben! o Liebe! wie geht sie verändert,
die seligen Augen von Schatten umrändert,
und lacht kaum.
Und ist doch mein Mädel, mein sonniges, flottes;
nun will ich sie malen als »Mutter Gottes
am Ufer«.

Die Hände über den Schooß gebreitet,
die seligen Augen ins Land geweitet,
und Frühling:
so soll sie zwischen den Binsenspitzen
am Ufer im Kahn unterm Weidenbusch sitzen
und warten.

Nackt flimmern die Zweige, die Knospen platzen;
links oben im Bilde schnäbeln zwei Spatzen,
wie damals.
Und hinter ihr wölbt sich der blankblaue See;
da stecken vier fünf Enten die Stietze in die Höh,
wie immer.

Zehn rudernde Beine in emsiger Runde;
die Hälse, die suchen was unten im Grunde
der Wellen –
der Wellen, die wimmelnd wie lauter Pfeilspitzen
aus eitel Silber zum Himmel aufblitzen,
rechts oben.

Denn links stand ein Ahorn, mit knallgelben Blüten.
Nun, Mädel, mein braunes, mag Gott dich behüten,
verdammt ja:
wie werd' ich mich blos so als Vater betragen,
herrjee ja, und was wird das Publikum sagen,
oh Mutter Gottes! –

 


 

Nur ein Hund

        Ja, dir wird's schwer, mich zu verlassen;
dein Auge bricht, als ob du weinst
mein alter Hans in allen Gassen.
Ja, früher ahnt ich nicht, daß einst
als letzter Freund ein Hund mir bliebe;
da sucht ich noch bei Menschen Liebe.

Mein Hund, in deinen dunkeln Augen
liegt mancher Blick von mir versenkt,
für den nicht MenschenbIicke taugen,
wo,man ein Tier braucht, das nicht denkt;
die Ohnmacht auch in ihm zu sehen,
mit der wir selbst durchs Leben gehen.

Du hast mir nie ein Leid bereitet;
das kann kein Mensch, der liebste nicht!
Nun liegt dein Leib vom Tod gebreitet,
nun lischt dein treues Augenlicht.
Was will mir denn so menschlich scheinen?
Mein Hund, mein Freund; o könnt ich weinen!

 


 

Ihr Wunsch

Nach Pierrre Louys

            Manche hüllt sich in weiße Wolle.
Manche ziert sich mit Seide und Gold.
Manche schmückt sich mit Blumen,
mit grünen Blättern und Früchten.

Ich, ich möchte nur nackt leben.
Nimm mich, Geliebter, wie ich bin:
ohne Kleid, ohne Schmuck, ohne Schuhe:
sieh, hier stehe ich, ganz nur ich!

Meine Haare sind schwarz von ihrem Schwarz.
Meine Lippen sind rot von ihrem Rot.
Meine Haut schimmert reizender
als eine offne Muschel im Mondenschein.

Nimm mich, wie meine Mutter mich machte
In einer fernen Liebesnacht.
Und wenn ich dir gefalle so,
dann vergiß nicht, es mir zu sagen!

 


 

Die Illusion

Nach José Zorrilla

        Was ist die Freude, das Glück, das Leben
ohne den Traum von Hoffnung und von Ruhm!
Eine Straße, endlos, öd, uneben:
immer müder wird dein Pilgertum.

Gieb mir Melodieen – oh, nur eine:
wiege das Herz in Träume, wenn es schreit!
und dir wachsen ewige Marmorsteine
aus der Asche der Vergangenheit.

Hoffnung! Ruhm! was soll ich mich beklagen;
ein Diadem zieht strahlend vor mir her.
Was tut's, ein Leben wie ein Bettler tragen,
wenn man stirbt wie Pindar und Homer!

 


 

Im Fluge

        Ganz in Eines flocht, o Gott, der Tanz
unsre bang beseligten Gestalten;
und ich sah, ihr schweres Haar war ganz
von dem einen Silberpfeil. gehalten.

Und da hob sich schon ihr Mund und bog
sich mir dar mit bittendem Gefühle;
willenlos ein Blick, und im Gewühle
blitzt der Pfeil auf, der zu Boden flog.

Und sie senkte tief ihr heiß Genick,
plötzlich ganz von ihrem Haar umflossen;
und ich habe diesen Augenblick,
den mir Gott gegeben hat, genossen.

 


 

Im Regen

        Es stimmt zu mir, es ist ein sinnreich Wetter;
mein Nacken trieft, denn Baum und Borke triefen.
Die Tropfen klatschen durch die schlaffen Blätter;
die nassen Vögel tun, als ob sie schliefen.

Der Himmel brütet im verwaschnen Laube,
als würde nie mehr Licht nach diesem Regen;
nun kann er endlich, ungestört vom Staube,
das Los der Erde gründlich überlegen.

Die Welt fühlt grämlich ihres Alters Schwere:
kein Fünkchen Freude, keine Spur von Trauer.
Und immer steter schwemmt sie mich ins Leere:
kein Staub, kein Licht mehr – grau – und immer grauer.

 


 

Indianischer Wiegengesang

            Auf dem Flusse Jukon
streift der Wind;
und mein Hausherr jagt das Renntier
auf den Bergen Boojukon.
Xami, Xami: schlaf, mein Kind,
schlaf, mein Kleiner, schlafe.

Der Herd ist kalt, das Brennholz all verbrannt;
zerbrochen ist mein Beil,
mit meinem Hausherrn wandert
das andre durch den Wald.

Ach, und die Wärme der Sonne schläft
in der Höhle des Großen Bibers,
wo sie auf den Frühling wartet
Xami, schlaf doch, schlaf, mein Kind,
schlaf, mein Kleiner, schlafe.

Suche keine Fische, Alte,
lange ist der Kasten leer;
selbst der Rabe, kommt nicht mehr,
der sonst jeden Tag drauf hockte.
Ach, seit wieviel Nächten
bin ich schon allein!
In die Berge ging mein Hausherr;
könnt ich bei ihm sein!
Xami, Xami, schlafe;
nein, ich geh nicht; schlaf, mein Kind.

Wo ist Der in diesem Augenblick,
den ich über Alles liebe?
Schläft vielleicht und stürzt vom Bergabhange!
Warum bleibt er so sehr lange,
warum kehrt er nicht zurück?!
Wenn er heut nicht kommt,
werd' ich doch noch gehen,
in die Berge gehen,
meinen lieben Herrn mir suchen gehen!
Schlaf, mein Kleiner, schlafe;
Xami, schlaf, mein Kind.

Huh –! da kommt der Rabe.
Wie er krächzt! So hohl.
Wie er lacht! So höhnisch.
Warum lacht er wohl?
Und sein Schnabel glänzt
naß und rot von Blut,
und sein böses Auge
funkelt Haß und Wut.
Warum lachst du, Rabe?
Xami, schlaf, mein Kind.

»Mich freut noch, Frau, der frische Fraß,
das saftige Fleisch, das prächtige Stück,
das mir dein Herr zu schmecken gab.
Schlafend lag er sanft im Gras,
da kam der Rab,
da nahm der Rab;
ja, ganz sanft im Grase lag er!«
Schlafe, Xami; schlaf, mein Kind,
schlaf, mein Kleiner, schlafe.

»Ja, zwanzig Renntierzungen
trug er auf seiner Schulter;
blos Er hat keine Zunge mehr im Munde,
den Namen seiner jungen Frau zu rufen.
Raben, Krähen und Füchse
zanken um seine Beute;
ja, ganz sanft im Grase schläft er,
sanfter als das Kind, Frau,
das an deinem Herzen schläft!«
Xami! Xami! Ach –

»Raben, Krähen und Füchse
zanken um einen Fetzen
von dem Leichnam deines Herrn.
Ja, ganz sanft im Grase liegt er,
und sehr hart, sehr zähe
war er doch im Leben;
wohl viel härter, zäher
als des Kindes Leben, Frau,
das an deinem Herzen liegt!«
Xami! schläfst du? Xami?!
Ach, mein Kind; o schlaf, mein Kind.

Ach ... o da! da kommt er,
kommt mein Herr, mein geliebter!
ganz mit Beute beladen,
milde kommt er den Berg herab,
Hui, nun hurtig, Alte,
hole Holz zum Spalten,
sieh, mein Müder lacht!
Und der Rabe, der Lügner,
was für Augen der macht!
Xami, aufgewacht!
auf, du kleiner Schläfer,
komm, dein Vater lacht!

Sieh, er bringt uns Renntierfelle,
bringt das schöne süße Markfett,
bringt uns frisches Wildpret mit.
Und für dich, mein Liebling,
hat er gar geschnitzt ein Spielzeug
aus den glatten Renntierknochen.
Matt und abgehetzt
lag er fern am Bergabhange
gestern. Aber jetzt:
sieh nur, wie der Rabe bange
sich vor seinem Pfeil versteckt!
Wache doch auf, du Schläfer,
Xami, lache mit mir!
Sieh doch, kleiner Wildfang,
jauchze, dein Vater ist hier!

 


 

Inhalt der Kunst

                  Suchst du im Bild nach allen Zügen
des Lebens, wird dir keins genügen.
Das eben ist es: weil's nicht Leben,
kann dein Gefühl ihm Leben geben.

Das Leben läßt sich stets nur stückweis fassen;
Kunst will ein Ganzes ahnen lassen.

Das Unermeßne ist
der Kunst so eingemessen,
daß du vermessen bist,
willst du's allein ermessen.

 


 

Blick ins Licht

        Still von Baum zu Bäumen schaukeln
meinen Kahn die Uferwellen;
märchenblütenblau umgaukeln
meine Fahrt die Schilflibellen,
Schatten küssen den Boden der Flut.

Durch die dunkle Wölbung der Erlen
– welch ein funkelndes Verschwenden –
streut die Sonne mit goldenen Händen
silberne Perlen
in die smaragdenen Wirbel der Flut.

Durch die Flucht der Strahlen schweben
bang nach oben meine Träume,
wo die Bäume
ihre krausen Häupter heben
in des Himmels ruhige Flut.

Und in leichtem, lichtem Kreise
weht ein Blatt zu meinen Füßen
nieder; und des Friedens leise
weiße Taube seh ich grüßen,
fernher grüßen
meiner Seele dunkle Flut.

 


 

In summa

Bin Mensch, All, Nichts,
nach Wahl des Lichts.

 


 

Jetzt und immer

        Seit wann du mein – ich weiß es nicht;
was weiß das Herz von eit und Raum!
Mir ist, als wär's gestern erst,
daß du erfülltest meinen Traum,

mir ist, als wär's seit immer schon,
so eigen bist du mir vertraut:
so ewig lange schon mein Weib,
so immer wieder meine Braut.

 


 

Lied Kaspar Hausers

Nach Verlaine

            Ich kam so fromm, ein Waisenkind,
das nichts als seine stillen Augen hat,
zu den Leuten der großen Stadt;
sie fanden mich zu blöd gesinnt.

Mit zwanzig Jahren ward ich klug
und fand die Frauen schön und gut;
sie nennen das die Liebesglut.
Ich war den Fraun nicht schön genug.

Ohne Vaterland und Königshaus,
und wohl auch kein sehr tapfrer Held,
wollt ich den Tod im Ehrenfeld;
der Hauptmann schickte mich nach Haus.

Kam ich zu früh kam ich zu spät
in diese Welt? was soll ich hier!
Ach Gott, ihr lieben Leute ihr,
sprecht für den Kasper ein Gebet!

 


 

Einem Kathederhelden

            Verehrter Gönner! Eben wird mir kund,
welch eine Null ich bin Für Euer Gnaden.
Was schreit Ihr so? Ich bin, weiß Gott, kein Hund,
der lüstern ist auf Dutzendmännleinwaden.
Ich beiße Keinen, der mir leid tut! Und
die Welt soll nie den Vorwurf auf mich laden:
ich hätt Euch zur Unsterblichkeit verholfen
wie Liliencron Professor Emil Wolffen.

 


 

An meine Königin

            Bin ich ein König? – Als ich Knabe war,
da träumte mir von einem goldnen Throne,
von einem Volk in heller Jubelschaar,
von einem Purpurmantel, einer Krone.

Ich wurde Jüngling, und der irdne Glanz
verblich im Geisterlicht des Ewig Schönen;
da träumte mir von einem Strahlenkranz,
mit dem ein andres Volk mich sollte krönen.

Jetzt träum ich nicht mehrKronen, nicht mehrKränze,
kein Ziel der Sehnsucht, das der Stolz gebar;
mich lockt kein Volk, kein Reich mehr, keine Grenze,
nur meiner Kraft glühn muß ich immerdar.

Nur immer schweben, wie der Adler schweben,
den es hinauf ins Unbegrenzte reißt;
ich kann nicht wie die Lerche mich bestreben,
die flatternd ihre Ackerfurche preist.

Ich weiß kein Ziel. Gestalten aus dem Vollen
erheben sich, zerreißen die Umhüllung.
Nun ihnen nach, die nichts als Dasein wollen!
Mein Sehnen ging durch Dich mir in Erfüllung.

Du gabst mir solch ein Reich voll Glanz zu eigen,
daß meine ganze Sprache mir zu wenig
all dieses Reichtums Herrlichkeit zu zeigen,
und dankbar knie ich hin: – ich bin ein König.

 


 

Krämerseelen

        O wie sie lieben! wie sie maßvoll bleiben!
nur ja den lieben Nächsten nicht bereichern!
Wie sie gewissenhaft Tauschhandel treiben
und brav Gefühlchen zu Gefühlchen speichern!

Und hier steht Einer, der mit tausend Händen
sich selbst wie Saat ins Weltall möchte streuen,
um tausendfach sein Dasein zu vollenden,
um tausendfach sein Dasein zu erneuen.

Nein nein, ich passe nicht in euer Streben,
ich kann nicht vorsichtig mein Herz verschachern!
Lieber mit Huren um die Wette leben,
als herzlich tun mit euch Geschäftemachern!

 


 

Am Krankenbett

    Ihr Auge klagte, was ihr Mund verschwieg:
ihr hilflos Leid, daß Andre mit ihr litten.
Wir seufzten trüb; aus unsern Blicken stieg
ein bang ergebnes Füreinanderbitten.

Und als wir so vereint uns angeschaut,
da war auf einmal alles Leid verwunden:
der bange Seufzer schwoll zum Liebeslaut,
wir hatten uns vergessen, uns gefunden.

 


 

Den Herren Kritikern

        Die Lerche.singt, der Rabe schreit,
das ist nun so seit Ewigkeit;
sänge er auch, ihm würd's schon passen,
und dennoch kann er's Schrein nicht lassen.

Der Kritiker hat immer Recht,
unfehlbar wie der Kletterspecht:
die Eiche trotzt dem stärksten Sturrn,
der Specht entdeckt in ihr den Wurm.

Es lächeln die Weisen, es lachen die Narren:
in jedem Dache sind krumme Sparren.

 


 

Kumpaney

        Ein Herr Laus, ein Floh und eine Wanze
setzten sich an meinen Tisch.
Sprach der Floh: Brüderchen, tanze!
hoppla! frisch!

Sprach ich bald: Ich kam nicht tanzen
so wie Sie, Herr Floh!
Sprach das Fräulein von den.Wanzen:
Klettern Sie mal Stroh!

Sprach ich gleich: Wer kann strohklettern
so wie Sie!
Sprach derLauserich: Entblättern
Sie mal Schinn, hihi!

Sprach ich: Ihre Kunst! wer könnte
die wohl ebenso!
sprach ich. Und die dreu Talönte
waren seelensfroh.

 


 

Kunstgenuß

        Wie man würdig Kunst empfängt?
Wenn man würdigt, was sie schenkt!

Nimm, vernimm, und frag nicht viel,
tiefster Ernst wird höchstes Spiel;
sieh nur, mit dem Schmerz der Zeit
spielt die ewige Seligkeit.

Schönheit wird wie Glück empfangen:
Freude krönt dein bang Genießen,
und die Freude ein Verlangen,
sich als Liebe zu erschließen.
Denn der Schöpfung schöne Hülle
hält ihr Wesen wohlverwahrt,
ist von Reiz so spröd wie zart
und erschließt des Glückes Fülle
Dem nur, dessen eigne Art
die Art des Schöpfers offenbart.

 


 

Kunst und Leben

        Was in unser Leben fiel,
schwer wird leichter, fremd wird eigen,
rostig will es wieder steigen,
Will zurück zum Lebensreigen,
und so wird's ein Fest, ein Spiel.

Natur trieb oft ihr Spiel mit dir;
nun, Künstler, treib dein Spiel mit ihr!

Sinnspiel, aber ernst bestrebt:
kommt! spielt mit! sinnt! es erhebt.

 


 

Sprüche zur Kunst

        Künstler, die Welt ist bodenlos.
Wer kühn ist, schöpft aus tiefstem Schooß.
Wer nicht versinkt dabei, ist groß.

Warum dich in die Tiefe begeben?
Nur um zu steigen; nur um zu zeigen,
wie hoch wir schließlich drüberschweben.

Scheint dir das Dasein noch
jenseits vom Schein zu liegen,
und steigst du noch so hoch,
so hast du dich verstiegen.

 


 

Läuterung

        Wie mit zauberischen Händen
greifen Träume in mein Leben,
will ein altes sich vollenden,
will ein neues sich begeben.

Eine Flamme sah ich lodern
hoch und rein aus goldner Schale,
und die Flamme schien zu fodern:
wirf dein Leid in diese Schale!

Und anbetend hingezwungen
fühlt ich Gluten mich umfangen;
rauschend küßten ihre Zungen
mir die Augen, Stirn und Wangen.

Und ich fühlte ganz vergehen
all mein Leid mit einem Male,
rauschend mich als Flamme wehen
selber in der goldnen Schale.

Wie mit zauberischen Händen
greifen Träume in mein Leben.
Will ein altes sich vollenden?
will ein neues sich begeben?

 


 

Landung

        Mein weißer Schwan vor mir, noch ziehn wir leise
auf dunkler Flut durch unser Morgengrauen,
zur blassen Ferne, wo die Wellenkreise
dem jungen Tage hoch entgegenblauen.

So lassen wir uns tragen, weiter tragen,
und golden wird der dunkle Wasserbogen,
bis wir die seligen Inseln sehen ragen
im Glanz der Frühe aus den stillen Wogen.

Da wirst du losgeknüpft von meinen Zügeln,
der Nachen säumt, wir sind am Heimatlande;
da dehnst du dich mit ausgespannten Flügeln
und steigst hinauf mit mir zum hellen Strande.

Und von den Höhen wird ein Singen wehen,
die Bahn zum Licht zu weisen auch den Brüdern,
und durch die Tiefen wird ein Klingen gehen
von großem Glück: aus meinen Schwanenliedern.

 


 

Lebenswerk

    Allen soll's gelten.
Mancher mag's schelten.
Wir leben in der Welt der Welten.

 


 

Leises Lied

          In einem stillen Garten,
an eines Brunnens Schacht,
wie wollt ich gerne warten
die lange graue Nacht.

Viel helle Lilien blühen
um des Brunnens Schlund;
drin schwimmen golden die Sterne,
drin badet sich der Mond.

Und wie in den Brunnen schimmern
die lieben Sterne hinein,
glänzt mir im Herzen immer
deiner lieben Augen Schein.

Die Sterne doch am Himmel,
die stehn uns all so fern;
in deinem stillen Garten
stünd' ich jetzt so gern.

 


 

Ein Liebenswürdiger

    Der König und die Königin
spielten mit ihrem Tand.
Das sah der Prinz von Obenhin
und sprach mit ritterlichem Sinn:
sie regieren ihr Land.

 


 

Sprüche der Liebe

      Glut klärt,
Glut verzehrt;
hüte Jeder seinen Herd!

Treue mit Reue
ist Feiglings Untreue.

Schwur der Liebe: ob gegeben,
ob empfangen – welch Verschulden!
Schwellend wühlt sich Leben in Leben:
was wird wachsen? – Herz, lern dulden!

 


 

Lied der Mutter

        Bienchen, Bienchen
wiegt sich im Sonnenschein,
spielt um mein Kindelein,
summt dich in Schlummer ein
süßes Gesicht.

Spinnchen, Spinnchen
flimmert im Sonnenschein,
schlummre, mein Kindelein,
spinnt dich in Träume ein,
rühre dich nicht.

Tief-Edelinchen
schlüpft aus dem Sonnenschein,
träume , mein Kindelein,
haucht dir ein Seelchen ein:
Liebe zum Licht.

 


 

Lobgesang

        Wie das Meer
ist die Liebe:
unerschöpflich,
unergründlich,
unermeßlich:
Woge zu Woge
stürzend gehoben,
Woge in Woge
wachsend verschlungen,
sturm-und-wetter-geberdig nun,
sonneselig nun,
willig nun dem Mond
die unaufhaltsame Fläche –
doch in der Tiefe
stetes Walten ewiger Ruhe,
ungestört,
undurchdringbar dem irdischen Blick,
starr verdämmernd in gläsernes Dunkel –
und in der Weite
stetes Wirken ewiger Regung,
ungestillt,
unentwirrbar dem irdischen Blick,
wild verschwimmend im Licht der Lüfte:
Aufrausch der Unendlichkeit
ist das Meer,
ist die Liebe.

 


 

Machtspruch

Wohin du blickst, ist Kampf auf Erden.
Wohin du blickst, kann Friede werden.

 


 

Mädchenfrühling

    Aprilwind.
Alle Knospen sind
schon aufgesprossen;
rings sprießt der Grund.
Und sein Mund
bleibt verschlossen? –

Maisonnenregen.
Alle Blumen langen,
heimlich aufgegangen,
dem Licht entgegen,
dem lieben Licht.
Fühlt er's nicht? –

 


 

Maxime

      Mensch, was dir leicht fällt, das nimm schwer!
Natur gibt viel; entnimm ihr mehr!

 


 

An mein Volk

        Ich möchte wohl geliebt von Vielen sein,
und auch geehrt; ich weiß es wohl.
Aber niemals soll
mein Stolz und Wert mir drum gemein
mit hunderttausend Andern sein.

Ich hab ein großes Vaterland:
zehn Völkern schuldet meine Stirn
ihr bißchen Hirn.
Ich habe nie das Volk gekannt,
aus dem mein reinster Wert entstand.

In meiner Heimat steht ein Baum,
den liebe ich, der, steht sehr stolz
mitten im Mittelholz.
Da träumt ich manchen jungen Traum;
er wurzelt tief, der hohe Baum.

Da träumt ich, daß der Mensch allein
dem hunderttausendfachen Bann
entwachsen kann:
bis auch die Völker sich befrein
zum Volk! – mein Volk, wann wirst du sein?

 


 

Menschenrecht

        Dein Recht ist deine Kraft – drum bläh dich nicht,
du stehst mit deinem Recht vorm Weltgericht.
»Was? Weltgericht? ein längst entkräftet Wort!«
Doch setzt die Welt das Richten kräftig fort.
»Und wenn mein Recht mit Macht dagegenrennt?«
Kein Recht wird Macht, das seine Pflicht verkennt.
»Und was ist meine Pflicht, o Weltgewalt?«
Da siehe Du zu – lacht das Scheusal kalt.

 


 

Morgenandacht

      Sehnsucht hat mich früh geweckt;
wo die alten Eichen rauschen,
hier am Waldrand hingestreckt,
will ich Dich, Natur, belauschen.

Jeder Halm ist wie erwacht;
grüner scheint das Feld zu leben,
wenn im kühlen Tau der Nacht
warm die ersten Strahlen beben.

Wie,die Fülle mich beengt!
so viel Großes! so viel Kleines!
wie es sich zusammendrängt
in ein übermächtig Eines!

Wie der Wind im Hafer surrt,
tief im Gras die Grillen klingen,
hoch im Holz die Taube gurrt,
wie die Blätter alle schwingen,

wie die Bienen taumelnd sammeln
und die Käfer lautlos schlüpfen –
oh Natur! was soll mein Stammeln,
seh ich all das Dich verknüpfen:

wie es mir ins Innre dringt,
all das Große, all das Kleine,
wie's mit mir zusammenklingt
in das übermächtig Eine!

 


 

Nachruf an Nietzsche

            Und es kam die Zeit,
daß Zarathustra abermals
aus seiner Höhle niederstieg vom Berge;
und viel Volkes
küßte seine Spuren.
Der Jünger aber, der ihn liebte,
stand von ferne,
und der Meister kannte ihn nicht.
Und der Jünger trat zu ihm und sprach:
Meister, was soll ich tun,
daß ich selig werde?
Zarathustra aber wandte sich
und schaute hinter sich,
und seine Augen wurden fremd,
und gab zur Antwort:
Folge mir nach!

Da ward der Jünger sehend
und verstand den Meister:
folgte ihm und verließ ihn.

Als er aber seines Weges wanderte,
wurde er traurig
und sprach also zu seiner Sehnsucht:

Warlich, Viele sind,
deren Zunge trieft vom Namen Zarathustras,
und im Herzen beten sie
zum Gotte Tamtam;
allzu früh erschien er diesem Volk.

Seinen Adler sahen sie fliegen,
der da heißt
der Wille zur Macht
aber die Kleinen;
und seine Schlange nährten sie an ihrer Brust,
die Schlange Klugheit.
Aber seiner Sonne ist ihr Auge blind,
die da heißt
der Wille zur Macht
über den Einen: den Gott Ich.
Wiedergeburten feiern sie
und Wiedertaufen aller Götzen,
aber Keiner wußte noch
sich selber zu befruchten
und seinem Samen jubelnd sich zu opfern.

Der Du Deinen Opferwillen lehrtest,
fahr denn wohl! gern hätt ich dir
dein letztes Wort vom Mund geküßt,
du lächelnder Priester des fruchtbaren Todes.
Aber wir leben,
und mancher Art sind
die Sonnenpfeile und Blumengifte
des fruchtbaren Todes.
Weh, daß dein Jünger dir zu spät erschien! –

 


 

Nachtgebet der Braut

        O mein Geliebter – in die Kissen
bet' ich nach dir, ins Firmament!
O könnt ich sagen, dürft er wissen,
wie meine Einsamkeit mich brennt!

O Welt, wann darf ich ihn umschlingen!
O laß ihn mir im Traume nahn,
mich wie die Erde um ihn schwingen
und seinen Sonnenkuß emfahn

und seine Flammenkräfte trinken,
ihm Flammen, Flammen wiedersprühn,
oh Welt, bis wir zusammensinken
in überirdischem Erglühn!

O Welt des Lichtes, Welt der Wonne!
O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!
O Traum der Erde: Sonne, Sonne!
O mein Geliebter – mein Gemahl –

 


 

Nachtrab

      Wie Greis Goethe das Licht, durchirrt heut mancher das Dunkel;
gingen die Adler zur Ruh, ziehen die Eulen auf Raub.

 


 

Deine Nähe

          Zitternd bin ich aufgesprungen,
glühend, mit dem Tageslichte,
dir zu singen die Gedichte,
die ich dir im Traum gesungen.

Nie ertönte Wunderklänge,
zauberzarte, weiche, milde;
nie vernommne, heiße, wilde,
heilig brausende Gesänge.

Und sie alle, alle rauschten
Deinen, immer Deinen Namen,
bis des Erdballs Völker kamen
und auf deine Ankunft lauschten.

Kamen aus den fernsten Landen,
sprachen wohl in allen Zungen;
doch von Dir, von Dir bezwungen,
haben alle mich verstanden.

Eines nur der tausend Lieder,
eines nur noch Einmal singen:
ewig würd' es weiterklingen!
Ach, ich finde keines wieder.

Dumpf im Herzen nur ein Schauern,
nur ein brennendes Verzagen,
ein Verlangen und ein Fragen:
Komm! was läßt du mich hier trauern?!

 


 

Nicht doch

        Mädel, laß das Stricken, geh,
tu den Strumpf bei Seite heute;
das ist was für alte Leute,
für die jungen blüht der Klee!
Laß, mein Kind,
komm, mein Schätzchen;
siehst du nicht, der Abendwind
schäkert mit den Weidenkätzchen! –

Mädel liebes, sieh doch nicht
immer so bei Seite heute;
das ist was für alte Leute,
junge sehn sich ins Gesicht!
Komm, mein Kind,
sieh doch, Schätzchen:
Über uns der Abendwind
schäkert mit den Weidenkätzchen! –

Siehst du, Mädel, war's nicht nett
so an meiner Seite heute?
Das ist was für junge Leute,
alte gehn allein zu Bett.
Was denn, Kind?
weinen, Schätzchen?
Nicht doch! sieh, der Abendwind
schäkert mit den Weidenkätzchen! –

 


 

Notabene

        Wenn man nur dein Bestes ehrt,
bist du noch nichts Bessers wert.

Kopf hoch, Beine breit!
Alles Andre macht die Zeit.

Man steigt auf Berge nicht mit einem Schritt
und nimmt stets Staub von unten mit.

 


 

Novemberfahrt

      Ja lacht nur, lacht, am Straßenrand
ihr pelzvermummten Gaffer!
Uns hat aus härterm Lehm gebrannt
der Wein- und Weiber-Schaffer.
Und wenn wir etwas zittrig sind
und etwas rot die Nase,
so meint nur nicht, das sei vom Wind:
das Wetter liegt im Glase!

Wir fahren in die Welt hinein,
wenn's Uns gefällt und gut scheint;
wir fahren in dem Sonnenschein,
der unter unserm Hut scheint.
Und wenn die olle Sonne sieht
so junge Dreistewichte,
dann wird sie gleich vor Angst verliebt
und macht ihr schönst Gesichte.

Hurrah, Novembersonnentag,
du Wunderwanderwetter,
derweil am Herd das Zimperpack
sich wärmt den Katterletter.
Hurrah, so herb dein Reiz und Duft,
so würzig und voll Schwere!
Hurrah, ich schlürfe deine Luft,
als ob es Rheinwein wäre!

 


 

Das Opfer

        Ich sah im Traum Apollos Tempelhallen,
doch ringsum hört ich dunkle Donner grollen;
ich sah vom blassen First die unruhvollen
gebrochnen letzten Sonnenblicke prallen.

Herab zu mir vom schroffen Abhang quollen
die Schatten, schwer, wie Trauertücher fallen;
als wollt er drüberher ein Grabmal ballen,
so schaufelte der Sturm die Wolkenschollen.

Und ich verstand des Gottes Gram und Zorn
und brach mir Bahn zu seinem heiligen Born
und schöpfte Urglut aus den Finsternissen

und hob die Schale auf zu seinem Thron:
entflamme, großer Vater, deinen Sohn,
es gibt so Wenige, die zu opfern wissen!

 


 

Herrliches Pärchen

        Nein, wie sind wir herrlich beide,
ich mit meinem Räubersinn,
du in deinem Jägerkleide,
Sonntag gehn wir auf die Haide,
süße Lüneburgerin!

Zwanzigtausend Schafe schauen
immer wieder nach dir hin,
huch, sie ließen gern sich krauen,
und die Lerche juchzt im Blauen:
süße Lüneburgerin!

Bis sich Nacht und Nebel ballen,
ach, dann senken wir das Kinn
kaum ein Mäuschen rührt die Krallen,
huh, dann wirst du überfallen,
weil ich doch dein Räuber bin!

Tief im Grabe schläft der Hüne;
hussa, fällst du auf ihn hin!
Denn du bist ja meine kühne
süße Lüneburgerüne,
meine wilde Jägerin!

 


 

Pfingstlied

        Die Akazien blühen jetzt
wie gebenedeiete Jungfraun.
Wieder hebt sich mein Gesicht
ihrem reinen Geruche zu,
ins Morgenlicht.
Und auch Dich dort oben,
weiße Taube du,
die wie gestern
zwischen ihren grauen Schwestern
glänzt und kreist:
Alles erfüllt
Mein Heiliger Geist.

 


 

Der Pirat

Nach José de Espronceda

              Mit zehn Kanonen, blank an Bord,
mit vollen Segeln vor dem Wind,
die flink wie Mövenflügel sind,
streicht eine Barke durch die Flut:
die Barke des Piratenherrn,
auf allen Meeren ausgekannt
von einem bis zum andern Strand,
der »Hai« getauft für seinen Mut.

Im dunkeln Wasser hüpft der Mond,
im Tauwerk rauft und pfeift der Wind;
ein langer Silberstreifen rinnt
breit durch die blaubewegte Flut.
Und der Piratenkapitän
sitzt singend hoch an Steuers Rand,
links Asiens, rechts Europens Strand,
und singt und singt und schwenkt den Hut:

»Fliege, mein Segler, fliege,
unverzagt;
fliegst und segelst zum Siege!
Spottest der Stürme, der Klippen und Riffe,
der Himmelslaunen, der feindlichen Schiffe,
weil dein Herr sein Leben wagt!
Zwanzig Prisen
haben wir gemacht, haben die Staatsmützen
ausgelacht;
hundert Nationen
liegen und grüßen hier
mit ihren Flaggen
zu Füßen mir.
Denn meine Barke ist mein Reichtum,
denn mein Gesetz ist mein Begehr,
mein Gott der Wind, mein Recht die Freiheit,
mein einzig Vaterland das Meer.«

»Könige streiten dadrüben
in blinder Gier
um ein paar Äcker Rüben.
Seht, ich lache! Meine Gefilde
reichen, soweit das weite wilde
Meer entrollt sein frei Panier.
Da ist kein Wimpel,
wie er auch glänze,
da keine Küste,
wo sie auch grenze,
die nicht Salut getan
meinem Geschlecht,
die nicht erkannten
mein Hoheitsrecht.
Denn meine Barke ist mein Reichtum
denn mein Gesetz ist mein Begehr,
mein Gott der Wind, mein Recht die Freiheit,
mein einzig Vaterland das Meer.«

»Kaum schrein vom Mars die Jungen:
Schiff in Sicht!
rennt's schon mit vollen Lungen.
Hoi, alle Segel breit, Fersengeldsegel,
rennt es und rennt es; denn diese Flegel
lieben den König der Meere nicht.
Aber wie Brüder
Ich und Ihr,
meine Getreuen,
teilen die Beute wir.
Ein einzig Eigentum
nehm ich für mich
ohne Rivalen:
dich, Schönheit, dich!
Denn meine Barke ist mein Reichtum,
denn mein Gesetz ist mein Begehr,
mein Gott der Wind, mein Recht die Freiheit,
mein einzig Vaterland das Meer.«

»Verdammt zum Höllenfeuer,
zum Tod am Strick,
sitz ich und lache euer!
Hütet euch, Schufte: wen ich mir lange,
den häng ich auf an der Segelstange,
vielleicht von seiner eignen Brigg!
Und wenn ich falle:
was ist das Leben!
Hab es schon damals
verloren gegeben,
als ich die Kette brach,
als ich, ein Held,
mir schuf mein eigen Recht,
mir meine Welt.
Denn meine Barke ist mein Reichtum,
denn mein Gesetz ist mein Begehr,
mein Gott der Wind, mein Recht die Freiheit,
mein einzig Vaterland das Meer.«

»Melodieen wie brausend
Orgelgewühl
spielt mir im Nachtsturm, sausend,
meiner geschüttelten Taue Gestöhne,
meiner Kanonen Donnergedröhne
und des schwarzen Meeres Gebrüll.
Von ihren tobenden
Liedern umschnoben,
geh ich zur Ruhe,
wogenumwoben,
jubelnde Zungen
rings um mich her,
in Schlaf gesungen
vom Meer, vom Meer.
Denn meine Barke ist mein Reichtum,
denn mein Gesetz ist mein Begehr,
mein Gott der Wind, mein Reich die Freiheit,
mein einzig Vaterland das Meer!«

Im dunkeln Wasser hüpft der Mond,
im Tauwerk rauft und pfeift der Wind;
ein langer Silberstreifen rinnt
breit durch die blaubewegte Flut.
Und der Piratenkapitän
lehnt schweigend hoch an Steuers Rand,
links Asiens, rechts Europens Strand,
tief in die Stirn gedrückt den Hut.

Mit zehn Kanonen, blank an Bord,
mit vollen Segeln vor dem Wind,
die flink wie Mövenflügel sind,
streicht seine Barke durch die Flut:
die Barke des Piratenherrn,
auf allen Meeren ausgekannt
von einem bis zum andere Strand,
der »Hai« getauft für seinen Mut.

 


 

Pro Domo

      Was will da Beifall, was Geschelt!
Ob Manneswerk, ob Jünglingsbuch:
der Künstler ist so alt wie die Welt,
das ist sein Segen, das ist sein Fluch.
Wo er geirrt als junger Fant,
irrt noch der greiseste Verstand.

 


 

Den Querköpfen

            Schließ nur klüglich deine Höhle!
Ist die Welt auch weit und kalt,
Sonne findet schon den Spalt
in die unverschlossne Seele.

Ich bin dumm! sprach Hans Dummerjan
und kuckte frech den Herrgott an.
Da lachte Der und sprach: Ja, sehr!

Sie möchten Kunst genießen, ach,
und kauen Schönheitsregeln nach.
Es ist das alte Leid, daß Gott erbarm:
stark ist der Hunger, schwach ist der Darm.

 


 

Quintessenz

      Was ist ein Ideal?
Dem Weisen eine Not,
dem Helden eine Qual,
dem Schwätzer Himmelsbrot.

 


 

Radlers Seligkeit

        Wer niemals fühlte per Pedal,
dem ist die Welt ein Jammertal!
Ich radle, radle, radle.

Wie herrlich lang war die Chaussee!
Gleich kommt das achte Feld voll Klee.
Ich radle, radle, radle.

Herrgott, wie groß ist die Natur!
Noch siebzehn Kilometer nur.
Ich radle, radle, radle.

Einst suchte man im Pilgerkleid
den Weg zur ewigen Seligkeit.
Ich radle, radle, radle.

So kann man einfach an den Zehn
den Fortschritt des Jahrhunderts sehn.
Ich radle, radle, radle.

Noch Joethe machte das zu Fuß,
und Schiller ritt den Pegasus.
Ick radle!

 


 

Der Rächer

        Durch die schlafende Lagune
zieht ein langer stiller Kahn
seine Bahn;

einsam zieht er durch das Dunkel
durch das sanfte Flutgefunkel,
wie ein großer schwarzer Schwan.

Aber nun: im Zelt der Barke
fallen Worte schwer voll Glut.
Und die Flut
ebnet sich in weiten Kreisen;
drohend wird der Ton der leisen
Laute, und das Ruder ruht.

»Donna Anna, deine Schwüre
sind noch dunkler als die Nacht!
Stolz verlacht
hab ich Alle, die dich schalten,
aber – wenn sie Recht behalten:
hüte dich! ein Rächer wacht.«

»Liebster, willst du mich betrüben?
Sieh doch: hab ich denn von Lust
je gewußt,
eh du diesen Leib berührtest,
dies gescholtne Herz verführtest?«
sinkt sie ihm an Hals und Brust.

»Sag mir« – will er herrisch wehren,
aber an ihm liegt sie dicht:
»Fühlst du's nicht?
Wie der Vogel in die Weiten,
sehn ich mich nach Seligkeiten!«
hebt sie schmachtend ihr Gesicht.

Und er sieht und fühlt bezwungen
ihrer Augen dunkle Macht;
schwer und sacht
rauscht ihr Kleid im Ampelschimmer,
rötlich schwankt das kleine Zimmer,
Küsse stöhnen durch die Nacht.

Und sie unterdrückt ein Lachen:
wie er von ihr trunken ist,
sich vergißt!
Doch ihr Spott ist kaum verflogen:
wütend über sie gebogen
sieht er ihre Dirnenlist.

Und ein Ringen. Und ein Keuchen.
»Gott, Erbarmen« – bricht ein Schrei
dumpf entzwei.
Hohl ein Brodeln im Kanale.
Stille wird's mit einem Male.
Furchtsam flüstert er: »vorbei«.

Flüstert furchtsam wie im Traume,
küßt im Traume ihren Mund
weinend wund,
hört sie um Erbarmen flehen,
und als könnt er sie noch sehen,
starrt er in den blauen Schlund.

In der dunklen Wässerschale
sieht er ruhn den weißen Mond,
ruhn den Mond,
sieht er winken die versunknen
weißen Arme und die trunknen
Lippen, oh so lieb gewohnt.

Und nun öffnet sie die Augen,
und von tiefer dunkler Macht
schwer und sacht
fühlt er sich hinabgezogen,
sinkt er in die warmen Wogen,
schließt sich über ihm die Nacht.

Durch die schlafende Lagune
wie ein großer schwarzer Schwan
irrt ein Kahn.
Willst du auf den Leuchtturm klimmen,
siehst du fern ein Ruder schwimmen
auf der glatten Wasserbahn.

 


 

Die Rose

        Ich habe den Traum der Rose belauscht,
der keusch vom kühlen Duft umsprüht
aus ihrer Blumenseele glüht;
ich hab ihn mit allen Sinnen belauscht
und mich berauscht.

Vom Sonnenstrahl hat sie geträumt,
der Tags in ihren Adern gährt,
sie Nachts mit Tau und Mondlicht nährt,
der wild für sie durchs Lufhneer schäumt,
damit sie träumt.

Doch von dem Goldkäfer weiß sie nicht,
der mühsam ihren Kelch erklimmt,
von ihrem Duft-betäubt sich krümmt,
den ihre rote Glut ersticht;
sie achtet's nicht.

So prangt die Rose in keuscher Pracht
und freut sich ihrer Glut und lacht:
Ich habe die herrlichste Seele, Ich,
ich bin die Königin sicherlich
von meinen Blumenschwestern!

Und stahlblau kommt ein Falter geschwirrt
der ihr von Liebe surrt und girrt.
Dem haucht sie gnädig zu: laß ab,
,sonst wird mein glühender Schooß dein Grab,
ich bin die Braut des Lichtes!

Doch als der dritte Mittag kam,
seit ich den Traum der Rose vernahm,
da hing ihr königliches Haupt
im Sonnenglanz gebeugt, verstaubt,
vom heißen Licht erstochen.

 


 

Rückkehr

        Ich seh in deine Augen wieder,
in diesen Frieden tief und bang;
da schweigen all die falschen Lieder,
die schrill in mir mein Unhold sang.

Du darfst den trüben Wahnsinn wissen,
der gräßlich lacht in mir und schreit,
daß ich vom Mutterleib gerissen
zu graunvoll freudelosem Streit,

daß mich Natur mit allen Trieben
im Schooß der Wonne schon verdammt,
daß die verflucht sind, die mich lieben,
daß meine Glut nur Unheil flammt.

Du, Du, die Eine, hast ergründet
mein innerst Sündenangesicht,
hast mich entsühnt, zu Glut entzündet
in mir der Reinheit schwaches Licht.

Von deinen heiligen Seelenblicken
glänzt meiner Sinne dumpfe Flur;
mir löst ein menschliches Entzücken
die rohen Ketten der Natur.

In Tränen stirbt mein irres Bangen,
ob ich berufen sei zum Glück
sieh mein verröchelndesVerlangen,
die Klarheit gabst du mir zurück.

 


 

Scheinkunst

        Bild und Unbild: Bild der Züge,
aber Bild der Seele nicht,
und die Wahrheit wird zur Lüge,
weil Berechnung aus ihr spricht.

Schein statt Wesen nimmt sie wichtig;
Punkt für Punkt und Strich an Strich,
alles Einzelne ist richtig,
aber nie vereint es sich.

Und so gibt sie statt Gestalten
allerhand Geberden nur,
die viel Studium enthalten,
aber Leben keine Spur.

Statt Natur zu offenbaren,
ist's ein schulgerecht Verfahren,
Wahrheit nach dem A-B-C –
ach, ihr tut mir leid und weh!

 


 

Eine gantz neu Schelmweys

Zu singen im Tone des weilandt Magistri Pfefferfraß

        Wir Schelmbe sind ein feinen hauff,
da kann kein HErrgott wider auf;
die Welt ist voll von Unsern Preiß,
seit Adam stahl im Paradeys.
Hosianna!

Uns bleibt kein geldt in vnsern sack,
Wir synd ein fürnemb Lumpenpack,
Wir han das Allergrößt gefolg,
kein fuerst vnd Hertzog hat ein solch.
Hurrra!

Zu nie keyn diensten taugen Wir
als für dem Edlen Malwesier.
Dem tun wir fröhnden, nimmer faul:
ein jede Flaschen findt jr maul.
Hoppla!

Wir han nit weib, wir han nit kindt,
Wir sind die rechten Sausewind.
Vnd läßt vns Eine Dirn nit ein,
die ander wird so süsser seyn!
Eia!

Wir schieren umb kein pfaff uns nit,
Wir han unß Eignen segen mit.
Vnd pfeiffen wir am letzten loch:
der TEuffel nimbt in Gnad vns doch!
Sela!

 


 

Schicksalsworte

        Was ist dein Loos? Das Mensehenloos.
Das Menschenloos ist immer groß.
Es ist, o Mensch, der Weltenschooß.

Wenn du auch irrst
auf den Bergen des Strebens:
nichts ist vergebens,
denn du wirst.
Nur: bleib Herr deines Strebens!

Das Schicksal will's – nun meinst du: bah,
ein Narr, wer, eignen Willen schätzt
Du Narr! du stehst als Beispiel da,
welch Schicksal sich der Wille setzt.

 


 

Einem und jedem Schöpfer

Du hast uns mehr als Leben,
du hast uns aus dem Geist,
der das Leben speist,
eine Welt gegeben.

 


 

Den Schreihälsen

        Verdammte Liebe! schimpft Hans Aff,
dem seine Liebschaft schlecht bekam.
Verfluchte Lust! stöhnt Christian Pfaff,
der sich in Wollust übernahm.
Herr, schenke diesen beiden Armen
mit Lust und Liebe dein Erbarmen!

Ein Spaß für Götter:
Afen als Menschheitsretter.

X schreit: der Mensch ward ungesund!
U will den Übermenschen züchten.
V will's mit Unzucht, W mit Züchten.
Z schreit: ihr bringt ihn auf den Hund!
Sie greifen schließlich noch zum Messer,
die – idealen Menschenfresser.

 


 

In Sehnsucht

        Jüngling:

Möcht es hassen,
dies Sehnen ohne Maßen.
Weiß nicht, was ich tun will;
weiß nicht, ob ich ruhn will.
Jetzt alles tragen und stolz verzagen,
jetzt alles wagen
und zu ihr jagen.
Ein träges Hasten
selbst mein Gang,
ein blödes Tasten
von Drang zu Drang,
ein Sehnen ohne Maßen.
Möcht es hassen;
ach, aber bin
so glücklich drin.

 
Mädchen:

Möcht ein Lied dem Liebsten singen,
daß er tief ins Herz mir sieht.
Doch es will mir nicht gelingen,
alles in mir stockt und flieht.

Ob ich nur das Wort verfehle?
ob zu Ihm gleich alles flieht?
Aber meine ganze Seele
ist ein einzig Sehnsuchtslied.

 


 

Seitenhiebe

        Manch Gebilde und Getön
ist wahrhaftig nicht mehr schön,
ist auch nicht etwa gewöhnlich,
ist nur – schönlich.

Wenn ihr nur stets dieselbe Fistel kräht,
zuletzt heißt's doch Originalität
Und macht ihr euch auf euerm Mist
recht breit, dann heißt es gar Persönlichkeit.

Einst wird kein Hahn mehr danach krähn,
heut gackert's von Paris bis Schweden.
So laßt uns denn nicht länger schmähn,
laßt uns schon jetzt von Besserm reden!

 


 

Selbstzucht

        Mensch, du sollst dich selbst erziehen.
Und das wird dir Mancher deuten:
Mensch, du mußt dir selbst entfliehen.
Hüte dich vor diesen Leuten!

Rechne ab mit den Gewalten
in dir, um dich. Sie ergeben
zweierlei: wirst Da das Leben,
wird das Leben dich gestalten?

Mancher hat sich selbst erzogen;
hat er auch ein Selbst gezüchtet?
Noch hat keiner Gott erflogen,
der vor Gottes Teufeln flüchtet.

 


 

Sieg

        Nun haben wir den schwersten Kampf gerungen
im heiligen Krieg um unser Reich der Einheit,
als heiß wir rangen mit der eignen Kleinheit,
bis Seele ganz in Seele war gedrungen,

bis endlich von den Herzen uns gesprungen
das letzte Band selbstsüchtiger Alleinheit,
bis meine Rauhheit ganz von deiner Reinheit,
dein blasser Trotz von meiner Kraft bezwungen.

Und ob wir nur mit Mühe uns gefunden,
und ob sich unsre Herzen blutig stießen
im harten Zwiespalt dieser wilden Stunden:

so inniger dürfen wir des Siegs genießen,
denn in der Tiefe sahn wir durch die Wunden
die vollen Pulse unsrer Liebe fließen.

 


 

Sommerabend

        Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.

Vom Wiesengrunde naht ein Glockenton,
ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde,
im stillen Walde steht die Dämmrung schon,
der Hirte sammelt seine satte Herde.

Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,
die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;
nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.
So sei doch froh, mein Herz, in all dem Frieden!

 


 

Vor Sonnenaufgang

        Propheten, der Sonne, der Morgen graut!
Was säumt ihr den Erdrand wie Nebelscheuchen
und beklagt euch über die Nachtdünste?
Hört doch die Hähne: sie krähn in die Wolkenröte,
und ihre Flügel funkeln schon!
Sie beschämen eure Menschengedanken,
ihr Bettler um das ewige Licht;
ich hasse eure Art Morgengrauen!

Freilich, in einsamen Nächten,
wenn der Gedanke ein Scherflein gilt
und die schwärmende Seele Millionen verschenkt,
wenn ich mit traumheißen Augen
über die Dächer Berlins hin
die tausend Schlote und Schlünde der dunkeln Stadt
in die glitzernde Ewigkeit aufstaunen sehe,
wenn ich ein schmelzendes Erz bin
im glühenden Ausbruch der unentrinnbaren Inbrunst:
ja, dann lieb' ich euch alle,
möcht ich euch alle umarmen,
helft ihr doch alle uns treiben,
alle dem Licht entgegen drängen,
dem immer lockenden Licht der Zukunft.

Aber die Zukunft beginnt schon;
mit jedem Tag, mitjedem Augenblick beginnt sie,
und ist da, wenn ihr sie bringt!
Propheten der Sonne, was säumt ihr? –

 


 

Sprachgeheimnis

Was wir reden,
ist nicht für Jeden.
Es will nur zeigen,
was wir beschweigen.
Das wirkt, das ist uns Allen eigen.

 


 

Stoßgebete

        Aus der Enge in die Weite
drängt die Seele, lockt das Leben.
O entfalte, Herz, dein Streben,
eh's der Tod ins All befreite!

Neue Gefühle:
neue Ziele:
neue Riegel.
Flügel! Flügel!

Gefühl treibt eins das andre fort;
o gieb uns, Geist, das Fassungswort!

 


 

Der brave Strubel

        Unser Hofhund, Strubel heißt er,
ist gar lobesam;
nur die Ruhestörer beißt er,
denen ist er gram.

Ach, er liefe gern den Katzen
durch den Garten nach;
bellt auch gerne nach den Spatzen
auf dem Scheunendach.

Doch er muß darauf verzichten,
folgsam seinem Herrn;
denn er ist ein Hund mit Pflichten
und gehorcht wohl gern.

Wenn dann Väterchen ihm schmeichelt:
»hast es brav gemacht«
und das Kinn ihm gnädig streichelt,
ist's als ob er lacht.

Und wie schön kann Strubel springen
und kann aufrecht gehn,
kann Verlornes wiederbringen
und kann Schildwach stehn!

Demut, Biedersinn und Treue
sind in ihm vereint,
und wir preisen stets aufs neue
Strubel, unsern Freund.

 


 

Sühne

        Erwachen endlich denn die Töne wieder,
die mir so dumpf und schwer im Herzen schliefen?
O steigt empor aus euren grauen Tiefen,
steigt rauschend auf zum Lichtreich, meine Lieder!

Nehmt mit die Tränen alle im Gefieder,
die Tränen der Geliebten, die euch riefen!
Aus euren goldnen Höhen laßt sie triefen
wie Tau des Paradieses auf mich nieder!

Daß sie mir fluten durch die trübsten Gründe
der kranken Seele und gesund sie baden,
bis ich, versöhnt mit aller meiner Sünde,
mich vor mir selbst kann zu Gerichte laden
und jubelnd vor mir selbst entsühnt mich künde,
weil jede Träne eine Welt voll Gnaden!

 


 

Der Tiefsinn

        Auf einer Pappelspitze sitzt
ein Mann in Unterhosen,
streut Rosen
und seufzt die Sonne an.

»O, wie ist der Tiefsinn hoch!«
Also hört ich Etwas munkeln,
das da saß im dunkeln
Mauseloch.

Darum ist der Tiefsinn so unendlich
unverständlich.

 


 

Tief von fern

    Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
tief von fern
kommt der blasse Mond gezogen.

Tief von fern
aus des Morgens grauen Wogen
langt der große blasse Bogen
nach dem Stern.

 


 

Traurige Wahrheit

      »Du bester Mensch, den's giebt,
willst von der Menschheit lassen?«
Ach, wer die Menschheit liebt,
der lernt die Menschen hassen.

 


 

Trauschwur

        Nun wollen wir zur Andacht uns bereiten;
nun leg in meine deine Hand und höre
den Schwur der Treue, den ich heut uns schwöre
bei unseren und dem Geist der Ewigkeiten.

Und was die Völker Heiligstes gesprochen,
zu Meiner Sprache wird's in dieser Stunde,
und wird ein neu Gesetz in meinem Munde,
und jede alte Deutung sei zerbrochen!

Und somit frevl' ich an der heiligen Sage,
daß heiliger noch mein Eigenstes sich künde;
denn ich bin größer jetzt als meine Sünde,
denn Schöpfer bin ich, während ich zerschlage.

Ich bin der Herr dein Gott! – Du sollst mich ehren:
auf meine Kraft dein ganzes Leben bauen,
in jeder Drangsal selig mir vertrauen,
nach keiner Zuflucht außer mir begehren.

Du sollst mir dienen: sollst vor den Gewalten,
die mich bewegen, dich anbetend beugen,
von meinerSanftmut jedem Lästrer zeugen,
vor meiner Wildheit fromm die Hände falten.

Und sollst mir weihn die besten deiner Güter:
mit deiner Klarheit meinen Geist verklären,
mit deiner Reinheit meine Inbrunst nähren,
der ich dein Herr, dein Gott und dein Behüter.

Denn Du bist meine Welt! – Dich will ich segnen,
will mit dir sein, will Eins sein deinen Bahnen,
belauschen, wecken dein geheimstes Ahnen,
all deiner Sehnsucht wie mir selbst begegnen.

Und will dir huldigen: was immer Reines
in dumpfer Einsamkeit ich fühle reifen,
das will in dir ich läutern und begreifen,
und all mein Lauterstes befruchte deines!

Und will auch dir mich weihn: will meine Fehle
durch unsern Bund entsühnen und versöhnen,
mich mit dir, in dir immerfort verschönen,
du meine Welt, du deines Gottes Seele!

 


 

Überraschung

        Über die grauen Dächer weg,
hoch hier oben,
durch die langen roten Nelken,
die vor meinem offnen Fenster
leise zwischen mir
und dem blauen Abendhimmel schwanken,
will mein Herzschlag
mit meiner Seele
hinaus, hinauf,

Um die höchste goldene Kirchturmkugel,
im letzten fernen Lichte,
mit hellen Flügeln,
zieht ein Taubenschwarm
eilende Kreise
über dem Hause
meiner Geliebten.

Aus dem blassen Westen
dringt der erste Stern und überflimmert
scheu den lauten Dunst und trüben Lärm
der großen Stadt hier unten,
wie der erste blinkende Traumgedanke
aus dem grauen Schwarm der Lebensfragen
in der Seele des Müden taucht –
da klopft es.

Klopft und ist auch schon im Stübchen,
sitzt mir auf dem Diwan gegenüber,
sagt kein Wort, es zittert nur ihr Atem,
nur das lose Ringelhaar,
nur die Lippen und die rote Bluse
auf dem jungen, warmen, raschen Busen;
und ich sage auch nichts.

Ihre bangen Augensterne wagen
in der stummen Dämmerung des Stübchens
hoch hier oben
einen süß beredten Evablick
nach den langen roten Nelken hin;
O, ihr Augen – –

Und ich angle nach ihr mit den Beinen,
diesen Perpendikeln meines Herzens:
Kleine, merkst du,
was die Uhr geschlagen hat? –

 


 

Die Umworbene

Nach Pierre Louys

        Der Erste hat mir einen Schmuck geschenkt,
einen Schmuck aus Perlen, der eine kleine Stadt wert ist,
samt den Denkmälern und der Kirche,
dem Rathaus und der Steuerkasse.

Der Zweite hat mir Verse gemacht.
Er hat gesagt, ich sei viel holder
als eine Rose im Morgenrot,
und scheuer als der Abendwind.

Der Dritte war so schön,
daß seine Schwester sich umgebracht hat,
weil er sie nicht mehr küssen wollte.
Ich hätt ihm nur zu winken brauchen.

Du, du hast mir nichts gesagt.
Du hast mir nichts geschenkt, denn du bist arm.
Und bist nicht schön.
Aber dich liebe ich.

 


 

Ungleiche Geschwister

    Schlauheit erwägt das Schlechte,
Klugheit des Rechte,
Weisheit die Mächte.

Schlauheit fristet sich hin,
Klugheit bringt Gewinn,
Weisheit schenkt dem Leben Sinn.

 


 

Unterschied

        Ein Tropf, wer nie sich selbst gehört;
man dankt ihm kaum, wenn er sich plagte.
Doch Jesus wird als Gott verehrt,
weil er sich selbst entsagte.

 


 

Verheißung

        O weine nicht; die Wunden heilen bald,
die dir mein Unmut schlug und dein Verzagen.

Du wirst noch jubeln, daß dich mit Gewalt
mein Mut aufstachelt aus den Alltagstagen.

Denn sieh, dir ist ein Dornenkranz geweiht,
herrlich genug, das schwächste Herz zu stählen;
dran prangt als Himmelsblume jedes Leid,
mit dem uns Sehnsucht und Verlangen quälen.

Schon hebt sich um mein Haupt das Morgenrot,
das einst auch Deine Stirne wird bekränzen,
wenn eine ferne Sage unsre Not,
und wenn als Sterne deine Tränen glänzen.

 


 

Die Vollendung

Metaphysisches Oratorium

                EINE GEISTERSCHAAR
den Herrn der Kraft geleitend:

Kommt, frohlockt dem Herrn der Gewalten,
Geister der Lust, der Liebe zum Leben,
die wir aus Sonnen Gluten entfalten,
die wir Sonnen aus Gluten weben!
Seht von Erden zu Monden ihn schreiten,
Samen ihn streun mit strahlender Hand:
um seine Schultern brausen die Weiten,
Sterne bekränzen ihm Haupt und Seiten,
feurige Nebel sind sein Gewand.

GESANG DER MENSCHEN
aus der Tiefe:

Doch was frommt dem Sterblichen
ewiger Mächte maßlos Recht?
Aus seines Schicksals engem Becher,
mit harten Würfeln,
werft ihr dem Schwachen bald Wonne bald Schmerz.

EINE ANDRE GEISTERSCHAAR
den Herrn der Ordnung geleitend:

Hört sie, die wir doch zur Freude schufen!
durch das Weltall dröhnt ihr dumpfes Rufen:
Qual nur zeugt der wilde Liebesgott.
Doch den rohen Trieben lebt ein Meister,
ihm lobsingen alle milderen Geister,
ihm erschallt kein Klagelied zum Spott.
Vor dem Joch der Lüste schützt er weise
mit dem Band der Pflichten seine Kreise.
Die nach Frieden schmachten,
er bezähmt ihr Trachten;
der Gewohnheit sanfte Kraft
läutert nun die trübe Leidenschaft.

DIE MENSCHEN:

Doch wer stillt die Sehnsucht,
wer erbarmt sich, ach, des Erdensohns!
Weh: ein Sklave der Freiheit selbst,
ewiger Mächte eherne Ketten schleppt er.

DER HERR DER KRAFT:

Aus dem Strudel der Liebe quellen
all eures Lebens Ströme und Wellen,
wälzt sich der Wünsche uferlos Meer.
Folgt nur, folgt den bewegenden Wogen:
willig zusammen ins Weite gezogen,
wachsen die Kräfte zum wuchtigen Heer.
Das ist ein Schäumen, das ist ein Schweben,
das ist ein rastlos Bäumen und Beben
hin durch Höhen und Tiefen des Glücks;
doch wer bedachtsam wehrt den Mächten,
die den Reigen des Daseins flechten,
spürt die Leere des Augenblicks.
Immer in Zweifel zerläuft der Gedanke,
oder nur höher häuft er die Schranke
um den versessenen Geist empor;
aber im Zaubermantel der Liebe
trägt dich der lachende Sturm der Triebe
auf vom Staub und ins Himmelstor.
Soll dein Sehnen nicht siech verwehen,
mußt du den Wirbel der Lust bestehen,
an dich reißen, was dir gefällt;
nur durch die Pforte, durch die dich ins Leben
die Brünste stießen, kann dein Streben
brünstig zurück in den Schooß der Welt.

DIE MENSCHEN:

Bebend lauscht der gefangene Blinde:
soll er folgen den lockenden Klängen?

DIE GEISTER DER LÜSTE:

Folgt nur, folgt! so fällt die Binde,
fallen die Banden, die euch zwängen.
Auf aus dem drückenden Dunkel der Pflicht!
euch lockt der Freiheit entzückendes Licht.

DIE MEISTEN MENSCHEN
stimmen ein:

Auf aus dem drückenden Dunkel der Pflicht!
uns lockt der Freiheit entzückendes Licht.

DIE GEISTER DER PFLICHTEN:

Weh den gern betrognen Toren,
rasch erlischt der Traum vom Glück;
immer sinkt zum Staub zurück,
was von Staubes Stoff geboren.

DER HERR DER ORDNUNG:

Nach dem Urquell seines Lichtes
wendet immer wieder sich dein Blick empor;
aber immer senkt er sich geblendet,
trüber siehst du alles als zuvor.
Zwar versinkst du in der Sonnenfülle
eine selig helle kurze Frist,
doch du fühlst, daß deines Auges Hülle
Heil und Notdurft deiner Sehkraft ist.
Willst du nicht dem öden Drang entsagen,
der nur buhlt um eine flüchtige Lust?
Wer nur immer will nach Wonnen jagen,
wird nur bittrer seines Wehs bewußt.
Der Genuß geht im Genuß verloren,
eilender berührt er als ein Hauch;
nur vom Augenblick wird er geboren,
mit dem Augenblick erstirbt er auch.
Aber allem Wechsel überlegen
thront die Freude der Zufriedenheit;
beuge deine Stirne ihrem Segen,
leg in ihren Schooß dein eitles Leid!
Lerne auf das frevle Glück verzichten,
das sich nähren muß von fremder Qual!
Alle Sehnsucht sucht ihr Heil in Pflichten;
bändige des Herzens wilde Wahl!
Ohnmacht rächt den Taumel der Sekunden;
aber ewige den Bund der Kraft,
und gestillt wird Herz an Herz gesunden,
unberührt vom Leid der Leidenschaft.
Ruhlust übermannt den Schwall der Schmerzen,
den die Wollust immer rege hält;
wer so ruht an einem Menschenherzen,
ruht am Herzen dieser ganzen Welt.

DIE MENSCHEN:

Wieder winkt aus Nacht und Grauen
dem einsam irrenden Wandrer ein Licht.
Trügt es? Führt es zum schützenden Herd?

DIE PFLICHTEN:

Sagt es euch die treue Stimme nicht,
die so heilig in euch spricht,
daß sie allem Zweifel wehrt:
wollt ihr eurem Glauben nicht mehr trauen?
Nur der gläubige Pilgr wird die Auen,
wo der Friede wartet, schauen.

DIE MEISTEN MENSCHEN:

Ja, wir glauben, wir vertrauen.
Gläubige Pilger, werden wir die Auen,
wo der Friede waltet, schauen.

DIE LÜSTE:

Jammer und Fluch! in Trägheit verstricken
wollen sie listig das blinde Geschlecht,
wollen den Sterblichen schmeichelnd berücken
um sein lebendiges Schöpfer-Recht.
Sehnsucht und Wille, Wahl und Verlangen,
himmlische Keime irdischer Werke,
sollen im Wucher der eignen Stärke
den Drang ersticken, dem sie entsprangen?

DIE MENSCHEN ALLE:

Weh uns! in ewigem Zwiespalt
hadern die ewigen Mächte
um die Seele des Menschensohns.
Jäh von Zweifel zu Zweifel,
froh des Kampfspiels, schleudern sie
um wie Bälle von Wand zu Wand;
nimmer rührt sie der irdische Schmerz.
Ach, wann kommt der Heiland,
der den Glauben uns schenkt
an die Liebe der Himmlischen,
der die Hoffnung uns bringt
auf Erlösung der Sterblichen?
Wann einst dürfen wir offen
unserm Schicksal ins herrische Antlitz schaun,
das aus bleierner Maske dumpf
auf die Gebannten herab
rätselumschauerten Auges starrt!

DER HERR DER KRAFT:

Will der Gram euch wieder beschleichen?
Laßt die Waffen der Lust euch reichen!
Liebe gibt Leben, gibt fröhlichen Krieg.

DIE LÜSTE:

Auf! euch schützen die schrankenlos schaltenden
Diener des Meisters, des rastlos gestaltenden;
sein ist die Herrschaft, sein ist der Sieg.

DER HERR DER ORDNUNG:

Flieh die Wünsche! trüb ist ihr Gewühle.
Suche, bis dir still die köstlich kühle
Quelle einer klaren Seele lacht.

DIE PFLICHTEN:

Kommt! euch helfen die heilsam waltenden
Diener des Meisters, des friedsam erhaltenden;
sein ist die Hoheit, sein ist die Macht.

DIE MENSCHEN:

Weh, uns starb der Glaube
an die Liebe der Himmlischen.
Weh, uns stirbt die Hoffnung
auf Erlösung der Sterblichen.
Ach, wann kommt der Heiland?
Wer verklärt uns unser Geschick?

DER GEIST DER MENSCHHEIT
erscheint:

Die ihr im Abgrund
brütet in Schweigen,
seht aus dem Abgrund
die Rettung steigen!
Denn aus den Tiefen,
drinnen ihrkreist,
wurde und wuchs auch
euer Geist;
und zu den Tiefen wieder,
die ihn erschufen,
neigt er sich nieder,
den ihr gerufen.
Lernt, O lernt in der Taufe der Not
aller Erlösung innerst Gebot:
dem ihr vergebens
flucht, dem Leid
dankt ihr des Lebens
Unendlichkeit:
nur wer gebannt ist in tägliche Pein,
will sich erlösen, will ewig sein.
Wenn dann in Zweifels läuternden Fluten,
wenn dann in Schmerzes stählenden Gluten
einsam der Mensch zu vergehen meint:
dann erscheint,
der zu den Mächten des Alls ihn eint,
der zu ewiger Wirksamkeit
sein vergängliches Wirken befreit,
der im Erschaffenen schaffend sich weist,
erscheint der Menschheit heiliger Geist.

DIE MENSCHEN:

Hört des Erbarmers mahnende Stimme!
Ja, wir bedachten das Ziel nicht,
das Alle versöhnende, einende Ziel.
unsrer Vollendung selige Zeit.
Aber, ein gütiger Vater,
zürnt er den irrenden Kindern nicht,
weist er den Suchenden wieder den Weg;
hört den gütigen Vater!

DIE LÜSTE UND PFLICHTEN
gemeinsam:

Welche wundersamen Töne,
treiben plötzlich uns zu Paaren!
was bewegt die undankbaren,
nie zufriednen Erdensöhne?
Ach, und will uns selber nicht
eine alte Ahnung beschleichen,
daß wir müssen dem Mächtigen weichen,
fürchten müssen, was er spricht?!

DER GEIST DER MENSCHHEIT:

Aller der Kräfte Schaar
ist mir verbündet,
wenn ihr ergründet,
was mich gebar.
Die um euch ringen, die in euch toben,
haben auch Mir die Schwingen gehoben;
denn von den Kämpfen, die euch plagen,
laß Ich mich willig nach Oben tragen.
Nur nicht gewaltsam
abgewehrt,
was unaufhaltsam
Leben begehrt!
Müßt euch versenken
tief in den innern Streit,
fühlend zerdenken,
was in euch schreit.
Wie's immer wühlt:
wenn ihr's zerrfühlt,
seid ihr befreit.
Nur wie ihr's auslegt, wird's euch bewußt,
wird Heil aus Unheil, Qual aus Lust.
Denn der Kreislauf der waltenden Mächte
will nicht das Gute, will nicht das Schlechte.
Was euch mit Willen, mit Sehnsucht füllt:
wie ihr's begreift, wie ihr's enthüllt,
wird es das Falsche, wird es das Rechte.
Die euch gestalten,
die euch erhalten:
schaffend zerstörende,
tötend gebärende
Weltgewalten:
deckt ihr in eurem
ihr Wirken auf,
lenkt ihr mit eurem
ihren Lauf.
Die in euch wühlen,
alle die Geister,
müssen denn fühlen:
Ich bin ihr Meister!

GEBET DER MENSCHEN:

Danket dem gütigen Vater!
Rühme dich, Menschheit, des herrlichen Namens!
Die uns dem Tode weihn,
die Ihm das Leben gaben,
dunkle Gewalten,
müssen sich beugen dem leuchtenden Sohn.
Geist des Heils, erlöse uns!
Denn wir spüren es,
unbezwinglich
wartet der Wille der Tiefe:
immer im jungen Bild
will er das alte,
eigenen Bildes Wiedergeburt,
und stürzt in Schuld das neue Geschlecht.
Höchster, erhebe uns!
Reinster, laß uns
täglich glühn dein nährend Licht,
daß wir wachsen und fühlen,
welche der Mächte,
die uns unklar versuchen,
Dein Reich zu uns kommen lassen:
unsrer Vollendung selige Zeit!
Du, der Klarheit heiliger Geist,
aller Gewalten allgewaltiger Sohn du,
Vater der Zukunft, ewiger Vater:
wen Du mit Deiner
Sehnsucht erfüllst,
der ist erlöst.

DIE LÜSTE UND PFLICHTEN:

Weh, der Trotz der Schwachen schwand,
ist in Demut ganz vergangen;
weh, nun schwindet auch ihr Bangen,
das sie gab in unsre Hand.
Lust und Pflicht, die ihnen schienen
höchster Urgewalten zwei,
rufen sie nun selbst herbei,
einem Höheren zu dienen.
Geist der Ordnung, Geist der Kraft,
weh, in Schweigen harrn Beide,
wie der Mächtige entscheide,
wer am reichsten für ihn schafft.

DER HERR DER KRAFT:

Wollt ihr verzagen?
greisisch entsagen.
heißerem Streit winkt süßerer Sieg!
Aus dem Gewühle
blöder Gefühle
tauchte der Wunsch, dem Begeistrung entstieg;
Inbrunst bezwang den brünstigen Feind,
Kampf und Liebe sind ewig geeint.
Nur wer zu ringen hat, erlebt den Vollgenuß;
wer im Besitz ist, den würgt der Überdruß.
Schwül ist des Friedens Luft,
Ruhe die dumpfe Gruft,
aus der die Werdelust aufschreit nach Licht!

DER HERR DER ORDNUNG:

Doch die Edeltriebe
seliger Nächstenliebe
wuchsen all im schmalen Beet der Pflicht.
Eine zarte Blume
ist die Menschlichkeit;
nicht wo wild einherstürmt die Natur,
in dem Heiligtume
milder Sitte nur
sprießt die scheue Knospe und gedeiht.

DIE MENSCHEN:

Führe uns, Vater,
nimm uns gnädig an die Hand!
Denn es schreitet die Wahrheit,
deine listige Tochter,
verhüllten Wandels ihre Bahn,
die Füße im Staub,
das Haupt in Wolken,
die spärliche Leuchte
mit dunkeln Fingern schützend.
Doch wen sie anglänzt, nur von fern,
der muß von fern, von fern ihr folgen,
nicht wissend warum,
nicht wissend wohin,
ewig bleibt sie unberührt.
Reich uns, Vater, Du die Hand;
deine Tochter, die Wahrheit,
lockt uns sonst ins Nebelland,
du Herr der Klarheit!

DER GEIST DER MENSCHHEIT:

Wollt ihr verstehen,
wie die Gewalten
schöpferisch schalten,
müßt ihr sehen,
was sie entfalten!
Keine bringt
den andern Untergang:
jede bedingt
der andern Lebensdrang.
Denn es vergeht
nur der Gestalten Art;
doch was als Wesen sich offenbart,
ist und besteht.
Ewig notwendig
bleibt das Ursprüngliche,
das Alt-Verjüngliche,
immer lebendig;
aber sein Wesen
könnt ihr nur lesen,
seht ihr mit Andacht an,
wie es Gestalt gewann.
Denn nur das Endliche
ist das Verständliche;
und die Erscheinung
ist die Vereinung
alles Bestehenden,
alles Vergehenden.

DIE LÜSTE:

Aus dem Gewühle
blöder Gefühle
tauchte der Wunsch, dem Beseelung entstieg!
Seht, euch reizten die schrankenlos schaltenden
Diener des Meisters, des rastlos gestaltenden;
Er, Er brachte der Menschheit den Sieg!

DIE PFLICHTEN:

Doch die edleren Samen,
die zur Blüte kamen,
wuchsen nur durch Zucht und stete Wacht!
Seht, euch schützten die heilsam waltenden
Diener des Meisters, des friedsam erhaltenden;
Er, Er wahrt der Menschheit die Macht!

DIE MENSCHEN:

Vater, erleuchte uns.
was bringt Glück?!
Alle Genüsse
bietet die Lust;
doch den Frieden
wahrt die Pflicht.
Ach, aber enge
scheint die Pflicht,
und die Welt ist weit, ist weit.
Und der Augenblick nur lockt,
doch mit der Zukunft
droht die Zeit.
Vater, führe uns,
O verklär uns unser Geschick!

DER GEIST DER MENSCHHEIT:

Wenn auf der Wage deiner Gedanken
unstät deine Wünsche schwanken,
schmähe nicht den Augenblick;
Augenblick bestimmt die Zeiten,
lerne dir ihn vorbereiten,
dann verstehst du dein Geschick.
Nein, mit nichten sollt ihr verzichten
auf die Lust, sie weckt die Kraft;
aber, weil sie sonst erschlafft,
lernt euch Pflichten
draus erdichten!
Seht: aus Einem Leib
schieden in Mann und Weib
einst die Gewalten
ihre Gestalten,
schöner in ihnen sich selbst zu entfalten,
reiner, freier, eigner zu schalten.
Und so werde im Menschen die Lust
ihrer göttlichen Pflicht bewußt;
was sich nur schied, daß es wachse an Stärke,
eint sich dann neu dem unendlichen Werke.
So gewinnt die Werdegewalt
in Gesetzen klare Gestalt,
so erkämpfen ihr festen Grund
die Kraft, die Ordnung in heimlichem Bund.

KRAFT UND ORDNUNG
gemeinsam:

Ihr habt gehört das Heilandswort:
nicht streiten Lust und Pflicht hinfort,
wenn ihr dem einen Ziele lebt,
zu dem All-Alles treibt und strebt:
die kämpfenden Mächte feiern Versöhnung
im Heim der Allmacht, zu ihrer Verschönung.
Denn immer williger enthüllt
der Geist sich, der die Welt erfüllt;
drum ward der Triebe irre Lust
zu steter Liebespflicht bewußt,
drum will der Menschenseele Sinn
mit allen Sinnen zur Menschheit hin.

DIE LÜSTE UND PFLICHTEN:

Die kämpfenden Mächte feiern Versöhnung
im Heim der Allmacht, zumWerk derVerschönung.
Drum will der Mensch, je mehr allein,
mit aller Macht ein Allmensch sein;
drum strahlt ihm jegliches Gestirn
Beseligung durch Herz und Hirn.

DIE MENSCHEN:

O Glück! nun klärt sich uns die Welt,
von allem Wahrheitswahn befreit:
in jedem seligen Augenblick
enthüllt sich uns die Ewigkeit.

DER GEIST DER MENSCHHEIT:

Denn Eines füllt den Augenblick
und hebt dich über alle Zeit
und eint dich mit der ganzen Welt:
das Glück der Selbstvergessenheit –

ALLE:

das aus der Fülle seiner Kraft
ein Bild der ewigen Ordnung schafft.

 


 

Vorgefühl

        Es ist ein Schnee gefallen,
hat alles Graue zugedeckt,
die Bäume nur gen Himmel nicht;
bald trinkt den Schnee das Sonnenlicht,
dann wird das alles blühen,
was in der harten Krume jetzt
kaum Wurzeln streckt.

 


 

Wahlspruch

Ich weiß ein Wort.
das setzt mich über Alles fort,
über Raum und Zeit
und Traurigkeit:

Ich und die Zukunft!

 


 

Wahrspruch

        Ob wir verdienen, daß wir glücklich sind?
Was zweifelst du! Verdienst du, gut zu sein?
Durch Zweifel wird das wahrste Wesen Schein.
Glück ist des Menschen schönste Tugend, Kind;
wer glücklich ist, verdient's zu sein.

 


 

Waldseligkeit

    Der Wald beginnt zu rauschen,
den Bäumen naht die Nacht;
als ob sie selig lauschen,
berühren sie sich sacht.

Und unter ihren Zweigen,
da bin ich ganz allein,
da bin ich ganz mein eigen:
ganz nur Dein.

 


 

Warnungstafel

        Wahrheit hat viel üble Paten.
Mancher zeigt gern seine Schwächen;
laß dich nicht dadurch bestechen!
Die Lügner, die sich selbst verraten,
sind die dümmsten
oder die schlimmsten.

 


 

Wechselwirkung

        Ich wüßte nicht mich nach der Form zu richten,
wird mir bedeutet von euch Anstandsrichtern.
Und freilich: leicht ereignet sich's an Dichtern,
daß sie formloser leben als sie dichten.

Denn leider müssen sie die Menschen
sichten und sehn den Inhalt hinter den Gesichtern;
zwar mancher hält's mit aufgeblasnen Wichtern,
doch mancher wägt nach schwereren Gewichten.

Ihr aber tut wie steife Dreierlichter,
wenn ihr auf euerm flachen Sumpf irrlichtert.
Seid, wie ihr seid-und gebt euch nicht als Richter,
wenn ihr nach leeren Formen splitterrichtert!
Sonst geb' ich mich so formvoll wie ein Trichter,
der von sich gibt, was ihr ihm selbst eintrichtert.

 


 

Wehrspruch

    Wer sich durchs Leben schlägt als Mann,
den ficht kein Greisenalter an.

 


 

Weib und Welt

        Du haß-und-liebestarker Mann,
der auch sich selber hassen kann:
steht nicht ein freudig Weib dir bei,
macht Menschenekel dich entzwei!

Hie Weib, hie Welt: wen Das noch quält,
wer da noch wählt,
wer sich sein Weib nicht so vermählt,
daß es für seine Welt ihn stählt,
der ist kein Held.

Ihr eifert gegen Frauenrechte?
Ihr feigsten aller Weiberknechte!
Komm nur, du neue Eva du:
der alte Adam weiß, wozu.

 


 

Weihspruch

Klage und juble, Dichter,
wie du willst;
das wirkt Seele ins All
du bist Gott.
Aber beklage nicht!
bejuble nicht!
nichts!
Du bist Gottes Werk;
brüste dich nicht!

 


 

Das Spiel der Welt

Philosophisches Scherzo

        1.Dialog:

Die Seele sprach zur Welt:
Du machst dich viel zu wichtig.
Dein Spiel ist ohne mich
im Grunde null und nichtig.

Zur Seele sprach die Welt:
Das ist im Grunde richtig.
Das Spiel machst du, nicht ich;
drum ist es gründlich nichtig.

2. Moral:

Die Seele macht sich gern
mit ihrer Welt zu wichtig;
Weltseele muß man sein,
dann macht man Alles richtig.

3. Kritik:

Das ist ein schlechter Spaß;
du lhältst die Welt zum Narren
und rätst ihr obendrein
zu deinem eignen Sparren.

4. Antikritik:

Das ist kein schlechter Spaß,
ich hab gar gut erfahren:
wo Weisheit ratlos steht,
ist Narrheit flugs im Klaren.

5. Supermoral:

Die Seele mahnt sich stets:
sei endlich ganz und tüchtig!
so bleibt sie ewig halb
weltsüchtig, halb weltflüchtig.

 


 

Welt und Zeit

        Es klagt die Zeit: die Welt vergreist,
wo ist der alte heilige Geist!
Indeß liegt Seine Heiligkeit
im Schooß der Jungfrau Sinnlichkeit,
was zwar die Jungfernschaft befleckt,
doch eine junge Welt ausheckt.
Dann ruft die Zeit: Halleluja,
der heilige Geist ist wieder da!

 


 

Wendekreislauf

        Nehmen wir Geschehn für Leben,
haben wirs nicht recht verstanden;
Menschenleben ist das Leben
so nur, wie wir es empfanden.

Ja, so schwärmt' ich seelentrunken.
Wie mir alles wohlbehagte,
was ich fühlte, was,ich sagte,
in mein Spiegelbild versunken!

Doch jetzt heißt es: mit den Zielen,
mit den Wegen sich beraten.
Zwar den Jüngling ehrt sein Fühlen,
doch dem Manne ziemen Taten.

Altgeschehnes, Neuerfahrnes,
dunkel drängt es sich zusammen,
und wir wissen nicht zu scheiden
dieses Lodern seltner Flammen.

Denn darunter lebt ein Glühen
seltenster Begebenheiten,
und man fühlt ein wirr Bemühen,
als ob Zeiten sich bereiten.

Nah schon, will der Sonnenwagen
wieder einen Kreis vollenden.
Wird er durch den Steinbock jagen?
wird er sich zum Krebse wenden?

Schaudernd scheint er still zu stehen
zwischen gleichen Finsternissen.
Und nun scheint er sich zu drehen.
Aber Du – wirst mitgerissen.

 


 

Wen's trifft

              Schicksal hämmert mit blinden Schlägen:
Wachs bleibt Wachs, Gold läßt sich prägen,
Eisen wird Stahl, Glas zerspringt –
springt an hundert eiserne Türen,
keine Klinke will sich rühren,
die den Scherben Rettung bringt.

 


 

Werksprüche

      Was Natur in trüben Bächen
still durch Tier und Menschheit gießt,

Dichtermund wills heilig sprechen,
bis es klar zur Gottheit fließt.

Echo von der Himmelsleiter,
langsam klingt's auf Erden weiter.
Wort, an das wir redlich glauben,
endlich. tönt es selbst dem Tauben.

 


 

Wiegenlied für meinen Jungen

        Schlaf, mein Küken; Racker, schlafe!
Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,
bläkt ein großes, mäkt ein kleines,
und das kleine, das ist meines!
Bengel, Bengel, brülle nicht,
du verdammter Strampelwicht.

Still, mein süßes Engelsfüllen:
morgen regnet's Zuckerpillen,
übermorgen blanke Dreier,
nächste Woche goldne Eier,
und der liebe Gott, der lacht,
daß der ganze Himmel kracht.

Und du kommst und nimmst die Spenden,
säst sie aus mit Sonntagshänden,
und die Erde blüht von Farben,
und die Menschen tun's in Garben
Herr, den Bengel kümmert nischt,
was man auch für Lügen drischt!

Warte nur, du Satansrachen:
heute Nacht, du kleiner Drachen,
durch den roten Höllenbogen
kommt ein Schmetterling geflogen,
huscht dir auf die Nase, huh,
deckt dir beide Augen zu –

deckt die Flügel sacht zusammen,
daß du träumst von stillen Flammen,
von zwei Flammen, die sich fanden,
Hölle Himmel still verbanden –
So, nu schläft er; es gelang;
Himmel Hölle, Gott sei Dank!

 


 

Wollust

Nach Shakespeare

              In wüster Schmach Vergeudung heiliger Glut
ist Wollust, wenn sie praßt; und eh sie praßt,
roh, schamlos, tierisch, aller Welt zur Last,
meineidig, tückisch, voller Gier nach Blut.

Gesättigt kaum, von Ekel schon gehetzt;
sinnlose Lüsternheit und, kaum verraucht,
sinnlose Düsterkeit, in Wut getaucht,
als hätt ein Tollwurm die Vernunft zerfetzt.

Wahnwitz im Rausch, Wahnwitz in Wunsch und Wahl,
maßlos im Taumel vor, nach, in der Brunst,
erdürstet Überglück, genossen Dunst,
verzückt vor Wonne, dann erdrückt von Qual –

Ach! Jeder kennt und Jeder geht den Weg:
zu dieser Hölle diesen Himmelssteg.

 


 

Der Wunschgeist

                Und wieder saß ich spät mit mir allein,
im Lichtkreis meiner Lampe, Ausgeburten
sehnsüchtiger Not durchs Hirn vom Herzen wälzend
und wußte nichts von mir; ein krasser Wust
von Wünschen, schwirrt' ich vor mir selbst im Kreis
und sah die Wunschgespenster sich verknäueln,
sich würgen und sich fressen und in Qual
und zuckender Wollust mit einander paaren,
um neue Ausgeburten zu gebären.

Bis mir auf einmal, im verrückten Rausch
des Mitgefühls, die Nägel meiner Finger
in meine heißen Augenhöhlen fuhren,
daß ich aufwankte aus der Schwelgerei.
Und taumelnd fühlt ich mich zum Fenster hin,
und stand und atmete die sanfte Nacht.

Da dehnte sich im Dunstlicht um mich her
Berlin – mit seinen Dächern, seinen Türmen,
Schornsteinen, Schloten, Kuppeln, Ruhmessäulen
heraufgebaut ins fahre Blau, als langte
aus ihrem Grabe scheintot eine Riesin
und reckte alle Finger bettelnd hoch:
nur leben will ich, leben, atmen, essen!

Und wimmeln hört ich die Milliarden Wünsche,
die ungestillten, unter allen Mauern,
wie Würmer einer schattenvollen Gruft;
hörte den Hunger, der mit dürren Knöcheln
ins Grab sich trommelte auf nackter Diele,
die Not, die schamlos durch die Straßen lief,
das Elend, das im Flitterputz sich narrte.
Und ich erschrak, wie nichtig meine Not,
und ein Erbarmen, graunvoll, grenzenlos,
trieb mich zurück in meine Einsamkeit.

Und trübe saß und starrt' ich in die Lampe,
und trüber noch auf meinen Schatten, der
verschwimmend an der Wand hing, schwankend, nickend,
und starrte – und entsetzte mich: der Schatten
bewegte, drehte sich, und kam und schwebte,
und neigte sich vor mir, und winkte mir,
und eine Stimme tönte tief und hold:
»Komm, Wunsch ist Lust, Erfüllung Tod. Komm, schaue.«

Wir wandelten. Ein bleicher Mittag lag
schwül auf dem gelben Sand der weiten Wüste.
Nichts rührte sich, nur mein vermummter Führer,
der stumm und schwarz vor mir die Glut durchschritt;
in seine Spuren trat ich wie gebannt,
da klaffte jäh ein Abgrund vor uns auf.
Ich fuhr zurück. Doch ruhig stand der Düstre
und wies zur Rechten, wo ein riesenhafter
verworrner Kuppelbau am Abhang hochwuchs,
und aus der Maske scholl es schwer und dumpf:
»der Tempel der Erfüllung« – daß ich bebte,
von ungewissen Schauern angefaßt.

Da tönte wieder die vermummte Stimme:
edrei Wünsche darf ich dir gewähren, wähle!«
und rasselnd sprang die Pforte oben auf.

Und grübelnd starrt' ich in die dunkle Öffnung.
Mir war, als wogten die Milliarden Wünsche
des Erdballs drin, die ungestillten alle.

Von Scham und Zorn erglüht' ich, strafen wollt ich
den höhnischen Versucher, selig rief ich:
So soll denn jeder höchste Wunsch auf Erden
erfüllt sein jedem Einzigen! – »Jedem Einzigen«,
gleichgültig sprach es Der im Mantel nach.

Und rückwärts deutete der Ungerührte
dem Saum der Wüste zu; der regte sich,
und aus dem Staub erhob sich ein Getümmel,
als schwärmten feine Geier um ein Aas.
Und fort vom Horizont her schob sich's schwärzlich
wie Wolkenklumpen, ballte sich und schwoll,
schwoll, löste sich, erbrauste, schwoll, und wälzte
und wickelte sich tosend auseinander
und auf uns zu, die Ebne überströmend
wie Qualmgebrodel, sturmgepeitscht; und näher
und immer näher schwoll's und schüttete
sich aus vor uns zu Haufen, Scharen, Zügen
von Leibern gelb und weiß und schwarz und braun.
Die Erde dröhnte, wie sie rasend rannten
und keuchend ritten; und da schossen schon
die Ersten uns vorbei, vom Wettlauf triefend,
hinauf den Abhang und hinauf die steilen Stufen
der Tempeltreppe, ihnen nach
der Unzählbaren brausendes Gewühl.
Und schaudernd sah ich ihrer Augen Gier;
doch unbewegt stand neben mir mein Führer.

Und nun, da kamen aus dem dunkeln Tor
mit dem errafften Gut, dem höchst erstrebten,
dem tiefst ersehnten, Einige schon zurück;
und zitternd, freudezitternd späht' ich hin.
O Wahn! – o wie sie kindisch um die Säulen
tanzten und johlten, in den Händen Tand!
Doch Andre kamen – fiebernd späht' ich hin.
Da schleppte unter beiden Armen Einer
verstaubte Folianten. Einer kroch fast,
so war er goldbepackt. Behutsam trug
ein Greis einBlumentöpfchen. Eine Schöne
liebäugelte mit ihrem Perlenschmuck.
Und jetzt: Halt suchend griff ich in die Luft:
wild jauchzend stürmte aus dem Tor ein Häuptling,
die blutige Kopfhaut eines Feindes schwang er,
und oben auf den Stufen rangen Zwei
zum Mord verknotet um ein nacktes Weib.

Mitfühlend bog sich, krümmte sich mein Arm.
Da ließ der Krampf mich los: ein Ekel fuhr mir,
ein Strom von Ingrimm durch Genick und Kehle.
Gen Himmel stieß ich die geballten Fäuste:
O rotte, Allmacht, aus dies Wurmgezücht!
vertilgt sei, wer nicht liebt! es lebe nur,
wer in der Einen Sehnsucht sich verzehrt,
die Alle glücklich macht! es lebe nur,
wer Alle, Alle will vom Schmerz erlösen!

»Erlösen« – tönte die vermummte Stimme;
»der zweite Wunsch!« wie Drohung scholl es nach.
Und plötzlich: vor mir, neben, über mir,
herab die Stufen, schollernd, schlotternd kam's
herab den Abhang, dröhnend wie Geröll,
hinab zum Abgrund, Leiber über Leiber,
verrenkt im Todeskampf, und drüber weg
hinauf den Abhang, immer dröhnender,
hinauf die Stufen und ins dunkle Tor
der Unzählbaren brausendes Gewühl.
Und immer dröhnender, hinein, heraus,
herab die Stufen, schollernd, schlotternd quoll's
hinab, hinunter, Sterbende und Leichen,
vor meinen Augen; und die Sonne sank
und sank und sank, und immer neue Haufen
Verröchelnder verschlang der Schlund vor mir.

Aufschreien wollt ich, flehen, daß nur Einer,
nur Einer spräche das geweihte Wort –
der Laut erstickte mir im offnen Mund:
mein liebster Freund, da schlug er hin, zermalmt,
zermalmt die Brüder beide, beide Schwestern,
und da, da – ›Mutter!‹ – da stand meine Mutter
und hörte nicht mein Schrei'n und stieg hinan
und bat zu Gott, oh Gott, für mich, für mich,
für ihren Sohn bloß bat sie Gott um Glück,
und starb für ihr Gebet – stier sah ich's an.

Stumpf glotzt' ich in die Runde, sinnlos lächelnd;
irrsinnig schien ich mir, erstarrt mein Herz.
Wohin ich sah, verglaste Augenpaare;
und all die Augenpaare sahn mich an.
Und sahn mich an wie meine eignen Augen,
aus allen Augen sah ich selbst mich an,
verglast, sinnlos, zum Lächeln – da:
aufschluchzend fiel ich hin und weinte laut.
Und fühlte eine große Stille werden,
ein dunkler Sammet streifte meine Schläfen,
wie schwere Dämmrung legten sich die Falten
um meine Schultern, und wie Nachtwind hohl
traf mich die Frage: »Und dein dritter Wunsch?
dein letzter, eigenster?« Aufrüttelnd fuhr
ein eisiger Atem durch mein heißes Haar.

Und stammeln wollt ich. doch die Worte kreisten
in mir wie Staub im Sturm. In meinen Ohren
war wieder das Gedröhn. Und eine Angst
vor meiner eignen armen Gier und Blindheit
hielt mir die Kehle würgend zu: zerknirscht
lag ich und lag, nicht wagt' ich mehr zu wünschen,
und endlich, röchelnd betteln stöhnt' ich: Gnade!
und schlug die Augen auf, Da dehnte sich,
nickend, verschwimmend, an der Wand mein Schatten;
verflammend stand die Lampe, schwelend losch sie,
ich saß allein im kalten Licht der Sterne.

 


 

Sprüche der Zeit

        Daß du über der Zukunft
nur nicht ihr stetes Dasein vergißt!
Es gibt eine Gegenwart,
die ewig ist.

Lern in der Zeit dein Urbild finden,
geht dem Leben Hand in Hand,
es gilt den Stoff zu überwinden
Tod ist des Lebens höchstes Unterpfand.

Prüfe, was Bestand verleiht;
Starrheit ist nicht Festigkeit.

 


 

Zuflucht

        Hinterm Elternhaus am kleinen Weiher,
dicht umdunkelt rings von Weidenruten,
breitet eine Pappel ihre schwanken
Zweige nickend über Schilf und Fluten.

Seltsam heimlich ist's an diesem Orte;
schon, als Knabe hab ich hier gesessen
und mich ausgeweint im Schutz der hohen
Binsen und mein junges Leid vergessen.

Wieder starr' ich in das schwarze Wasser,
aber keine Träne will mir kommen;
nur die schwanken Pappelzweige seh ich
dort sich spiegeln, winkend und verschwommen.

 


 

Zuspruch

      Du rennst nach eignem Ziel und Sinn,
da kommt das Leben angefahren
und nimmt dich mit an Hirn und Haaren;
o nimm es hin.

Noch stürmt dein Herz: ich will, ich will!
und wilder blutet deine Wunde.

O laß. Vielleicht noch eine Stunde,
dann steht es still.

 


 

Zwecksprüche

        Lebe mit Zweck, wirf dich nicht weg,
gieb dich den Andern hin
mit eignem Sinn!

Jeder nach seiner Art:
die Einen lichten,
die Andern sichten
bis endlich Einer
den hellen Kien zu Berge karrt.
Zwecklos war Keiner.

Wem Zweckbesinnung fehlt,
den knechten seine Triebe;
es sei denn, ihn beseelt
die Herrscherin, die Liebe.

 


 

Zweierlei Treiben

    »Dir selbst entrinnen:
wohin und wie?
Kommst nie von hinnen,
zum Ziele nie.

Laß dich doch gehen,
laß dich treiben;
lerne dich drehen,
lern oben bleiben!«

Treiben – gut!
nach dem Gesetze:
Ich bin die Flut,
ihr seid die Klötze.

 


 

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