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Richard Dehmel: Erl

Richard Dehmel: Richard Dehmel: Erl - Wiegenlied für meinen Jungen
Quellenangabe
typepoem
authorR. Dehmel
titleWiegenlied für meinen Jungen
booktitleErlösungen
publisherS. Fischer
year1920
senderhille@abc.de
firstpub1891
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Wiegenlied für meinen Jungen

Richard Dehmel

Schlaf, mein Küken; Racker, schlafe!
Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,
bläkt ein großes, mäkt ein kleines,
und das kleine, das ist meines!
Bengel, Bengel, brülle nicht,
du verdammter Strampelwicht.

Still, mein süßes Engelsfüllen:
morgen regnet's Zuckerpillen,
übermorgen blanke Dreier,
nächste Woche goldne Eier,
und der liebe Gott, der lacht,
daß der ganze Himmel kracht.

Und du kommst und nimmst die Spenden,
säst sie aus mit Sonntagshänden,
und die Erde blüht von Farben,
und die Menschen tun's in Garben
Herr, den Bengel kümmert nischt,
was man auch für Lügen drischt!

Warte nur, du Satansrachen:
heute Nacht, du kleiner Drachen,
durch den roten Höllenbogen
kommt ein Schmetterling geflogen,
huscht dir auf die Nase, huh,
deckt dir beide Augen zu –

deckt die Flügel sacht zusammen,
daß du träumst von stillen Flammen,
von zwei Flammen, die sich fanden,
Hölle Himmel still verbanden --
So, nu schläft er; es gelang;
Himmel Hölle, Gott sei Dank!

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