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Rheinisches Sagenbuch

Wilhelm Ruland: Rheinisches Sagenbuch - Kapitel 50
Quellenangabe
typelegend
authorWilhelm Ruland
titleRheinisches Sagenbuch
publisherVerlag von Friedr. Heyn, Hofbuchhändler
printrun2. Auflage
yearo.J.
firstpub1896
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140914
projectidb75acf2c
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Schloß Trifels bei Landau

Richard Löwenherz

Drei stattliche Kuppen ragen aus einer Gruppe bewaldeter Berge im Annweiler Thale bei dem Städtchen Landau empor. Der Name Trifels, der sowohl den drei Felsen gemeinsam, als auch dem bedeutendsten unter ihnen beigelegt wird, deutet an, daß die drei Burgen, deren Ruinen noch vorhanden, einst einem einzigen Herrn gehört haben. Die Staufen und Habsburger haben, wie die Urkunden vermelden, Trifels besessen, und unter den ersteren ward die Felsenveste vor allem von Rotbarts finsterm Sohn und Nachfolger Heinrich ausersehen, als Kerker seiner zahlreichen Feinde zu dienen.

Unter jenen Gefangenen ist auch einer gewesen, der trug eine Königskrone auf seinem Haupt. Sein Name war einst der Kampfruf der Kreuzfahrer und der Schrecken der Sarazenen. Mit dem Könige von Frankreich und Herzog Leopold von Österreich war der löwenherzige König Britanniens ausgezogen, um das heilige Land den Händen der Ungläubigen zu entreißen.

Aber finstere Fehde machte den stolzen Richard und Leopold den Österreicher zu grimmigen Feinden. Tödlichen Haß trug der beleidigte Herzog gegen den engländischen König, und als dieser nach langen und heißen Kämpfen aus dem Morgenlande heimkehrte und in der Adria Schiffbruch erlitt, da fingen ihn des Herzogs Häscher und brachten ihn nach der Veste Dürrenstein bei Krems. Von dort lieferte der grollende Österreicher den unglücklichen Gefangenen dem finstern Kaiser aus, und dieser befahl, Richard, seinen Feind, insgeheim in Trifels einzukerkern.

Also erzählt die Geschichte, und nun hebt ihre Schwester, die Sage an, und raunt von einem Sänger, der mit dem König ging, und ein hohes Lied der Freundschaft singt sie leise, einer Freundschaft, die Fürst und Fiedler felsenfest verband. Ihr alle kennt seinen Namen. Wo man Richard, den Gefangenen auf Trifels nennt, wird man Blondel, den Minnesänger, nie vergessen.

Nach England war die Kunde von dem verschollenen König gedrungen, und dunkle Mär ging im Lande, daß Deutschlands düsterer Kaiser ihn eingekerkert halte auf einem seiner Schlösser. Und hinaus zog Blondel, der Minstrel, der früher in fröhlichen Tagen so oft den Herrscher mit Spiel und Sang ergötzt hatte, und an den Ufern der Donau und den Rhein hinauf spähte er nach dem geliebten Herrn. Vor finsteren Turmverließen machte er Halt und sang dort heimatliche Lieder; aber unter den Gefangenen, die trauernd hinter den vergitterten Fenstern auf den fremden Sänger schauten, war Richard, der gesuchte nicht.

Blondel aber ist, von unerschütterlicher Hoffnung geleitet, weiter gewandelt den Rhein hinauf, und auch vor Trifels, der dräuenden Felsenveste, hat er gerastet und schmerzlich hinaufgeschaut zu den gewaltigen Mauern. Die Harfe hat er gestimmt und ein rührend schönes Lied ist hinaufgeklungen zur Höhe, wie sie es in Albion singen, dem meerumgürteten Eiland. Aus dem Turme aber ist mit einem Male die Melodie zurückgekommen, gleich fernem Echo; ein schönes Männerantlitz hat sich hinter dem Turmgitter droben gezeigt, und drunten hat der treue Harfner die Hände emporgehalten und jauchzend gerufen: »Mein Herr und König!«

Nach der Heimat ist der treue Blondel zurückgeeilt und hat dort verkündet, daß er Richard, den König, wiedergefunden. Ein reiches Lösegeld ward zusammengebracht; auch der Pontifex erhob weise und warnend seine Stimme, und nach kurzer Zeit öffnete sich Trifels' Kerkerthür dem königlichen Gefangenen.

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