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Rheinisches Sagenbuch

Wilhelm Ruland: Rheinisches Sagenbuch - Kapitel 45
Quellenangabe
typelegend
authorWilhelm Ruland
titleRheinisches Sagenbuch
publisherVerlag von Friedr. Heyn, Hofbuchhändler
printrun2. Auflage
yearo.J.
firstpub1896
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140914
projectidb75acf2c
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Gebweiler

Der Teufel auf Hugstein

Die zerfallene Burg Hugstein liegt eine Viertelstunde vom Städtchen (Gebweiler im Ober-Elsaß. Die letzten Besitzer derselben waren arge Raubritter. Mit Grauen nur sprachen die Umwohner von dem wüsten Brüderpaar, das sich mit Leib und Seele dem Teufel verschrieben haben sollte. Dem war auch so: bei einem sündhaften Gelage hatten die beiden Raubritter das vermessene Gelöbnis gethan, und der Gottseibeiuns lohnte dafür getreulich ihr ferneres Thun mit Glück und Erfolg.

Hat aber dabei der Stunde wohl gedacht, wo ihm die beiden verfallen sollten. Als der Tag kam, fuhr der Böse, als Kaufmann verkleidet, mit einem reichbeladenen Wägelein in das Thal hinein. Von ihrer Raubveste erspähten die adeligen Räuber den vermeintlichen Kaufherrn, fielen über ihn her, raubten ihm Pferd und Fuhre und warfen ihn selber ins Turmverließ. Darob war Satan nicht übler Laune; nur, als ihm gegen Abend ein Knecht zu einem Krug Wasser einen Laib Brot brachte, schnitt er eine Grimasse und meinte, er sei an besseres gewöhnt.

Dem Knecht trug er auf, den vieledlen Burgherren zu melden, die magere Kost erfülle ihn mit großer Betrübnis. Auch die Einsamkeit behage ihm nicht, maßen er gewohnt sei, heiterer Gesellschaft durch lustige Stücklein die Zeit zu kürzen. Die hohen Herren möchten ihm erlauben, ihnen nach Tisch aufzuwarten.

Die Schloßherren, die just beim üppigen Mahle saßen, lachten unbändig über des Gefangenen seltsames Begehr. Weil sie eben in ausgelassener Laune waren, ließen sie ihn heraufführen, und der Teufel bewährte sich in der That als ein Gaukelspieler vorzüglichster Art.

Als nun die Schloßuhr den ersten Schlag der Mitternachtsstunde verkündete, erbot sich der Gaukler zu einem noch nie vollführten Kunststück. Blöde blickten von ihren Sitzen die trunkenen Zecher. Jener aber holte ein blaues Fläschchen aus dem Wams und stellte es auf den Tisch, murmelte einige Worte, und in demselben Augenblick krachte der Tisch und fuhr in Stücke; die Decke barst und die Wände wankten.

Eine höhnische Lache schlug der Teufel an, erfaßte das unselige Raubritterpaar und fuhr mit ihm durch die Lüfte. Am andern Morgen lag Burg Hugstein in Trümmern.

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