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Rheinisches Sagenbuch

Wilhelm Ruland: Rheinisches Sagenbuch - Kapitel 42
Quellenangabe
typelegend
authorWilhelm Ruland
titleRheinisches Sagenbuch
publisherVerlag von Friedr. Heyn, Hofbuchhändler
printrun2. Auflage
yearo.J.
firstpub1896
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140914
projectidb75acf2c
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Achern

Die Frau von Bosenstein

Von der hartherzigen Frau von Bosenstein, erzählen sich die Leute im Acherthale eine schauerliche Sage: Soll einst zu der stolzen Burgherrin aus Bosenstein eine Bettlerin mit sieben Kindern gekommen sein, ward aber von derselben wegen solchen Leibessegens gescholten und höhnisch abgewiesen. Da habe das Bettelweib die Verwünschung ausgestoßen, die herzlose Edeldame möge mit einer gleichen Anzahl von Kindern auf einmal niederkommen. Dies ist in Erfüllung gegangen. Die stolze Schloßfrau gab sieben Kindern an einem Tage das Leben.

Sie war der Verzweiflung nahe ob solchen Kindersegens. Eine vertraute Magd schickte sie hinaus, sechs derselben im benachbarten Weiher zu ertränken. Es kehrte aber ihr Gemahl eben von einem Zuge heim. Er erblickt die Magd und fragt, was sie im Sacke trage.

»Eine Brut Hündlein, die ich ertränken soll!« lautet die Antwort der Falschen. Da nahm ihr der Ritter, von Mitleid über die armen Tiere erfüllt, den Sack ab, öffnet ihn und vernimmt mit Entsetzen von der zerknirschten Magd das Geständnis der beabsichtigten Missethat.

Hat sodann die armen Kindlein treuen Leuten heimlich zur Pflege übergeben, und nie ist ein Wort darüber seinem herzlosen Weibe gegenüber über des Ritters Lippen gekommen. Sieben Jahre sind vergangen, und ein großes Festmahl hatte der Graf von Bodenstein veranstaltet auf seiner Burg. Es wurde gespielt, gescherzt und alles war froher Laune, am meisten die üppige Herrin, am wenigsten der Schloßherr. Mitten unter dem Mahle hat der Ritter die Tischgenossen gefragt, welche Strafe wohl einer Frau gebühre, welche ihre Kinder aus der Welt geschafft habe.

Rasch erwiderte das kecke Weib:

»Eine solche Rabenmutter verdient bei einem Laib Brot und einem Krug Wasser lebendig eingemauert zu werden!«

Damit hatte sie sich selbst das Urteil gesprochen. Stumm winkte der Ritter seinem alten Diener, der seines Winkes harrte. Die Saalthür öffnete sich, sechs blühende Knaben traten herein und begrüßten ihren Vater. Der zeigte der herzlosen Mutter, die schuldbewußt zusammensank, ihre todgeglaubten Kinder.

Die Strafe wurde gerecht befunden und vollführt.

Noch zeigt das Volk in einer Felswand im Gottschlägthal eine Nische, das Edelfrauenloch, sowie den Dickenteich, worin die Kinder ertränkt werden sollten.

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