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Rheinisches Sagenbuch

Wilhelm Ruland: Rheinisches Sagenbuch - Kapitel 3
Quellenangabe
typelegend
authorWilhelm Ruland
titleRheinisches Sagenbuch
publisherVerlag von Friedr. Heyn, Hofbuchhändler
printrun2. Auflage
yearo.J.
firstpub1896
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140914
projectidb75acf2c
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Geldern

Gelderns Gründung

In dem Gebiet zwischen Rhein und Maas soll in grauen Zeiten ein Drache gehaust haben, der Schrecken der ganzen Gegend. Menschen und Tiere fielen dem schauerlichen Ungetüm zum Opfer, und scheu versteckte sich jedes lebende Wesen, wenn der Lindwurm hungergequält und lautgellend daherfuhr. Wie Gelee! Gelee! klang der fauchende, aasgierige Schrei. Viele waren schon ausgewandert aus der furchtbaren Gegend. Nun lebte damals in den niederrheinischen Landen ein edler Herr von Pout, der war weitgerühmt als unüberwindlicher Kämpe. Unter dem großen Kaiser Karl hatte er in früher Jugend die ersten Schwertstreiche ausgeteilt, und selten hatte seine Klinge geruht seitdem. Zwei Söhne hatte er, Wichard und Lüpold. Gemeinsam beschlossen die jungen Degen, das Land von der scheußlichen Plage zu befreien.

Der alte Kämpe gab ihnen seinen Segen, und die gewappneten Jünglinge zogen aus auf die Drachenjagd. Man zeigte ihnen den Ort, wo der Lindwurm sein Lager hatte. Ein Birnbaum stand dort, voller Mistelpflanzen. Dahinter in einer Höhle hauste der Drache. Nicht lange währte es, da drang aus dem Innern ein fauchender Ton. Gelee, Gelee! gellte das Ungetüm, kroch auf scharfkralligen, kurzen Füßen hervor, ringelte den gepanzerten Schuppenleib und fuhr mit weitgeöffnetem Rachen auf die beiden Recken los. Da erblich der jüngere der Hünen; doch der ältere ruft ihm Mut zu, murmelt einen frommen Spruch und stößt dem Untier, just in dem Augenblick, wo dessen giftiger Atem ihn schon berührt, die Lanze mit solcher Wucht in den Rachen, daß die Spitze am Hinterkopfe wieder herausdrang. Und wie der Drachen schmerzgepeinigt emporschnellt und sich krümmt und windet, stößt ihm der Andere sein Schwert in die Weichen. Da wälzt sich der Wurm wutbrüllend auf dem Boden; sie aber töten ihn nach verzweifeltem Kampfe.

Freude herrschte darob am ganzen Niederrhein. Die dankbaren Bewohner erkoren das tapfere Brüderpaar zu ihren Herren. Und Wichard und Lüpold erbauten dort, wo sie das Ungetüm getötet hatten, ein Schloß, das nannten sie nach dem Drachenschrei Gelee. Eine Stadt hat sich dann um die Burg gebildet, Geldern mit Namen. Auf dem Stadthause zu Erkelenz bewahrt man heute noch eine Geldrische Chronik; auf deren Titelblatt ist ein gräulicher Drache abgebildet, aus dessen offenem Rachen die Worte »Gelee! Gelee!« gehen.

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