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Rheinisches Sagenbuch

Wilhelm Ruland: Rheinisches Sagenbuch - Kapitel 26
Quellenangabe
typelegend
authorWilhelm Ruland
titleRheinisches Sagenbuch
publisherVerlag von Friedr. Heyn, Hofbuchhändler
printrun2. Auflage
yearo.J.
firstpub1896
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140914
projectidb75acf2c
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Bacharach

Burg Stahleck

Das alte Bacharach hat auch einst seine Glanzzeiten gehabt und schon lange vor jener Zeit wo der feurige Bacharacher berühmt war allerorten – 's war dazumal, wo der Großvater die Großmutter nahm – ist er von fremdländischen Weinkennern mit Römerhumpen und etrurischen Pokalen literweise getrunken worden. Damals haben die dankbaren Zecher ihrem weinspendenden Gott auf einem Felsblock, der zwischen einem Eilande und dem rechten Stromufer aus den Fluten ragt, einen Altar errichtet und Bachus, dem lieblichen Knaben zu Ehren, haben die Römer der Stadt den Namen gegeben den sie heute noch trägt. Wenn auch die Inschriften längst unleserlich geworden sind, so wissen die Bacharacher von heute noch recht gut um die ursprüngliche Bedeutung des »Eltersteines« (Altarsteines) und die Schiffer putzen noch jetzt in sündhafter Frohlaune eine Strohfigur als Bachus aus – so wie die Mecklenburger Bauern zur Erntezeit ihren Wuotan – setzen sie auf den Elterstein und umfahren ihn singend.

Oberhalb Bacharach liegt die Ruine der Veste Stahleck. Zur Zeit Konrads, des ersten Staufenkaisers, wohnte dort ein junger, ehrgeiziger Ritter, der Pfalzgraf Hermann. Er war des Kaisers Neffe und kühn gemacht durch die hohe Verwandtschaft, strebte der unbesonnene Kämpe nach Vergrößerung seiner Pfalzgrafschaft. Er hatte keinen geringeren Plan gefaßt, als die beiden Erzbischöfe von Mainz und Trier um den Teil ihres Besitzes zu schmälern, der an sein Gebiet grenzte. Er stützte sich dabei auf angebliche Rechte. Die Eifersucht, die damals zwischen den geistlichen und weltlichen Machthabern herrschte, führte ihm eine Reihe benachbarter Ritter als Bundesgenossen in die Arme und verwegen begann der Pfalzgraf seine Fehde mit der Erstürmung der Moselveste Triers, welche zum Trierer Sprengel gehörte.

Adalbert von Monstereil, ein unerschrockener Mann, vereinigte damals die Bistümer Trier und Metz in seiner Hand. Er sammelte sofort seine Mannen, um den kühnen Räuber von der widerrechtlich eroberten Burg zu vertreiben. Die Vermessenheit des Pfalzgrafen hatte ihn bestürzt gemacht, die Übermacht seiner Gegner stimmte ihn nachdenklich. Aber Erzbischof Adalbert war ein kluger Kopf: am Morgen, wo die Seinen die Burg erstürmen sollten, hielt er, das Bild des Gekreuzigten in der Hand, eine entflammende Rede an die Reisigen. Er enthüllte ihnen, daß ihm in verwichener Nacht der Erzengel Michael erschienen sei, ihm dieses Kruzifix überreicht und ihm sichern Sieg verheißen habe, wenn jeder Streiter im festen Vertrauen auf eine unsichtbare höhere Hilfe den Feind angreifen werde.

Des Erzbischofs Rede begeisterte seine Kriegsmannen zu wilder Tapferkeit. Geführt von ihrem Kriegsherrn, der, das Kruzifix in der erhobenen Hand, allen voranging, stürmten sie die Burg und ihrem Ansturm erlagen die Pfalzgräflichen. In hilfloser Flucht lösten sich ihre Scharen auf und tief gedemütigt mußte der ehrgeizige Stahlecker auf eine längere Fehde gegen den Trierer Erzbischof verzichten.

* * *

Tief schmerzte ihn die schmähliche Niederlage, die er erlitten. Mit noch größerm Groll gedachte er seiner geistlichen Nachbarn. Aus vergilbten Urkunden glaubte er volles Recht herzuleiten auf einen Streifen blühenden Landes, das der Mainzer Erzbischof in Besitz hielt, und er versäumte nicht, beim Mainzer Bischofsstuhl Klage zu erheben. Mit kaltem Hohn aber wurde sein Begehr aufgenommen von dem finstern Arnold von Solnhofen, dem Kirchenfürsten der Mainzer Lande.

»Ich werde mit dem Pfalzgräflein gerade so schnell fertig werden wie mit den starren Mainzern, deren etliche es bald bereuen, gegen ihren Bischof und Fürsten rebelliert zu haben.«

Drohend soll Arnold die Worte ausgerufen haben, da er den Klagebrief des Stahleckers zerriß. Jenem ward der Ausspruch überbracht, und weinend flehte des Ritters junges Weib ihn an, nicht zum andernmale die Hand zu erheben gegen den Gesalbten des Herrn. Er aber wandte sich finster ab und schwur Dem grimmige Rache, der in grausamem Stolz seine Beschwerdeschrift zerrissen hatte. Ihm war nicht unbekannt geblieben, daß des Solnhofers eisernes Regiment ihn den Mainzer Bürgern tödlich verhaßt gemacht hatte, und mit diesem Umstande wollte er rechnen, um dem finstern Gegner Land und Krone zu rauben.

Wieder rüstete der Stahlecker im Verein mit mehreren verwegenen Rittern gegen einen Diener der Kirche. Drinnen gährte es unter den Bürgern, draußen zog der Pfalzgraf mit seinen Mannen heran. In wildem Zorn raste der Erzbischof und seine finstere Seele gebar einen schmählichen Plan: durch zwei gedungene Landsknechte ward der Pfalzgraf meuchlings ermordet. Groß war der Jammer seines unglücklichen Weibes.

* * *

Den grausamen Landesherrn haben die rebellischen Mainzer bald darauf vor die Thore gewiesen, nachdem sie seinen Palast erstürmten. Racheglühend ist er zurückgekehrt. Vergebens warnten ihn seine Freunde, vergebens schrieb ihm vom Stift Rupertusburg bei Bingen Hildegard, die berühmte Seherin: »Wende Dich zum Herrn, den Du verlassen; Deine Stunde ist nahe.« Er hörte nicht darauf und so fand er in der Abtei am Jakobsberg vor der Stadt, wo er seinen Sitz genommen, den Tod unter den Streichen der Empörer.

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