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Rheinische Sagen - Kleine Ausgabe

Wilhelm Ruland: Rheinische Sagen - Kleine Ausgabe - Kapitel 2
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authorWilhelm Ruland
titleRheinische Sagen ? Kleine Ausgabe
publisherVerlag von Hoursch & Bechstedt
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Mainz

Heinrich Frauenlob

Ein würdiger Domherr im alten Mainz ist er gewesen, zugleich auch ein gottbegnadeter Sänger, der zahlreiche fromme Weisen verfaßte zu Ehren der reinsten aller Frauen. Hat nebenher der weltlichen Minne manchen klingenden Harfenton gewidmet, und weil er in zarter Huldigung, im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Dichtern, die Benennung Frau d. i. Herrin höher stellte als Weib, was nur Ehegattin bezeichnet, hat ihm die Nachwelt den Namen Frauenlob gespendet, und unter diesem ist er bekannter als unter seinem eigentlichen Namen Heinrich von Meißen.

Groß war die Verehrung, welche die Frauen des goldenen Mainz dem Sänger zollten. Dies zeigte sich während seines Lebens, noch mehr bei seinem Tode. Unsagbar war die Trauer des dankbaren Geschlechtes, als die Kunde sich verbreitete, daß des vielgeliebten Minnesängers Mund für immer verstummt sei. Es ward vereinbart, dem Toten eine Ehrung zu bezeugen, wie sie weder vorher noch nachher einem Dichter widerfahren ist. Zahllos war das Gefolge, überaus zahlreich die Frauenschar, die in wallenden Trauergewändern Herrn Heinrich geleitete und für sein Seelenheil betete. Acht der Schönsten trugen den Sarg, der überschüttet war mit duftenden Blumen. Aus Frauenmund klangen an des Minnesängers offener Gruft die Grabgesänge, und köstlichen Rheinwein, der ihn gar oft zu herrlichen Liedern begeistert, gossen zarte Frauenhände auf seine Ruhestätte. Köstlicher noch als jene Gaben trauernder Verehrung sind die Tränen gewesen, die an jenem Tage viele schöne Augen um den toten Sänger vergossen haben.

Noch heute erblickt der Wanderer im alten Mainzer Dom des liederkundigen Meisters Grabmal. Eine edle Frauengestalt aus milchweißem Marmor legt einen Kranz nieder auf den Sarg des Sängers, der Frauenlob in unvergessenen Liedern gesungen hat.

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