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Rheinische Sagen - Kleine Ausgabe

Wilhelm Ruland: Rheinische Sagen - Kleine Ausgabe - Kapitel 15
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authorWilhelm Ruland
titleRheinische Sagen ? Kleine Ausgabe
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Die Marksburg

Das Hochzeitsfest auf Burg Brubach

Marksburgsage von Ruth Nies

Zur Zeit Kaiser Rudolphs von Habsburg, da so manch stolze Burg die Berge des Rheines krönte, erhob sich trotzend und dräuend auf gigantischem Fels die Burg Brubach. Das mächtige Rittergeschlecht derer von Eppenstein hauste dort oben. Hoch vom Söller flatterte, weithin sichtbar, das Wahrzeichen des uralten Geschlechtes, das Banner mit silbernem Schild und drei roten Sparren. Hinter den düsteren Mauern der Burg blühte zu jener Zeit eine liebliche Blume, das Jungfräulein Elisabeth, die Tochter des Grafen Eberhard von Eppenstein. Viele stolze Ritter warben um die Hand der durch Schönheit berühmten Jungfrau. Sie aber war schon heimlich dem Ritter Siegbert von Lahneck anverlobt. –,

Kaiser Rudolph hatte an die deutschen Ritter den Aufruf erlassen, mit in den Kampf gegen den Böhmenkönig Ottokar zu ziehen. Siegbert von Lahneck, der Neffe und Erbe des alten Burggrafen auf Lahneck, war mit seinem jüngeren Vetter dem Rufe gefolgt. Elisabeth war tief unglücklich, doch Ahnenstolz und Opferbereitschaft für Kaiser und Reich ließen sie die Trennung ertragen lernen.

Monde verflossen, und vergebens wartete Elisabeth, wie manches Ritterfräulein, auf eine Kunde des Geliebten.

Der greise Burggraf auf Lahneck hatte die Augen geschlossen, und die prächtige Veste harrte des neuen Gebieters. Da erzählte man sich im Jahre 1278, daß die Schlacht auf dem Marchfelde siegreich geschlagen sei, in welcher mancher Ritter sein Leben lassen mußte. Von Siegbert von Lahneck wußte doch keiner der Ritter und Boten etwas zu berichten.

Der Herbst hatte bereits die Landschaft des Rheins in ein farbenprächtiges Bild umgewandelt, als eines Tages ein junger Ritter an die Tore Lahnecks pochte. Die Kleidung des schlanken, in wilder Schönheit strahlenden Edelmannes ließ ihn als Paladin des Kaisers erkennen. Er gab sich als den Grafen Rochus von Andechs, den jungen Vetter Siegberts von Lahneck, zu erkennen. Er brachte die Kunde vom Tode Siegberts, an dessen Seite er auf dem Marchfelde gekämpft hatte, und daß er nun als zweiter Erbe das Recht auf Lahneck habe. Der Vogt begrüßte den Grafen als seinen neuen Herrn und Gebieter. Auch auf die Burg Brubach wurde die Nachricht getragen. Entsetzt und aufs tiefste erschüttert nahm sie Elisabeth auf. Niemand vermochte die tiefgebeugte Jungfrau aufzulichten. Da kam, kurz vor dem Christfeste, ein junger Mönch vom Kloster Bornhofen hinauf zur Burg gepilgert. Graf Eberhard hatte die heiligen Brüder um einen Schloßgeistlichen gebeten, und diese hatten nun Bruder Markus, so hieß er zu Ehren seines Schutzpatrons, des großen Evangelisten, entsandt. Die ärmliche Kutte vermochte nicht des Paters ritterliche Herkunft zu verbergen. In seinen Augen loderte heiliges Feuer, als er der unglücklichen Elisabeth ansichtig ward, und ein fester Vorsatz, ihr zu helfen, wurde in ihm wach. Mit großem Ernst erfüllte er seine Aufgabe. Elisabeth bewunderte ihn, den Geistlichen und Gelehrten, aufrichtig. So manch lehrreich Gespräch entspann sich zwischen ihnen, und allmählich überwand die Jungfrau ihren Schmerz. Markus wurde indes von einer mächtigen Liebe zu ihr ergriffen. Nächtelang kämpfte und rang er mit dem Dämon in seinem Herzen. Da meldete sich eines Tages Rochus von Andechs beim Grafen. Mit einem kleinen, aber prächtigen Gefolge kam er von Lahneck herübergeritten. Graf Eberhard und Elisabeth begrüßten den wackeren Ritter herzlich. Rochus war wie geblendet von des Burgfräuleins Schönheit und gleichfalls Elisabeth von der des jungen Ritters, der, mit Siegbert verglichen, viel gewandter und stolzer war. Von nun an weilte er oft auf der Burg und wußte Elisabeth gänzlich zu umgarnen und zu bezaubern. Bald hielt er, der vielbegehrte Graf von Andechs, für den viele Frauenherzen stürmisch schlugen, um die Jungfrau an. Nach einigem Zögern sagte sie ja. Der Eppensteiner war hoch erfreut und ließ das Hochzeitsfest herrichten. Alle, die die Jungfrau gern hatten, jubelten über ihren Entschluß, nur Markus war tief beunruhigt, denn er empfand einen heftigen Widerwillen gegen den Ritter. Auch Rochus schien den Mönch zu hassen, und oftmals standen sie sich feindselig gegenüber. Das junge Paar war recht glücklich. Die Jungfrau versicherte ihrem zukünftigen Gemahl mit Leib und Seele angehören zu wollen. Inzwischen war in der Burg eine kleine Kapelle hergerichtet worden. Die Trauung Elisabeths sollte die erste heilige Handlung in ihr sein. Mit Glanz und Prunk sollte die Hochzeit gefeiert werden, und unter eifrigen Vorbereitungen nahte der Tag heran. In fast unheimlicher Schönheit und Pracht ritt Rochus am Vorabend des Hochzeitstages mit der Gästeschar in den Schloßhof ein. Lauter Jubel, Festfreude und Tanz hallten an den Mauern der Veste wider. Festsäle und Gemächer schwammen im Lichtermeer. Nur droben im Kaiser Heinrichsturm, in dem kleinen Raum, wo einst der gehetzte Kaiser Heinrich Zuflucht vor seinem Sohne suchte, war's still und einsam. Das Mondlicht flutete durch das kleine Fenster und beleuchtete das Gesicht eines jungen Menschen, der kniend vor einem Gebetschemel lag. Pater Markus war's, der in verzweifeltem Ringen seinen Schutzheiligen anflehte. Morgen sollte er Elisabeth dem ihm verhaßten Ritter anvermählen.

Vom Martinskirchlein schallten zwölf silberhelle Glockenschläge herauf. Da ward das Gemach plötzlich von überirdischem Glänze erfüllt, und der heilige Markus selbst stand vor dem Mönche. Er gab ihm ein kleines schlichtes Kreuz und sprach: »Markus, beschwöre du hiermit den Bösen. Rochus von Andechs ist niemand anderes als der Leibhaftige selbst.« Dann war er verschwunden. Der Pater aber wachte betend bis zum Morgen. Wieder erschallte Jubel, und strahlend, als die lieblichste Braut, schritt Elisabeth an der Seite des Bräutigams, gefolgt von der Gäste Schar, zur Kapelle. Da aber, kurz vor der heiligen Stätte, trat ihnen hochgereckt und entschlossen Markus in den Weg. Aus seinem Gewände ritz er das Kreuz und streckte es Rochus entgegen. Mit einem Schrei stürzte dieser hin. Der Boden spaltete sich, und der Ritter Rochus verschwand in die Tiefe. Die Jungfrau wollte er mit sich reißen. Markus aber erfaßte sie im letzten Augenblick. Entsetzt und erzürnt fielen die Gäste über Elisabeth und den Grafen her, um die Teufelsdiener zu töten. Da flutete aus der Kapelle jener überirdische Glanz. Mit einem feurigen Schwert in der Rechten trat der heilige Markus über die Schwelle. Schützend hielt er es über den Grafen, die Jungfrau und den Mönch. Voll Ergriffenheit kniete die Schar der Ritter, Knappen, Frauen und Mägde nieder. Der Heilige war verschwunden. Markus betrat die Kapelle und weihte sie dem Beschützer und Retter derer von Eppenstein, dem heiligen Evangelisten Markus. Graf Eberhard aber gab der Burg Brubach den Namen Markusburg. Im Volksmunde wurde sie seitdem die Marksburg genannt.

Elisabeth, von der Begebenheit niedergeschmettert, trat in das Kloster Marienberg zu Boppard ein. Sie wurde eine dem Herrn treu ergebene Nonne.

Es war bereits ein Jahr verflossen, daß der Schleier sich über Elisabeth gesenkt hatte, da kam frohgemuts ein Ritter rheinaufwärts geritten. Es war Siegbert von Lahneck, der nach langem Krankenlager in Feindesland nach jener Schlacht auf dem Marchfelde heimzog. Droben, am schwindelnden Abhange, oberhalb Koblenz, stand eine Burg seines Vaters, hierhin lenkte er zuerst seine Schritte. Bald würde er den trauten Sitz mit dem schöneren Lahneck vertauschen. Er würde dort jubelnd begrüßt als Herr einziehen, Elisabeth von Eppenstein als sein Gemahl, zur Seite. So träumte der Ritter, als sein Pferd den steilen Pfad zur Burg hinaufkeuchte. Verwundert hieß ihn der alte Vogt willkommen, als Siegbert nach Elisabeth frug, schwieg er. Dann aber, nach langem Drängen seines jungen Herrn, erzählte er alles, was sich begeben hatte. Schweigend verließ Siegbert drob das Gemach.

Dämmerung hatte sich über das Rheintal gebreitet. In der Ferne stand der Mond über dem waldigen Gebirge. Drunten gleißte der Rhein im Mondlicht. Auf den Burgen und in den Städten glomm Lichtlein für Lichtlein auf und grüßten zu dem einsamen und verzweifelten Ritter auf den Felsenabhängen herüber.

Am nächsten Morgen fanden Bauern, die zur Stadt fuhren, den Ritter Siegbert von Lahnes tot am Fuße der Felswand liegen. Jener Berg, von dem der Ritter hinabstürzte, trägt seit jener Zeit den Namen »Rittersturz«.

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