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Reisebilder aus dem Süden

Jacob Burckhardt: Reisebilder aus dem Süden - Kapitel 3
Quellenangabe
year1928
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeessay
titleReisebilder aus dem Süden
authorJacob Burckhardt
firstpub1838
publisherNiels Kampmann Verlag
addressHeidelberg
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bilder aus Italien

Aus »Der Wanderer in der Schweiz«. 5. Jahrgang, 1839. Beiblatt: Des Wanderers Mitteilungen aus dem Ausland, Nr. 36 bis zum Schluß des Jahres.

Mailand

Der Dom

Wir waren den Nachmittag von Sesto her im Eilwagen auf der staubigsten aller Landstraßen und dem Endstück der Simplonsstraße dahergefahren; der Himmel war wolkenlos und die Hitze unerträglich. Neben dem Wagen her trabte, um mehrerer Sicherheit willen, ein Kavallerist, als ernstes Mahnzeichen, daß Italien nicht lauter ehrliche Leute in seinem Schoß beherberge; er mag auch seinen Teil Staub geschluckt haben. – Endlich gegen sieben Uhr sahen wir zwischen den hohen Akazien und Maisstauden hindurch, schönabendlich verklärt in der vom Eilwagen erregten Staubwolke ein hohes, weißes Gebäude – es verschwand wieder wie ein Blitz, und erschien und verschwand das zweite Mal – ja, wir konnten nicht mehr zweifeln, es war das Wunder Italiens, der Dom von Mailand. Und eh' wir's uns versahen, fanden wir uns in der prächtigsten Avenue zwischen vierfachen, schattigen Alleen, und im Hintergrund erhob sich der riesenhafte Triumphbogen.

Es ist ein eigenes Gefühl, das sich des Touristen 57 bemächtigt, wenn er sich einer ihm noch unbekannten großen Stadt nähert. Die Begier nach den neuen Wunderdingen, die ihn dort erwarten, erreicht den höchsten Grad, und nicht ohne ein bängliches Gefühl zieht er durch das Tor ein. Durch das wahre, klassische Tor, den Friedensbogen, konnten wir nun nicht einmal einziehen, denn noch war derselbe nicht ganz vollendet; die Kutsche wandte daher gerade vor demselben links um, und durch endlose Baumreihen, bei der Arena vorbei, rollten wir endlich in die Gassen hinein. Wie herrlich fährt sich's in diesen italienischen Straßen! für die Wagen sind überall Gleise von Granit eingelegt, und von dem rädernden und betäubenden Gerassel der Wagen weiß man gar nichts. – Wie ich so wohlgefällig in die schöngepflasterten Gassen hineinblickte, geraten wir plötzlich auf einen freien Platz, ich schaue auf, und die ungeheure Fassade des von der untergehenden Sonne glühend beschienenen Domes zieht an uns vorüber; aber gleich geht's wieder Gassen ein und Gassen aus bis in den Hof der Post. Unweit davon fanden wir den uns bezeichneten, recht empfehlenswerten Gasthof zu den drei Schweizern, welcher – ein in Mailand nicht unwichtiger Umstand – nur wenige hundert Schritte vom Dom entfernt ist.

Schleunig, wie noch nie, kleidete ich mich um, und machte mich in der Dämmerung durch die lustig lärmenden Gassen auf, gegen den Dom. Es ist etwas zauberisches, unter den Arkaden vor dem Café Mazza sitzend, und ein Sorbet schlürfend, den alten 58 »Marmorberg«, den Dom, auf einer Seite, und das zu dieser Tageszeit auf dem Domplatz wogende Gewimmel zur andern Seite zu betrachten. Hier haben sie sich als Gemeindewesen regiert, haben dann zuerst den Sforzas gehorcht, darauf den Spaniern, dem Kaiser, der französischen Republik und dem Napoleon, endlich dem gewaltigen Österreich, und der Dom hat ruhig auf alles heruntergeblickt und alles erlebt, und es ist Moos an ihm gewachsen und wieder abgekratzt worden, und er hat von den geschwätzigen Elsternscharen all das politische Getümmel erfahren müssen, und aus der blauen Luft lächelt er herab, wie zu den alten Zeiten. Drunten auf dem Platz spielen ihm die Leiermänner Bellinis bewegliche Arien auf, und an der breiten Marmortreppe stehen die Marionettentheater, von zwei schmutzigen Lämpchen erleuchtet, und er muß uralte Witze zum tausendsten Male hören. – Was spielt man ihm wohl in hundert Jahren? –

Herrliches, nie genug zu preisendes Gebäude! schön und würdig von den breiten Torstufen bis zur goldenen Madonna, die mit segnend über die Stadt gebreiteten Händen deinen Gipfel krönt! Man mag an der Reinheit des Stils zweifeln und mäkeln wie man will, ein Wunder bleibt das Gebäude, und gewiß nicht in einem minder hohen Sinn, als der Dianentempel zu Ephesus und die hängenden Gärten von Babylon. Was man auch wider Türmchen, Giebel, Galerien usw. im einzelnen sagen kann, der ungeheuern Wirkung dieses Gebäudes wird sich 59 keiner entziehen, oder versuch es einmal, o Kritikus, und stelle dich vor das ehrwürdige, riesige Gebäude, wenn es im letzten Glanz des Abends schimmert, wenn seine schneeweißen Zinnen und Türmchen in den dunkelblauen Himmel hineinragen, und beginne deine ästhetischen Vorlesungen! – Hier muß selbst das Lob schweigen, wieviel mehr also der Tadel? –

Des andern Morgens bald nach fünf Uhr stand ich wieder auf dem Domplatz und suchte den Eingang zu den Dachtreppen. Schon jetzt saß der Kustode unter der Tür an seinem Tischlein und gab Karten aus, denn in einer Jahreszeit, wo die Stunden zu der so anstrengenden Besteigung des Domes so kurz gemessen sind, muß man beinah mit Sonnenaufgang anfangen, um vor Beginn der großen Hitze wieder drunten sein zu können. Finstere Wendeltreppchen hinan gelangt man endlich auf das dritte, unterste Dach; ein Irrgarten von Strebepfeilern, Säulchen, Türmchen, Zacken und Zinnen; ebenso sieht's auf dem zweiten Dache aus; erst auf dem obersten schwebt man etwas freier über der großen Stadt, und beschaut sich gerne die Gassen und Gebäude vom Friedensbogen bis zu San Celso und der Porta Ticinese.

Diese schneeweißen, kaum geneigt liegenden Marmorplatten sind das einladendste Pflaster, das man sich denken kann, und ich bin des Auf- und Niederwandelns hier nicht müde geworden. Zwischen den Spitztürmchen durch blickt die kreisrund umher liegende Stadt, und drüber hinaus die Ebene der 60 endlosen Lombardei, von hier aus wie ein Garten von einer Altane herab anzusehen. In hellen Mondnächten soll es hier ganz unglaublich schön sein; ich glaub' es wohl. – Ich stieg die Treppchen neben der Kuppel hinan und gelangte von Absatz zu Absatz endlich auf die oberste Galerie des Türmchens, das sich über der Mitte der Kuppel erhebt. Freilich ist dieses Türmchen, in der Nähe gesehen, ein recht starker Turm, der sich aus keiner andern Ursache von unten klein ausnimmt, als weil er erst 200 Fuß über dem Domplatz beginnt. Auf dem Gipfel steht die schon erwähnte goldene Madonna, auch von unten angesehen, ein kleines Bildchen, das aber in der Nähe zum Riesen wird, wenigstens nehmen sich, von der obersten Galerie aus, die beiden, segnend ausgebreiteten, goldenen Arme gewaltig groß aus. – Aber welch eine Aussicht von hier! In zwei gewaltigen Kreisen, dem der innern Quartiere und dem der Vorstädte, lagert sich Mailand rund um den Dom herum. Eben begann es in den Gassen laut zu werden; ein undeutliches Getümmel ließ sich hören; ich gab nicht darauf acht. Wie herrlich tauchen aus der Häusermasse die Türme, Kuppeln und Paläste hervor! südlich die kaiserliche Burg, ein gewaltiges Gebäude! In den Höfen drinnen spazieren die Garden auf und nieder, mit ihren weißen Uniformen und hohen schwarzen Pelzmützen. Der schöne, uralte Turm von San Gottardo ragt über die Hofkapelle aus dem Palast heraus. Weiterhin zwischen hohen Akazien winkt die Kuppel der schönen Kirche San 61 Celso, und links davon erscheinen die Dächer des ungeheuern Hospitals mit seinen neun Hofräumen.

*

Ferne erhebt sich die einfacherhabene Porta Ticinese, und näher, in derselben Richtung, die Kuppel von San Alessandro. Weiter rechts sieht man San Ambrogio, und fern im Morgenduft die Kirche Madonna della Grazia; dann das gewaltige, noch immer Ehrfurcht gebietende Kastell, das jetzt statt Gräben und Wällen die wogenden Alleen das Foro umgeben – endlich jenseits desselben die ungeheure Heide, die den Namen Piazza d'armi führt und mit dem gigantischen Friedensbogen auf einer, und der weiten, ovalen Arena auf der andern Seite schließt. Darauf mehr gegen Norden gewandt, der reich verzierte Palast Marino, die Scala, der Palast Belgiojoso, und außerhalb der Stadt das ungeheure Quadrat des Lazarettes; endlich der Corso der Porta Orientale, der kaum vollendete Palast Archinti und die zwischen stillen Gärten winkende Madonna della passione. Vor der Stadt zieht sich Garten an Garten, Park an Park, endlich Weiler an Weiler und Dorf an Dorf; aus weiten Reisfeldern und Maulbeerpflanzungen, aus Rebengärten und Pappelalleen hervor ragen weiße Kirchtürme die Menge; ringsum ist alles eine ungeheure Ebene voll Städte und Flecken ohne Ende; ferne erheben sich die Türme von Pavia und Cremona. Doch gegen Norden faßt die gewaltige 62 Alpenkette das Bild ein, zuerst mit ihren Vorbergen, den Felsen des Comersees und des Lago maggiore und mit den lieblichen Hügeln von Bergamo, dann aber mit ihren schönsten und höchsten Spitzen, dem Mont Blanc, Monte Rosa und Ortler und der ganzen Krone von Gipfeln, deren edelste Juwelen die drei sind. – An dem Hügel von Arona läßt sich ein schwarzer Punkt unterscheiden, es ist die Riesenstatue des heiligen Carlo Borromeo, die mit aufgehobener Rechten das 36 Miglien entfernte Mailand segnet. – Gegen Süden in weiter blauer Ferne zieht sich der Apennin hin, scheinbar eine Reihe niedriger Hügel; gegen Südosten aber verschwimmt die Ebene mit dem Himmel; bloß die euganeischen Berge dämmern schwach im Nordosten.

Man besteige den Dom zu jeder Tageszeit, um sich ein richtiges Bild von der ungeheuern Aussicht einzuprägen. Besonders herrlich ist dieselbe des Abends, im Sommer von sechs Uhr bis zum Sonnenuntergang. Leider wird die Turmtüre schon vor acht Uhr geschlossen. Es gibt schönere und imposantere Aussichten, aber den Ruhm der höchsten Eigentümlichkeit wird niemand dieser Aussicht abstreiten. Schon der wundervolle Anblick dieses Meeres von Türmchen, Pfeilern, Treppen, Kapellen und das Schweben über all diesen Herrlichkeiten verleiht eine ganz eigene Empfindung. Tausend Statuen blicken den Lustwandler in diesen Räumen an, und er weiß nicht, wie ihm geschieht.

»Was hat man dir, du armes Kind, getan?«

63 (Es ist bekannt, daß an und auf dem Dom von Mailand über viertausend Statuen sich befinden, und daß noch fast eben so viele fehlen, nach und nach aber ergänzt werden sollen.) Und nun vollends diese endlose Landschaft und die tosende Stadt! Keiner, der hier oben gewesen, wird sobald den Eindruck vergessen.

Im Laufe des Morgens suchte ich ins Innere des Domes einzudringen, das der Vorbereitungen zur Krönung halber verschlossen war. Endlich gelang es mir, an den rechten Mann zu kommen; wir wurden in den Hof des erzbischöflichen Palastes, nahe beim Chor des Domes geführt, und ersucht, einen Augenblick zu warten. Das waren also die Säulengänge und die Zimmer, wo der heilige Karl den Pflichten seines Amtes nachsinnend auf- und niederging, wo er bei Nacht sich blutig geißelte, und wo tröstliche Erscheinungen seine um ihr Heil bekümmerte Seele erquickten! Das ist das Portal, wo er tagtäglich vielen hundert Armen ihr Leben fristete! Und diesen ganzen Palast hat er geleert, als die Not der Pest außerordentliche Opfer forderte. Ich sah den Eingang seiner Hauskapelle, wo ihn bei seinem mitternächtlichen Gottesdienst jene Kugel aus meuchelmörderischem Rohr verfehlte! – Eine große Persönlichkeit war es jedenfalls, die dieses Gebäude bewohnte. – In diesen Gedanken traf uns der Kustode wieder, der mit einem rasselnden Schlüsselbund durch den Säulengang heranschritt. Er öffnete eine eiserne Tür; eine dunkle Treppe hinab kamen wir in einen 64 ziemlich finstern, gewölbten Gang; endlich ging's wieder eine Treppe hinan; eine Tür öffnete sich, und wir standen im Dom. Unvergeßlicher Augenblick! – Ein Säulenwald, der in weiter Höhe fünf herrliche Gewölbe trägt; eine schwindelnd hohe Kuppel, ein Chor, wie vielleicht in der Welt keins mehr ist; lauter einfach gewaltige Massen, die im Einzelnen durch die zierlichsten Ornamente aufs Herrlichste verschönt sind. Ein großer Eindruck füllt die ganze Seele; es ist nicht die Zernichtung, mit der ein ägyptischer Tempel den Beschauer zu Boden drückt, nein, ein freudiges, leichtes Gefühl umweht dich, als nähme dich der Geist des unsterblichen Meisters auf seine Flügel und schwebte mit dir in den blauen Himmel empor. Und dieser Meister war ein Deutscher. Mag auch sein Name untergegangen sein, wie der des Erbauers des Kölner Domes, sein Werk predigt bis auf den heutigen Tag so laut, als das des großen Erwin seine Begeisterung und seine Kraft. – Die Morgensonne schien eben blendend auf die Chorfenster, und in bunter Glut traten die heiligen Geschichten vor mein Auge. Welch ungeheure Wirkung diese 60 Fuß hohen Glasgemälde tun, ist nicht zu beschreiben. Eines der Fenster enthält Momente aus der Offenbarung Johannis mit kurzen Aufschriften. Da sah ich, und ich werde es nie vergessen, unter andern bei dem Spruch: »et coenabo cum illo«, ein herrliches Bild; Christus ist bei Nacht zu einem Gläubigen eingetreten und hält mit ihm das Abendmahl. Wer den Dom besucht, suche das Bild auf; es 65 wird ihn nicht gereuen. – Aber schon ist zu viel über das Wundergebäude geschrieben worden, als daß ich noch weiter fortfahren dürfte, und durch Aufzählung der einzelnen Merkwürdigkeiten will ich die Erinnerung an dasselbe nicht entweihen. Das unterirdische Winteroratorium und das Grab des heiligen Karl sind aus Reisebeschreibungen bekannt genug.

*

Auf demselben Weg, unter dem Domplatz durch, gelangten wir wieder in den erzbischöflichen Palast, und umgingen dann noch einmal das von allen Seiten freistehende Gebäude. Der schneeweiße Marmor, aus dem es besteht, ist leider an vielen Orten durch Moos und Flecken geschwärzt, hat aber dabei weniger verloren, als man denken sollte. Auch das dunkle Grau, besonders der Nordseite, macht einen großartigen Eindruck, zumal da die obern Teile dann wieder weiß sind. – Stundenlang habe ich das Gebäude betrachtet und umgangen, bis Auge und Fuß müde waren, aber immer kam ich mit stärkerm Verlangen wieder; denn jedes wahre Kunstwerk hat die magische Kraft in sich, den Beschauer immer von neuem anzuziehen, und als wir an einem heißen Nachmittage Mailand verließen, war mein letzter Gedanke der Dom! und ein süßes Heimweh nach dem weißen Wunderbau durchzog mein Inneres. Aber es mußte geschieden sein, und der Vetturin, der seine Rößlein majestätisch durch die Porta Ticinese 66 traben ließ, hat gewiß die Hauptstadt Lombardiens mit minder schwerem Herzen verlassen. –

Ich erinnere mich eines Abends, da ich allein auf der Domkuppel stand und die Aussicht von den Gefilden Cremonas bis zu den glühenden Alpen begeistert genoß; auf einmal hörte ich Schritte, die das Wendeltreppchen langsam hinanstiegen; dabei war ein Kinderschritt, leicht und hüpfend, und ein schwererer leicht zu unterscheiden. Endlich erscheint auf der Galerie eine ältliche Dame mit einem kleinen Knaben; ohne mich zu bemerken schreitet sie gegen die Südseite der Galerie, und den Knaben auf die marmorene Brustwehr hebend spricht sie zu ihm, indem sie gegen Süden deutet: Sieh, mein Kind, dort in der Ferne, bei Voghera, ist dein Großvater gefallen; er diente seinem Kaiser und war ein treuer, mutiger Soldat! – Der Kleine, der sich anfangs auf der schwindelnden Brustwehr nicht ganz wohl gefühlt hatte, gab sich bei diesen Worten ein herzhaftes Aussehen und wollte gar nicht mehr gehalten sein. Die Großmutter aber hob ihn wieder auf den Boden; sie sahen sich kaum weiter um und gingen wieder der Treppe zu; ich aber bückte mich ehrerbietig vor der majestätischen alten Frau; diese wird, dachte ich, ihr Großkind nicht verzärteln.

Es ist auf der Welt nichts Angenehmeres, als ein Rendezvous mit guten Freunden auf der Kuppel droben; da schwebt man über der brausenden Stadt und unterhält sich über die Hinfälligkeit der menschlichen Dinge und die Schönheit Italiens, und das 67 Gespräch nimmt in dieser Höhe und in dieser goldenen Abendluft einen höheren Gang als drunten im Kaffeehaus. Nachher aber wundert man sich darüber und begreift nicht, woher es gekommen ist.

 
Der Corso

An schönen Abenden bietet der Corso di porta Orientale, d. h. diejenige Prachtstraße, die vom Dom zur Porta Orientale führt und eine kleine halbe Stunde lang ist, einen Anblick dar, wie wohl wenige Straßen in der Welt; besonders herrlich und imposant aber sieht er an Sonntagen aus, und wer ihn an schönen Sonntagabenden gesehen hat, wird den Anblick einzig in seiner Art nennen müssen.

Es ist eine prächtige Gasse, dieser Corso. Gleich das Tor selber ist ein Gewaltstück der neuern Baukunst; zwei massige Corps de Garde mit Säulenhallen und acht schneeweißen Marmorstatuen bereiten einen majestätischen Empfang dem Fremdling, der von Osten naht.

Was Cybele und Ceres und Minerva in ihren Nischen mit ihrer schönen stolzen Haltung bezeichnen sollen, weiß wohl jedes Kind; aber doch wäre zu wünschen, daß einmal an Stelle der alten Typik eine neue, aus unserer Zeit, Kultur und Religion hervorgegangene gesetzt werden möchte. Kurz, ein schönes Gebäude ist und bleibt die Porta Orientale immer. Und welch herrlicher Anfang der Stadt! Rechts beginnt dieselbe mit den im Südwind rauschenden 68 öffentlichen Gärten, links mit einer Reihe von Palästen; die Straße selbst aber läuft mit einer Breite von 80 Fuß eben und behaglich in die wogende Stadt hinein, und trägt auf ihren Granitgleisen und Trottoirs Tag für Tag und Stunde für Stunde sanftrollende Prachtkutschen und bunte brausende Massen der stets lustigen und stets neugierigen Mailänder, daß man des Zusehens nicht satt wird.

*

Da erhebt sich der schöne Palast Serbelloni mit seiner Kolonnade und seinen Basreliefs; gegenüber stehen die zwei gewaltigen Karyatiden, die den Eingang des einfach-zierlichen erzbischöflichen Seminars stützen, und, wie es scheint, miteinander Maulaffen feil haben, wovon freilich noch niemand das Kopfweh bekommen; dann weiter die Hallen der Kirche San Babila, die sich in das Gewühl gar noch nicht zu finden weiß; endlich unweit der Kirche Madonna dei Servi die prächtige Galerie de Cristoforis, ein Gang, der oben Glas, unten und auf den Seiten Marmor und Bronze ist, und dessen eleganter Haupteingang gerade auf den Ort hin mündet, wo die Krümmung des Corso gegen den Dom beginnt, dessen weiße Zacken aus ferner Höhe in den Corso hinabschauen.

Es ist merkwürdig zuzusehen, wie sich der Corso Sonntag abends nach und nach anfüllt. Kaffeehäuser alle zehn Schritte laden zum Genuß des köstlichen Sorbets, der angenehm kühlenden Acqua di 69 cedro, der virtuosenmäßig bereiteten Limonade; und wer eben vom Mittagessen kommt, das meist gegen fünf Uhr aufhört, der will noch ein wenig ausruhen und verdauen. Leiermänner von allen Farben tischen indessen die lieblichsten Gassenhauer auf, und oft kann man drei, vier zugleich hören, daß einem das Ohrenfell springen möchte. Nach und nach wird die Gasse noch lebendiger; elegante Wagen rollen vorbei; du gehst ihnen nach, den ganzen Corso aus, und findest zunächst, links von der Porta Orientale, ein Kaffeehaus mit einem kühlen, hübschen Garten auf einer Terrasse. Dort in den Winkel pflanze dich und harre der Dinge, die da kommen sollen. Blicke in den unabsehbaren Corso hinein; immer mehr und mehr Equipagen kommen heran und bilden nach und nach eine Reihe, die sich immer mehr vergrößert. Alle samt und sonders sind zweispännig, denn es soll ja eine Promenade en negligé, nicht eine Zeremonie sein, wie man der oft langsamen Bewegung nach schließen könnte; ja, nicht bloß die Pferde, selbst die Damen, vermeiden alle Gala; sie zeigen sich übrigens von oben bis unten, indem kein einziger Wagen bedeckt ist, und daran tun sie recht, denn durch diese vernünftige Einrichtung kann ein Fremder an einem Abend den ganzen weiblichen Flor Mailands kennen lernen. Gewöhnlich sitzen zwei oder eine Dame auf dem Hauptsitz, und gegenüber ein Knabe oder ein Mädchen; oft sieht man auch ganze Kutschen voll lauter Kinder, was sich drollig ausnimmt. Auf einer Seite des Corso fahren die 70 Kommenden, auf der andern die Zurückkehrenden; übrigens machen die meisten Kutschen die Tour mehrere Male; manche fahren hinter den öffentlichen Gärten herum und kehren auf anderen Wegen zum Corso zurück. So glaubst du an einem Abende viele hundert Wagen gesehen zu haben; es sind aber vielleicht dieselben dreimal da gewesen. Also hütet euch vor großen Zahlen!

Nun an dem Abend, da ich zusah, waren es wirklich außerordentlich viele Karossen, die den Corso auf- und niederfuhren. Aber welche herrlichen Pferde! bunt durcheinander, weiße, schwarze, braune, graue, falbe, ein ungeheures Gewimmel! Und nun die schöne Welt, die da auf und nieder sich bewegt, sieht und sich sehen läßt, grüßt und sich grüßen läßt, – ein Anblick, den man auch in den größten nordischen Hauptstädten nur bei seltenen Anlässen zu genießen bekommt. Immer dichter wogt das Gedränge; tausende von Zuschauern drücken sich die Trottoirs auf und nieder; ein betäubendes Getöse steigt zum abendlich glühenden Himmel empor. Dann und wann entstehen in der endlosen Reihe kurze Stockungen; damit aber allen Verwirrungen vorgebeugt werde, sprengen schlanke, ungarische Husaren mit fliegenden Federbüschen, den entblößten Säbel in der Hand, zwischen den beiden Wagenreihen auf und nieder und schlichten alle Unebenheiten der Kutscher. Hie und da reitet etwa auch ein Engländer mit lang über sein Tier herabhängenden Beinen den Kutschen nach und wird nicht selten von dem umherstehenden 71 Gaffervolk herzlich belacht, denn der Mailänder ist witzig trotz dem Berliner.

Am stärksten befahren ist die Strecke von San Babila bis zur Porta Orientale, und dies ist eigentlich der Corso im engern Sinne, denn nur so weit geht die Straße ganz gerade. Wenn du dich nun im Kaffeehaus an der Porta ergötzt hast, bis dich die hereinbrechende Dunkelheit die entfernteren Teile des Corso nicht mehr erkennen läßt, so mache dich auf, wandere durch die dichten Massen dem Domplatz zu, und warte in Geduld bis nach acht Uhr. Da kommen dann manche Equipagen durch die Dämmerung hergefahren; sie halten vor dem Café Mazza, der Ecke des Doms gegenüber; der Lakai springt hinten vom Wagen herab, holt Eis, bringt es heraus an den Schlag, und unter dem kühlen Sternenhimmel genießen die Damen langsam ihre Erfrischungen. Gerade an der Ecke findet sich eine helle Reverbere, so daß man, unter den dunkeln Arkaden sitzend, die Schönheiten Mailands nun länger und ungestörter betrachten kann, als auf dem lärmenden Corso selbst.

 
Leonardos Abendmahl

Fern in einer stillen breiten Vorstadt, San Borgo delle Grazie, wo hie und da freundliche Bäume über die Gartenmauern schauen, ragt die Kirche Unsrer Frauen von den Gnaden (Madonna delle Grazie), äußerst zierlich von Backsteinen mit den schönsten Ornamenten und Medaillons aufgeführt, und mit 72 einer Kuppel geschmückt. Nebenan steht die Kaserne delle Grazie, vormals ein Dominikanerkloster, zu dem auch die Kirche gehörte. Schon die Kirche selbst enthält sehr schätzbare Altarblätter und Fresken von Luvino, Gaudenzio Ferrari und selbst von Tizian, aber die Perle der neuern Kunst, und vielleicht das größte Meisterstück, das die Malerei je hervorgebracht, findet sich nicht in der Kirche, sondern im daran stoßenden Kloster.

Gedankenlos marschiert der Kroat in seinen Reiterstiefeln vor der weißgetünchten Mauer des Klosters auf und nieder; er weiß nicht, welch einen Schatz er bewacht, und kann gar nicht begreifen, weßhalb all die vornehmen Kutschen tagtäglich in die Vorstadt zu seiner langweiligen Kaserne hinausgerollt kommen; doch ist er's wohl zufrieden, und es macht ihm Freude, den schönen Engländerinnen, Französinnen, und wie all die Nationen heißen, die dem Kunstwerk ihre Huldigung darbringen, zuzusehen, wie sie die Schleier zurückschlagen und aus dem Wagen steigen. Auch der Kroat hat Schönheitssinn, wenn er gleich nicht fassen kann, weshalb man kommt, das riesenhafte verblichene Wandgemälde zu besehen. Wohl dir, o Kroat, den nie der Abschied von einem Kunstwerke schmerzt, und der du zu Hause nichts erzählen wirst, als daß die Italienerinnen hübsch seien!

Durch eine kleine Tür neben der Kirche gelangte ich in den feuchten, mit verblichenen Wandgemälden bedeckten Kreuzgang, der gewiß nicht auf die Nähe 73 des herrlichen Freskobildes schließen ließe. – Ich bemerkte eine einfache Türe links und drüber eine Inschrift: Eugen, Vizekönig von Italien, habe den Saal herstellen und vor fernerer Verunstaltung sichern lassen. Unter der Tür steht der Kustode und winkt mir; ich trete ein und befinde mich in dem ungeheuern Refektorium der Dominikaner, einem oblongen Saal, an dessen beiden kleineren Seiten eine Kreuzigung und ein Abendmahl in fast verblichenen Farben zu erkennen sind. – Ist das Leonardo da Vincis Meisterstück? murmelt der Philister. Das soll das gerühmte Kolorit des Florentiners sein?, und diese rohen, nichtssagenden Gesichter schreibt man dem ersten Porträtmaler aller Zeiten zu? – Nur Geduld! der Geist lebt noch in dem Bilde, und die göttliche Komposition, der unerhört und unglaublich großartige Gedanke glüht lebendig und frisch in dem schändlich entehrten und mißhandelten Original, wie in der kleinsten und flüchtigsten Kopie fort. Freilich haben die Elemente, hat Witterung und Überschwemmung, Speisendampf und Pferdedampf, hat endlich die frevelnde Menschenhand an dem Bilde verderbt, was verderbt werden konnte, und der Besuch des alten feuchten Refektoriums hat für den, der Raphael Morghens schönen Kupferstich kennt, wenig andern Wert, als den einer historischen Erinnerung und einer erfüllten Pietätspflicht, obschon es zuletzt immer belehrend und für die genaue Kenntnis eines Gemäldes nötig ist, den Platz zu kennen, für den der Maler sein Werk bestimmt und 74 berechnet hatDeshalb gewähren uns die aus Kirchen in Galerien versetzten Bilder nicht immer einen reinen Genuß; wobei noch der Übelstand hinzukommt, daß in Galerien immer ein Bild den Eindruck des andern tötet. Man denke sich z. B. die Galerie Brera zu Mailand in zehn Cathedralen verteilt; wie viel herrlicher würde sie sich ausnehmen!. Allein das Bild war einmal das höchste, was der Pinsel geschaffen hat, und das genügt.

*

Denke dich einmal, armes, ordinäres Menschenkind! vor eine weiße Wand von dreißig Fuß Länge, stelle dir vor, du müßtest Christi letztes Liebesmahl darauf darstellen, und beratschlage ein wenig, wie du es anstellen würdest! – Entweder würde dich unaufhaltsam die Reminiszenz des einfach großen leonardischen Werkes verfolgen, oder du würdest staunend sagen müssen: die Aufgabe ist noch nie glänzender gelöst worden. – Wohl ward sie es; aber nur ein einziges Mal, und diese Ausnahme gilt dem Leonardo. Siehe die Abendmahle von Paul Veronese, Ghirlandajo, Benjamin West, Holbein, Poussin u. s. w., und suche unter den schönen das schönste aus, aber nichts wirst du finden, das diesem Werke zu vergleichen wäre.

Man nehme eine Kopie zur Hand und folge mir:

Zwölf Männer, alle in leidenschaftlicher Aufregung, bilden einen majestätischen Gegensatz zum dreizehnten, der traurig, ruhig-ergeben und göttlich 75 in ihrer Mitte sitzt. Den Hintergrund bilden die einfachen Wände eines Saales, nur dem Haupt Christi – nach der Sage malte es ein Engel – dient zur Folie eine Abendlandschaft, und über derselben ein dunkelblauer Himmel. Je drei der Apostel bilden eine eng zusammenhängende Gruppe, die wiederum mit dem Mittelpunkt, Christus, und mit den drei anderen Gruppen auf das Lebhafteste verbunden istEs dürfte vielleicht nicht unerwünscht sein, den Namen jedes der leonardischen Jünger zu wissen. Ich beginne links und nenne die Köpfe, wie sie aufeinander folgen: Bartholomäus, Jakobus der Jüngere, Andreas, Judas, Petrus, Johannes, (Christus), Thomas, Jakobus der Ältere, Philippus, Matthäus, Thaddäus, Simon.. Wohl sind die Köpfe dreimal übermalt worden, und haben zum Teil allen Ausdruck dabei eingebüßt, aber die lebhaften, außerordentlich sprechenden Gebärden der sämtlichen Figuren lassen auf die ehemalige Herrlichkeit der Köpfe schließen. Und noch ist auch an diesen das beste nicht verloren. Betrachte einmal diese herrliche Abwechslung von Greisen, männlichen und jugendlichen Häuptern, und siehe, wie wahr die dazu gehörenden Geberden sind! Nicht eine Figur gleicht der andern (ein Vorzug, den kaum eine andere Vorstellung desselben Gegenstandes mit dieser teilt); jede ist für sich ein beliebiges Ganze, und doch wieder, welche enge Zusammengehörigkeit! Denke dir eine einzige Figur weg, und das Gemälde ist zerstört. Jede Hand; jede Bewegung eines Fingers erscheint unentbehrlich; – du glaubst, die Idee des ganzen Gemäldes 76 müsse dem Maler in ein und demselben Augenblick plötzlich vor die Seele getreten sein, und kannst dich nicht überreden, daß jede Figur, jede Gruppe für sich sei gedacht und erfunden worden.

Der Moment, den Leonardo da Vinci gewählt, ist bekanntlich der, wo Christus so eben das Wort ausgesprochen hat: Wahrlich, ich sage euch, einer von euch wird mich verraten (Matth. Kap. 26, V. 21). Noch sitzt er da in stiller Ergebenheit, das Haupt ein wenig links geneigt; er hat das schwere Wort vom Herzen. Die Jünger aber, Erstaunen, Entsetzen, Argwohn, Zweifel, Rache, überhaupt die höchste Unruhe auf die verschiedensten Weisen verratend, sitzen und stehen mit dem leidenschaftlichsten Ausdruck um ihn herum; man glaubt sie sprechen zu hören. Nur Judas, ein keineswegs häßliches Gesicht, verrät eine Bestürzung ganz anderer Art; erschrocken beugt er sich, von dem raschen Petrus gedrängt, über den Tisch, als wollte er fragen: was soll das plötzliche Getümmel? (Daß Leonardo unter seiner Figur den geizigen Prior des Klosters porträtiert habe, ist höchst wahrscheinlich eines von den tausend italienischen Malermärchen.) Absichtlich ist der Gegensatz zwischen ihm und den andern Jüngern nicht so groß, um den höchsten Gegensatz zwischen den sämtlichen Jüngern und Christus so wenig als möglich zu beeinträchtigen; und in der Tat geht jener in diesem völlig auf.

Doch wie kläglich sieht das Bild in diesem Augenblicke aus! Das gewiß einst herrliche Kolorit ist 77 zernichtet, ein durchgeführter Ton nicht mehr erkennbar; stellenweise ist der Kalk von der Mauer abgefallen, ganz dumpf sind selbst die Übermalungen geworden. Von den unter dem Tisch sichtbaren Füßen sind manche so gut als nicht mehr vorhandenVgl. den trefflichen Aufsatz Goethes: Abendmahl von Leonardo da Vinci in Kunst und Altertum, der auch bisher benützt worden.. Noch einen Jammerblick warf ich dem Bilde zu und wollte mich entfernen. Aber unter der Tür mußte ich mich noch einmal umwenden – und von neuem vor das Bild stellen, um von demselben Abschied zu nehmen. – Das Schönste auf Erden muß untergehen in der Kunst, wie in der Menschenwelt, und das Herrlichste verschlingt der Tod am liebsten.

Unter diesen Gedanken war ich aus dem Klostergang hinaus, wieder auf den freien Platz vor der Kirche getreten. Es war Mittag, die Sonne brannte glühend und die weißen Mauern prallten ihre Strahlen blendend zurück; kein Mensch war in der ganzen, breiten Straße zu erblicken. Da sah ich in einem Hause gegenüber in großen Lettern, von Laubgewinden und Kränzen umgeben, das Wort Osteria gemalt; ich trat ein, um nicht in der Mittagshitze das glühende Mailand durchlaufen zu müssen, und bestellte ein Mittagessen. Die Wirtsleute waren neuvermählt, ein treuherziger Tessiner und eine liebliche schwarzäugige Mailänderin; ein vor innerer Herzensfreude so gesprächiges und lustiges Paar, daß ich meine Trauer über den Untergang des Kunstwerkes ganz vergaß. Ich dachte mir den 78 herrlichen, lebensfrohen Leonardo, wie er von der Arbeit ermüdet, des Abends in einen dunkeln Mantel gehüllt, in die Vigne hinaus geht zu fröhlichen Abenteuern, und in dem liebenden Andenken an den Künstler erschien mir sein Werk nicht als verloren, sondern als neu gewonnen.

 
Reise durch den Apennin

Ich saß im Kabriolett der großen, unbehilflichen Karosse; vor mir schwankte halb schlummernd der Vetturin, den ich dann und wann durch unmerkliche Kniestöße zu beleben suchte; neben mir schlief mein treuer Reisegefährte, und Schritt vor Schritt schlichen unsere zwei mageren, blutenden, blinden Mähren mit uns durch den königlich sardinischen Straßenstaub. Um die Hitze des wolkenlosen Tages und die Erschöpfung ein wenig zu vergessen, hatte ich, gegen das Innere der Kutsche gewandt, bald mit dem Jesuiten, bald mit der Signora, bald mit zweien Genuesen ein recht lebendiges Gespräch geführt; aber auf einmal ward mir die Gegend zu schön, und das Gespräch der Italiener seinem guten Genius überlassend, schaute ich erstaunt das herrliche Gebirge an, das sich vor meinen Augen so klar und appetitlich mit all seinen blauen Seitentälern entfaltete. Schon war es Abend und der Sonnenuntergang nahe; vor uns lag im südlichen Abendduft Novi mit seinem malerischen Schloßberg, und durchschauert von dem göttlichen Gefühl: morgen badest du im Meer! – 79 blickte ich gegen Mittag in die Berge hinein, als wäre schon von da aus die See zu entdecken. – Am Ende der reisbepflanzten, von Rebengewinden in allen Richtungen durchzogenen Ebene, gerade unter der sinkenden Sonne, gewahrte ich einen kleinen weißen Punkt. Welch köstlicher Anlaß, den Vetturin aus dem Schlafe zu wecken!

He, Vetturin, was ist das dort für ein weißes Gebäude? –

Es ist der Glockenturm von Marengo, und jene Kuppel dort, rechts davon, ist der Dom von Alessandria. Nun wußte ich genug.

*

Nach jedem Dorfe in Oberitalien nennt sich eine Schlacht, doch Marengos Kirchturm hat einem Riesenkampfe zugesehen; auf diesen Reisfeldern, unter dem Donner der Feuerschlünde, stiftete der Schlachtengott das Königreich Italien, und seit Roms Sturz zum ersten Male gehorchte Italien, wenigstens mittelbar, einem Herrn. Napoleon führt ein Heer über den großen St. Bernhard, schlägt die Schlacht von Marengo, verdrängt die österreichischen Truppen aus Welschland, gibt weise Gesetze; das Land blüht wieder auf, und einige Jahre später setzt er sich im Dom von Mailand selber die eiserne Krone auf. Zu seiner Ehre erbaut Mailand den turmhohen Triumphbogen, den sie nun Friedensbogen schelten, und ganz Italien verherrlicht den aus seinem Schoße 80 hervorgegangenen Helden. Doch es sendete auch alljährlich viele Tausende seiner Jugend zur Welteroberung, und ganze Regimenter seiner Söhne begräbt Rußlands Schnee. Das Weltreich stürzt in seinem Beginn zusammen; ein fürchterliches Beispiel gedemütigten Übermutes. So wollte es die Vorsehung.

Der Abend war prachtvoll, und ein Sommerabend im Apennin ist in der Tat mein Ideal bis auf diese Stunde geblieben. Der mangelnde Schnee wird reichlich durch die Mannigfaltigkeit der Beleuchtung und Färbung ersetzt, und die Gebirgsformen sind an vielen Orten so schroff, als man sie nur in den Alpen finden kann, jedoch meistens milder und runder, und nur hie und da mit steilen Gipfeln und jähen Abhängen; kurz, malerisch im höchsten Sinne. Mit Sonnenuntergang langten wir endlich in Novi an. Man ist hier noch zehn Stunden von Genua, und unser Traktat mit dem Vetturin lautete dahin, uns im Lauf des folgenden Vormittags nach Genua zu liefern, sollten wir auch die Nacht hindurch fahren müssen. Vor der Hand, hieß es nun, bleibt man hier bis abends zehn Uhr, sonst fallen die Pferde zusammen. Ein nur allzu triftiger Grund, den ich ganz anerkennen mußte. Um einstweilen keine Zeit zu verlieren, stieg ich mit dem Priester auf die Ruinen der Zitadelle, von wo aus man einen großen Teil von Piemont übersieht. Anderthalb Stunden gingen wir in der Abendkühle auf und nieder; es war eine helle Sternennacht; alle Viertelstunden unterbrach uns das Glockenspiel der Kathedrale.

81 Über den hellerleuchteten Marktplatz gelangten wir wiederum in den Gasthof, wo wir die Signora und den einen Genuesen, der sie, der Himmel weiß, aus welchen Gründen, begleitete, im Abreisen begriffen fanden. Die Leutchen hatten einen Einspänner gemietet, und fuhren nun in die Nacht hinein, durch das Gebirge; es muß scheint's pressiert haben. – Buon viaggio. –

Während des Nachtessens meinte der Vetturin: wenn ich durchaus wolle, könnten wir wohl morgens zehn Uhr in Genua sein; es stehe nur bei mir, ob ich's riskieren wolle, daß uns um Mitternacht, mitten im Berg und Wald, eins oder das andere, oder beide Pferde zu Boden fielen. Ich schimpfte den Kerl aus, daß er uns in Mailand mehr versprochen, als er halten wollte, und stellte mich ganz unglücklich und ungeduldig. Da nahm mich der Priester am Arm und bat mich um zwei Worte. Wir gingen in den stockfinstern Hof hinaus, zwischen Misthaufen uns durchwindend, und da, wo der Gestank am ärgsten war, begann er: Aber Signor, bedenkt doch, die Räuber, die des nachts umherziehen (i ladri, che vanno per notte), und bleibt hier über Nacht! – Auf dieses Argument hin ließ ich mich bereden, und wir schliefen in schönen Betten bis morgens halb vier Uhr. Nun begann das gewohnte Elend der Trinkgelderbettelei, von dem man keinen Morgen verschont bleibt, und das selbst mit der Abfahrt nicht zu Ende ist. Der Vetturin fährt absichtlich so langsam als möglich, während das ganze Gasthauspersonal, wäre 82 es auch morgens drei Uhr, sich an den Wagen hängt. Man wird's am Ende gewohnt. Bald ging's bergan; die Gegend verengte sich nach und nach, und bei dem schönen Serravalle (Engental) treten die Felsenhügel so nahe zusammen, daß nur für das hochliegende Dorf und die tief unten schäumende Serivia Platz bleibt. – Übrigens wird die Gegend nach und nach minder schön; Ronco, wo wir drei Stunden verweilen mußten, erinnert ungefähr an ein Dorf im Jura, nur daß die Täler, nicht wie im Jura, gerade fort laufen, sondern sehr windungsreich sind.

Endlich kamen wir an den letzten Stich der Bergstraße (Gioghi, Juga), etwa 3500 [Fuß] über dem Meere, und gern stiegen wir den zwei Mähren zu Gefallen aus, und wateten durch den Staub zwischen kahlen Hügeln durch, dem Gipfel zu; wir beide plaudernd und begierig, das Meer zu sehen, der Jesuit sein Brevier lesend. Es war abscheulich heiß und schwül, und ein neblichter Dunst überzog den Himmel. Endlich sahen wir, hoch am Horizont, die ungeheure Linie des Tyrrhener Meeres; unter uns lag das Tal der Polcevera, das sich schlängelnd vorwärts und rückwärts krümmt, so daß man oft gar nicht weiß, wohin das Wasser seinen Ablauf nimmt; zu beiden Seiten zog sich das kahle Gebirge in schroffen, sonderbaren Formen weit fort; ein Anblick, der eher merkwürdig als schön zu nennen ist.

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83 Nun ging's in unendlichem Zickzack zwischen Oliven und Pinien das steile Gebirge hinunter; erst von Ponte Decimo an läuft die Straße, ein Werk Napoleons, einigermaßen eben fort. In dem letztgenannten Dorf e hielt der Wagen, und es vergingen keine zwei Minuten, so war er von Krüppeln und Bettlern jeder Art umgeben. Unter den letzteren zeichnete sich ein hübsches Mädchen mit einer Guitarre aus; mitten in dem Bettelvolk, zwischen den von Pinien überragten südlichen Gebäuden, nahm sich das Kind aus wie eine wahre Mignon. Überhaupt wird man in Italien der Beziehungen und Erinnerungen an das wundervolle Kind nicht los; es gewinnt nach und nach in der Seele des Reisenden eine vollkommene historische Wirklichkeit.

Der nebelige Duft war vom Himmel verschwunden, und tiefblau und golden glänzte über unsern Häuptern der italische Himmel; prächtige Hügel mit Villen, Schlössern und Klöstern zogen sich zu beiden Seiten der Polcevera hin; hier beginnt Welschland. – Herrlich thront über der Gegend die Karthause; von hier aus sahen wir seit dem Gioghi zum ersten Male wieder das Meer, aber jetzt nicht graulicht, sondern dunkelblau, ja violett, und wie es schien, in Bewegung. Links dehnte sich eine hohe Felsenreihe aus, und droben glänzten die äußersten Festungswerke von Genua mit großen sardinischen Bannern. Selbst der Jesuit, als geborener Genuese, streckte begeistert den Kopf aus dem Schlag, und, auf Corugliano und San Pietro d'Arena weisend, zwei 84 prächtige, fast ganz aus Palästen und Landhäusern bestehende Flecken, rief er auf lateinisch aus: in palatios magnos! – Der Strandweg von San Pietro d'Arena, den unsere Mähren einschlugen, ist für einen, der das Meer noch nie gesehen, zauberisch schön. Man muß eine gute Weile längs des Meeres hinfahren; Genua liegt selbst hinter seinen Felsen und Zitadellen verborgen, und bloß der ungeheure Leuchtturm deutet auf die Nähe einer großen Stadt hin. Derselbe ist mit dem Felsblock, auf dem er steht, höher als der Straßburger Münster, und an hellen Tagen sieht man von seinem Gipfel aus die Gebirge von Korsika. Hart daneben, ziemlich hoch, liegt das einzige Tor dieser Stadtseite; langsam rückten wir den Berg hinan, demselben entgegen. Während die Rößlein ein wenig ausschnauften, stieg ich ab und lief voran gegen das Tor; es stand sperrweit offen und gönnte mir urplötzlich einen weiten, göttlichen Ausblick auf das prächtige Genua mit seinen Domen und Palästen, mit seinem Mastenwald und seinen Hafenmauern, und als Hintergrund des gewaltigen Bildes erhob sich der Apennin im Abendglanz. Wir gaben die Pässe ab und fuhren majestätisch langsam den Strandweg hin; aus dem Garten des Palastes Doria wehten uns schon von ferne Orangengerüche entgegen; wir fuhren daran vorbei, dann über den von Marionettentheatern belebten Platz Acquaverde durch die Strada Balbi gegen die Annunciatenkirche. Hier ist das Rendezvous aller Vetturini, Bettler und Beutelschneider, und die große Marmortreppe vor der 85 Kirche war eben ganz angefüllt mit den erlesensten Gruppen schlafender oder sich lausender Bettler. Auf diesem klassischen Fleck verabschiedeten wir endlich unsern Schelm von Vetturin; er heißt Antonio Mugnaschi, ist groß, schielt, und läßt seine Pferde Hungers sterben. Sobald das Zahlungsgeschäft zu Ende war, logierten wir uns ein im Gasthof alla Pace, und eilten dann, den lombardischen Staub in den wollüstigweichen Fluten des Mittelmeeres abzuwaschen.

Genua

Wie könnte ich dein vergessen, süße, rauschende Stadt, hoch auf Felsen über dem Meere getürmt, mit deinem weiten, prächtigen Hafen! So, wie ich dich das erste Mal sah, bist du mir jeden Augenblick gegenwärtig, ein phantastisch schönes Bild, im duftig italischen Abendglanz, wie sich's keiner vorstellen kann, der es nicht gesehen hat. Das Beste von deiner alten Pracht ist noch nicht dahin; noch duften deine Gärten auf hohen Terrassen, noch ragen deine Paläste, wie zur guten alten Zeit; noch glüht im dunkeln Violett der Apennin; noch prallen dumpf tosend die dunkeln Meereswogen an deine Felsenfundamente an. Und wenn Hafen und Paläste auch leer stehen, wenn auch das Geschlecht, das dieselben gebaut, ausgestorben oder verkümmert ist, doch sucht dich der Nordländer, und bringt dir, wie einer Braut, verliebte Huldigungen dar. –

Wie herrlich überrascht die Stadt, wenn man von San 86 Pietro d'Arena herkommend, beim großen Leuchtturm umbiegt und durch das Tor lenkt. Rund um den Hafen herum, besonders aber jenseits desselben, steigen Mauerwälle und Paläste in amphitheatralischer Auftürmung empor; im Hafen selbst bilden hohe Fregatten und andere Schiffe jeder Art einen reizenden Vordergrund, und die Kastelle rings über der Stadt ragen malerisch über das Ganze hinaus. Dem schönen Strandweg nach gelangt man endlich zum Palast Doria, dessen lange, ziemlich unbedeutende Fassade bloß durch die Inschrift gehoben wird, der Senat von Genua habe dem siegesmüden Andreas Doria dieses Haus samt Garten geschenkt. Daneben aber stand bis zu Anfang des Jahres 1838 das Thomastor, jetzt fast ganz demoliert. – Wer erinnert sich hier nicht an Schillers Fiesco, dessen Hauptszenen hier spielen! – Hier endet der Strandweg, und die Hauptstraße, die sich unter verschiedenen Namen durch die ganze Stadt zieht, beginnt mit dem hübschen, mit schönen Bäumen geschmückten Platze Aquaverde, wo zu keiner Tageszeit Leiermänner und Marionetten fehlen, und wo auch des Nachts sich manche Mandoline hören läßt, sei's aus nahen Gärten, sei's unter den dunkeln Akazien des Platzes selbst. Mit diesem Platz fängt das lebendige Genua an, denn bis dahin, den Strandweg entlang, tönt nichts anders als Vergangenheit und Tod und Erinnerung dir entgegen.

Nun wendet sich der Weg unter dem Namen Strada Balbi etwas rechts, und die Reihe von Palästen 87 beginnt. Am meisten zeichnen sich hier der königliche Palast (ehemals Marcellino Durazzo), und der der Universität aus. Die Straße ist mit Quadern gepflastert und wäre gewiß eine der schönsten Straßen der Welt, wenn sie dreimal breiter wäre. Sie mündet auf die Piazza dell'Annunciata, einen von Gasthöfen und Kirchen begrenzten, keineswegs großen Platz, der indes gewiß einer der wunderbarsten Flecke Italiens ist. Auf einer Seite steht der bekannte Gasthof Regina delle Isole (Königin der Inseln); auf der andern die große, häßliche Fassade der Kirche von Maria Verkündigung mit der oben erwähnten Marmortreppe voll Bettler, und zwischen drinnen tummelt sich ein Gewühl von Facchini, Vetturinen und Gesindel aller Arten. Hier stationieren all die hundert baufälligen Karossen, die in Italien, außer den Dampfschiffen, das fast ausschließliche Vehikel der Reisenden ausmachen, bestäubt und kotig von unten bis oben, innen aber nicht selten von Wanzen und dergleichen bewohnt. Wer diese Fuhrwerke und ihre Eigentümer, die Vetturini kennt, der schaudert bei dem Gedanken, z. B. die Bocchetta oder die Gioghi in einem solchen Kasten passieren zu müssen, besonders wenn er sich eines Paares Pferde von analoger Qualität zu versehen hat.

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Doch der Weg führt weiter, in die Strada nuovissima, eine krumme, ziemlich breite, halb aus Palästen, halb aus gewöhnlichen Wohnungen bestehende 88 Straße, die indes bloß den Übergang bildet zu dem Kleinod von Genua, der Strada nuova, die aus vierzehn Palästen besteht. Herrlich vor allem sind die Paläste Doria-Tursi und Carega. – Aber was hat man von der 200 Fuß langen Fassade des ersten, da die Straße nicht breiter ist als 24 Fuß? Es ist in der Tat kläglich, Gebäude vom höchsten Kunstwerte bloß darum so viel als gar nicht genießen zu können, weil sie zu dicht aufeinander stehen. Wohl weht auch im heißen Juli zwischen diesen himmelhohen Fassaden hindurch ein kühler, angenehmer Zugwind; aber der ist durch eine solche Enge der schönsten Straße der Stadt teuer genug erkauft! – Doch schon von ferne sieht man den sonnigen Platz der Liebesbrunnen (Piazza delle fontane amorose) glänzen. Hier, zwischen ähnlichen Palästen, wie in der strada nuova, merkt man erst, wie unendlich ein Gebäude gewinnt, wenn es auf einem einigermaßen freien Platze steht. Und auch dieser Platz hatte kaum die Breite einer Straße, wie die alten genuesischen Paläste sie erfordern würden. Die darauf folgenden Straßen Carlo felice und Giulia, welch letztere mit der porta romana schließt, enthalten nichts besonders Merkwürdiges, als das prächtige Marmortheater Carlo felice, bei welchem sich beide vereinigen.

Italienische Prahlerei ist sprichwörtlich geworden, und in der Tat gibt es in Italien viele Gebäude, die man Palazzi nennt, die aber bei uns ganz einfach Häuser heißen würden. So entsinne ich mich zweier Beispiele von der Splügenstraße, wo man, 89 wie es scheint, jedes einigermaßen größere, weißgetünchte, mehr als einstöckige Gebäude mit dem Namen Palazzo beehrt. Auch in größeren Städten versündigt sich nicht nur der gemeine Mann, sondern auch mancher wohlunterrichtete Topograph durch allzugroße Freigebigkeit hinsichtlich jenes Namens; indes findet dies bei den genuesischen palazzi keineswegs statt. Hier handelt sich's nicht nur um ein großes Haus, um eine schmucklose Baumwollfabrik, sondern um Gebäude von 100 Fuß Höhe, mit schlanken Kolonnaden und Pilastern, mit weit ausspringenden Gesimsen, mit Balkonen und dem schönsten Fries und Gebälk. Es sind Kunstwerke im vollsten Sinne des Wortes, wovon jedes seinen individuellen Wert ehrenvoll behauptet. Und doch sind die meisten davon das Werk eines und desselben bescheidenen, wenig bekannten, großen Mannes, des Galeazzo Alessi. (Nur der Palast Carega, zunächst beim Platz der Liebesbrunnen, ist ein Werk des Michel Angelo Buonarotti.) Der Vicentiner Andrea Palladio hat Lobredner die Menge gefunden, wie es sein großartiger, neuschaffender Genius verdiente; aber hier ist ein nicht minder herrlicher Künstler anzuerkennen, und doch ist derselbe so gut als unbekannt. Ich glaube, Palladio, als sein Zeitgenosse (beide lebten in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts), hat ihm geschadet. An beiden findet sich durchaus in gleich hohem Grade der Vorzug, daß keiner ihrer Paläste dem andern gleicht, daß jeder neu gedacht, neu erfunden ist. – Daneben 90 unterscheidet sich Galeazzo von Palladio u. a. durch weit größeren Luxus in Anlage der Treppen und der Vestibüls, und durch weniger strenges Festhalten an den antiken Überlieferungen. Welche kühle, festliche Stille in dem untern Vorgemach seiner meisten Paläste! Die Decke ist schön und leicht dekoriert, oft von der flüchtigen, geistreichen Hand des Thomas Carloni. Auf porzellanähnlichem, glänzend weißem Grund zaubert derselbe mit Blau, Rot und Gold die lieblichsten, lustigsten Arabesken hin; hie und da hat er auch kleine Liebesgötter, Blumenmädchen, Vögel von den buntesten Arten usw. hingemalt. Hohe, einfache Nischen enthalten, oder enthielten wenigstens, blendend weiße Marmorbilder; gegen hinten öffnen sich in großen Bogen die breiten, sanftansteigenden Treppen, die in die oberen Stockwerke führen. Ach, wäre dies alles noch so sauber und wohlerhalten zu sehen wie vor hundert Jahren! Jetzt häuft sich Unrat aller Arten auf dem Mosaikpflaster der Vestibüls; die unteren Stockwerke sind an Krämer verliehen; die Statuen hat die Frevelhand der Revolution zertrümmert, und die Fresken gehen zum Teil einem baldigen Untergang entgegen.

Ich wußte, in Genua existiere einer der schönsten Paläste Italiens, Galeazzos edelste Schöpfung, der Palast Sauli. Wie lange mußte ich herumfragen, bis ich jemanden fand, der den Namen kannte! und doch waren die Saulis eine der reichsten und vornehmsten Adelsfamilien von Genua. Endlich konnte mir ein Fremder, ein Franzose, Auskunft geben; es 91 war ein junger Baumeister aus Avignon, der seit einiger Zeit Genuas Prachtgebäude studierte. Dieser erbot sich gleich, mit mir zu gehen, indem ich sonst den Weg in die Vorstadt schwerlich finden dürfte, wie er sagte. Es war ein lieblicher Abend; wir schlugen den Weg durch die strada Giulia ein, während er mir erzählte, welche Mühe es ihm gekostet, auch nur den Palast zu erfragen. Ich meinte, ein Gebäude von so hohem Werte, wie der Palast Sauli, könne fast unmöglich so in aller Leute Ohren verschollen sein, wenn er irgend noch bestehe, und ich würde es kaum glauben, daß dem also sei, wenn ich nicht selbst so lange vergeblich nach dem Gebäude geforscht hätte. Er seufzte und sagte bloß: Vous verrez, pourquoi le palais est oublié.

Indessen waren wir durch die porta romana in eine sehr belebte Vorstadt gelangt und lenkten einige Schritte rechts ab. Voilà le palais! – Ja, wo denn? – eine moderne, doch schon sehr zerfallene Mauer mit Strebepfeilern stellte die Fassade vor. Mit so wenig Rücksicht hatte man Galeazzos Meisterwerk, um größerer Fertigkeit willen verbaut! – Wir traten in den Hof; aber welches Entsetzen erfaßte mich! die schönen Kolonnaden waren vermauert, der einst in doppelten Bogenlauben geöffnete Palast durch liederliche Riegelmauern zu Stuben verwandelt, die Säulen im Einstürzen begriffen, im Hof statt der hohen, sprudelnden Fontäne ein Misthaufen!, ringsum saßen alte Weiber und rupften Pferdehaare. Der Architekt aber lehnte mit dem Ausdruck des tiefsten 92 Schmerzes an einer Säule; ich glaube, er hat geweint. Das war ein Künstlerschmerz. –

Dieser Palast gehört noch dem letzten Sprößling der erlauchten Familie, deren Namen er trägt; derselbe wohnt zu Rom im Kollegium der Jesuiten, er will den Palast nicht verkaufen (ein Engländer soll ihm schon große Anerbietungen gemacht haben), kann aber das Gebäude nicht unterhalten, und so kann »der schönste Palast Italiens« – wie die Genueser sagen – einmal über Nacht zusammenstürzen.

Wie oft mußte ich mir diese Prachtgebäude denken, wie es darin aussehen mochte zur Zeit, als Genua noch Genua war! – Unter den Zypressen des Gartens Doria saßen die hohen, stolzen Frauen und blickten über den Hafen hin ins Meer hinaus; drunten aber am Fuße der Terrasse hielten die vergoldeten, leichten Barken, mit schmucken, jungen Schiffern bemannt, einladend zu abendlichen Spazierfahrten. Weit in die Stadt hinein winkten einander die hohen Paläste zu, und droben auf den Balkonen ruhten die edeln Genueser und genossen die Abendluft. Da warf sich der schöne, junge Van Dyck der schönen, jungen Fürstin Brignole zu Füßen und die schöne, junge Fürstin schlang ihren Arm um den schönen, jungen Maler, daß es ihm heiß ums Herz wurde. Ach, die Zeiten sind vorbei! –

Genua ist nicht überall so schön, wie die beschriebenen Straßen sind. Diese sind nämlich die einzigen, wo Wagen fahren dürfen, während alle anderen zu eng und zu steil sind. Auch die meisten Plätze, wie 93 man's in Genua nennt, würden bei uns frischweg Winkel heißen. Wunderschöne Fassaden großer Paläste und Klöster finden sich hier, Gott erbarm's, in Gäßchen gebaut, wo man mit ausgespannten Armen auf beiden Seiten anstoßen kann, und im Hotel eines gewissen Gesandten habe ich zum Fenster hinausreichend das Gitter eines gegenüberstehenden Fensters berühren können. Denke man sich zu dieser Enge der meisten Straßen noch eine proportionierte Unreinlichkeit und Ghirlanden von aufgehangener, nasser Wäsche nebst der entsetzlichen Bevölkerung von rotbemützten Lastträgern und sonnverbrannten Matrosen, so hat man ein schwaches Bild von einer genuesischen Gasse. Dazu schallen noch Töne aller Arten durch die Engpässe, besonders das Geschrei der, in Ermangelung der Wagen, hier stark gebrauchten Esel; ferner der schauderhafte genuesische Dialekt der Vorübergehenden, ein Gemisch von französisch, italienisch, spanisch und, wie man mutmaßen könnte, türkisch oder chaldäisch, endlich Leiern und Orgeln, daß einem das Hirn zerspringen möchte. Und das sind noch nicht die schlimmsten Gassen; wer sich das Ideal der Unreinlichkeit vergegenwärtigen will, der folge mir dem Hafen entlang in die strada della Darsena. Diese ist auf einer Seite von einer hohen Mauer, und auf der andern von sechsstöckigen, häßlichen Gebäuden eingefaßt, und kann kaum minder originell sein in ihrem Schmutz, als die klassischsten Lazzaroniwinkel Neapels. Die ohnedies enge Gasse wird durch Warenhaufen, Tonnen 94 und dergleichen so gesperrt, daß man kaum durchkommen kann, und auf diesen Postamenten ruhen nun die Facchini und Matrosen in oft sehr malerischen Stellungen, was freilich bei dem höllischen Gestank nur wenige zu würdigen wissen, indem jeder vorbeieilt, so schnell er kann. Ich habe den Geruch von faulen Fischen, Knoblauch und noch schlimmerem nicht gescheut, sondern dieses Schiffervolk genau betrachtet, und bereue es nicht. Oft sieht man herkulische Gestalten vom schönsten, kräftigsten Bau, die nervigen Arme bloß, desgleichen fast die ganze Brust; ein roter Gürtel um die weiten, leinwandenen Hüftkleider, die Füße nackt bis zum Knie, und auf dem krausen, rabenschwarzen Haar eine rote phrygische Mütze. Manchem hängt an seidenem Bande ein Amulett oder ein Marienbildchen auf die hochgewölbte, braune Brust; das Volk liebt den Schmuck in jeder Gestalt, wenn auch daneben die nötigsten Teile der Kleidung längst in Fetzen gegangen sind. An dieser Gasse haben sie ihre Wirtshäuser, wo sie essen, ihre Hallen und Arkaden, wo sie sich des Nachts bergen. Hier im Schatten halten sie Siesta, trotz dem stolzesten Nobile, und spielen mit braunschmutzigen Karten um ihre wenigen Pfennige. Wer die strada della Darsena nicht gesehen hat, der kennt einen wichtigen Teil von Genua nicht.

Von dieser Gasse aus gehen mehrere kleine Dämme in den Hafen hinaus; man gelangt dazu durch befestigte Tore, denn noch ist Genua eine Festung von 95 Bedeutung. Um diese Dämme (ponti) herum nun ist das Gedränge der Schiffe und Fahrzeuge von jeder Größe am heftigsten, und du hast von Glück zu sagen, wenn du nicht jeden Augenblick mit der Frage angepackt wirst: Signore, commanda una barca? – Da sitzen auf langen Steinbänken die Kapuziner in Strohhüten, mit ihren gewaltigen Körben voller Fische, und schlafen; ringsum aber zeigt sich nichts als Mäste, Strickleitern, Segel, Geschrei, Meeresbrausen, Fischgeruch usw., daß es einem Hyperboreer aus dem Binnenlande schwindlig wird.

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Der Hafen von Genua ist ein prächtiger Anblick; zwei lange Hafendämme (moli) umklammern das gewaltige Halbrund, wo die Flaggen von allen Nationen seit zweitausend Jahren Schutz vor den acht Winden der Windrose gesucht und gefunden haben; ringsum ragen Paläste, Kirchen, Arsenale, Kastelle; fern am großen Leuchtturm stationieren die Schiffe, die in Quarantäne liegen; mitten im Hafen aber steht allein eine majestätische, schlanke Fregatte. Diese muß ich sehen! dachte ich, und mietete eine kleine Barke. Wir fuhren eine Viertelstunde, bis wir an das Schiff gelangten; das Meer war ziemlich bewegt, und es hatte seine Schwierigkeiten, an Bord zu steigen. Ich winkte – denn jeden Ruf übertäubten die Wellen – der Wache; diese rief den diensthabenden Offizier, welcher nun an der messingbeschlagenen Treppe erschien und uns winkte, zu kommen. 96 Nun galt es, bei einem rechten Wasserstoß der Treppe habhaft zu werden: ein Experiment, wobei ich bald in das Meer gestürzt wäre; doch es gelang, und ich befand mich auf dem Verdeck der schönen, nagelneuen Fregatte »la Guerriera«; Kapitän derselben war Se. Kaiserliche Hoheit Erzherzog Friedrich, der von Triest her über Malta gekommen war, und sich nun eben in der Stadt befand. Nichts Schöneres als ein neues Schiff! Alles glänzt spiegelhell, die Fußböden sind blank gewichst, in dem Metall kann man sich besehen. Alles ist in der prächtigsten Ordnung wie bei jungen Eheleuten. So waren hier die fünf Böden geordnet, einer sauberer als der andere; am interessantesten aber erschien mir der, wo sich die Kajüte des Erzherzogs befand, ein höchst niedliches Zimmerchen mit grünseidenen Gardinen und eleganten Gerätschaften. An der einen Wand prangte das Porträt seines kaiserlichen Kusins, an der anderen war ein hübscher Bücherschrank mit Glastüren angebracht. Ich mußte mir lebhaft den erlauchten Jüngling denken, wie er den Beschwerden und Gefahren einer Seereise trotzt, bloß um seine Kenntnisse zu vermehren und dereinst seinem Lande dienen zu können.

Ein schöner, wohlgewachsener Matrose führte uns überall auf dem Schiffe herum, und lehnte am Ende jede Erkenntlichkeit ab. Um eine köstliche Erinnerung reicher, verließen wir das Schiff und ruderten dem Ufer zu.

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97 Im Sommer gibt man in Genua wenige oder keine Opern, sondern nur Tragödien und Komödien, erstere schlecht, letztere einem Fremden ungenießbar. Um jedoch die Königin des Meeres nicht zu verlassen, ohne das Theater Carlo felice gesehen zu haben, beschloß ich, mir dasselbe besonders öffnen zu lassen, und stieg deshalb, am Dom und dem alten Dogenpalast vorbei, die steilen Gassen hinauf zum Platze San Domenico. Eine prachtvolle Marmorkolonnade von acht, fast zu schlanken, dorischen Säulen überdacht den Eingang zum Theater, das außer Szene und Logen noch mehrere Ballsäle und ein Kaffeehaus enthält. Wir traten ein, und obgleich, von der Scala her, an gigantische Dimensionen gewöhnt, fand sich doch meine Auge nicht gleich in dem großen Raume zurecht. Logen und Antichambres sind luxuriös schön und reich verziert, besonders die des Königs; am merkwürdigsten aber war mir die Bühne selbst. Zwischen diesen Brettern also waren die Catalani und die Malibran aufgetreten, auf diesem Boden hatte das Publikum in unbändigem Entzücken ihnen Kränze und Sonette vor die Füße geworfen; und ach, wie bald darauf hat der grimme Tod die Perle des neuen Gesanges, die schöne Spanierin unerbittlich von der Bühne gerissen!

Es kann, brummte der Kustode mit altherkömmlicher Betonung, dieses Theater dreitausend Menschen fassen. Ich hatte aber genug gesehen und sehnte mich ins Freie. Durch Winkelgäßchen aller Art erreichte ich die herrliche, hochgelegene Promenade Aquasola, 98 auf der Ostseite der Stadt gelegen, und begann von hier aus einen Gang um die Festungswerke bis zum Meere. Diese Teile der Stadt liegen sehr erhöht, und mögen fast unangreifbar sein; mir waren sie hauptsächlich des unglaublich malerischen Anblicks halber willkommen. Zwischen Vignen, Gärten und Klöstern, hoch über der Gegend schwebend, zieht sich der Schanzenweg weit südöstlich; wahrhaft zauberisch glänzt gegenüber der aus lauter Palästen bestehende Flecken San Martino d'Albaro, zierlich unordentlich in einen Hügel gruppiert. Drüber hin zieht sich der Apennin und weiter rechts der Meeresstrand hin, mit einer Menge von weißen, glänzenden Ortschaften. Endlich gelangten wir auf die Ecke gegen das Meer, das man hier von schwindelnder Felsenhöhe herab »mit wollustvollem Grausen« dominiert. – So muß es dem jungen Raubvogel sein, wenn er das erstemal aus seinem Neste tief ins Tal herabblickt. Weiße Segel zogen hin und her, die Flut war tiefblau, wie ein zweiter, dunkler Himmel; die Sonne ging eben unter. Bald hatten wir den Badeplatz erreicht, zu dem man lange Treppen hinuntersteigen muß, und genossen wieder das Götter vergnügen eines Seebades. Liegt's an der größern Schwere des Meerwassers oder an einem chemischen Einfluß auf die Haut oder am bloßen Gedanken; kurz, ein Süßwasserbad ist damit nicht zu vergleichen.

Schon war es dunkel, als wir den Weg in das Innere der Stadt suchten. Da kamen wir an einer Zypressenpflanzung, zwischen weißen Mauern, vorbei; 99 zunächst am Wege stand ein großes, einfaches Marmordenkmal. Ich entzifferte mit Mühe die Inschrift; sie enthielt folgendes: Dieses Grab enthält die in der langen Belagerung (1801), und die durch Hunger und die durch die Seuche (die Cholera) Umgekommenen; ihre Seelen mögen ruhen in Frieden! – Wiederum Tod und Vergangenheit! – Der Ort heißt la Cava und liegt abenteuerlich schön. Drunten ertönt das brausende Meer in der Dämmerung; rückwärts aber, weit über Gartenwände und Rebengänge, schaut die majestätische Kuppel der Kirche Carignano, und winkt zu einem nächtlichen Besuche. Ich stieg hinan zwischen den Mauern der Vignen, und gelangte mit wenigen hundert Schritten auf den großen Platz vor der Kirche, welcher so hoch liegt, daß man über die ganze Stadt wegsieht. Welch herrliches Gebäude ist dieser Tempel! Einfach, fast ohne Verzierung, doch hinreißend schön, und seines Erbauers, des Galeazzo Alessi, vollkommen würdig, der auf Kosten der Familie Sauli das Gebäude ins Dasein rief. Auf den Stufen des Eingangs saß eine verhüllte Figur mit einem breitrandigen, schwarzen Hut; mehr zu erkennen gestattete die Dunkelheit nicht. Einen jungen Musikanten, der mit uns des Weges kam, fragte ich, ob er die verhüllte Person kenne, und ob dieselbe öfters hier zu finden sei? – O ja, alle Abende sehe ich ihn, wenn ich ins Theater gehe, es ist der alte Karmeliter; er ist seit zwanzig Jahren verrückt, sagt man. Ich forschte weiter und erfuhr, der Alte sei ein Kind der Liebe aus einer 100 der edelsten Familien Genuas, habe vor übergroßem Unglück den Verstand verloren, und warte nun jeden Abend an den Stufen vor der Kirche auf eine Dame, die hier Vesper hören komme, wie sich der arme Mensch einbilde, es habe sie aber nie ein Mensch gesehen. – Ich trat dem Karmeliter näher, er hatte die Hände über den Knien gefaltet und schien zu schlafen.

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Wie vieles wäre noch von dem herrlichen Genua zu erzählen; aber du mußt diese Stadt selber sehen, und bei deinem Glück in allen Dingen wird dir dieser Genuß über kurz oder lang zuteil werden. Am schönsten freilich wäre es, wenn ich dich durch die ganze Stadt vom Leuchtturm bis zum schlafenden Karmeliter begleiten könnte! dicut superi! – Damit du dir aber meinen Streifzug nicht allzu wolkenlos und dornenlos vorstellest, so höre ein wenig unsere Fata zur See.

Eines Abends, um fünf Uhr, gingen wir an Bord des kleinen, alten, abgelebten, schmutzigen Dampfbootes Colombo, und eine halbe Stunde später fuhren wir ab, obwohl starker Südwind blies, ein für uns nach Livorno Reisende sehr ungünstiger Kumpan. Gleich vor dem Hafen gingen die Wellen so stark, daß wir uns selbst beim Sitzen anklammern mußten, und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen baldigen Ausbruch der Seekrankheit voraussahen. Ein recht trübseliges Lebewohl war es, das wir der königlichen, 101 hoch thronenden Stadt zuriefen. Übrigens behielten wir dieselbe, des ungemein langsamen Vorrückens wegen, noch lange im Gesicht; ja, nach Sonnenuntergang glänzte weit über die Wellen hin die ungeheure Lanterna, und die kühne Kuppel der Kirche Carignano. Mir war's indessen nicht mehr sehr ums Schauen zu tun; denn kaum waren wir anderthalb Stunden auf den Wellen, als sämtliche Passagiere anfingen, jene Betrachtungen zu machen, die, wie Heine sagt, schon Vater Noah gemacht, als er des Guten zu viel genossen; und dabei war ich nicht der Letzte. Nur ein Engländer wehrte sich gegen das Übel mit aller Macht, und lachte uns, als des Meeres Ungewohnte, tüchtig aus. Ich beneidete ihn stark um die kostbare Eigenschaft, deren er sich rühmte: vor Seekrankheit sicher zu sein. Aber der Wind war wirklich zu arg, und man sprach seine Indignation über das Wetter unverholen und feierlich aus.

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Der klare, blaue Himmel bedeckte sich aufs herrlichste mit seinen Sternbildern, die mir, des weit helleren Glanzes wegen, ganz anders vorkamen, als nördlich von den Alpen. Ich betrachtete sie aufmerksam, da ich mich keiner Art von vernünftiger Unterhaltung fähig fühlte; aber in meinem dumpfen Hinaufstarren fiel mir nicht ein, die Zwillinge anzurufen, die uns vielleicht mit einem raisonnabeln Nordwest, oder doch mit Windstille hätten helfen können. Ob wir vorwärts oder rückwärts kamen, 102 merkte ich schon lange nicht mehr, immer war nur ein Rad im Wasser, das andere schwebte hoch in der Luft; und so wechselten sie stundenlang brüderlich ab, wie einst Castor und Pollux abwechselnd des Hades und des Olympus genossen.

Ei, wo ist die Dame mit ihrem Knaben hingekommen? und der Florentiner? und der Herr von Neapel? fragte ich – es ging gegen neun Uhr – den cameriere. – Ho! die sind längst in ihre Hängematten gekrochen, und machen dort ihre Rechnung mit dem Magen ab, und Sie würden bei der scharfen Nachtluft gewiß auch besser tun, die warme Kajüte zu suchen! – Hätte der Mensch nur nicht warm gesagt, denn dieses Wort regte kraft einer schnellzündenden Ideenassoziation alle Vorstellungen von Widerlichkeit in mir auf, die man nur auf ein Schiffzimmerchen zusammen häufen kann. Nein! ächzte ich, lieber hier einen Katarrh holen! – Come le piace, sagte der cameriere, und wollte gehen, da kam aber das größte Bruttoexemplar von einer Welle, die mir zu Gesicht gekommen, schmiß den armen Teufel an die Brustwehr, und übergoß mich von unten bis oben mit pikant salzigem Meerwasser. Während ich über den Unfall meine Glossen und Anmerkungen machte, erschien schon eine zweite, unveränderte Ausgabe, in Gestalt einer ebenso heftigen Woge; auch diese schlug tobend über das Verdeck und mir ward übel zum Sterben. Capitano, seufzte ich, ist das nicht mehr als eine bloße aria contraria? – Ja, fast gar, sagte der Kapitän, 103 übrigens will ich sehen, ob wir nicht irgendwo einlaufen können, es muß Portofino, denk ich, nicht mehr weit sein, und da wollen wir landen und die Nacht zubringen. – Ein sauberer Trost! besonders da man uns in Genua so viel von der malerisch felsigen Küste vorgeschwatzt hatte. Mir war aber so elend, daß es mir, dachte ich, nicht viel elender zumute sein kann, wenn das Schiff an den Felsen zu Stücken geht, und mit diesem Gedanken kroch ich über das Verdeck, um die Kajütentreppe zu suchen.

Noch saß der Engländer regungslos auf einer Bank und lehnte an das Geländer und lachte bisweilen und behauptete, ihm sei ganz wohl. Ich wünschte ihm Good night! und kletterte in die Kajüte hinunter. In völliger Apathie, ohne auf Gestöhn und Geruch zu achten, stieg ich in meine Hängematte; dieselbe lag direkt über der der Dame; ein Brett, eine Hand breit hoch, schützte vor dem Hinausstürzen nur kümmerlich; zum Lager diente eine dicke, wollene Decke, zum Kissen mein Mantelsack. Das Brausen der Wellen vernahm ich nur wie ein dumpfes Getöse; ihre Wut aber nahm ich an dem heftigen Schwanken der hängenden Kajütenlampe wahr, und aus Ermattung, Aufregung, Seekrankheit und Sturm wob sich ein abenteuerlicher Mittelzustand zwischen Traum und Wachen, unheimlich und sonderbar, wie ich in meinem Leben nichts gefühlt.

Endlich schlief ich fest ein, während eben ein guter Genius die Richtung des Windes änderte. Gegen Mitternacht erwachte ich wieder; das Schiff 104 schwankte noch abscheulich und ich desgleichen, doch erreichte ich glücklich das Verdeck. Wie war mir, als ich die Segel aufgezogen, den Kapitän eine Opernarie summend fand! Mit reißender Schnelligkeit ging's vorwärts; ein starker, kühler Nordwest blies hinter uns her und jagte uns über die Höhe von Levante, dessen Lichter wir aus weiter Ferne zu uns herüber blicken sahen. Ach Gott, dachte ich, während unser ganzes Schiff seekrank ist zum Erbarmen, und kein Mensch sich auf den Füßen erhalten kann, halten sie vielleicht dort auf einem freien Platze zwischen hellen Fackeln einen lustigen Tanz, und unter den Hallen des Wirtshauses sitzen etwa drei Musikanten, ein Klarinettist und zwei Harfenisten und spielen Tänze aus einer Donizettischen Oper! hier aber spielen Wind und Wellen auf, und wir tanzen und springen wider Willen! – Während ich so ins Meer hinaussah, bemerkte ich im Schaum, den die Räder des Schiffes verursachten, die bekannte Erscheinung, die man das Leuchten des Meeres nennt, und die im Mittelmeer besonders schön und deutlich sein soll. Ich gedachte den Engländer darüber zu befragen, aber als ich mich nach ihm erkundigte, hieß es, er liege in der andern Kajüte an der Seekrankheit hart darnieder. Das war die Strafe für seine Spötterei. Nun fragte ich den Kapitän um Ursache und Natur des Meerleuchtens. Er nannte dasselbe auf italienisch Meerfett (grasso del mare), und sagte, es sei ein Gas, womit ich mich zufrieden gab.

105 Die Sterne glänzten prächtig, und mehr als ein frommer Wunsch stieg zu ihnen auf, unter andern auch der, recht bald terra ferma unter die Füße zu kriegen. Es war kalt, und ich barg mich bald wieder in meiner Hängematte; aber jetzt, da ich meiner Umgebung mehr bewußt war, ging's nicht so leicht mit dem Einschlafen. Stöhnen von allen Seiten, ein höllischer Geruch und eignes fortdauerndes Unwohlsein ließen mich nur einen kurzen unruhigen Schlummer genießen. Ich suchte wiederum das Verdeck und kam gerade zu rechter Zeit, um einen herrlichen Sonnenaufgang zu erblicken; ferne erglänzten noch die Felsen von Spezia und Porto Venere; vor uns lagen, obwohl in ziemlicher Weite, die Berge von Lucca; wir waren höchstens fünf Stunden vom Ufer entfernt. Von da mochte ich kaum mehr in unsere Höhle hinunter, es war droben zu schön, und obwohl der Wind wieder ungünstiger wurde, vergingen mir doch die Stunden in dieser Luft sehr schnell. Die Heftigkeit der Wellen hatte ganz nachgelassen; auch sie feierten den lieblichen Sonntagmorgen.

*

Mit Andacht gedachte ich ferner Freunde, die ich jetzt für mein Leben gern hier um mich gehabt hätte, und die vielleicht, Gott weiß wo, in den Alpen herumziehen mochten. Besonders aber gedachte ich noch eines Dichters, der mich im Geiste vom Luganer See bis hierher geleitet hatte, Platens, in dessen Gedichten das verklärte Bild Italiens herrlicher als je 106 zu uns hinüber geschwebt ist in den kalten Norden. Allgemach entfalteten sich die Gebirge Toscanas; Dantes Bild trat vor meine Seele, und, den beiden unglücklichen Dichtern ein stilles Totenopfer bringend, weihte ich dem großen, oft verkannten Deutschen ein einfaches Grabgeschenk:

Mag auch dein Land verkennen deine Sendung,
Geschah's nicht den Propheten auch, den hehren?
Wer will sich gegen Landessitte wehren?
Doch hoff ich immer auf der Dinge Wendung.

Sei's Neid, der dich verkleinert, sei's Verblendung,
Ich will dich lieben stets und stets dich ehren,
Bin auch zu schwach ich, deinen Ruhm zu mehren –
Ich reiche dir die Krone der Vollendung.

Auf diesem Meer, das du so oft durchschnitten,
Im Angesicht von Dantes heil'gen Hügeln,
In diesem Land, wo du geliebt, gelitten,

Send' ich dir einen Gruß auf Windesflügeln;
Und wenn dein Schatten einsam geht am Strande,
Hör meinen Gruß! er kömmt vom Vaterlande! –

Es ging gegen zehn Uhr; die Hitze wurde nach und nach beschwerlich. In Genua hatte man uns versprochen, wir würden Morgens fünf Uhr im Hafen von Livorno einlaufen: und nun war's so spät! Ich drehte mich unmutig um und erblickte plötzlich den Hafen, die Leuchttürme und die Masten Livornos in der Entfernung einer Stunde; über der Stadt ragte 107 der schöne Monte Nero mit seinem Wallfahrtskapellchen; draußen im Meer stand das Felsenschloß Meloria, und wildromantisch entstiegen die fernen Inseln Gorgona und Capraja den blauen Fluten. Immer deutlicher unterschied ich die schöne Reihe von Schiffen auf der Rhede von Livorno; wie eine Anführerin, weit draußen, stand eine stolze spanische Fregatte; immer mehr Schiffe wurden erkennbar, und um elf Uhr liefen wir in den Haupthafen Toscanas ein.

Toscana

Pisa

Die Aufschwemmungen des Arno gegen seinen Ausfluß hin sind eine sumpfige, ungesunde Ebene, genannt die Maremma von Pisa; dieselbe läuft vom Monte Nero über Livorno bis zum Monte Pisano und setzt sich in einem schmalen Streif bis gegen Carrara und Sarzana fort, westlich überall vom Meere begrenzt. Am Rand derselben, gegen den nach ihr benannten Berg zu, liegt die Stadt Pisa, »eine Einsiedlerin unter den Städten Italiens«, entvölkert und herabgekommen, aber heilig schön und klassisch durch große Erinnerungen und herrliche Kunstdenkmale. Diese Stadt sollte man nur in der reinsten Stimmung besuchen; dann nur läßt sie jenen wunderbaren Eindruck zurück, über welchen Merg sagt: Ich werde Pisa in meinem Leben nicht wieder sehen, um nicht 108 den ersten göttlichen Eindruck bei einem zweiten Besuche vielleicht zu zernichten! – Auch ich habe bei der Abreise diesen Beschluß gefaßt, und wie viele Hunderte werden's schon vor uns getan haben und noch nach uns tun! Diese Stadt ist herrlich in ihrem Verfall, wie wenige Städte in ihrem Aufblühen.

Wir kamen an einem goldenen Abend von Livorno her durch die Maremma gefahren, in Gesellschaft eines alten Florentiners und eines korsikanischen Studenten, der nach den Ferien wieder gen Pisa auf die Universität reiste. Eine fröhliche Unterhaltung war im Gange, auf alle meine Fragen erhielt ich vollständigen Bescheid; man sah den Leuten ihre höhere Bildung an, während der Sardinier einen, in bezug auf Geschichtliches, mit allerlei kuriosen Märchen abzufertigen pflegt.

Schon war es dunkel, als wir bei einer alten Kirche einen Augenblick hielten. Ich erfuhr, dieselbe heiße San Bero in Grado, und in den älteren Zeiten sei hier der Seehafen von Pisa gewesen, während jetzt das Meeresufer wohl zwei Stunden entfernt liegt. Später hätten die Pisaner porto pisano zu ihrem Seehafen eingerichtet, aber auch dieser sei längst verschlammt, und der nächste Seehafen sei jetzt Livorno. Pisa hat sich also mutig gegen die ungünstigen Umstände gewehrt, aber seine Stunde war gekommen; es sank vor dem gewaltigen Florenz und ist jetzt bloße Vergangenheit. –

Es war völlige Nacht, als wir über die unterste Arnobrücke beim Kastell hinüberfuhren und an den 109 großen Quai, Lungarno genannt, gelangten. Ist dies das menschenleere Pisa? fragte ich meine Begleiter, als der Wagen eines, über den ganzen Lungarno sich hinziehenden Menschengedränges wegen langsam fahren mußte. Aber bald merkte ich, es fand sich nur des schönen Abends wegen eine ungewöhnliche Menschenzahl beisammen, und wenn nicht passeggio (Zeit des Spazierganges)»Ein Spaziergang ist in Italien nicht ohne ein Zusammenkommen vieler Menschen denkbar; ist der Tag und die Stunde vorüber, so hört der Ort auf, passeggio zu sein.« (Wilhelm Müller.) war, so sah der Lungarno oft so öde aus, als die Maremma, wie ich des folgenden Tages hinlänglich wahrnehmen konnte; ja während der heißen Stunden war er vollkommen menschenleer.

Es war das erstemal in meinem Leben, daß ich eine so lange und so schön gelegene Gasse am hellen Tag ganz einsam sah, und ich erinnere mich recht gut des bänglichen Gefühles, das ich dabei empfand. Kein Ton ließ sich vernehmen, als das leise Rauschen des Arno; es kam mir vor, die Stadt sei an der Pest ausgestorben. Da standen die kühn gewölbten Marmorbrücken und die hübschen Häuser und Paläste im Sonnenglanz, alles schön, wie zur Blütezeit der Stadt, aber kein Tritt, kein Hufschlag ließ sich hören. Es war glühend heiß; reich und arm lag im tiefen Mittagsschlaf, und auch ich wollte, um nicht ein Fieber zu holen, mich in einem Kaffeehause bergen. Kaum jedoch vermochte ich mir Einlaß zu verschaffen; Kellner und Bediente schliefen, und so ging's 110 einige Minuten, bis ich das Personal aus dem Schlummer aufgeschrien hatte, während welcher Zeit ich bei lebendigem Leibe zu braten glaubte.

*

Das Herrlichste, was Pisa besitzt, findet sich beisammen auf einer schönen, grünen Wiese am nordwestlichen Ende der Stadt. Da ragt der krumme Turm, neben demselben der wunderherrliche, uralte Dom; vor diesem steht die schöne, mit hoher Kuppel bedeckte Rotunde des Battisterio, und hinter diesen Juwelen der Kunst, längs der Stadtmauer, zieht sich das längliche Viereck des campo santo hin. Zu jeder Tageszeit habe ich diesen unvergleichlichen Platz besucht, und ihn immer schöner gefunden. Einsam und still ist es hier wie an andern Orten um Mitternacht; man hört den Wind durch das hohe Gras streichen; aus der Stadt herüber tönt bisweilen das Glöcklein eines Klosters. Hie und da tritt ein altes Mütterchen aus dem Portal des Domes hervor, sieht sich um und geht seiner Wege, oder ein Maler lehnt im Schatten und betrachtet die majestätische Umgebung mit Andacht, oder sucht den Eindruck auf dem Papier festzuhalten.

Wir bestiegen den schiefen Turm, ein wahrhaft elegantes Gebäude von 188 Fuß Höhe, von acht Reihen Säulen, mit Bogen übereinander, umgeben. Glocken sind wenige darin, und die hängen in dem obersten, ganz unbedeckten Stockwerk; Pisas stets 111 heiterer, milder Himmel macht ängstliche Bedachung überflüssig; eine Stadt, wo es niemals schneit, kann sich in vielen Dingen unbekümmert lassen. Die Treppen sind äußerst bequem in der Mauerdicke angebracht und beweisen durch ihre Lage, daß man anfänglich den Turm allerdings gerade bauen wollte, daß sich aber, scheint es, das Gebäude durch irgend einen Zufall senkte, als man zum dritten Stockwerke gelangt war. Die Stufen beginnen nämlich von hier an wagerecht zu laufen; untendran dagegen senken sie sich mit dem Turm zugleich. Das Ganze besteht aus gelblichweißem Marmor, nur die Bogenfüllungen des untersten Geschosses sind mosaikartig weiß und schwarz inkrustiert. (Eben stellte man dieselben mit der größten Sorgfalt wieder her.) Es ist für den Turm sehr schade, denn gewiß ist derselbe eines der schönsten Gebäude Italiens. Freilich, wäre er gerade geblieben, so würde jetzt wenig davon gesprochen, während er durch seinen Unfall erst berühmt und weltbekannt geworden ist. Ein Turm, der oben dreizehn Fuß weit über seine Grundmauern hinausragt, erregt das Staunen aller Neugierigen; ein gerader Turm aber, der in den schönsten, edelsten Verhältnissen gebaut, jedoch weder durch Höhe, noch durch überreiche Verzierungen ausgezeichnet ist, erregt bloß die Bewunderung weniger Kunstsinnigen, und so ist der größere Ruf bald auf Seite des ersteren. – Auch dies Gebäude ist von einem deutschen Meister, einem Tiroler, glaube ich, und zwar im elften Jahrhundert entworfen worden. Im Mittelalter zogen oft 112 deutsche Künstler nach Italien und führten bisweilen die bedeutendsten Bauten aus, z. B. den Dom von Mailand. Auch Maler aus Deutschland findet man in altitalienischen Kunstnachrichten häufig erwähnt. – Das Baptisterium, ein von außen und innen herrlich erfundenes und prachtvoll ausgeführtes, rundes, sehr hohes Kuppelgebäude, ist auch eine köstliche Zierde des Platzes. Jede Abbildung, jede geometrische Zeichnung gibt davon einen falschen Begriff, denn in der Wirklichkeit wird die Art von Laterne, die auf der Zeichnung so häßlich und wesentlich aussieht, von der Masse der Kuppel ganz verschlungen. Dioti Salvi, der Erbauer (um das Jahr 1153) erscheint als eines der ersten architektonischen Genies, wenn man die Leistungen seiner Vorgänger mit diesem Gebäude vergleicht. Das Innere enthält bloß zwei Kreise von antiken korinthischen Säulen aufeinander, und drüber die einfach verzierte Kuppel. Die Kanzel, auf sechs antiken Säulen ruhend und mit Basreliefs verziert, von Nicolao da Pisa angeordnet, ist eines der schönsten Überbleibsel aus dem Mittelalter. Diese Kanzelsäulchen ruhen auf dem Rücken von eben so vielen sonderbar gestalteten Tieren; etwas Symbolisches muß sich wohl dahinter verbergen. Auch das ungeheure Taufbecken, wo noch jetzt alle Kinder der Stadt und der Umgegend getauft werden, ist interessant und des Stoffes wegen – es besteht aus einem Stücke Porphyr – sehr kostbar. Die Kuppel gibt ein zwar nur einfaches, aber ganz prachtvoll anhaltendes Echo; unser Cicerone 113 sang mit hellklingender Stimme einen Akkord hinein, und der Widerhall wollte gar nicht aufhören, es schien, als schwebe der Ton von einer Seite zur andern, rolle dann längs der Mauer hin und verliere sich, immer höher und höher in die Kuppel steigend, endlich in die Gipfel derselben. Die Sache bleibt mir ein Rätsel bis auf diesen Tag. –

Nun der Dom! Er schaut mit seiner edeln, freundlichen Vorderseite, mit seinen drei ehernen Pforten, von Johann Bolognas Hand, gerade gegen die Tür des Battisterio, und verspricht schon von außen ein herrliches Inneres. Nichts ist einfacher und überschaulicher; ja manche Teile sind mit einer Art von Unschuld und Zaghaftigkeit ausgeführt, die beinahe glauben läßt, der Künstler (Buschetto, um 1063) hätte gern mehr getan, wenn er es hätte wagen dürfen; so z. B. gerade die vordere Fassade. Ich hebe den Vorhang am Hauptportal auf – wer hat ihn je aufgehoben, ohne beim ersten Anblick des Innern einen heiligen Schauer zu empfinden? – Alles ist edel, einfach und doch kostbar, wie in wenigen andern Kirchen; die 86 Säulen z. B., die das Innere der Kirche tragen, sind von den Pisanern aus ganz Griechenland herbeigefahren worden; daher sind sie auch durchaus nicht gleich dick, und in betreff der Kapitäle so verschieden als möglich, doch alle korinthisch. Vier Reihen tragen die fünf Schiffe; über den vier kleinern Schiffen laufen hübsche Emporkirchen hin, alles von weißem und schwarzem Marmor. Die Decken sind in Gold kassettiert, späte und überreiche 114 Arbeit, doch noch recht schön. Altäre finden sich, wie in allen recht alten Kirchen, fast keine; die Wände sind mit meist guten Gemälden versehen. Unter der Kuppel, gerade vor dem Hochaltar, ist der Fußboden mit einem großen, sehr reichen, leider ziemlich ausgetretenen Mosaik bedeckt; ob dasselbe antik sei, wie die Pisaner behaupten, oder nicht, wage ich nicht zu entscheiden. Besser erhalten sind die Deckenmosaiks in den runden Halbgewölben hinten im Chor und an den beiden Enden der Arme des Kreuzes. Diese mittelalterlich griechischen Arbeiten auf Goldgrund mögen für den Liebhaber hohen Wert besitzen; auch ist dem großen Christus auf dem Thron zwischen den Engeln eine grandiose Auffassung nicht abzusprechen, aber solange ich die Santa Caterina und Santa Margareta des Andrea del Sarto (beide finden sich im Chor) vor Augen hatte, war es mir unmöglich, nach jenen Antiquitäten aufzublicken. Noch herrlicher als die beiden erwähnten Gemälde schien mir eine Madonna von sieben Heiligen umgeben (im südlichen Arme des Kreuzes) von Perino del Vaga, nach andern eine Jugendarbeit Raphaels. Vorn kniet mit einem Musikinstrument in der Hand die heilige Cäcilia, eine Figur voll Demut und Andacht die mir unvergeßlich bleiben wird, und die ich mir noch jeden Augenblick aufs lebhafteste vorstellen kann. – Wir hörten im Dom eine sehr schlecht komponierte Messe schlecht absingen; es klang wie aus dem Barbier von Sevilla. Die Italiener haben ihre großen Kirchenkomponisten längst 115 zu Grabe getragen, und allen Aussagen nach liegt die italische Kirchenmusik ganz darnieder.

Durch eine finstere Tür verließen wir den Dom; dieselbe ist ebenfalls von Erz, aber weit älter als die vorderen, ja wahrscheinlich älter, als der Dom selbst. Die biblischen Geschichten, die sie enthält, sind sehr roh und ungeschickt gearbeitet; doch ist der Guß schön und wohl geraten. Nach einer Sage soll sich die Tür ehemals an der Kirche des heiligen Grabes in Jerusalem befunden haben und durch die Kreuzfahrer nach Pisa gebracht worden sein, was aber der lateinischen Inschrift wegen nicht wohl glaublich ist.

Wiederum standen wir auf der grünen Wiese; die Sonne schien schon sehr heiß, und wir eilten, uns in der schönsten Halle der Welt, dem campo santo, vor ihren Strahlen zu schützen. Die äußere Mauer dieses Gebäudes ist sehr einfach mit Bogenstellungen ornamentiert und läßt nicht auf die Herrlichkeit des Innern schließen. Wir traten ein, und wie ein Blitz traf uns die einfache Majestät des Gebäudes.

*

Es ist ein hoher, wunderschöner, gotischer Kreuzgang, dessen längere Seiten 450, die kürzern 150 Fuß Länge haben; das Ganze ist von weißem Marmor, an allen Wänden Fresken von höchstem Wert, überall Sarkophage (über 70 an der Zahl), Urnen und andere antike und neue, meist unschätzbare Marmordenkmäler. In der Mitte ist ein Feld von Blumen, in 116 dessen vier Ecken hohe Zypressen ragen; von der Seite blickt der schiefe Turm, der Dom und das Baptisterium herein; die Sonne scheint hell und blendend in die Gänge und auf das Feld; kein Laut ist zu hören, als das Rauschen der Zypressen. Du wandelst auf heiligem Boden, der ganze Platz ist mit Erde aus Palästina bedeckt, welche die Pisaner auf 400 kleinen Fahrzeugen übers Meer gebracht haben sollen. In Pisa klingt alles nach einer großen Vergangenheit, von der Gründung der Stadt durch eine Kolonie aus dem Peloponnes bis auf die Kreuzzüge und die kühnen Kriege mit Genua und Florenz.

Die Fresken von Benozzo Gozzoli, längs der nördlichen Wand, sind ganz unschätzbar, lauter ungeheure, einfach angelegte und dennoch reiche, höchst wohltuende Kompositionen, biblische Geschichten vorstellend; die Köpfe mögen großenteils Porträts von Zeitgenossen sein. Das Jüngste Gericht in drei Bildern, von Andreas Orcagna, ein fürchterlich poetisches, wahrhaft danteskes Ganze, ist zu bekannt, als daß es einer Beschreibung bedürfte. Von Giottos Geschichte des Hiob ist leider fast gar nichts mehr übrig, wie denn alle Fresken sehr gelitten haben. Von den antiken Sarkophagen kann ich dir nur das sagen: es fiel mir schwer aufs Herz, wie viel mehr Takt die Alten bei Anlage ihrer Grabdenkmale entfalten als unsere Künstler. Sie stellten auf den Sarkophagen sich selber vor mit Weib und Kind, oder irgendeine aufs Fatum bezügliche Szene aus ihrer reichen Mythologie, (z. B. die Jagd des 117 Meleager, auf dem antiken, wahrscheinlich griechischen Sarkophag, in welchem jetzt die Markgräfin Beatrix ruht). Wir machen Fackeln und Schmetterlinge und Vasen und Architektur, alles ungereimt für uns. Die Pisaner im Mittelalter nun ließen sich weniger auf eigene Schöpfungen im Fache der Grabmäler ein; sie holten lieber aus Italien und Griechenland Sarkophage zusammen, und wenn ein Nobile starb, hieben sie eine treuherzige gotische Inschrift in den antiken Stein und legten die Leiche in das klassische Bette. Daneben enthält der campo santo ein ganzes Museum von frühmittelalterlichen Skulpturen, von antiken Inschriften und Büsten ohne Ende, kurz, Materialien zu einer ganzen Kunstgeschichte, die sich überhaupt in diesen schönen, kühlen Hallen trefflich vortragen ließe. Unter den gotischen Bogen schauen still von ihren Postamenten herab die Büsten des Cäsar, des Hadrian, des Junius Brutus; ihr Schatten fällt auf die ehrwürdigen Fresken des vierzehnten Jahrhunderts, und über dem schattigen Gang wölbt sich Pisas reiner blauer Himmel.

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Pisa enthält auch außer dem Dom und der Taufrotunde noch einen Schatz von schönen alten Kirchen. Am südlichen Kai des Arno ragt ganz frei über dem Fluß das unter dem Namen la spina bekannte zierliche Marmorkapellchen, dessen reiche gotische Skulpturen stark an Peter Vischers zwölf Apostel erinnern, welchen sie jedoch an Alter weit 118 vorangehen. Das kleine Gebäude nimmt sich ganz bräutlich aus zwischen den südlich schönen mit Loggien und Balkons versehenen Palästen des, wie alle Straßen Pisas, mit Quadern gepflasterten Lungarno.

Die Kirchen San Paolo, Santa Caterina, San Michele usw. haben Fassaden, ähnlich der des Domes, nur im Kleinen, d. h. mehrere Säulenstellungen mit Bogen, sich verjüngend übereinander, und deshalb hat man mit Recht einen pisanischen Baustil kreiert. San Francesco ist ein schönes stilles Kloster mit großen schattigen Gärten und einer einfach imposanten Kirche aus dem dreizehnten Jahrhundert.

Im nördlichen Teile der Stadt findet sich ein Platz mit einer Kirche; man glaubt, wie auf allen Plätzen Pisas, in einem abgelegenen Stadtquartier zu sein, obgleich man sich recht im Zentrum Pisas befindet; über eine niedrige Mauer ragt ein hoher Feigenbaum; er steht an der Stelle des abgebrochenen Hungerturms des Ugolino. Wer kennt nicht Dantes furchtbare, großartige Schilderung vom Hungertode des Grafen Ugolino und seiner Söhne? – Als einen Vaterlandsverräter versetzt Dante den Ugolino in die Hölle, aber er gibt ihm auch seinen Mörder, den Erzbischof Ruggieri bei, und der ewig-hungrige Ugolino sättigt sich an dem Gehirn desselben. Dante aber ruft im Entsetzen über den Mord jenen schrecklichen Fluch über Pisa aus, der bis auf diesen Tag über der Stadt zu lagern scheint, wenn er auch nicht buchstäblich in Erfüllung ging: 119

Ahi, Pisa, vituperio delle genti
Del bei paese là dove 'l sì suona,
Pocchè i vicini a te punir son lenti,
    Muovasi la Capraja e la Gorgona,
E faccian siepe ad Arno in sulla foce,
Sicch' egli annieghi in te ogni persona.
            (Hölle, Gesang XXXIII. Vers 79.)

D. h.: Ach, Pisa, Schmach der Nationen, und des schönen Landes, wo das Sì (ja) so lieblich klingt (d. i. Toskana), weil denn die Nachbarn mit deiner Bestrafung zögern, so mögen herbeischwimmen Capraja und Gorgona, als ein Damm vor die Mündung des Arno, daß er alle deine Bewohner ersäufen möge!

Es war mir schmerzlich, an die Abreise von Pisa zu denken, denn tiefer als alles bisher Gesehene hatte sich das Bild dieser Stadt in meine Seele geprägt; ich beschloß, noch spät einen Gang durch die schöne Stadt zu machen, und all die Wunderwerke noch einmal in sternenheller Nacht zu betrachten. – Ich ging den Lungarno hinauf und bog dann gegen den Platz von Santa Caterina, in dessen Mitte das hohe Marmorbild Kaisers Leopold II. steht, welcher als Großherzog von Toskana das herabgekommene Pisa auf alle Weise wieder zu heben versucht hatte. Die Pisaner haben ihm erst vor fünf Jahren aus Dank dieses Denkmal gesetzt und dasselbe mit einer der schönsten Inschriften versehen: 120

Dem Großherzog Peter Leopold dem Ersten
vierzig Jahre
nach seinem Tod. MDCCCXXXIII.

Und mehr bedarf's nicht. Ein Fürst, dessen man vierzig Jahre nach seinem Tode aus freier Dankbarkeit noch so gedenkt, muß wohl Großes geleistet haben. Da stand er auf dem weißen Piedestal vor mir, großartig gewendet, mit fürstlicher Gebärde; und gerührt betrachtete ich sein herrliches Antlitz, das der schönste Mondschein erhellte. – Von dem Platze aus lief ich auf das Geratewohl zwischen Gartenmauern und verfallenen Gebäuden durch, in der Richtung des Domplatzes, und fand mich endlich an der Mauer des erzbischöflichen Palastes! Hier konnte ich nicht mehr fern sein; ich ging weiter und fand mich auf der Wiese vor dem Dom. – Es war ein schmerzlicher Abschied, den mich dieser heilige Ort empfinden ließ, und doch mischte sich etwas Freudiges darein; ich war um das Bild einer mir neuen, üppig schönen Kunstwelt reicher geworden. Vergangenes Glück und Unglück schwebte an meiner Seele vorbei, während ich an der Vordertür des Domes lehnend die laue Nachtluft einatmete; ich fühlte, daß an diese Stadt ein ewiges Heimweh mich fesseln werde, und doch! stände ich in diesem Augenblick am Tore der Stadt, ich würde zögern, hineinzutreten.

*

121 Es war morgens um drei Uhr, als wir vom Vetturin aufgeweckt wurden; bald saßen wir in dem Fuhrwerk und machten nun eine Tour durch die halbe Stadt, um die Mitfahrenden aufzunehmen. So gerieten wir auf einen kleinen Platz vor einer Kirche, die mit einem gegenüberstehenden Gebäude eine ziemlich enge Gasse bildete, durch welche wir passieren sollten. Die Pferde nehmen aber die Schwenkung zu kurz, und das Vorderrad fährt an den Prallstein. Der Vetturin treibt sie durch Anziehen der Stricke rückwärts, aber nicht genugsam, und die Durchfahrt mißlingt zum zweitenmal. Wütend reißt er die Tiere wieder zurück und peitscht dann unbarmherzig auf sie los. Aber zum drittenmal fährt das Rad an den Prallstein, die Pferde bäumten sich, und wir glaubten, die Vorderachse müsse in Stücke gegangen sein. Der Vetturin aber sprang brüllend und schäumend vor Wut vom Wagen herab und mißhandelte die Pferde fürchterlich mit Schlägen und Fußtritten; nicht ohne große Mühe ließen sie sich nochmals zurück treiben. Er sitzt wiederum auf und peitscht auf sie los, und zum viertenmal prallt das Rad mit bedeutendem Getöse an den Stein. Da war der Vetturin seiner selbst nicht mehr bewußt, er stieß tobende, unverständliche Töne aus und regalierte die Köpfe der armen Tiere mit einem Hagel von Faustschlägen, während die ganze Bevölkerung des Wagens flehentlich bat, er möge um Gottes willen die Tiere nicht wild machen, sonst sei alles verloren. Endlich gelang beim fünften Versuche die 122 Durchfahrt; ich aber hatte eine Erfahrung mehr: ich hatte einen Italiener im Grimme gesehen, und denke noch jetzt mit Schaudern daran.

Wir fuhren über die mittlere Arnobrücke und dann dunkle Gassen aus und ein, endlich zum Tor hinaus. Etwa zwanzig Minuten vor der Stadt zwischen Akazien und Ulmen bemerkte ich einige Häuser neben der Straße, die niedlich mit Rebengeländern umzogen waren, und unweit davon einen Scheideweg. Eben wollte ich einen mit uns reisenden Priester fragen, wohin der Weg rechts führe, als derselbe sich an das Wagenfenster lehnte, und in die Morgendämmerung hinausstarrend, leise zu mir begann: Sehen Sie hier den Meilenstein? bei diesen ist vorgestern Nachts gegen zwölf Uhr dieselbe Kutsche, in der wir fahren, von Räubern angefallen und rein ausgeplündert worden; den Vetturin haben sie zu Boden geschmissen und mit Kolbenschlägen traktiert, daß er meinte, den Geist aufzugeben; jetzt fährt uns sein Bruder; und es ist noch ziemlich finster. Bei diesen Worten kreuzte er sich und fuhr nach einigen Augenblicken fort: das sind nur die verdammten Bauern aus diesem Neste da, genannt Riglione, die wohl samt und sonders unter spezieller polizeilicher Aufsicht stehen; aber was hilft's? es liegt in ihrem Blute, des Nachts den Kutschen nachzugehen! – und damit drückte er sich in seine Ecke und zog seinen Mantel eng um sich. – Wie wäre es, wenn, uns diese Herren einen Besuch abstatteten? dachte ich, und versetzte mich im Geiste sehr lebhaft in die 123 Lage eines Angefallenen. Bald aber ging die Sonne auf und die Besorgnis unter; dies paradiesische Arnotal empfing uns mit seinen reichen, bis an den Gipfel bebauten Hügeln; seinen malerisch an Felsen gruppierten Städtchen, seinen Pinienhainen und Felsgruppen.

Der Vetturin hatte uns verheißen, wir würden vor Mittag noch in Florenz sein (dasselbe liegt siebzehn Stunden von Pisa), und er schien Wort halten zu wollen, denn mit rasender Schnelligkeit ging es durch das prächtige Land, von dem ich somit wohl wenig zu sehen bekommen hätte, wäre ich nicht bald nach Sonnenaufgang ins offene Kabriolett gestiegen. Wer, der diesen Weg gemacht, vergißt die Lage von San Miniato und Empoli oder das auf schroffem Fels thronende Monte Lupo. Ich schloß bisweilen die Augen und öffnete sie plötzlich wieder, ein Spiel, das mir bei der ewig abwechselnden Gegend stets neue Überraschung gewährte, und bei dem ich immer gewann, weil die Landschaft immer schöner wurde, und so kam es einmal, daß ich die Augen geschlossen behielt und einschlief; der frühe Aufbruch und die beständige Aufmerksamkeit auf die Gegend hatten mich ermüdet. Auf einmal hielt der Wagen still, ich fuhr auf und fand uns vor einem gigantischen Gebäude, an welchem eine Lilie angebracht war, und als ich mich erkundigte,

war's ein Tor der Stadt Florenz. (Uhland)

Aus dem Empfangszettel für die Pässe erfuhr ich, es sei die Porta San Frediano; eben spielten die 124 Glocken des nahen Karmeliterklosters einen Kanon, wie man es in den Städten Italiens oft zu hören bekommt; die Sonne schien blendend und warm durch die weite Gasse; es war halb zwölf Uhr.

 
Florenz

Man kann im Norden den Namen Florenz nicht aussprechen, ohne an hohe Paläste im Mondschein, Gärten, Terrassen, kühle Kirchen, Pinien und tiefviolette Bergschluchten zu denken; hier beginnt das Land der Träume, hier spielen die Novellen des Boccaccio. Und diesen romantischen Duft hat die Arnostadt noch keineswegs eingebüßt, noch behält sie ihre, dem Ideal einer Stadt sich nähernde Schönheit, und sie wird sie, so Gott will, noch lange behalten zum Entzücken des nordischen Wanderers und zum tief-innigen Behagen ihrer Bewohner. Die Stadt bildet ein kompaktes Ganze von tausend Dingen, von denen jedes einzelne die Zierde einer Stadt sein könnte. Dazu kommt noch die einzige Lage im Apennin; das milde Klima und die ungemeine Wohlfeilheit, und so wird die Stadt der behaglichste und angenehmste Aufenthalt, den man sich denken kann. Hier kann man anständig faulenzen und daneben doch Fortschritte machen; denn wer sorgt besser für seinen Geist, der, welcher tagelang am Schreibtische sitzt und Exzerpten macht, oder der, welcher in lebendigem Umgang mit einem so hoch begabten, in manchen Beziehungen einzig dastehenden Volke, 125 mit täglichem Besuch der größten Kunstwerke alter und neuer Zeiten und mit durchaus unmittelbaren Studien seine Zeit in einer herrlichen Stadt hinbringt? Der erstere verhält sich zum letzteren wie der Zeichner nach Vorschrift zum Zeichner nach der Natur. Übrigens wird auch der letztere oft schwere Mühe haben, trotz alles anscheinenden Müßiggangs, wenn er sich von all den Herrlichkeiten genaue Rechenschaft geben will, und das muß er doch, wenn ihm davon etwas mehr, als bloße konfuse Bilder, bleiben soll. Eine sogenannte Pläsierreise nach Italien ist für einen wahrhaft Gebildeten ein reines Unding und eine Unmöglichkeit. –

Was war das für ein sonderbarer erster Nachmittag, den wir in Florenz zubrachten! Heißhungrig suchten wir von der »Künstlerkneipe« San Luigi aus den Domplatz, durchliefen den Dom, das Baptisterium, rannten dann auf den Signorenplatz, dann längs des Arno abwärts zur Brücke der Dreifaltigkeit, von da zu San Spirito, und gerieten dann plötzlich vor einen ungeheuren Palast, daß wir gar nicht wußten, wie uns geschehen; es war der Palast Pitti. Neugierig wie Kinder liefen wir in den Hof und von da aufwärts in den Garten Boboli, beim Obelisken vorbei, von Terrasse zu Terrasse, von Höhe zu Höhe, bis wir am Piedestal der großen freundlichen Pomona von Marmor stillstanden, uns umsahen, und das göttliche Florenz zu unsern Füßen erblickten, mit seiner ungeheuern Domkuppel, seinen hochragenden Türmen und Palästen, seinen Gärten, Hainen und Brücken, 126 und ringsum den blauen, schroffen Apennin mit seinen hochliegenden Felsennestern von Pistoja bis Fiesole, alles schön und still, wie der süßeste Traum eines Kindes; ich hielt es beinahe für optische Täuschung, aber diesmal war eines meiner Ideale wahrgeworden, und doch war alles unendlich schöner, als ich es vorher zu denken imstande gewesen war. Tausende haben über diese Stadt geschrieben, und sie in mehr als einer Beziehung selbst über Rom erhoben, eine schwer zu führende Parallele, bei der man sich leicht versündigen kann. Ich will nur wenige flüchtige Eindrücke in diesen Blättern festzuhalten trachten.

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Wir waren zwei Tage lang in Florenz herumgelaufen, von Kirche zu Kirche, von Palast zu Palast, hatten aber die Kirche Santa Croce zufälligerweise noch nicht besucht. Am dritten Nachmittag – es stand eben ein heftiges Gewitter am Himmel – führte uns der Weg über die oberste Brücke in ein Quartier, das wir noch nie gesehen hatten, als plötzlich ein Wolkenbruch die Gassen in Bäche verwandelte, und uns zwang, irgendeinen Zufluchtsort zu suchen. Zwar ließ uns der strömende Regen kaum fünfzig Schritte weit sehen; doch erblickten wir endlich die Fassade einer großen, wie es schien, noch unvollendeten Kirche, in der wir uns zu bergen eilten. Ich hob den Vorhang auf, das Gebäude schien in der Dunkelheit des Gewitters ungeheuer groß; majestätische schlanke 127 Säulen trugen weitgeschweifte Bogen, und über diesen das hohe Dach; ferne im Chor ertönte der Gesang eines Mönchschores. Wir befanden uns in der Kirche des heiligen Kreuzes, einem wahrhaft gigantischen, höchst einfachen Gebäudes, würdig seines großen Erbauers, des Arnolfo di Lapo (sein Vater war ein Deutscher), und der unsterblichen Männer, die in demselben ruhen.

Es war eine Art von heiligem Schrecken, den ich während der Betrachtung dieses Gotteshauses empfand, wenn die Blitze die herrlichen Glasgemälde auf Augenblicke erhellten, wenn ich, die Fresken des Giotto im Chor betrachtend, beim Donnern die Scheiben klirren hörte und dabei bedachte, welche Männer die Schwelle dieser Kirche tot oder lebend überschritten haben. Hier schritt Arnolfo zwischen seinen Arbeitern auf und nieder, hier schwebte auf hohem Gerüst der Hirt von Vespignano, der hehre Giotto, hier stand einst Dante und sah den Künstlern zu, die das neue Prachtgebäude mit ihren Arbeiten schmückten. Und nun vollends die Gräber! vorn links vom Eingang ruht der lebensmüde Galilei; obendran ragt das herrliche Monument des Dichters Carlo Mazuppini, und gegenüber das ebenso schöne des Lionardo Aretino. Dann folgt Alfieris einfach schönes Grabmal, und darauf das große Marmorcenotaphium, das die Florentiner vor wenig Jahren dem einst aus ihrer Stadt vertriebenen Dante gesetzt haben; ein Mönch sagte mir, man werde die Asche des Dichters von Seiner Heiligkeit 128 reklamieren, um den gesteinigten Propheten zu ehren wie es einst die Juden zu tun pflegten. – Aber immer begieriger ward ich nach dem berühmten Denkmal des Michel Angelo; da bemerkte ich eine große Draperie, unter welcher ein Marmorpiedestal hervorschaute. Dies mußte das gesuchte sein, ich ging drauf zu, hob das Tuch etwas auf und erschrak als ich die Inschrift las: Nicolao Machiavellio etc. Endlich fand ich auch das Grab des Künstlerfürsten Michael Angelus Buonarotti, oben in einer Nische steht die Büste, das durchgearbeitete Gesicht eines großen Mannes, der sich es sauer werden ließ; auf dem Sarkophag aber trauern Malerei, Skulptur und Baukunst; – in allen dreien beginnt mit Michel Angelo eine neue Ära.

Der Regen dauerte fort, und das Gewitter ward noch stärker. Düster ward es, und um so heller schienen, wenn es blitzte, die weißmarmornen Gräber zu leuchten; das Tosen des Donners wallte majestätisch durch die hohen Schiffe der Kirche; ich aber schritt von Gemälde zu Gemälde, von Grab zu Grab, und hielt im Geiste manche andächtige Totenmesse.

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Endlich ging ich durch die Seitentür in den Kreuzgang, dessen vier Seiten schöne Blumenbeete einfassen; die Blumen erholten sich zusehends in dem niederstürzenden Regen von der glühenden Julihitze; sie erinnerten mich an die hier ruhenden Toten, die auch Kühlung gesucht hatten von der Glut und den 129 Leidenschaften ihres Lebens, und ich begann die Grabsteine zu lesen. Auffallend war mir die Begeisterung, mit welcher die Grabschriften junger Mädchen abgefaßt sind; man sollte glauben, sie seien von liebenden Jünglingen im ersten Schmerz entworfen worden. Wie ruhig und still war der ganze Kreuzgang! das Plätschern des Regens schien den Schlaf der Toten noch ruhiger und fester zu machen. Und welch' schöne Gräber sieht man nicht hier! Gerade beim Eingang in die Kirche befindet sich, etwas in der Höhe, das eines Erzbischofs von Florenz; ein Sarkophag, mit der darauf liegenden Statue des Verstorbenen, einfach und unbeschreiblich schön. Gerade daneben steht die berühmte Kapelle der Pazzi, eines der edelsten Werke Brunelleschis; – nur wenige Säulen, darüber ein Aufsatz, eine kleine Kuppel, eine Rotunde bedeckend – das ist die Kapelle, aber welche hohe Schönheit atmen alle Verhältnisse! wie reich und üppig sind die Porzellanverzierungen des kleinen Portikus und der Kuppel! Um dieses kleine Gebäude ganz zu würdigen, müßte man von ihm und seinen Umgebungen ein getreues Ölgemälde besitzen; gewöhnliche Abbildungen, so genau sie sein mögen, geben gar keinen Begriff davon. – Nach und nach hörte das Gewitter auf, die Regenwolken gingen voneinander, und ein schöner tiefblauer Abendhimmel lächelte auf die Gräber nieder. Nochmals trat ich in die Kirche; die untergehende Sonne schien glühend durch die gemalten Scheiben, und färbte die weißen Denkmale mit 130 buntem Feuer. – Hinaus auf die Hügel! rief ich meinem Gefährten zu; wir schritten aus der Kirche über den Platz und über die oberste Arnobrücke gegen die Porta San Miniato und von da den jähen Felsensteig hinan, der gegen das Kloster al Monte führt. Die Landschaft hatte sich auf das Gewitter hin in ein blendendes Grün gekleidet, das nur die dunkeln Zypressen und die blaßgrünen Ölbäume hie und da unterbrachen.

Es war der herrlichste Abend; der Apennin mit seinen tiefblauen Schluchten, seinen hoch an Felsen klebenden Städtchen und Villen, war von der sinkenden Sonne mit Gold besäumt; tief zu unsern Füßen aber lag das schöne Florenz, dessen Ausdehnung von hier aus fast ganz zu überschauen ist; hier allein sieht man den ungeheuern Dom mit seiner gewaltigen Kuppel ganz, und schon deshalb wäre es der Mühe wert, die steile Höhe zu ersteigen. Aber es ist dies auch der schönste Punkt in der näheren Umgebung, und ich würde denselben auch dem nahen San Miniato vorziehen. Weit über die Häusermasse hinaus ragt der riesige alte Palast auf dem Signorenplatz (jetzt Piazza del Granduca), der herrliche Palast Strozzi, eine der einfach schönsten Schöpfungen des Mittelalters, der Glockenturm Giottos neben dem Dom, die Kuppel von San Lorenzo, unter welcher die Fürsten des Hauses Medicis in porphyrnen Särgen schlafen, und mehr in der Nähe die gigantischen Mauern von Santa Croce, neben welchen fünf hohe Zypressen aufsteigen. Auf die efeubewachsene 131 Mauer vor dem Kloster gelehnt, wartete ich den Sonnenuntergang ab; ich werde denselben nie vergessen; das Andenken daran soll mich beständig begleiten.

Wer kennt nicht, wenigstens vom Hörensagen, die Galerien von Florenz. Es sind deren zwei hochberühmte, die im Palast Pitti, und die im Palast degli Uffizij (Palast der Bureaux); ersterer enthält bloß Gemälde, letzterer Gemälde, Statuen und Gemmen. Übrigens haben mit diesen zwei großen Sammlungen die Kunstwerke von Florenz noch kein Ende; auf öffentlichen Plätzen und in Kirchen finden sich noch tausend schöne Sachen, und wenn man vollends die Gebäude mitbetrachtet, so ist die ganze Stadt nur eine große Kunstsammlung. So enthält z. B. der Signorenplatz allein mehr und vorzüglichere Kunstwerke, als manche nördliche Stadt von 40 000 Einwohnern. In der Mitte, hoch auf einer Fontäne, steht Ammanatis gewaltiger Neptun mit Muscheln in den Händen, aus welchen in zahllosen Strahlen und Strählchen Wasser spritzt; rings um den freundlichen, behaglichen Meergott herum sitzen und liegen die bronzenen Sirenen des Johann von Bologna; unweit davon, von hohem Piedestal herab, schaut gebieterisch die eherne Reiterstatue Cosmus des Ersten, von demselben Künstler; gegenüber der kleine, äußerst elegante Palast Ugoccioni, von Palladio; weiterhin die Post, ein uraltes Gebäude; und tief in den Platz hinein tritt »der nachtgeschwärzte Riese«, der alte Signorenpalast, ein großes Schloß mit hohen 132 Zinnen und weitschauendem Turm, »ein ganzes Mittelalter«, wie sich ein neuerer Reisebeschreiber ausdrückt. Gegenüber erhebt sich eine luftige, offene Halle, von drei Bogen, die Loggia dei Lanzi, von den Mediceern zum Behuf von Volksversammlungen erbaut und mit köstlicher Bildhauerarbeit geschmückt. Gleich an der Treppe stehen zwei Marmorlöwen, kühn und trotzig hingepflanzt; in dem Bogen rechts befindet sich die Gruppe des Sabinerinnenraubes, links der eherne Perseus des Benvenuto Cellini, vielleicht die schönste belebteste Jünglingsstatue neuerer Zeit, und an Wert den vorzüglichsten antiken gleichzuachten. Mit der Rechten schwingt er das Schwert; in der noch aufgehobenen Linken hält er das Medusenhaupt, der linke Fuß steht etwas zurückgebogen, wie noch im Schritte begriffen; alles ist Feuer und Bewegung, alles ist heldenmäßig und doch nichts übertrieben. Er steht nicht; die goldenen Sandalen die ihm die Nymphen gegeben, tragen ihn schwebend über Land und Meer; so sah er aus, als er dem trotzigen Atlas das Medusenhaupt entgegenhielt, und ihn damit in einen Felsen verwandelte. Ja, noch hat dieses Haupt seine versteinernde Kraft nicht verloren, denn wie angebannt stehen zu allen Stunden des Tages Fremde und Einheimische regungslos vor dem Bilde und können sich nicht davon trennen. An der Hinterwand der Loggia stehen sechs antike Statuen von Göttinnen, schön und festlich; allein das Schönste befindet sich derselben gegenüber; es sind die beiden großen Marmorstatuen am Eingang des 133 alten Palastes: Michel Angelos David und Bandinellis Herkules und Kakus. – Der David wird auch bisweilen anders benannt; jedenfalls ist die üppige Gestalt des etwa sechszehnjährigen Jünglings wunderschön und gibt Anlaß zu interessanten Vergleichungen mit dem Perseus.

Hier, auf einer Seite an die Loggia, auf der andern an den alten Palast angelehnt, beginnen die in Form einer griechischen Π/g gebauten Uffizj; der Signorenplatz setzt sich zwischen den zwei langen Fassaden als »Hof der Uffizj« fort, und da die schmale Hinterseite unten aus offenen Arkaden besteht, endigt er erst mit seiner Mündung gegen den Lungarno. Zwischen diesen Arkaden durch erblickt man vom Hof aus ein niedliches Landschaftsbild, die jenseits des Arno liegenden Stadtteile, über welchen ein mit Villen besetzter, starkbewachsener steiler Hügel hinaufragt. – Das Gebäude selbst besteht unten aus hochgewölbten Kaufhallen, im ersten Stock aus einer Reihe von Bureaux, im zweiten Stock (einem sogenannten Entresol) aus Archiven, im dritten aus einer ungeheuer langen, sich um das Ganze herumziehenden Laube mit Glasfenstern. Dies ist die Galerie der Statuen und Gemälde.

Hundertundzwanzig Stufen hinauf muß derjenige pilgern, der seine Andacht vor der Mater dolorosa des Altertums, der weinenden Niobe, verrichten will. Wie gern würde mancher Künstler, der fern im Norden von der Erinnerung an diesen Ort zehren mag, die Treppen auf den Knien hinanrutschen, wenn es 134 ihm in diesem Augenblicke möglich wäre! aber Harz und Jura und Alpen trennen ihn von den Hallen der Uffizj und ihm bleiben nichts als die Tränen des Heimwehs. Tröste dich! vielleicht, vielleicht begegnet dein im Sterben brechender Blick durch ein offenes Bogenfenster der Sonne Italiens!

Wie ward mir armen Nordländer, als ich das erste Mal in diese Säle und Gänge trat! Da hilft es nichts, ein robuster Bursche zu sein, auch du würdest dich anfangs verwirrt und gedemütigt fühlen, und immer von neuem kehrt der Vers wieder:

Und Marmorbilder steh'n und schau'n dich an –
Was hat man dir, du armes Kind, getan?

Hier haben sich Canova und Thorwaldsen als Schüler bekannt; hier ist, die Hände auf dem Rücken, Napoleon stundenlang auf- und niedergeschritten; hier ist seit langen Zeiten eine hohe Schule für alle Künstler gewesen und wird es hoffentlich bleiben. Hier will die mediceische Venus thronen in Ewigkeit. –

Das Verzeichnis der Kunstwerke dieser Galerie findet man überall, und einen Katalog auch nur der hauptsächlichsten zu geben, würde wenig interessieren. Jedermann kennt, wenigstens aus Abbildungen, den Alexanderkopf, den Torso des Faun, die Gruppe des Bacchus und Ampelos, die Niobiden, die Vase Medici, die berühmte Sammlung von Malerporträts, wovon jedes von der Hand dessen ist, den es vorstellt usw. Nur von einem Gemach muß ich 135 besonders reden, es ist die Tribuna, ein achteckiges, mit einer reich verzierten Kuppel bedecktes, rot ausgeschlagenes Zimmer, welches die allerkostbarsten Werke enthält. Hier stehen auf fünf bronzenen Postamenten die Venus von Medicis, der Schleifer, die beiden Ringer, der Apollino und der tanzende Faun. Ringsum an den Wänden befinden sich Raphaels Madonna vom Hänfling, sein Johannes in der Wüste, seine Madonna del Pozzo, seine Geliebte, die Fornarina, seine Porträts Papst Julius' II. und der Maddalena Doni, ferner Guercins Sibylla Samia, die Herodias von Lucini, die zwei großen Venusbilder des Tizian und manches andere vom höchsten Werte.

Um Mitternacht, wenn die Kustoden längst zu Bette gegangen sind, in der Zeit des hellsten Vollmondes, wenn derselbe schön blendend durch die hohen Fenster auf die Venus scheint, erhält dieselbe nach und nach lebendige Farben und einen lebendigen, süß schmachtenden Blick (einst nannten es die Griechen: das Feuchte); sie entschwebt dem Piedestal und berührt sanft die beiden Ringer. Sie beleben sich, stehen auf, umarmen sich, und folgen der Liebesgöttin, die nun auch den Schleifer berührt, daß er aufspringt, sein Messer wegwirft, sich säubert und den Dreien nachgeht zum tanzenden Faun, dessen Klingplatten seit so manchen Jahrhunderten keinen Klang von sich gegeben haben. Venus aber zieht eine goldene Nadel aus ihrem Wunderhaar und berührt damit die Klingplatten; daraus entsteht ein Ton, den 136 man drunten auf dem Signorenplatz hören könnte; der Faun springt vom Piedestal herunter, in der Absicht, der Venus um den Hals zu fallen; sie aber warnt mit hochgehobenem Finger, und er versteckt sich schüchtern hinter Ringer und Schleifer. Die Göttin aber schreitet zum Apollino hin und lispelt süß und leise: Apollon! Er wird lebendig und reibt sich lange die Augen und weiß nicht, wie ihm geschieht; sie aber küßt ihn auf die Stirn, und nun erst richtet er sich auf in seiner Herrlichkeit und folgt der Venus, die nun anfängt, sämtliche Kunstwerke zu erläutern. – Schade, daß noch niemand den Kommentar der Göttin nachgeschrieben! – Besonders hält sie sich auf bei ihren beiden Porträts von Tizian; ja, um die Vergleichung mit ihr selbst, als dem Original, zu erleichtern, stellt sie sich auf ihr Piedestal und setzt von diesem Katheder aus ihre Vorlesung fort. Nun können sich aber die beiden Ringer an ihr gar nicht satt schauen, und das sieht jeder dem andern gar wohl an; es entsteht eine unbedeutende Eifersucht, die indeß nach und nach bedeutend wird und in eine höchst unanständige Balgerei ausläuft.

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Apollino will nichts mit der Sache zu tun haben und flüchtet sich auf sein Piedestal; der Faun will sich zu Tode lachen, und nimmt, um den Spektakel möglichst zu steigern, seine Klingplatten wieder zur Hand; es gibt einen Lärm, daß das Haus gellt. Der 137 Schleifer nimmt die Partei des schwächern Ringers und wetzt nur noch sein Messer ein wenig, um dann kräftig einzuschreiten. Da schlägt's auf dem Turm des alten Palastes ein Uhr, und alle sind plötzlich wieder Marmorstatuen, wie zuvor. Der Kustode kommt endlich eine Viertelstunde später in Pantoffeln gelaufen, um nachzusehen, ob etwa Diebe den Höllenlärm verursacht, aber er findet alles an seinem Platz, die Venus in hohem Unmut abgewandt, die Ringer eng verschlungen auf Tod und Leben, den Schleifer aufmerksam auf sie hinblickend und sein Messer wetzend, den Faun in lustiger Tanzbewegung und den Apollino an seinem Baumstamm gelehnt und neugierig zuschauend. Gerade immer wenn's Vollmond ist, weckt mich der Teufelslärm! murrt der Kustode und geht wieder zu Bette, in der bangen Besorgnis, er sei mondsüchtig.

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Der Palast Pitti, in dem kleinern Stadtteil, jenseits des Arno, ist ein Ort, wie es auf der Welt gewiß nicht viele gibt. Das Gebäude ist einfach und großartig, eine der originellsten Schöpfungen des Philipp Brunelleschi; es sind drei Stockwerke ohne Pilaster, bloß mit Rustika, mit einfachen, rundbogigen Fenstern, sechshundertunddreißig Fuß lang und hundertundzwanzig Fuß hoch. Ehemals führte eine gewaltige Treppe zu dem Gebäude hinan; diese ist aber längst um der Auffahrt willen durch Erde und Pflaster ersetzt worden, und nun rollen die 138 großherzoglichen Wagen bequem zur großen Einfahrt hinauf. Auch von diesem Gebäude gibt selbst die beste Abbildung eine falsche Idee, am allerwenigsten aber darf man dasselbe nach geometrischen Aufrissen beurteilen; man muß staunend vor demselben gestanden und die herrliche Schöpfung rein auf sich haben wirken lassen. – Der Hof von Toscana bewohnt bei weitem nicht das ganze große Gebäude; Bureaux mancher Art nehmen nebst der Hauptwache einen großen Teil, besonders des untersten Stockes, ein; von dem mittlern hat der Großherzog fünfzehn Säle der Gemäldegalerie eingeräumt. Der Hofraum ist von dem Palast und dessen Flügeln auf drei Seiten umgeben, ein gewaltiges Werk Ammanatis; auf der vierten Seite findet sich eine etwas verkommene Grotte mit Wasserwerken, über welcher der Garten Boboli mit einem Zirkus und Obelisken sich eröffnet, wo:

          . . . . . . . hohe Zypressen und
Steineichen samt Oliv' und Lorbeer
Neben der Pinie nie verwelken.       (Platen)

Die Galerie des Palastes Pitti gilt bekanntermaßen für die ausgesuchteste der Welt; und wer dieselbe durch und durch kennt, behauptet, der wahre Genuß beginne erst, wenn man zwei Monate lang alle Tage hierher gekommen sei und diese Herrlichkeiten betrachtet habe. Mir ist es nicht so gut geworden, diese Behauptung an mir selbst bewähren zu können; ich habe von Florenz scheiden müssen nach einem bloß 139 viermaligen Besuch dieses Ortes und kann daher nicht ohne Wehmut daran denken; was ich aber noch davon weiß, ist mir wert und teuer als eine der schönsten Erinnerungen meines Lebens. Man steigt, um in den ersten Stock zu gelangen, vier schöne breite, mit Statuen verzierte Treppen hinan, und kommt dann durch ein großes Vorgemach in den prächtigen Salone imperiale. Aber wer könnte sich hier aufhalten bei Marmor, Lasur, Bronze und Mosaik, wenn er weiß, daß bloß zwei Wände ihn von Raphaels Madonna della Sedia trennen? Die Seitentür öffnet sich, und nun geht es von Saal zu Saal, die Gemächer sind alle nach Göttern und Heroen benannt, und an den Wänden hängen die sechshundert Gemälde über- und nebeneinander, in prachtvollen goldenen Rahmen. Die Decken sind gemalt, die Fußboden Mosaiks; an den Wänden herum stehen prächtige Mosaiktische. Fremde aller Nationen bevölkern die Säle von neun bis drei Uhr; auch soll es manche Florentiner geben, die beinahe tagtäglich hierher kommen, ihr Auge zu erquicken. Als Kustoden klirren die großherzoglichen Gardes à cheval die hohen Säle auf und nieder und bewachen den Schatz; lauter schöne Männer, keiner unter sechs Fuß groß, in prächtigen Uniformen, mit wallenden Federbüschen und glänzenden Stiefeln, die bis übers Knie gehen.

Es gibt Galerien, die der des Palastes Pitti an Gemäldezahl weit überlegen sind; aber hier ist durchaus kein mittelmäßiges Gemälde, und die 140 Aufseher dieser Galerie weisen manches Werk von der Hand, das die meisten andern Galerien mit teuerm Gelde ankaufen würden. Die Sammlung besitzt elf Raphaels, worunter mehrere Hauptwerke, z. B. die Madonna della Sedia, das Porträt von Leo X. mit den zwei Kardinälen, das Gesicht Ezechiels und andere mehr. Die schönste aller Madonnen aber gehört nicht der großen Sammlung an, sondern der Privatsammlung des Großherzogs; es ist Raphaels Madonna del Granduca. Der Großherzog pflegt das Bild auf allen seinen Reisen mit sich zu führen, jetzt war es aber gerade einigen Künstlern zu Gefallen in einem der äußeren Säle aufgestellt worden, und bei dieser Gelegenheit konnten auch wir es betrachten. Das Bild hat gar kein Abzeichen, nach welchem man es schelten könnte; es ist nichts als eine liebende Mutter, die auf ihr Kind wohlgefällig herabsieht, aber das Ganze trägt, man kann wohl sagen, den Stempel des Göttlichen wie kaum ein anderes Bild Raphaels. – Die Madonna della Sedia ist schon weit menschlicher, und damit mag wohl auch die hübsche Sage in Verbindung stehen, es sei ein Porträt; Raphael sei an einem schönen Herbsttage nach dem kühlen Perugia gekommen und habe, in einen Hof tretend, durch ein Faß ohne Boden hindurch eine wunderschöne Frau mit zwei kleinen Knaben erblickt. Gleich habe er den einen, am Boden liegenden Faßdeckel aufgehoben, und flugs das schöne Bild darauf gemalt, und in der Tat ist dasselbe flüchtig gemalt, wie die wenigsten von 141 Raphaels Madonnen; die Pinselzüge sind zum Teil sehr deutlich zu erkennen. Die Komposition füllt ihr Rund über die Maßen schön aus; man sieht es erst recht an den Abbildungen, die dasselbe ins Viereck ziehen. Wie da die vier angeflickten Winkel widerlich und unnatürlich scheinen! – Hier findet sich auch ein zweites und, wie mich dünkt, vorzüglicheres Exemplar des Porträts von Julius II.; der hochbetagte Greis in weißem Mollengewand mit violettem Mantel sitzt mit gesenktem Haupt halb vorwärts gewandt in einem Lehnstuhl, seine Arme liegen auf den Lehnen; er aber blickt mit halbgeschlossenen blauen Augen vor sich hin, als wäre er über dem Malen eingenickt und genösse nun einen seligen Traum; jedenfalls ist das Ganze hochpoetisch aufgefaßt, und meines Erachtens dem großen Porträt von Leo X. vorzuziehen. Doch schon ist zu viel von Einzelheiten gesagt, die man entweder ganz ergründen oder nicht berühren soll, und wo würden wir hingeraten, wenn ich dich durch all die Götter, Helden und Heiligen bis zur Venus des Canova hinführen wollte? – Morgens zehn Uhr zieht die Musik über den Platz dem Palaste zu, und da ist es erbaulich zu sehen, wie all die vom Sehen ermüdeten Beschauer an die Fenster eilen und durch den Reiz aufs Ohr das gereizte Auge zu beruhigen trachten.

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Florenz hat bis auf den heutigen Tag eine ganz mittelalterliche Physiognomie, und das ist natürlich: 142 alle Gebäude in den größeren Straßen wurden gleich anfangs von Quadern aufgeführt und stehen daher sehr fest und massiv da. Schon deshalb scheut man sich, dieselben abzubrechen; noch weit mehr aber, weil man weiß, daß sie jetzt nicht mehr so würden aufgebaut werden, wie zur Zeit der alten Herrlichkeit. So kommt es, daß man in vielen Gassen noch ganze, große, mittelalterliche Schlösser findet, mit Zinnen und Wappen, mit unbehauenen Steinen und kleinen Fenstern. Ein solches ist z. B. der Gasthof von Madame Humbert, an der schönen Dreieinigkeitsbrücke, der freilich zu seinen grellgrünen Fensterladen in schroffem Widerstände steht. Noch stattlicher und ernsthafter ist der alte Palast des Podestà, unweit der Abbadia, erbaut von Arnolfo di Lapo; am schönsten aber, und schon auf dem Wendepunkt zwischen altem und neuem Stile stehend, der Palast Strozzi; eine gewaltige, fast so hohe als breite Masse von drei Stockwerken, von unten bis oben mit Rustica bedeckt; und oben mit einem Gesimse gekrönt, das mit dem des Palastes Farnese in Rom den Ruhm des schönsten modernen Gesimses teilen soll. Man kann dieses herrliche Gebäude nicht genug ansehen; geschwärzt vom Alter sieht es gewiß schöner aus, als da es neu war. In diesem Haus von Quadern verschanzt sich das Mittelalter mit aller seiner Kraft gegen die neu andringende Zeit. Wer hat ohne Bewunderung, oder wenigstens ohne Verwunderung die eleganten mannshohen Eisenlaternen an den Ecken, die Arme für die Fackeln, die mit Laubwerk 143 verzierten Ringe für die Pferde betrachtet? Es sieht an diesem Gebäude alles aus, als hätten's Riesen für Riesen gebaut, und so sind noch viele, besonders der gewaltige Palast Medici in der Via larga, und vor allen der Palast Pitti, der älter ist als beide. Aber in der Vorstadt zwischen stillen schattigen Bäumen ruht ein Palast, der zwar an Masse den meisten nachsteht, doch an Schönheit allen vorangeht, es ist Raphael Sanzios Lieblingsschöpfung, der Palast Pandolfini. Was soll ich von diesem herrlichen Werke sagen? Es ist nur zwei Stockwerke hoch, seine Fenster und Gesimse sind gewiß so einfach als möglich, und doch – welcher harmonische Zauber ruht auf dem Ganzen! – Diese kleine Fassade genügt, den Malerfürsten auch zum Fürsten der Baukunst zu erheben, und als solcher würde Raphael auch anerkannt, hätte nicht sein Malerruhm seinen Architektenruhm ganz verschlungen.

Unfern von diesem Palast befindet sich das große Dominikanerkloster San Marco, dessen Kreuzgänge beständig nach den hier bereiteten Salben und Balsamen duften. Aber auch an diesem Orte handelt es sich um eine ganze Welt von Kunstwerken, an deren Gesamtdarstellung ich mich nicht wagen darf. –

 
Fiesole

Eine gute Stunde von Florenz, auf einem steilen Felshügel, thront die uralte bischöfliche Stadt 144 Fiesole, weit die ganze Gegend beherrschend. Die bekannten dasigen Zyklopenmauern (man findet Proben davon abgebildet in Bulwers Pompeji) beweisen, daß der Ort etruskisch ist, und manche Stellen römischer Historiker zeigen, daß das alte Fäsulä als ein militärisch wichtiger Ort galt. Bekanntermaßen sammelte sich hier Catilinas Heer, ehe es zur Schlacht von Pistoja auszog. Auch Reste von einem Tempel des Mars, von einem Amphitheater (oder Theater?) u. A. m. weisen auf vergangene Herrlichkeit hin.

Fiesole ist ein göttlicher Ort; Aussicht, Lage, Umgebung und die Gruppierung des Ortes selbst auf einem Felsengrat, zwischen hohen Pinien und Zypressen, sind träumerisch schön, und der Nachmittag, den ich hier zugebracht, gehört zu den schönsten Augenblicken meines Lebens. Das bei diesem Anlaß entstandene Gedicht hält einige der Haupteindrücke fest, die ich hier empfangen.

Heiß ist im Sommer Florenz, bezeug' es, jeglicher Fremdling,
Der im Zeichen des Löwen, im Zeichen der glühenden Jungfrau
In der etruskischen Stadt Paläst' und Tempel bewundert.
Sonnenstich droht dir, wenn aufwärts schauend dein Auge
An der unsterblichen Meister Gebäu, an edlem Gebälk sich 145
Freut; auch Fieber und Wehe des Haupts weissaget der Welsche.
Komm, erfrage das pintische Tor; gefällig und freundlich
Weist ja den Weg dem Fremden der florentinische Jüngling –
Größerer Tugenden Rest ist dies: so wollt' es das Schicksal.
Leicht ist die Straße zu kennen; es schau'n dort über die Mauern
Hohe Akazien, Pinien, auch dunkle Zypressen
Und von fern schon siehst du das Tor und drüber die Lilie.
Draußen führt dich der Pfad aufwärts; zerfallende Mauern
Rauben die Aussicht; aber der immergrünende Efeu,
Von Eidechsen belebt, und Stämme der schattigen Feige
Lassen dich leichter vergessen das blaue Gebirg' und den Arno.
Maultiertreiber geleiten dich stets; sei's, daß sie des Morgens
Saftige Pfirschen gebracht von den felsigen Höh'n und Gemüse,
Und nun leer heimkehren; sei's schwerbeladen mit Hausrat.
(Denn steil windet der Weg sich hinauf, es nahen sich selten
Wagen den Höh'n, als Wunder bestaunen die Knaben des Orts sie.) 146
Kluges Gespräch wirst oft du finden, wenn freundlich zu jenen
Du dich gesellst, sie nennen dir rühmend jegliche Villa
Und die Flecken umher, und preisen die zierlichen Mädchen.
Unvermerkt so klimmst du hinan den Fels, wo das schöne
Fiesole liegt, das Edelgestein in der Krone von Hügeln,
Welche Florenz umgibt, die Stadt so herrlich vor allen.
Drunten liegt sie im Tal, hoch ragt die Kuppel des Domes,
Raget der Turm des alten Palasts aus dem Meere von Häusern;
Golden ergießt sich drauf der duftig italische Abend,
Und tiefblau ziehn sich die Schluchten des Apennins hin.
Kühl ist der Platz, stets säuseln von sanftem Winde die Bäume,
Und gern lehnest du dich an die Mauer der Kirche, wenn Vespern
Ruft die Mädchen des Orts; schön sind Etruriens Jungfrau'n
Und von manchem Gemäld' siehst hier du schöner das Urbild.
Doch sie schweben vorbei, und still ist's wieder wie vorher 147
Auf dem beschatteten Platz; zur Seiten in dunkeln Gebüschen
Ziehn sich empor die Häuser der Stadt bis droben zum Kloster.
Eine etruskische Burg war's einst, und daneben des Kriegsgotts
Mächtiger Tempel; es beten an altehrwürdiger Stätte
Bärtige Mönche nunmehr, und aus den Gängen des Klosters
Schaun in müßigen Stunden hinab sie gegen den Arno
Und die blühende Stadt und gegen das ferne Pistoja.
Dort fiel einst Catilina; aus Fiesoles Toren bei Nachtzeit
Zog er hinaus, längst hatt' er hierher gesammelt die Heermacht
Hoch in der Burg, wie der Aar sein Nest anklebt an die Bergwand.
Oft in stürmischer Nacht tönt's hier wie römische Namen;
Blutige Schatten begegnen sich dann, umschwebend das Kloster,
Während drinnen im Chor die Mönche murmeln die Horen.
Wenig gedenkt entschwundener Zeit der fleißige Landmann;
In des Theaters Ruin' knüpft fröhlich singend er oftmals
Hoch an die Ulme die Rebe; du blickst durch schwankende Bogen 148
Östlich gewandt in ein lachendes Tal; weit über die Scena
Raget empor das blaue Gebirg mit den Villen und Klöstern.
Herrlich, wohin du blickst, entrollt sich das milde Toskana,
Und dir erhebt die Brust der großen Männer Gedächtnis,
Seiner Söhne, und Eines vor allen. Verbannt vom Gebiete
Jener Stadt kam Dante im Pilgermantel hieher einst,
Nach zehnjährigem Elend das vielgeliebte Florenz noch
Einmal zu sehn; gern nahmen ihn auf die gastlichen Mönche,
Nicht im braunen Gewand erkennend den hohen Priore.
Doch um die Mitte der Nacht erhob sich vom Lager der Pilgrim;
Mondhell war's; er durchschritt die Bogengänge des Klosters,
Und sein strenges Gemüt zerfloß in brennenden Tränen.
Einen Blick noch entsandt' er den hellbeschienenen Türmen
Drunten im Tal, und schleunigen Schritts durcheilt er die Berge.
Selig, wem stets offen das hohe Tor von Florenz steht! 149
Freudigen Muts magst dann du Fiesoles Felsen besteigen,
Und der vergangenen Zeit gedenken oder der Zukunft,
Oder der Gegenwart in fröhlicher Freunde Umarmung.

Heimreise

(Die Heimreise kürzte Burckhardt, der »fast nichts mehr zu sehen imstande war«, nach Möglichkeit ab. Die beiden Reisegefährten blieben in Bologna fünf Stunden; in Mantua, »dem widerlichsten und gefährlichsten Nest, das man sich denken kann«, übernachteten sie, um am nächsten Morgen, früh um vier, weiterzufahren. Über Bergamo, Varenna, Splügen, Chur ging die Reise nach Zürich, von dort nach Basel, wo Burckhardt nach fünfwöchentlicher Abwesenheit wieder eintraf. Sein »glühender Wunsch« war erfüllt worden: er war nicht heimgekehrt, ohne den Dom von Florenz gesehen zu haben.)

 


 

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