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Reise um die Welt

Adelbert von Chamisso: Reise um die Welt - Kapitel 23
Quellenangabe
typereport
booktitleReise um die Welt
authorAdelbert von Chamisso
year2001
publisherAufbau Taschenbuch Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-6093-9
titleReise um die Welt
pages3
created20010624
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Vom Vorgebürge der Guten Hoffnung nach der Heimat. London. Sankt Petersburg

Nachdem wir am 8. April 1818 (nach unserer Schiffsrechnung) die Tafelbai verlassen, erhielten wir auf der gewöhnlichen Fahrstraße der heimkehrenden Schiffe den Passat am 16., durchkreuzten am 18. den südlichen Wendekreis und erreichten am 21. die Mittagslinie von Greenwich. Hier erst korrigierten wir unsere Zeitrechnung und schrieben, die von Greenwich annehmend, anstatt Dienstag, den 21., Mittwoch, den 22.

Am 24. April 1818 hatten wir Ansicht von Sankt Helena. Unser Kapitän hegte den Wunsch, an dem Felsen des gefesselten Prometheus anzulegen; das ist begreiflich. Die hohen Mächte hatten Kommissare auf der Insel. Es konnte nicht unnatürlich scheinen, daß ein russisches Kriegsschiff sich dem russischen Kommissar (Grafen Balleman) erböte, seine Depeschen zu befördern. Die englische Kriegsbrigg, die über dem Winde der Insel kreuzte, visitierte uns. Der Offizier, der an Bord kam, trat mit gespannter Pistole in die Kajüte des Kapitäns. Nach eingesehenen Papieren gab er uns die Weisung, uns während der Nacht, die zu dämmern begann, in der Nähe der Insel aufzuhalten und am andern Morgen nach Jamestown zu steuern. – Die Brigg machte Signale; der Telegraph auf dem Lande setzte sich in Bewegung; die Nacht brach ein.

Wir segelten am Morgen der Stadt und dem Ankerplatze entgegen. Eine Batterie gab uns durch eine Kanonenkugel, die vor dem Schiffe die Luft durchpfiff, zu verstehen, daß wir nicht weitergehen möchten. – Der Telegraph war in Tätigkeit; eine Barke stieß vom Admiralschiff ab und ruderte auf uns zu. Wir glaubten jener Barke entgegenfahren zu dürfen, nahmen den alten Kurs wieder und erhielten, auf demselben Punkt angelangt, eine zweite Kanonenkugel. Der Offizier, der an unsern Bord gekommen war, erbot sich, uns auf die Reede zu führen. Die Batterie, meinte er, habe keine Befugnis, auf uns zu feuern, und werde es jetzt nicht wieder tun. Wir steuerten mit unserm Geleitsmann wiederum auf den Hafen und erhielten sofort die dritte Kanonenkugel. – Darauf stieg der Offizier wieder in sein Boot und ruderte an sein Schiff zurück, um Mißverständnissen ein Ziel zu setzen, welche nur von der Abwesenheit des Gouverneurs herrühren konnten, der nicht in der Stadt, sondern auf seinem Landhause war. – Mittlerweile lichteten alle Kriegsschiffe, die auf der Reede lagen, die Anker und gingen unter Segel. – Wir warteten bis nach zwölf Uhr; da wir um diese Zeit noch ohne Nachricht waren, strichen wir mit einer Kanonenkugel die Flagge und nahmen nach einer Versäumnis von beiläufig achtzehn Stunden unsern Kurs wieder nach Norden.

Ich bemerke beiläufig, daß nach Seemannsbrauch bei der Art Unterhaltung, welche die Batterie mit uns führte, die erste Kugel über das Schiff, die zweite durch das Tauwerk und die dritte in die Kajüte des Kapitäns geschickt zu werden pflegt. Die Batterie hatte eigentlich dreimal den ersten Schuß, aber keinen zweiten auf uns abgefeuert. Es ist übrigens einleuchtend, daß in dem Verfahren der Wachtbrigg, des Admiralschiffes und der Landbatterie keine Übereinstimmung stattfand; und die Schuld an der Verwirrung, die in Hinsicht unser herrschte, können wir nur dem Gouverneur beimessen.

Ich ward in diesen Tagen eines Mißverständnisses wegen von dem Kapitän vorgefodert. Es kam zu Erörterungen, wobei die liebenswerte Rechtlichkeit des kränklich-reizbaren Mannes in dem schönsten Lichte erschien. Er erkannte, daß er sich in mir geirrt, bot mir die Hand, wollte selber die Hälfte der Schuld auf sich nehmen, ich solle zu der anderen mich bekennen. Und wahrlich, ich mochte zur Unzeit seiner Empfindlichkeit Stolz und Trotz entgegengesetzt haben. Alles, was ich zu dulden gehabt, war vergessen und aller Groll ins Meer versenkt.

Wir sahen am 30. April die Insel Ascension, die wir im Westen liegen ließen. Die Schildkröten, die man auf ihrem Strande zu finden hoffen kann, bewogen uns nicht, eine Landung zu versuchen. – Auf den Bergen ruhten Wolken. Viele Vögel waren zu sehen.

Am 6. Mai überschritten wir vor Tagesanbruch zum vierten und letzten Male den Äquator. Der Tag wurde festlich begangen. – Ich habe von der Komödie, welche die Matrosen aufführten, keine Erinnerung. Da mußte ich wohl nicht mit ganzem Herzen dabeisein.

Wir hatten den Passat verloren und hatten leichte spielende Winde und Windstille. Wir hatten am 5. ein Schiff gesehen, am 8. zeigte sich ein anderes. Am Abend dieses Tages war ein Regen gleich einem Wolkenbruche, und es donnerte stark.

Wir bekamen am 12. Mai den nördlichen Passat, behielten ihn bis zu dem 26., wo der Wind zum Südosten überging, und durchschnitten ungefähr vom 22. bis zum 30. Mai zwischen dem zwanzigsten und sechsunddreißigsten Grad nördlicher Breite und dem fünfunddreißigsten und siebenunddreißigsten Grad westlicher Länge das Meer des Sargasso. So wird geheißen eine weite Wiese schwimmenden, von dem unbekannten Felsenstrande, wo er erzeugt worden sein muß, abgerissenen und von dem weiten Strudel der Seeströmung in die Mitte ihres Kreislaufes zusammengespülten Seetanges, meist von einer und derselben Art. Ich will mit diesen flüchtigen Worten nur dem Laien das gebrauchte Wort erklären. Die Sache selbst läßt dem Gelehrten noch viel zu denken und zu erforschen übrig.

Seit wir die Linie durchkreuzt hatten, nahm die Zahl der Schiffe zu, die wir fast täglich sahen. Wir zeigten oft wechselseitig unsere Flaggen. Am 29. Mai sahen wir eine Flasche im Meere schwimmen, die wir aber nicht aufnahmen. – Was mochte die Schrift besagen, die sie vermutlich enthielt? – Am 1. Juni sprach uns ein amerikanischer Scunner und erhielt von uns Zwieback, woran er Mangel litt.

Wir sahen am 3. Juni 1818 die Insel Flores, die westlichste der Azorischen Inseln, und steuerten von da dem Kanale zu.

Am 5. kam uns ein Schiffswrack in Sicht. Es wurde weiter nicht untersucht. Die Zahl der Schiffe nahm zu; mehrere hielten mit uns denselben Kurs; wir unterhielten uns mit einigen.

Am 15. waren wir am Eingang des Kanals, ohne noch Ansicht des Landes zu haben. Eine englische Flotte war zu sehen. Ein Lotse stieg an unsern Bord. Die erste Nachricht, die ich erhielt, war eine Todesnachricht: in einem Zeitungsblatte, das jener mitbrachte, wurde eine Ausgabe der Werke der verstorbenen Frau von Staël angekündigt.

Am Abend des 16. Juni 1818 lagen wir auf der Reede von Portsmouth vor Cowes vor Anker neben einem Amerikaner, dem wir bereits zu Hana-ruru und zu Manila begegnet waren. Am Abend des 17. waren wir im Hafen.

Meine erste Sorge war, die Briefe, die ich vorsorglich zur See geschrieben, nach allen vier Winden zu verstreuen. Ich war auf heimatlich europäischem Boden und konnte noch so bald nicht Nachricht von denen erwirken, durch die mir ein bestimmter Punkt der überall nährenden Erde zur Heimat geworden. – Ich will euch, Freunde, noch zum Zwischenspiel einladen, mich auf einen schnellen Ausflug nach London zu begleiten. Aber meine Seele durstete nur nach dem einen, nach Briefen von den Freunden, und ich konnte erst im heimatlichen Berlin zur Ruhe gelangen.

Ich finde in einem vom Kanal datierten Briefe von mir die Worte: »Ich kehre Dir zurück, der sonst ich war – ganz – etwas ermüdet, nicht gesättiget von dieser Reise – bereit noch, unter diesen oder jenen Umständen wieder in die Welt zu gehen, und ›den Mantel umgeschlagen‹.«

Ich trat am 18. morgens in Portsmouth in das erste beste Haus hinein, mich nach Schneider, Schuster usw. zu erkundigen. Ich wurde festgehalten: »Was brauchen Sie?« – »Alles – und will mit dem Wagen, der morgen um vier Uhr nachmittags abgeht, nach London fahren.« – Stoffe, Zeuge, Kattun, Leinwand wurden mir zur Auswahl vorgelegt. Arbeiter nahmen Maß; Hüte, Stiefeln wurden anprobiert, Strümpfe ausgesucht, die Bestellung genau gemerkt. Ich wurde in der Zeit von zehn Minuten fertig. – Am 19. um halb vier bekam ich auf dem »Rurik« meinen gepackten Koffer, alles nach Muster und Vorschrift, die Wäsche neu genäht, gezeichnet, gewaschen und geplättet. Verdrießlich war mir nur die Ängstlichkeit, mit welcher nach dem Gelde gelangt wurde, bevor man die Ware aus der Hand ließ.

In England beginnt der Arbeitstag in der Regel um zehn Uhr des Morgens und endigt nachmittags um vier. Ein Wagen zwischen Portsmouth und London fährt nachmittags um vier Uhr ab und langt am andern Morgen um zehn Uhr an; der Geschäftsmann hat auf der Reise keine Stunde Zeit versäumt. – Ein anderer Wagen fährt bei Tage für andere Leute.

Ich saß um vier Uhr im Wagen und sah aus dem Schlage die Marksteine mit unglaublicher Schnelligkeit vorübergleiten. Ich erkannte im Fluge manche Pflanzen der heimischen Flora, und der purpurne Fingerhut mit seinen hohen Blütenrispen schien mir ein freundliches Willkommen zuzuwinken.

Auf der Decke des Wagens, ich hätte fast gesagt auf dem Verdecke, hatten mehrere auf Urlaub entlassene Zöglinge einer Seeschule ihre Plätze. Die jungen Leute übten ihre Kletterkünste an der pfeilschnell rollenden Maschine auf eine ergötzliche Weise und waren überall eher als da, wo sie sollten.

Ich hatte mich als den Titulargelehrten der russischen Entdeckungsexpedition zu erkennen gegeben; die Gefährten der Fahrt hatten für mich, den Fremden, Aufmerksamkeiten, die ich weit entfernt war zu erwarten.

Ich wurde mitten in der Nacht aus dem festesten, gesundesten Schlafe geweckt; es sollte gespeist werden. Man erwies sich dienstfertig meiner schlaftrunkenen Unbeholfenheit. Die Augen halb eröffnend, versuchte ich nacheinander in babel-rurikischer Sprachverwirrung alle Zungen der redenden Menschen, die ich kannte und nicht kannte, bevor ich auf die rechte kam und mich auf Old England wiederfand.

Unter jenen Schülern, die zu unserer Reisegesellschaft gehörten, befand sich ein geborener Russe. Der wurde mir vorgestellt, und ich sollte mich mit ihm unterhalten. Das war ich mit dem besten Willen nicht imstande zu tun.

Welch ein Glücksfund, welch eine Perle für eine gut eingerichtete Polizei! Ein Mensch, der ohne Paß und ohne Papiere irgendeiner Art sich nach der Residenz begibt; der, um sich recht zu verstecken, sich für einen Russen ausgibt und von dem ein besonderes Glück sogleich an den Tag legt, daß er die Sprache nicht versteht. Die armen Engländer genießen aber der wohltätigen Einrichtung nicht. Die Verlegenheit, die mich verriet, wurde nicht einmal bemerkt; man glaubte mir aufs Wort, und ich war so sicher wie bei uns ein Spitzbube, der sich selber seine Pässe geschmiedet hat.

Ich stieg aus Unkenntnis der Stadt in der City ab, Fleet-Street, Belle-Sauvage-Inn. Die Welt, in welcher ich mich bewegen wollte, war in Westminster, Piccadilly. Sieben Tage in London fassen mehr Erlebtes, mehr Gesehenes als drei Jahre an Bord eines Schiffes auf hoher See und in Ansicht fremder Küsten – in London, das nächst und abwechselnd mit Paris die Geschichte für die übrige Welt macht und verkündigt. – Ich werde nicht von jedem Vogel, den ich hier habe fliegen sehen, Rechenschaft ablegen.

Ich habe in London ausschließlich mit Gelehrten gelebt und in Museen, Herbarien, Bibliotheken, Gärten und Menagerien meine Zeit verbracht. Schon die Namen der Männer herzuzählen, denen ich mich dankbar verpflichtet fühle, würde mich zu weit führen. Die Bibliothek von Sir Joseph Banks war gleichsam mein Hauptquartier. Sir Robert Brown, welcher derselben vorstand, war für mich von ausnehmender Dienstfertigkeit. – Ich hatte die Ehre, Sir Joseph Banks vorgestellt zu werden. Ich sah unter andern bei ihm den Kapitän James Burney, den Gefährten Cooks auf seiner dritten Reise und Verfasser von der »Chronological history of the discoveries in the South Sea«, einem Meisterwerke gründlicher Gelehrsamkeit und seltener gesunder Kritik. – Mich erkühnt zu haben, in der Frage, »ob Asien und Amerika zusammenhängen oder durch die See getrennt sind«, gegen einen Mann wie James Burney aufzutreten und recht gegen ihn behalten zu haben, ist eines der Dinge, die mich in meinen eigenen Augen ehren.

Ich ging einst in einem Museum auf und ab, die Schreibtafel in der Hand, und schrieb mir über Gegenstände, die meine Aufmerksamkeit besonders fesselten, Notata auf. Ein Gleiches tat mit großem Eifer ein rascher, lebendiger Mann; der Zufall führte uns zusammen, und er redete mich an. Er mochte bald an meinen Antworten merken, daß ich kein geborner Engländer sei; er fragte mich auf französisch, ob er sich dieser Sprache bedienen solle. Ich aber rief in der Freude meines Herzens auf deutsch aus: »Das ist ja meine Muttersprache!« – »So wollen wir deutsch reden«, fuhr auf deutsch Sir Hamilton Smith fort, und er ward seit der Stunde mein gefälliger und gelehrter Wegweiser in den verschiedenen Museen, die wir zusammen zu besuchen uns verabredeten.

Ich lernte zuerst in London Cuvier kennen und begegnete auch dort dem Professor Otto aus Breslau, der mir manche Nachrichten aus der Heimat mitteilte.

Der bekannte Herr Hunnemann war mir in allen Dingen dienst- und hülfreich; er war mein Rat, mein Führer, mein Dolmetscher. Er widmete meinem Dienste einen großen Teil seiner ihm kostbaren Zeit. Er half mir, alles, was mir auf der Reise an Instrumenten, Büchern, Karten gefehlt hatte, nachträglich zusammenzubringen, um mich zu der Heimfahrt auszurüsten, wie ich es zur Ausfahrt hätte sein sollen. – Hätte wohl, wer darüber lächelt, es viel klüger gemacht? Ich meinerseits bin bei jedem neuen Kapitel meines Lebens, das ich schlecht und recht, so gut es gehen will, ablebe, bescheidentlich darauf gefaßt, daß es mir erst am Ende die Weisheit bringen werde, deren ich gleich zu Anfang bedurft hätte, und daß ich auf meinem Sterbekissen die versäumte Weisheit meines Lebens finden werde. – Und ich bin ohne Reue, weil ich nicht wissentlich und mit Willen gefehlt und weil ich die Meinung habe, daß es anderen nicht viel anders geht als mir. – Aber ich sprach von meinen Ankäufen, denen ich beiläufig 100 Pfund bestimmt hatte. – Ich fand in Arrowsmith einen liebenswerten, liberalen Gelehrten. Er sagte, wir hätten für ihn gearbeitet, und schenkte mir die Karte, die ich von ihm zu kaufen begehrte.

Der ich die letzten Jahre in der Natur gelebt, fühlte jetzt zu der Kunst, welche die Natur nach dem Bedürfnisse des geistigen Menschen vergeistigt, einen unaussprechlichen, unwiderstehlichen Zug; und von den kurzgezählten Stunden, die ich in London zu verleben hatte, mußte ich mehrere widmen, Beruhigung im Anschauen der Kartons von Raffael oder der Antike zu suchen.

Die französische Restauration, welche sich die nächstvergangene Geschichte zu verleugnen bemühte, beeiferte sich hergebrachterweise, Standbilder umzustürzen und Inschriften und Namenszüge auszukratzen. Aber die öffentliche Meinung Europas verbot ihr, Kunstwerke, die sie in Schutz nahm, zu vernichten. Sie hatte den Mittelweg erwählt, diese Träger verhaßter Erinnerungen wenigstens von ihrer Wurzel abzulösen und dieselben als Geschenke den Fremden zuzuwerfen. Ich wußte, daß der Napoleon von Canova dem Lord Wellington zugeteilt worden und in London sich befinden mußte. Längst war ich auf diese Statue aufmerksam geworden, und ich begehrte gar sehr zu sehen, wie Canova den Kaiser idealisiert, um darüber zur Klarheit zu kommen, ob der vieux sergeant de la garde, an welchen ich dieses Kunstwerk gerichtet wissen wollte, in dem griechisch nackten Halbgott seinen vergötterten Petit Caporal erkennen könne.

»Hier«, sagte mir Robert Brown auf dem Wege nach Kew, wohin er die Güte hatte mich zu begleiten – »hier in diesem Hause, hinter dieser Tür steht die Bildsäule, von der wir sprechen.« Und ich darauf: »So lasset uns hingehen, klopfen oder klingeln; die Tür wird aufgehen, und wir sehen hinein.« – »Wenn Sie wünschen, das Bild zu sehen«, erwiderte, der Sitte kundig, Robert Brown, »so will ich an Sir Joseph Banks schreiben; auf dessen Bitte wird Ihnen sonder Zweifel die Erlaubnis erteilt werden. – Oder auch der russische oder der preußische Gesandte.« – Ich kann einmal keine großen Mittel an kleine Zwecke setzen und Polyspasten anwenden, um eine Feder zu bewegen. Ich schüttelte mit dem Kopfe und wir gingen weiter.

Herr von Kotzebue war mit mir zugleich in London. Ich sah ihn flüchtig. Er hatte sich dem russischen Gesandten angeschlossen, war dem Prinzregenten und dem Großfürsten Nikolai Pawlowitsch vorgestellt worden und klagte, daß seine Zeit anders ausgefüllt werde, als er gewünscht hätte, und daß er von dem, was ihn interessiere, nur wenig zu sehen bekomme.

Aber ich bin in London und spreche bis jetzt von London nicht. – Man trifft auch anderswo naturhistorische Sammlungen an und dem Fremden hülfreich gefällige Gelehrte. Manche Stadt ist reicher als diese an Schätzen der Kunst.

Wahrlich, ich wanderte nicht [als] ein Blinder durch diese bewunderungswürdige Welt, welche sich mir, von den Parlamentswahlen aufgeregt, in ihrem Wesen enthüllte. Auf dem öffentlichen Markte bewegt sich in England das öffentliche Leben mit Parlamentswahlen, Volksversammlungen, Aufzügen, Reden aller Arten. – Was hinter Mauern gesprochen wird, hallt auf den Straßen nach, die zu allen Zeiten von Ausrufern, von Ausstreuern von Flug- und Zeitschriften, nachts von transparenten Bildern und Inschriften durchströmet werden. Die Mauern von London mit ihren politischen Plakaten sind für den Fremden, der seinen Augen nicht traut, das märchenhaft wundersamste, das unglaublichste Buch, das er je zu sehen bekommen kann. Und diese heiligen Freiheiten sind es, die das Gebäude sicherstellen, indem sie jeglicher Kraft, und auch der zerstörenden, ihr freies Spiel in die freien Lüfte hin zugestehen. Diese heiligen Freiheiten sind es, welche die notwendig gewordene, zu lange verzögerte, zeitüberreife Revolution, die zu bewirken jetzt England geschäftig ist, hoffentlich als ruhige Evolution gestalten werden – eine Revolution, die längst schon jeden anderen Boden mit schauerlichem, aus Staub und Blut gemischtem Schlamme überspült hätte.

Der Herzog von Wellington hat durch das unzeitig widerstrebende Wort »No reform« diese Revolution begonnen. Er hat das Schiff dem Winde und Strome übergeben, die es unwiderstehlich dahinreißen; derselbe Herzog hat sich jetzt des Steuerruders angemaßt und verspricht sich, es unter gerefften Sturmsegeln an den Klippen vorüberzusteuern, aber abwärts, immer abwärts dem Ziele zu.

Zu Vergleichungen geneigt, werfe ich abseits von London den Blick zuerst auf Paris. Da sollen las narizes del volcan, die Sicherheitsventile des Dampfkessels, zugedammt und zugelötet werden. Das öffentliche Leben wird in das innere Gebäude gewaltsam eingezwängt und kann sich nur als Emeute oder Aufruhr einen Weg auf den Markt bahnen. Auf den Mauern von Paris werden noch nur neben den Theater-Anschlagezetteln Buchhändleranzeigen und dergleichen mehr Privatangelegenheiten verhandelt. Da erhebt der Kaufmann seine Ware über die seines Nachbars, da führt Brotneid kleinliche Zwiste usw.

Man ist über dem Rheine zu keinem öffentlichen Leben erwacht. Daß es trotzdem Gesinnungen gibt, tüchtige, tatenmächtige, hat das Jahr 1813 dargetan, wird jedes dem ähnliche Sternenjahr dartun, das über Deutschland aufgehen wird. – Man liest in Berlin noch an den Straßenecken die Komödien- und Konzertzettel, den Anschlagzettel vom großen Elefanten, vom starken Manne und von den Dingen überhaupt, die da zu sehen sind; endlich noch Versteigerungsankündigungen.

In Sankt Petersburg darf kein Erzeugnis der Presse den Augen des Volkes ausgestellt werden. Die Mauern werden rein gehalten, und der Komödienzettel wird unter dem Mantel in die Häuser eingeschwärzt, die nach demselben begehren.

Ich kehre zurück, von wo ich ausgegangen. Ich las von den Mauern Londons das Plakat ab, womit sich Lord Thomas Cochrane von seinen Kommittenten, den Wählern von Westminster, verabschiedete. Nach manchen Schmähungen gegen die Minister kam er auf den Helden zu sprechen, den jene widergesetzlich, widerrechtlich auf Sankt Helena gefangenhielten. Sie selber, nicht Napoleon, gehörten in diesen Kerker. Es gebühre sich, ihn zu befreien und sie an seiner Statt einzusperren. Stünde sonst keiner auf, solches zu unternehmen, er, Lord Thomas Cochrane, sei der Mann, es zu tun.

Dieses Kriegsmanifest hatte in London nichts Anstößigeres als in Berlin der Anschlagzettel der Oper »Alcidor«. Es stand im Schutze der Sitte.

Ich kam vor das Wahlgerüste für Westminster auf Covent Garden eine halbe Stunde zu spät, um den Premierminister, zur Rüge eines unpopulären Verfahrens bei Ausübung seines Rechtes als Wähler, mit Kot bewerfen zu sehen; eine echt volkstümliche Lustbarkeit, der beigewohnt zu haben der lernbegierige Reisende für eine wahre Gunst des Schicksals ansehen müßte.

Wir wissen noch aus Überlieferung, daß sonst zu den akademischen Freiheiten der auf deutschen Hochschulen studierenden Jugend die allenfalls mit etlichen Tagen Karzer zu erkaufende Befugnis gehörte, einem mißfälligen Lehrer die Fenster einzuwerfen, ohne daß von Verschwörung gegen Kirche und Staat die Rede war. Bei solchen Gelegenheiten flog einmal dem alten Johann Reinhold Forster ein faustdicker Stein auf den Arbeitstisch; den Stein nahm er zornig auf, und das Fenster aufreißend, warf er ihn den Studenten wieder zurück, ihnen zurufend: »Den hat ein Fuchs geworfen!«

Ähnliches kam, ins Englische übersetzt, bei den mehrerwähnten Wahlen vor. Das Volk hatte von seiner unbestrittenen Befugnis gegen einen ministeriellen Kandidaten Gebrauch gemacht und denselben mit Kot beworfen. Aber auch ein Stein war geflogen; wenigstens gab der Gemißhandelte vor, von einem solchen getroffen worden zu sein, und legte sich zu Bette. Es wurden Bulletins ausgegeben, und der schicksalige Stein schien mit Stimmen, die dem Verletzten zuflossen, aufgewogen werden zu sollen. Sein Gegner hielt, als ich vor das Gerüste trat, eine Rede, worin er das Ereignis besprach. Er erklärte: derjenige, welcher jenen Stein geworfen, könne kein Engländer gewesen sein; da deckte der rauschende Beifall der Versammlung die Stimme des Redners.

Am 26. Juni 1818 um vier Uhr nachmittags brachte mich Herr Hunnemann zu dem Wagen, der nach Portsmouth abfuhr. Meine Ankäufe, die er einpacken zu lassen übernommen hatte, füllten eine mäßige Kiste, die ich mit auf den Wagen nahm. Ich umarmte den mir unvergeßlichen Landsmann und nahm Abschied von der Weltstadt London.

Ich war am 27. Juni in Portsmouth. Ich fand keine Briefe vor; kein Gegengruß von meinen Lieben erreichte mich in England, keine Nachricht von ihnen. Der »Rurik« ging am 29. auf die Reede und am 30. unter Segel. Wir gingen am 1. Juli durch die Dover-Straße, verloren am 2. das Land aus dem Gesichte, sahen Jütland am 10., gingen am 11. durch den Sund und waren am 12. vor Kopenhagen. Wir sollten, ohne anzuhalten, vorüberfahren; der Wind, der uns gebrach, entschied es anders. Ich durfte auf eine flüchtige Stunde ans Land. Ich empfing den ersten Gruß von der Heimat und umarmte die alten Freunde.

Wir lichteten am 13. die Anker. Wir liefen am 23. in den Hafen von Reval ein, wo der Kapitän den Herrn von Krusenstern sprechen wollte. Dieser war nicht in der Stadt und traf erst am dritten Tag ein. Wir gingen am 27. unter Segel, waren am 31. Juli vor Kronstadt; am 3. August 1818 lag der »Rurik« zu Sankt Petersburg in der Newa vor dem Hause des Grafen Romanzow vor Anker.

Der Graf war auf seinen Gütern in Kleinrußland und mußte erwartet werden, um die kleine Welt aufzulösen, die so lange in seinem Namen zusammengehalten hatte. Herr von Krusenstern traf erst ungefähr vierzehn Tage nach uns ein. Es wurden etliche obere Zimmer im Hause des Grafen Romanzow dem Herrn von Kotzebue und seiner Schiffsgesellschaft eröffnet; mich selbst zog ein hier ansässiger Preuße, ein Universitätsfreund, gastlich an seinen Herd; ich verließ den »Rurik«.

Aber ich hatte keinen Paß, und hier war die Polizei gegen Fremde viel vorzüglicher eingerichtet als in England. Indes hatte ich an der preußischen Gesandtschaft vorläufig einen Schutz, und was läßt sich nicht ins Geleise bringen, wenn man Freunde hat.

Ich hatte in Sankt Petersburg nur das eine Geschäft, mich so bald als möglich von Sankt Petersburg frei zu machen. Ich kehrte mich von jeder Aussicht ab, die mir in Rußland eröffnet werden sollte, und wich hartnäckig jedem Antrag aus, mich durch irgendein Verhältnis binden zu lassen. Mich zog heimatlich ein anderes Land. Ich werde diesem Geschwätze hohe Namen nicht einmischen. Mein Herz hing an Preußen, und ich wollte nach Berlin zurückekehren.

Ich habe in Sankt Petersburg nur mit Deutschen, nur mit Sprach- und Herzensverwandten vertraulich gelebt; ich bin in das russische Leben nicht eingedrungen; ich werde nur über die äußere Erscheinung der Stadt einige flüchtige Bemerkungen hinwerfen, zu denen mich die Vergleichung mit London auffodert.

London ist, entsprechend dem Begriffe einer großen Stadt, ein riesenhafter Menschen-Ameisenhaufen, ein unermeßlicher Menschen-Bienenbau, bei dessen Ansätzen ungleiche Kräfte unregelmäßige Zellen hervorgebracht haben. Das Bedürfnis hat die Menschen zusammengebracht; sie haben nach dem Bedürfnis sich angebaut; ein Naturgesetz, das als Zufall erscheint, hat den Plan vorgezeichnet, die Willkür hat keinen Teil daran; und wenn die Stadt stellenweise dekoriert worden, beweist es bloß, daß Dekorieren dem Menschen zum Bedürfnis geworden ist.

Sankt Petersburg ist eine großartig angelegte und prächtig ausgeführte Dekoration. Die Schiffahrt, die zwischen Kronstadt und dem Ausfluß der Newa das Meer belebt, deutet auf einen volk- und handelreichen Platz! Man tritt in die Stadt ein – das Volk verschwindet in den breiten, unabsehbar langgezogenen Straßen, und Gras wächst überall zwischen den Pflastersteinen.

Dekoration im einzelnen wie im ganzen; der Schein ist in allem zum Wesen gemacht worden. Mit den edelsten Materialien, mit Gußeisen und Granit, wird dekoriert; aber man findet stellenweise, um die unterbrochene Gleichförmigkeit wiederherzustellen, den Granit als Gußeisen geschwärzt und das Gußeisen als Granit gemalt. Die Stadt wird alle drei Jahre aufs neue und in den Farben, die polizeilich den Hauseigentümern vorgeschrieben werden, angestrichen, außerdem noch außerordentlich bei außerordentlichen Gelegenheiten, zum Empfang eines königlichen Gastes und dergleichen mehr; dann wird auch das Gras aus den Straßen ausgereutet. Der Herrscher sprach einst das Wohlgefallen aus, mit welchem er auf einer Reise massive Häuser gesehen, an denen alles Holzwerk, Türen und Fensterladen, von Eichenholz gewesen. Darauf wurden Maler polizeilich angelernt und Türen und Fensterladen aller Häuser der Stadt auf Kosten der Eigentümer als Eichenholz bemalt. Da kamen die Maler in das Viertel, wo die reichen englischen Handelsherren wohnen und wo der Luxus eichenhölzerner Türen und Fensterladen nicht selten ist – und sie begannen, das wirkliche Eichenholz wie Eichenholz zu übermalen. – Die Eigentümer verwahrten sich dagegen und schützten vor, es sei ja schon Eichenholz – vergebens; der Vorschrift einer hohen Polizei mußte genügt werden.

Mit Monumenten, denen man Heiligkeit beizulegen sich volkstümlich beeifern sollte, wird wie mit eiteln Dekorationen verfahren und gespielt. Die Romanzows-Säule wird von einem Ufer der Newa auf das andere hinübergebracht, um dort zu einem neuen Point de vue zu dienen, und es wird beantragt, die Statue des Zaren Peters des Großen zu einer ähnlichen Verschönerung von der Stelle, die sie jetzt einnimmt, zu verrücken.

Es ist mir schmerzlich, hier ein scharfes Urteil sprechen zu müssen, welches gleiche Unheiligkeit trifft, deren man sich in der Heimat auch schuldig gemacht. Aber was ist denn ein Monument? Ein Fleck Erde wird dem Gedächtnis eines Mannes oder einer Tat geweiht; da setzt man einen Stein auf und peitscht die Kinder bei dem Steine und sagt ihnen dabei: Erinnert euch an das und das. So wird unter den Menschen die Sage, die mündliche Überlieferung an ein bestimmtes Äußeres gebunden. – Das ist im wesentlichen ein Monument. Daß ihr später Buchstaben in den Stein graben gelernt und den Stein selbst nach dem Bildnisse eines Menschen meißeln, das sind außerwesentliche Zugaben. Wälzt den Stein von seinem Orte fort, so habt ihr nur einen Stein, wie andere Steine mehr auf dem Felde sind. Verrückt das Standbild von seiner Stelle, so setzt ihr es auf seinen Kunstwert herab, so habt ihr nur noch ein Bild, wie ihr der Bilder mehr in euren Museen habt, die sonst in Tempeln Götter gewesen sind. – Legt nicht Hand an ein volkstümliches Monument, legt nicht Hand an die Statue eines eurer Helden: der Ort, wo sie steht, gehört ihr, ihr habt kein Recht mehr daran. Errichtet Monumente auf Plätzen, wo man sie sehen kann, nicht aber zu eiteler Verschönerung, und wählt bedächtig den Ort, den ihr nicht willkürlich verändern dürft!

Der Graf Romanzow traf in Sankt Petersburg in den ersten Tagen des Septembers ein.

Alles, was zu meinem Gebrauch an Instrumenten und Büchern auf Rechnung der Expedition angeschafft worden, wurde mir, wie jedem von uns, abgefodert. Ich blieb hingegen im Besitz dessen, was ich gesammelt hatte. Ich wurde entlassen, die von mir gefoderten Denkschriften in Berlin zu vollenden. – Der »Rurik« ward verkauft.

Nun hielt mich aber noch in Sankt Petersburg die Polizei fest, die, mich daselbst zu dulden, sich so schwer entschlossen hatte. – Man weiß die weitläuftigen Förmlichkeiten, denen man sich unterziehen muß, bevor man einen Paß erhält. (Dreimalige Bekanntmachung der Absicht zu reisen im Wochenblatt usw.) – Ich war endlich soweit: die Welt, der ich angehört hatte, war schon auseinandergestoben.

Es sei mir vergönnt, jetzt ein Scheidender, mit dem Blicke die Männer zu suchen, in deren Gemeinschaft ich manches erduldet und erfahren. Herrn von Kotzebues »Neue Reise um die Welt in den Jahren 1823 bis 1826« (die zweite, wobei er kommandiert, die dritte, die er gemacht hat) ist in diesen Blättern erwähnt worden. Sie hat besonders wegen der ungünstigen Berichte über die Missionen auf den Südsee-Inseln Aufsehen erregt. – Chramtschenko hat ein Schiff im Norden der Südsee kommandiert und mir im Jahre 1830 aus Rio Janeiro freundliche Grüße zugesandt. Die übrigen Seeleute erreicht mein Auge nicht mehr auf ihrem beweglichen Elemente. Von denen, die mit mir in ähnlichen Verhältnissen standen, bin ich, der älteste, allein vom Schauplatze nicht abgetreten. Eschscholtz, Professor in Dorpat, begleitete abermals Herrn von Kotzebue auf seiner neuen Reise. Er besuchte mich in Berlin im Jahre 1829, wo er sein wichtiges Werk, »System der Akalephen«, herausgab – nach wenigen Monaten war er nicht mehr. Ich sah Choris im Jahre 1825 in Paris, wo er der Kunst lebte. Er unternahm bald nachher eine Reise nach Mexiko: zwischen Santa Cruz und Mexiko ward er von Räubern angefallen und ermordet. Der Leutnant Wormskiold zu Kopenhagen, versunken in trübem Tiefsinn, ist der Welt erstorben.

Am 27. September 1818 waren meine Kisten an Bord der »Asträa« aus Stettin, Kapitän Breslack, eingeschifft. Verschiedene Umstände verzögerten die Abfahrt; ich mußte in Kronstadt noch einige Tage auf günstigen Wind harren.

Die Verwandlungen des Insektes lassen sich auch an dem Menschen nachweisen, nur in umgekehrter Reihenfolge. Er hat in seiner Jugendperiode Flügel, die er später ablegt, um als Raupe von dem Blatte zu zehren, auf welches er beschränkt wird. – Ich befand mich auf dem Wendepunkt. Vor meinem vierzigsten Lebensjahre (bis dahin standen noch nur zwei und ein Vierteljahr vor mir) wollte ich die Flügel abstreifen, Wurzel schlagen und eine Familie begründen; oder die Flügel wiederum ausbreiten und auf einer anderen außereuropäischen Reise, reifer und besser vorbereitet, nachholen, was für die Wissenschaft zu tun ich auf meiner ersten versäumt hatte. – Diese demokratische Zeit, in welcher, wie in der Geschichte, so in der Wissenschaft und in der Kunst, anstatt einzelner Fürsten die Massen auftreten, gewähret noch jedem Strebenden die Hoffnung, da im Volke mitzuwirken und mitzuzählen, wo sonst nur hervorragenden Häuptern, denen es ein Gott gegeben, unbedingt gehuldigt wurde.

Die »Asträa« lag am 17. Oktober auf der Reede vor Swinemünde.

Hier endigt dieser Abschnitt meines Lebens. Als Fortsetzung gebe ich euch, ihr Freunde, das Buch meiner Gedichte. Ich habe darin zu eigener Lust die Blüten meines Lebens sorgfältig eingelegt und aufbewahrt, während die Zweige verdorrten, auf welchen sie gewachsen sind.

Aber die Zeilen, die ich auf der Reede von Swinemünde niederschrieb, mögen gegenwärtiges Buch beschließen, wie sie jenem zur Einleitung dienen.

Heimkehret fernher, aus den fremden Landen,
In seiner Seele tief bewegt, der Wandrer;
Er legt von sich den Stab und kniet nieder
Und feuchtet deinen Schoß mit stillen Tränen,
O deutsche Heimat! – Woll ihm nicht versagen
Für viele Liebe nur die eine Bitte:
Wann müd am Abend seine Augen sinken,
Auf deinem Grunde laß den Stein ihn finden,
Darunter er zum Schlaf sein Haupt verberge.

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