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Reise nach Laputa

Jonathan Swift: Reise nach Laputa - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorJonathan Swift
booktitleGulliver's Reisen
titleReise nach Laputa
publisherVerlag von Adolph Krabbe
illustratorGrandville
printrunZweite Ausgabe
year1843
translatorDr. Fr. Kottenkamp
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20071011
projectid229244fb
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Fünftes Kapitel.

Der Verfasser erhält die Erlaubniß, die große Akademie von Lagado zu besehen; die Akademie wird weitläufig beschrieben. Die Künste, womit sich die Professoren beschäftigen.

Complicirt ist dieses Gebäude der Akademie in hohem Grade. Es besteht nämlich aus einer Reihe Häuser an beiden Seiten der Straße, welche zu dem Zweck gekauft und eingerichtet wurden, da sie bereits leer standen und in Verfall geriethen. Ich wurde von dem Aufseher sehr gut aufgenommen und besuchte darauf mehrere Tage die Akademie. Jedes Zimmer hatte einen oder mehrere Projektmacher und wie ich glaube, bin ich in nicht weniger als fünfhundert Zimmer gewesen.

Der Erste, den ich erblickte, war ein magerer Mann mit schmutzigen Händen und Gesicht, langem Bart und Haar, zerlumpt, und an mehreren Stellen seines Körpers versengt. Kleider, Hemd und Haut waren bei ihm von derselben Farbe. Er hatte acht Jahre lang das Projekt verfolgt, Sonnenstrahlen aus Gurken zu ziehen, welche in hermetisch geschlossenen Phiolen aufgestellt und in rauhen Sommern herausgenommen wurden, weil sie die Luft erwärmen sollten. Er sagte mir, ohne Zweifel werde er in acht Jahren, oder vielleicht in noch längerer Zeit im Stande seyn, die Gärten des Gouverneurs zu mäßigen Preisen mit Sonnenschein zu versehen. Er beklagte sich jedoch über Mangel an Geld, und bat mich, ihm zur Ermuthigung des Genies etwas zu geben, besonders da die Gurken in jetziger Jahreszeit sehr theuer wären. Ich gab ihm ein kleines Geschenk, denn der Lord hatte mich zu dem Zwecke mit Geld versehen, weil er die Gewohnheit jener Leute kannte, von Jedem, der sie besuchte, Etwas zu erbetteln.

Ich ging in ein anderes Zimmer, war aber schon im Begriff zurückzueilen, weil mich ein furchtbarer Gestank beinahe überwältigte. Mein Führer aber drängte mich wieder voran, indem er mich mit einem Flüstern beschwor, keinen Anstoß zu geben, den man mir im höchsten Grade übel nehmen würde, und deßhalb wagte ich nicht einmal, mir die Nase zuzuhalten. Der Projektmacher in dieser Zelle war der älteste Gelehrte der Akademie; Gesicht und Bart waren von blassem Gelb, Hände und Kleider mit Koth bedeckt. Als ich ihm vorgestellt wurde, erdrückte er mich beinahe mit einer Umarmung, ein Kompliment, das ich abzulehnen Ursache wohl gehabt hätte. Seine Beschäftigung war seit seiner ersten Anstellung in der Akademie, den Menschenkoth in den primativen Zustand, durch Scheidung der verschiedenen Theile, durch Entfernung der Galle, des Speichels und des Geruchs wieder zu versetzen. Die Gesellschaft hatte ihm wöchentlich ein gefülltes Gefäß von der Dicke einer Schiffstonne bewilligt.

Ich sah einen Andern, welcher Eis in Schießpulver kalciniren wollte. Dieser zeigte mir auch eine Abhandlung, die er über die Hämmerbarkeit des Feuers geschrieben hatte, und die er herausgeben wollte.

Auch befand sich dort ein wahrhaftes Genie, durch welches man die neue Baukunst-Methode verbesserte, nach welcher man mit dem Dache anfangen und so bis zum Fundamente fortfahren sollte. Er rechtfertigte dieses Verfahren durch die Bauart der klügsten Insekten, der Bienen und Spinnen.

Ein Blinder hatte dort mehrere Lehrlinge, die sich in demselben Zustande befanden. Ihre Beschäftigung bestand darin, daß sie Farben für Maler mischten; ihr Lehrer hatte sie nämlich unterrichtet, dieselben durch Gefühl und Geruch zu unterscheiden. Zu meinem Unglück hatten sie damals noch keine große Fortschritte gemacht, und auch der Professor versah sich jeden Augenblick. Dieser Künstler findet bei der ganzen Brüderschaft viel Ermuthigung und Achtung.

In einem andern Zimmer fand ich viel Vergnügen an einem Projektmacher, welcher einen Entwurf erfunden hatte, das Land mit Schweinen zu pflügen, um die Kosten des Pflugs, des Rindviehs und der Arbeit zu ersparen. Seine Methode ist folgende: man verbirgt in dem Acker acht Zoll tief und sechs Zoll von einander entfernt eine Anzahl Eicheln, Datteln, Haselnüsse und andere zur Mast dienende Pflanzen, welche bei jenen Tieren besonders beliebt sind. Hierauf treibt man eine Herde von sechshundert Stück auf das Land, und dann wühlen die Schweine, um ihre Nahrung zu suchen, den Boden in der Art auf, dass er sich zur Saat eignet; und versehen ihn zugleich auch mit Dünger. Man hat allerdings den Versuch gemacht, fand aber Kosten wie Mühe sehr groß und die Ernte nur sehr gering; man zweifelt jedoch nicht daran, daß die Erfindung sehr verbessert werden kann.

Ich ging in ein anderes Zimmer, wo Wand und Decke mit Spinnweben gänzlich bedeckt waren; nur ein kleiner Weg war dem Künstler zum Ein- und Ausgehen geblieben. Als ich eintrat, rief er mir mit lauter Stimme zu: ich solle seine Spinnwebe nicht beschädigen. Er beklagte den unglücklichen Irrtum, welchen die Welt so lange gehegt habe, indem sie Seidenwürmer benütze, da man doch eine solche Menge häuslicher Insekten habe, welche die Seidenwürmer durch Festigkeit im Weben und Spinnen bei weitem übertreffen. Auch war er der Meinung, durch Benützung der Spinnen würden die Kosten des Färbens der Seide gänzlich erspart werden; er zeigte mir eine Menge sehr schön gefärbter Fliegen, womit er seine Spinnen fütterte, und behauptete, die Spinnweben würden dadurch eine bestimmte Färbung erlangen. Da er nun Fliegen von allen Farben besitze, so hoffe er den Geschmack eines Jeden zu befriedigen, sobald er ein passendes Futter von Gummi, Oelen und gallertartigen Stoffen für die Fliegen auffinden könne, wodurch dann auch die Fäden des Gewebes Stärke und Konsistenz erhalten müßten.

Ein Astronom hatte eine Unternehmung eingeleitet, eine Sonnenuhr auf den Wetterhahn des Stadtturmes aufzustellen, welche die jährlichen und täglichen Bewegungen der Erde um die Sonne anzeigen und zugleich auch den zufälligen Wechsel des Windes angeben sollte.

Da ich seit einiger Zeit an einer schwachen Kolik litt, brachte mich mein Führer in ein Zimmer, wo ein großer Arzt wohnte, welcher durch die Behandlung dieser Krankheit berühmt geworden war. Derselbe kurierte durch die entgegengesetzte Behandlung des Organs. Er hatte nämlich einen großen Blasebalg mit einer langen und schmalen Mündung aus Elfenbein. Diese hielt er acht Zoll von dem Anus entfernt und behauptete, er könne die Eingeweide hiedurch so schmal machen, wie eine getrocknete Blase. War aber die Krankheit zu hartnäckig und heftig, so steckte er die Mündung in den Leib des Patienten hinein, während der Blasebalg voll Wind war, und entlud denselben in die Eingeweide; alsdann zog er sein Instrument zurück, um es wieder zu füllen, hielt aber unterdessen mit seinem Daumen die Öffnung des Hinteren zu. Nachdem dies drei- oder viermal wiederholt sei, müsse der hinzu gekommene Wind nach seiner Behauptung sich heraus drängen, und den schädlichen mit sich fortreißen, wie man Wasser in eine Pumpe schütte, um sie zu reinigen. Alsdann sei der Patient gänzlich hergestellt. Ich sah, wie er beide Experimente bei einem Hunde machte, konnte jedoch keine Wirkung des ersteren bemerken. Nach dem zweiten war das Tier dem Bersten nahe, und machte eine so furchtbare Entladung, daß diese mir und meinem Führer sehr ekelhaft wurde. Der Hund starb auf der Stelle, und wir verließen den Doktor, als er ihn durch dieselbe Operation wieder zu erwecken versuchte.

Ich besuchte noch viele andere Zimmer, werde aber den Leser mit allen von mir beobachteten Merkwürdigkeiten nicht langweilen, da ich mich der Kürze befleiße.

Bis dahin hatte ich bloss eine Seite der Akademie gesehen; die andere ist nämlich für die Beförderer spekulativer Wissenschaften bestimmt; ich werde davon reden, wenn ich zuvor noch eine ausgezeichnete Person erwähnt habe, welche dort mit dem Namen »universeller Künstler« bezeichnet wird. Derselbe sagte uns, er habe dreißig Jahre lang ausschließlich die Verbesserung des menschlichen Lebens im Auge gehabt. Er hatte zwei Zimmer, die mit wunderbaren Seltenheiten gefüllt, und fünfzig Menschen, die stets an der Arbeit waren. Einige verdikten die Luft in eine trockene und berührbare Substanz, indem sie das Nitrum ausschieden, und die flüssigen Teile verdunsten ließen; andere erweichten den Marmor zu Kissen; andere versteinerten die Hufe lebendiger Pferde, um sie vor dem Sturze zu bewahren. Der Künstler selbst beschäftigte sich damals mit zwei großartigen Projekten; das erste bestand darin, Ackerland mit Spreu zu besäen, worin er eine außerordentliche Keimkraft nachweisen wollte, und worüber er auch Versuche anstellte, die ich jedoch wegen geringerer Geschicklichkeit nicht verstehen konnte. Das andere Projekt war ein Plan, durch eine gewisse Mischung aus Gummi, Mineral- und Pflanzenstoffen, welche äußerlich angewandt werden mußten, das Wachsen der Wolle auf zwei jungen Lämmern zu verhindern; er hoffte nach gehöriger Zeit die Brut nackter Schafe in dem ganzen Königreich verbreiten zu können. Wir gingen darauf zur anderen Seite der Akademie hinüber, wo die Projektmacher in spekulativen Wissenschaften, wie ich bereits gesagt habe, residiren.

Der erste Professor, den ich sah, befand sich in einem großen Zimmer, und war von vierzig Schülern umgeben. Nach der gewöhnlichen Begrüßung bemerkte er, daß ich ernstlich einen Rahmen betrachtete, welcher den größten Theil des Zimmers in Länge und Breite ausfüllte, und sagte: Ich wundere mich vielleicht, daß er sich mit einem Projekt beschäftige, die spekulativen Wissenschaften durch praktische und mechanische Operationen zu verbessern. Die Welt werde aber bald die Nützlichkeit dieses Verfahrens bemerken. Er schmeichle sich mit dem Gedanken, daß eine höhere und edlere Idee noch nie aus dem Gehirn eines Menschen entsprungen sei. Ein Jeder wisse, wie viel Mühe die gewöhnliche Erlernung der Künste und Wissenschaften bei den Menschen erfordere; er sei überzeugt, durch seine Erfindung werde die ungebildeteste Person bei mäßigen Kosten und bei einiger körperlicher Anstrengung Bücher über Philosophie, Poesie, Mathematik und Theologie ohne die geringste Hilfe des Genies oder der Studien schreiben können. Er führte mich an einen Rahmen, wo alle seine Schüler in Reihen aufgestellt waren. Der Rahmen enthielt zwanzig Quadratfuß, und befand sich in der Mitte des Zimmers. Die Oberfläche bestand aus einzelnen Holzstücken, von der Dicke eines Würfels, von denen jedoch einzelne größer wie andere waren. Sie waren sämmtlich durch leichte Drähte mit einander verknüpft. Diese Holzstücke waren an jedem Viereck mit überklebtem Papier bedeckt, und auf diesen Papieren waren alle Worte der Landessprache in Konjugationen und Deklinationen, jedoch ohne alle Ordnung aufgeschrieben. Der Professor bat mich, Acht zu geben, da er seine Maschine in Bewegung setzen wolle. Jeder Zögling nahm auf seinen Befehl einen eisernen Griff zur Hand, von denen vierzig am Rande befestigt waren. Durch eine plötzliche Umwendung wurde die ganze Anordnung verändert. Alsdann befahl er sechzehn Knaben, die verschiedenen Zeilen langsam zu lesen, und wann sie drei oder vier Worte ausgefunden hatten, die einen Satz bilden konnten, diktirten sie dieselben vier anderen Knaben, welche dieselben niederschrieben. Diese Arbeit wurde drei- oder viermal wiederholt. Die Maschine war aber so eingerichtet, daß die Worte bei jeder Umdrehung einen neuen Platz einnehmen, so wie das ganze Viereck sich von oben nach unten drehte.

Sechs Stunden mußten die Schüler täglich bei dieser Arbeit zubringen. Der Professor zeigte mir mehrere Folianten, welche auf diese Weise aus abgebrochenen Sätzen gebildet waren, und die er zusammenstellen wollte. Aus diesem reichen Material werde er einen vollständigen Inbegriff aller Künste und Wissenschaften bilden; ein Verfahren, das er jedoch verbessern und schneller beendigen würde, wenn das Publikum ein Kapital zusammenbringen wollte, um fünfhundert solcher Rahmen in Lagado zu errichten, und wenn man die Unternehmer zwingen werde, in ihren verschiedenen Collekten die gehörige Summe beizusteuern.

Er gab mir die Versicherung, diese Erfindung habe schon von Jugend auf alle seine Gedanken in Anspruch genommen; er habe seinen Rahmen so eingerichtet, daß er den ganzen Sprachreichthum umfasse, und sogar das allgemeine Verhältniß berechnet, welches in Büchern hinsichtlich der Anzahl von Partikeln, Haupt- und Zeitwörtern und anderen Redetheilen stattfinde.

Ich bezeugte dieser ausgezeichneten Person meinen demüthigsten Dank für seine große Güte, mir die ganze Erfindung mitzutheilen, und versprach, im Fall ich je in mein Vaterland zurückkehre, würde ich ihm Gerechtigkeit, als dem einzigen Erfinder dieser wunderbaren Maschine, erweisen, deren Form und Einrichtung ich auf's Papier warf, wie beiliegende Abzeichnung beweist. Ich sagte ihm: obgleich es in Europa die Gewohnheit bei Gelehrten sey, die Erfindungen sich einander zu stehlen, so daß diese den Vortheil hatten, daß wenigstens ein Streit über das Eigenthum statt finde, so werde ich doch mit aller Vorsicht darauf hinwirken, daß er, ohne irgend einen Nebenbuhler, die Ehre derselben ausschließlich erlange.

Hierauf begaben wir uns in die Sprachschule, wo drei Professoren sich über die zweckmäßigste Methode, ihre Landessprache zu verbessern, beriethen. Das Projekt des Ersten bestand darin, die Rede dadurch abzukürzen, daß man die vielsylbigen Worte in einsylbige verwandle, daß man Verben und Participien auslasse; alle vorstellbaren Dinge seyen in Wirklichkeit nur Hauptwörter.

Das Projekt des Zweiten bezweckte die Abschaffung aller Wörter, und dies ward als eine große Verbesserung der Gesundheit wie der Kürze betrachtet. Denn es ist klar, daß jedes von uns gesprochene Wort eine Verminderung unserer Lungen durch Abreibung bewirkt, folglich auch die Verkürzung unseres Lebens zur Folge hat. Es wurde deßhalb folgendes Auskunftsmittel angeboten: da Worte allein in Zeichen der Dinge bestehen, sey es passender, wenn alle Menschen solche Auskunftsmittel bei sich herumtrügen, welche ein besonderes Geschäft bezeichneten, worüber sie sich unterhalten wollten.

Diese Erfindung würde allgemein geworden seyn, wenn sich die Weiber nicht mit dem Pöbel und den ungebildeten Menschen verbunden und mit einer Rebellion gedroht hätten, im Fall die Freiheit ihrer Zungen nach herkömmlicher Weise ihnen nicht verbliebe; der Pöbel ist ja ohnedem der unversöhnlichste Feind jeder Wissenschaft.

Die Klügsten und Weisesten jedoch befolgen die neue Methode, sich durch Dinge auszudrücken; die einzige Unbequemlichkeit, die sich daraus ergibt, besteht nur darin, daß ein Mann, dessen Geschäft sehr groß und von verschiedener Art ist, ein Bündel auf seinem Rücken mit sich herumtragen muß, wenn er nicht im Stande ist, sich einen oder zwei starke Bedienten als Begleiter zu halten.

Zwei dieser Weisen habe ich oft unter ihren Bündeln beinahe zusammensinken sehen, wie dies bei Hausirern in England wohl der Fall ist. Wenn sie sich in den Straßen begegneten, legten sie ihre Last nieder, öffneten ihre Säcke, und hielten ein stundenlanges Gespräch; alsdann füllten sie ihren Behälter auf's Neue, halfen sich einander, wenn sie die Last wieder auf den Rücken nahmen, und empfahlen sich. Für ein kurzes Gespräch mag Jeder seinen Bedarf in der Tasche oder unter dem Arme tragen, weil ihm weniger genügt. Zu Hause aber kann Niemand in Verlegenheit kommen. Deßhalb ist ein Zimmer, wo eine in dieser Kunst gewandte Gesellschaft zusammen kommt, mit allen Dingen angefüllt, welche Stoff zu diesem künstlichen Gespräch darbieten.

Ein anderer Vortheil, welcher sich aus dieser Erfindung ergeben muß, besteht darin, daß eine allgemeine Sprache erfunden würde, die man bei allen civilisirten Nationen verstände, bei denen Güter und Geräth sich gleichen, so daß man sich leicht in die verschiedenen Gewohnheiten würde finden können. Somit könnten Gesandte mit fremden Fürsten oder Staatsmännern leicht verhandeln, obgleich sie deren Sprache nicht verstanden.

Ich war auch in der mathematischen Schule, wo die Lehrer nach einer Methode unterrichten, von der man in Europa kaum einen Begriff hat. Satz und Beweis werden auf einer dünnen Oblate, mit gehirnartiger Tinktur aufgezeichnet, eingegeben. Der Schüler muß dieselbe schnell hinunterschlucken, und dann drei Tage lang nichts als Brod und Wasser essen. Ist die Oblate verdaut, so steigt die Tinktur in's Hirn, und führt dort den mathematischen Satz ein. Bisher hat aber der Erfolg sich noch nicht erwiesen, ein Umstand, der theilweise aus einem Fehler in der Quantität der Composition folgen mag, theilweise auch aus der Störrigkeit der Knaben, denen diese Medicin so eckelhaft ist, daß sie sich gewöhnlich fortstahlen, und sich der Dose von oben entledigten, bevor sie operiren konnte; auch hat man sie bis jetzt nicht überreden können, so lange zu hungern, wie es bei dem Recepte nothwendig ist.

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