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Arthur Schnitzler: Reigen - Kapitel 7
Quellenangabe
typedrama
booktitleReigen / Liebelei
authorArthur Schnitzler
year1999
publisherFischer Taschenbuch Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-596-27009-X
titleReigen
pages23-102
created20010613
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1903
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Der Gatte und das süße Mädel

Ein Cabinetparticulier im Riedhof. Behagliche, mäßige Eleganz. Der Gasofen brennt. –

Der Gatte. Das süße Mädel.

Auf dem Tisch sind die Reste einer Mahlzeit zu sehen; Obersschaumbaisers, Obst, Käse. In den Weingläsern ein ungarischer weißer Wein.

Der Gatte raucht eine Havannazigarre, er lehnt in der Ecke des Diwans.

Das süße Mädel sitzt neben ihm auf dem Sessel und löffelt aus einem Baiser den Obersschaum heraus, den sie mit Behagen schlürft.

Der Gatte Schmeckt's?

Das süße Mädel läßt sich nicht stören Oh!

Der Gatte Willst du noch eins?

Das süße Mädel Nein, ich hab' so schon zu viel gegessen.

Der Gatte Du hast keinen Wein mehr. Er schenkt ein.

Das süße Mädel Nein... aber schaun S', ich lass' ihn ja eh stehen.

Der Gatte Schon wieder sagst du Sie.

Das süße Mädel So? – Ja wissen S', man gewöhnt sich halt so schwer.

Der Gatte Weißt du.

Das süße Mädel Was denn?

Der Gatte Weißt du, sollst du sagen; nicht wissen S'. Komm, setz dich zu mir.

Das süße Mädel Gleich... bin noch nicht fertig.

Der Gatte steht auf, stellt sich hinter den Sessel und umarmt das süße Mädel, indem er ihren Kopf zu sich wendet.

Das süße Mädel Na, was ist denn?

Der Gatte Einen Kuß möcht' ich haben.

Das süße Mädel gibt ihm einen Kuß Sie sind... o pardon, du bist ein kecker Mensch.

Der Gatte Jetzt fällt dir das ein?

Das süße Mädel Ah nein, eingefallen ist es mir schon früher... schon auf der Gassen. – Sie müssen –

Der Gatte Du mußt.

Das süße Mädel Du mußt dir eigentlich was Schönes von mir denken.

Der Gatte Warum denn?

Das süße Mädel Daß ich gleich so mit Ihnen ins chambre separée gegangen bin.

Der Gatte Na, gleich kann man doch nicht sagen.

Das süße Mädel Aber Sie können halt so schön bitten.

Der Gatte Findest du?

Das süße Mädel Und schließlich, was ist denn dabei?

Der Gatte Freilich.

Das süße Mädel Ob man spazierengeht oder –

Der Gatte Zum Spazierengehen ist es auch viel zu kalt.

Das süße Mädel Natürlich ist zu kalt gewesen.

Der Gatte Aber da ist es angenehm warm; was? Er hat sich wieder niedergesetzt, umschlingt das süße Mädel und zieht sie an seine Seite.

Das süße Mädel schwach Na.

Der Gatte Jetzt sag einmal... Du hast mich schon früher bemerkt gehabt, was?

Das süße Mädel Natürlich. Schon in der Singerstraßen.

Der Gatte Nicht heut, mein' ich. Auch vorgestern und vorvorgestern, wie ich dir nachgegangen bin.

Das süße Mädel Mir gehn gar viele nach.

Der Gatte Das kann ich mir denken. Aber ob du mich bemerkt hast.

Das süße Mädel Wissen S'... ah... weißt, was mir neulich passiert ist? Da ist mir der Mann von meiner Cousine nachg'stiegen in der Dunkeln und hat mich nicht 'kennt.

Der Gatte Hat er dich angesprochen?

Das süße Mädel Aber was glaubst denn? Meinst, es ist jeder so keck wie du?

Der Gatte Aber es kommt doch vor.

Das süße Mädel Natürlich kommt's vor.

Der Gatte Na, was machst du da?

Das süße Mädel Na, nichts – Keine Antwort geb' ich halt.

Der Gatte Hm... mir hast du aber eine Antwort gegeben.

Das süße Mädel Na, sind S' vielleicht bös'?

Der Gatte küßt sie heftig Deine Lippen schmecken nach dem Obersschaum.

Das süße Mädel Oh, die sind von Natur aus süß.

Der Gatte Das haben dir schon viele gesagt?

Das süße Mädel Viele!! Was du dir wieder einbildest!

Der Gatte Na, sei einmal ehrlich. Wie viele haben den Mund da schon geküßt?

Das süße Mädel Was fragst mich denn? Du möcht'st mir's ja doch nicht glauben, wenn ich dir's sag'!

Der Gatte Warum denn nicht?

Das süße Mädel Rat einmal.

Der Gatte Na, sagen wir – aber du darfst nicht bös' sein?

Das süße Mädel Warum sollt' ich denn bös' sein?

Der Gatte Also ich schätze... zwanzig.

Das süße Mädel sich von ihm losmachend Na – warum nicht gleich hundert?

Der Gatte Ja, ich hab' eben geraten.

Das süße Mädel Da hast du aber nicht gut geraten.

Der Gatte Also zehn.

Das süße Mädel beleidigt Freilich. Eine, die sich auf der Gassen anreden läßt und gleich mitgeht ins chambre separée!

Der Gatte Sei doch nicht so kindisch. Ob man auf der Straßen herumläuft oder in einem Zimmer sitzt... Wir sind doch da in einem Gasthaus. Jeden Moment kann der Kellner hereinkommen – da ist doch wirklich gar nichts dran...

Das süße Mädel Das hab' ich mir eben auch gedacht.

Der Gatte Warst du schon einmal in einem chambre separée?

Das süße Mädel Also, wenn ich die Wahrheit sagen soll: ja.

Der Gatte Siehst du, das g'fallt mir, daß du doch wenigstens aufrichtig bist.

Das süße Mädel Aber nicht so – wie du dir's wieder denkst. Mit einer Freundin und ihrem Bräutigam bin ich im chambre separée gewesen, heuer im Fasching einmal.

Der Gatte Es wär' ja auch kein Malheur, wenn du einmal – mit deinem Geliebten –

Das süße Mädel Natürlich wär's kein Malheur. Aber ich hab' kein' Geliebten.

Der Gatte Na geh.

Das süße Mädel Meiner Seel', ich hab' keinen.

Der Gatte Aber du wirst mir doch nicht einreden wollen, daß ich...

Das süße Mädel Was denn?... Ich hab' halt keinen – schon seit mehr als einem halben Jahr.

Der Gatte Ah so... Aber vorher? Wer war's denn?

Das süße Mädel Was sind S' denn gar so neugierig?

Der Gatte Ich bin neugierig, weil ich dich lieb hab'.

Das süße Mädel Is wahr?

Der Gatte Freilich. Das mußt du doch merken. Erzähl mir also. Drückt sie fest an sich.

Das süße Mädel Was soll ich dir denn erzählen?

Der Gatte So laß dich doch nicht so lang bitten. Wer's gewesen ist, möcht' ich wissen.

Das süße Mädel lachend Na ein Mann halt.

Der Gatte Also – also – wer war's?

Das süße Mädel Ein bissel ähnlich hat er dir gesehen.

Der Gatte So.

Das süße Mädel Wenn du ihm nicht so ähnlich schauen tät'st –

Der Gatte Was wär' dann?

Das süße Mädel Na also frag nicht, wennst schon siehst, daß...

Der Gatte versteht Also darum hast du dich von mir anreden lassen.

Das süße Mädel Na also ja.

Der Gatte Jetzt weiß ich wirklich nicht, soll ich mich freuen oder soll ich mich ärgern.

Das süße Mädel Na, ich an deiner Stell' tät' mich freuen.

Der Gatte Naja.

Das süße Mädel Und auch im Reden erinnerst du mich so an ihn... und wie du einen anschaust...

Der Gatte Was ist er denn gewesen?

Das süße Mädel Nein, die Augen –

Der Gatte Wie hat er denn geheißen?

Das süße Mädel Nein, schau mich nicht so an, ich bitt' dich.

Der Gatte umfängt sie. Langer, heißer Kuß.

Das süße Mädel schüttelt sich, will aufstehen.

Der Gatte Warum gehst du fort von mir?

Das süße Mädel Es wird Zeit zum z'Haus Gehn.

Der Gatte Später.

Das süße Mädel Nein, ich muß wirklich schon z'Haus gehen. Was glaubst denn, was die Mutter sagen wird.

Der Gatte Du wohnst bei deiner Mutter?

Das süße Mädel Natürlich wohn' ich bei meiner Mutter. Was hast denn geglaubt?

Der Gatte So – bei der Mutter. Wohnst du allein mit ihr?

Das süße Mädel Ja freilich allein! Fünf sind wir! Zwei Buben und noch zwei Mädeln.

Der Gatte So setz dich doch nicht so weit fort von mir. Bist du die älteste?

Das süße Mädel Nein, ich bin die zweite. Zuerst kommt die Kathi; die ist im G'schäft, in einer Blumenhandlung, dann komm' ich.

Der Gatte Wo bist du?

Das süße Mädel Na, ich bin z'Haus.

Der Gatte Immer?

Das süße Mädel Es muß doch eine z'Haus sein.

Der Gatte Freilich. Ja – und was sagst du denn eigentlich deiner Mutter, wenn du – so spät nach Haus kommst?

Das süße Mädel Das ist ja so eine Seltenheit.

Der Gatte Also heut zum Beispiel. Deine Mutter fragt dich doch?

Das süße Mädel Natürlich fragt s' mich. Da kann ich Obacht geben, so viel ich will – wenn ich nach Haus komm', wacht s' auf.

Der Gatte Also was sagst du ihr da?

Das süße Mädel Na, im Theater werd' ich halt gewesen sein.

Der Gatte Und glaubt sie das?

Das süße Mädel Na, warum soll s' mir denn nicht glauben? Ich geh' ja oft ins Theater. Erst am Sonntag war ich in der Oper mit meiner Freundin und ihrem Bräutigam und mein' älter'n Bruder.

Der Gatte Woher habt ihr denn da die Karten?

Das süße Mädel Aber, mein Bruder ist ja Friseur.

Der Gatte Ja, die Friseure... ah, wahrscheinlich Theaterfriseur.

Das süße Mädel Was fragst mich denn so aus?

Der Gatte Es interessiert mich halt. Und was ist denn der andere Bruder?

Das süße Mädel Der geht noch in die Schul'. Der will ein Lehrer werden. Nein... so was!

Der Gatte Und dann hast du noch eine kleine Schwester?

Das süße Mädel Ja, die ist noch ein Fratz, aber auf die muß man schon heut so aufpassen. Hast du denn eine Idee, wie die Mädeln in der Schule verdorben werden! Was glaubst! Neulich hab' ich sie bei einem Rendezvous erwischt.

Der Gatte Was?

Das süße Mädel Ja! Mit einem Buben von der Schul' vis-à-vis ist sie abends um halber acht in der Strozzigasse spazierengegangen. So ein Fratz!

Der Gatte Und, was hast du da gemacht?

Das süße Mädel Na, Schläg' hat s' kriegt!

Der Gatte So streng bist du?

Das süße Mädel Na, wer soll's denn sein? Die ältere ist im G'schäft, die Mutter tut nichts als raunzen; – kommt immer alles auf mich.

Der Gatte Herrgott, bist du lieb! Küßt sie und wird zärtlicher Du erinnerst mich auch an wen.

Das süße Mädel So – an wen denn?

Der Gatte An keine bestimmte... an die Zeit... na, halt an meine Jugend. Geh, trink, mein Kind!

Das süße Mädel Ja, wie alt bist du denn?... Du... ja... ich weiß ja nicht einmal, wie du heißt.

Der Gatte Karl.

Das süße Mädel Ist's möglich! Karl heißt du?

Der Gatte Er hat auch Karl geheißen?

Das süße Mädel Nein, das ist aber schon das reine Wunder... das ist ja – nein, die Augen... Das G'schau... Schüttelt den Kopf.

Der Gatte Und wer er war – hast du mir noch immer nicht gesagt.

Das süße Mädel Ein schlechter Mensch ist er gewesen – das ist g'wiß, sonst hätt' er mich nicht sitzenlassen.

Der Gatte Hast ihn sehr gern g'habt?

Das süße Mädel Freilich hab' ich ihn gern g'habt!

Der Gatte Ich weiß, was er war, Lieutenant.

Das süße Mädel Nein, bei Militär war er nicht. Sie haben ihn nicht genommen. Sein Vater hat ein Haus in der... aber was brauchst du das zu wissen?

Der Gatte küßt sie Du hast eigentlich graue Augen, anfangs hab' ich gemeint, sie sind schwarz.

Das süße Mädel Na sind s' dir vielleicht nicht schön genug?

Der Gatte küßt ihre Augen.

Das süße Mädel Nein, nein – das vertrag' ich schon gar nicht... o bitt' dich – o Gott... nein, laß mich aufstehn... nur für einen Moment... bitt' dich.

Der Gatte immer zärtlicher O nein.

Das süße Mädel Aber ich bitt' dich, Karl...

Der Gatte Wie alt bist du? Achtzehn, was?

Das süße Mädel Neunzehn vorbei.

Der Gatte Neunzehn... und ich –

Das süße Mädel Du bist dreißig...

Der Gatte Und einige drüber. – Reden wir nicht davon.

Das süße Mädel Er war auch schon zweiunddreißig, wie ich ihn kennengelernt hab'.

Der Gatte Wie lang ist das her?

Das süße Mädel Ich weiß nimmer... Du, in dem Wein muß was drin gewesen sein.

Der Gatte Ja, warum denn?

Das süße Mädel Ich bin ganz... weißt – mir dreht sich alles.

Der Gatte So halt dich fest an mich. So... Er drückt sie an sich und wird immer zärtlicher, sie wehrt kaum ab Ich werd' dir was sagen, mein Schatz, wir könnten jetzt wirklich gehn.

Das süße Mädel Ja... nach Haus.

Der Gatte Nicht grad nach Haus...

Das süße Mädel Was meinst denn?... O nein, o nein... ich geh' nirgends hin, was fallt dir denn ein –

Der Gatte Also hör mich nur an, mein Kind, das nächste Mal, wenn wir uns treffen, weißt du, da richten wir uns das so ein, daß... Er ist zu Boden gesunken, hat seinen Kopf in ihrem Schoß Das ist angenehm, oh, das ist angenehm.

Das süße Mädel Was machst denn? Sie küßt seine Haare ... Du, in dem Wein muß was drin gewesen sein – so schläfrig... du, was g'schieht denn, wenn ich nimmer aufstehn kann? Aber, aber, schau, aber Karl... und wenn wer hereinkommt... ich bitt' dich... der Kellner.

Der Gatte Da... kommt sein Lebtag... kein Kellner... herein...

Das süße Mädel lehnt mit geschlossenen Augen in der Diwanecke.

Der Gatte geht in dem kleinen Raum auf und ab, nachdem er sich eine Zigarette angezündet.

Längeres Schweigen.

Der Gatte betrachtet das süße Mädel lange, für sich Wer weiß, was das eigentlich für eine Person ist – Donnerwetter... So schnell... War nicht sehr vorsichtig von mir... Hm...

Das süße Mädel ohne die Augen zu öffnen In dem Wein muß was drin gewesen sein.

Der Gatte Ja, warum denn?

Das süße Mädel Sonst...

Der Gatte Warum schiebst du denn alles auf den Wein?...

Das süße Mädel Wo bist denn? Warum bist denn so weit? Komm doch zu mir.

Der Gatte zu ihr hin, setzt sich.

Das süße Mädel Jetzt sag mir, ob du mich wirklich gern hast.

Der Gatte Das weißt du doch... Er unterbricht sich rasch Freilich.

Das süße Mädel Weißt... es ist doch... Geh, sag mir die Wahrheit, was war in dem Wein?

Der Gatte Ja, glaubst du, ich bin ein... ich bin ein Giftmischer?

Das süße Mädel Ja, schau, ich versteh's halt nicht. Ich bin doch nicht so... Wir kennen uns doch erst seit... Du, ich bin nicht so... meiner Seel' und Gott, – wenn du das von mir glauben tät'st –

Der Gatte Ja – was machst du dir denn da für Sorgen. Ich glaub' gar nichts Schlechtes von dir. Ich glaub' halt, daß du mich liebhast.

Das süße Mädel Ja...

Der Gatte Schließlich, wenn zwei junge Leut' allein in einem Zimmer sind, und nachtmahlen und trinken Wein... es braucht gar nichts drin zu sein in dem Wein.

Das süße Mädel Ich hab's ja auch nur so g'sagt.

Der Gatte Ja, warum denn?

Das süße Mädel eher trotzig Ich hab' mich halt g'schämt.

Der Gatte Das ist lächerlich. Dazu liegt gar kein Grund vor. Um so mehr als ich dich an deinen ersten Geliebten erinnere.

Das süße Mädel Ja.

Der Gatte An den ersten.

Das süße Mädel Naja...

Der Gatte Jetzt möcht' es mich interessieren, wer die anderen waren.

Das süße Mädel Niemand.

Der Gatte Das ist ja nicht wahr, das kann ja nicht wahr sein.

Das süße Mädel Geh, bitt' dich, sekkier mich nicht. –

Der Gatte Willst eine Zigarette?

Das süße Mädel Nein, ich dank' schön.

Der Gatte Weißt du, wie spät es ist?

Das süße Mädel Na?

Der Gatte Halb zwölf

Das süße Mädel So!

Der Gatte Na... und die Mutter? Die ist es gewöhnt, was?

Das süße Mädel Willst mich wirklich schon z' Haus schicken?

Der Gatte Ja, du hast doch früher selbst –

Das süße Mädel Geh, du bist aber wie ausgewechselt. Was hab' ich dir denn getan?

Der Gatte Aber Kind, was hast du denn, was fällt dir denn ein?

Das süße Mädel Und es ist nur dein G'schau gewesen, meiner Seel', sonst hätt'st du lang... haben mich schon viele gebeten, ich soll mit ihnen ins chambre separée gehen.

Der Gatte Na, willst du... bald wieder mit mir hieher... oder auch woanders –

Das süße Mädel Weiß nicht.

Der Gatte Was heißt das wieder: Du weißt nicht.

Das süße Mädel Na, wenn du mich erst fragst?

Der Gatte Also wann? Ich möcht' dich nur vor allem aufklären, daß ich nicht in Wien lebe. Ich komm' nur von Zeit zu Zeit auf ein paar Tage her.

Das süße Mädel Ah geh, du bist kein Wiener?

Der Gatte Wiener bin ich schon. Aber ich lebe jetzt in der Nähe...

Das süße Mädel Wo denn?

Der Gatte Ach Gott, das ist ja egal.

Das süße Mädel Na, fürcht dich nicht, ich komm' nicht hin.

Der Gatte O Gott, wenn es dir Spaß macht, kannst du auch hinkommen. Ich lebe in Graz.

Das süße Mädel Im Ernst?

Der Gatte Naja, was wundert dich denn daran?

Das süße Mädel Du bist verheiratet, wie?

Der Gatte höchst erstaunt Ja, wie kommst du darauf?

Das süße Mädel Mir ist halt so vorgekommen.

Der Gatte Und das würde dich gar nicht genieren?

Das süße Mädel Na, lieber ist mir schon, du bist ledig. – Aber du bist ja doch verheiratet! –

Der Gatte Ja, sag mir nur, wie kommst du denn da darauf?

Das süße Mädel Wenn einer sagt, er lebt nicht in Wien und hat nicht immer Zeit –

Der Gatte Das ist doch nicht so unwahrscheinlich.

Das süße Mädel Ich glaub's nicht.

Der Gatte Und da möchtest du dir gar kein Gewissen machen, daß du einen Ehemann zur Untreue verführst?

Das süße Mädel Ah was, deine Frau macht's sicher nicht anders als du.

Der Gatte sehr empört Du, das verbiet' ich mir. Solche Bemerkungen –

Das süße Mädel Du hast ja keine Frau, hab' ich geglaubt.

Der Gatte Ob ich eine hab' oder nicht – man macht keine solche Bemerkungen. Er ist aufgestanden.

Das süße Mädel Karl, na Karl, was ist denn? Bist bös'? Schau, ich hab's ja wirklich nicht gewußt, daß du verheiratet bist. Ich hab' ja nur so g'redt. Geh, komm und sei wieder gut.

Der Gatte kommt nach ein paar Sekunden zu ihr Ihr seid wirklich sonderbare Geschöpfe, ihr... Weiber. Er wird wieder zärtlich an ihrer Seite.

Das süße Mädel Geh... nicht... es ist auch schon so spät. –

Der Gatte Also jetzt hör mir einmal zu. Reden wir einmal im Ernst miteinander. Ich möcht' dich wiedersehen, öfter wiedersehen.

Das süße Mädel Is wahr?

Der Gatte Aber dazu ist notwendig... also verlassen muß ich mich auf dich können. Aufpassen kann ich nicht auf dich.

Das süße Mädel Ah, ich pass' schon selber auf mich auf.

Der Gatte Du bist... na also, unerfahren kann man ja nicht sagen – aber jung bist du – und – die Männer sind im allgemeinen ein gewissenloses Volk.

Das süße Mädel O jeh!

Der Gatte Ich mein' das nicht nur in moralischer Hinsicht. – Na, du verstehst mich sicher. –

Das süße Mädel Ja, sag mir, was glaubst du denn eigentlich von mir?

Der Gatte Also – wenn du mich liebhaben willst – nur mich – so können wir's uns schon einrichten – wenn ich auch für gewöhnlich in Graz wohne. Da, wo jeden Moment wer hereinkommen kann, ist es ja doch nicht das Rechte.

Das süße Mädel schmiegt sich an ihn.

Der Gatte Das nächste Mal... werden wir woanders zusammensein, ja?

Das süße Mädel Ja.

Der Gatte Wo wir ganz ungestört sind.

Das süße Mädel Ja.

Der Gatte umfängt sie heiß Das andere besprechen wir im Nachhausfahren. Steht auf, öffnet die Tür Kellner... die Rechnung!

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