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Gutenberg > Heinrich Federer >

Regina Lob

Heinrich Federer: Regina Lob - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleRegina Lob
authorHeinrich Federer
firstpub1925
year1925
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleRegina Lob
created20041008
sendergerd.bouillon
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Heinrich Federer

Regina Lob

Heinrich Federer: Regina Lob


Zum Eingang

Dich deckt nun schon lange eine warme heimatliche Scholle, alter Freund, und doch hast du alle überlebt, von denen an späten Abenden am Küchenfeuer deine bärtige Lippe erzählt hat. In deinem großen Hause war das der gemütlichste Platz. Saure Trauben und süße Pflaumen wuchsen fast zu den Gesimsen herein, vom Garten schwatzte die Brunnenröhre durchs Dunkel herauf wie ein Klatschbäschen, das einfach nicht schlafen will, und dahinter hörte man das Geflüster einer großen Wiese. Aber wenn die taube Haushälterin im Gange herumschlürfte und etwa eine Stube offen ließ, schollen von der Vorderseite gegen die Straße und ihre Häuser späte Schuhe, Nachtbubenpfiffe, Pferdegetrappel und fernes Musizieren. Wir kauerten uns dann noch behaglicher in die verräucherte Ecke und leerten und füllten die Tasse Tee oder das Glas schwärzlichen Tessinerwein. Und ich legte die Hand auf dein Knie und bat: Fahre weiter von dir und deiner Regine!

Du saßest im Halbdunkel, und so seh' ich dich heute noch, wo ich versuche, dein Erzähltes, soweit du mir erlaubt hast, wieder zu erzählen.

Und als so ein halbdunkler Mensch bist du selbst mir immer vorgekommen, und auch deine Bekenntnisse sind in ein solches Gemisch von Licht und Schatten getaucht, daß ich wohl ein Spaßen und Jubeln, aber dahinter auch eine See von schwerem Blut rauschen hörte. Ich versuche wohl umsonst, dieses Halbdunkel in Ton und Satz wiederzugeben. Aber das kann ich vielleicht, schlicht und warm sein, wie dein Wort es war.

Viele Jahre liegen die Blätter schon geschrieben. Immer zauderte ich mit dem Buche. Muß es nicht als zu jung, zu naiv, zu grün erscheinen, da ich es als schwärmerischer Jüngling auffing? Heute könnte ich jedenfalls nicht mehr so jung schreiben. Aber tönt das nicht eher wie Tadel als wie Lob?

Oder ist es am Ende eine zu alte Geschichte? Wie einer in sich und den allernächsten Menschen irrt und wiederfindet, o ja, das ist alt wie Adam. Aber schließlich bleiben wir doch, so neu wir uns auch geberden mögen, in eben jenem alten Adam stecken. Er ist doch immer auch der neueste Mensch.

Nein, ich gehe doch mit dem Buch zu einigen gläubigen Lesern hinaus. Lobt mich jemand, so steck ich es gerne ein. Gibt es Prügel, so nehme ich sie als Buße und werde nie mehr versuchen, aus anderem Munde etwas nachzusprechen und – ach, zu verderben.

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