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Raoul Richter, 1896

Hugo von Hofmannsthal: Raoul Richter, 1896 - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleErzählungen
authorHugo von Hofmannsthal
year1988
publisherS. Fischer Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-10-331503-1
titleRaoul Richter, 1896
pages348-358
created20001113
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Hugo von Hofmannsthal

Raoul Richter

1896

Zu Ende Juli abends gewahrte ich in der Andrianschen Villa, die sonst verschlossen war, ein offenes Fenster und sah einen jungen Mann sitzen, der, sich selber am Klavier begleitend, ohne Noten leidenschaftlich in die Dämmerung hineinsang. ich erkannte ihn für den gleichen, den ich tags zuvor hatte im Regensturm mit starken, schnellen Schritten am See entlanggehen sehen, gleichfalls leidenschaftlich, stoßweise vor sich hinsingend. Einige Tage später, als ich in einen bäuerischen Wirtsgarten trat, saßen einige mir Befreundete an den Tischen; sie winkten mich hinzu; als ich nahe war, erkannte ich, daß dieser Fremde unter ihnen war, ein Dunkler, Mittelgroßer, Breitschultriger, der sich erhob, als ich hinzutrat: es war Richter. Sein Vortreten war lebhaft, der Händedruck schnell und stark, der Blick sehr schnell und fest auf mich gerichtet; so auch jedesmal im Gespräch, dazwischen aber vor sich hin ins Leere oder nach oben mit einem zeitweiligen Zurückwerfen des Kopfes. Beides, Aufmerksamkeit und Sichverlieren, völlig scharf geschieden, beides kraftvoll; aus der einen in die andre Stellung der Körper jäh geworfen, desgleichen die Drehung des Auges jäh, daß das Weiße stark aufleuchtete: hier erkannte ich sogleich den im Dunkel stoßweise vor sich Hinsingenden wieder.

Ich fühlte ihn älter als mich; er wars, wenn auch nur um wenige Jahre, die aber in der ersten Hälfte der Zwanziger bedeutend sind. Seine Aufmerksamkeit war mir wohltuend, etwas Festes, Bestimmtes an ihm zog mich an. Es war der erste Jüngling norddeutscher Geistesbildung, der in meinen Gesichtskreis trat. Ich hörte, er wäre vor kurzem beträchtlich krank gewesen; aber ich begriff, er war nun ganz gesund, und reifer, als wenn er etwa die Prüfung dieser Krankheit nicht mitgemacht hätte. Wir waren unser mehrere, alle nahe den zwanzig, gesellschaftlich und durch andre Umstände war er sogleich an uns angeschlossen; doch blieb er ein Bestimmter für sich, der Fremde, der Reifere, der Ältere. Ich besuchte ihn, er erwiderte den Besuch, freute sich des Quartiers, das ich bei meinen Bauern innehatte, die mir, mitten zwischen ihren Schlafstuben, eine Kammer eingeräumt hatten. Ich mußte ihm zeigen, wo ich nachts, unter einer morschen Treppenstufe den Türschlüssel zu finden gewohnt war; der alte Apfelbaum, dessen Zweige eine ganze Seite des Hauses beschatteten und an alle die kleinen viereckigen Fenster rührten, der Laufbrunnen: alles gefiel ihm überaus wohl; er nickte dem Baume zu; es war, als ob er zufrieden das alles wiederfände nach einer langen Abwesenheit. So auch in der freien Natur, wenn wir miteinander gingen. Wir stiegen einmal durch einen Tannenwald steil hinan; dann wurde es gemächlicher: kleine Wiesen, von hohen Bäumen eingeschlossen, schöne, stille Waldplätze nacheinander, auf dem dritten stand eine Hütte für die Holzmacher ganz aus Baumrinde, mit einer niedrigen Tür; ein Bursch kam daraus hervor und schloß sich uns an, er erzählte allerlei im Gehen: wie sein Bruder, der Bergarbeiter war, in einen dreizehn Meter tiefen Schacht hinabgestürzt sei und nur wie durch ein Wunder lebendig geblieben, und wie der Fehler bei den Beamten liegt, die verstünden nichts und verlangten das Unmögliche, es seien Fremde; wäre aber einer ein Hiesiger, so hätte er gleichwohl kein Einsehen, sei wie die andern, geizig, befehlshaberisch nach unten, duckmausig und falsch nach oben, das sei einmal so, wenn einer ein Amt habe, darum möchte er keines, wenn man ihn gleich in eines einsetzen wollte. Dann von der Jagdherrschaft, wie der junge Graf ein großer Sparmeister sei, meinte, er könnte es mit fünf Jägern richten, wo sonst ihrer neun im Revier gewesen; die andern entlassen ohne viel Federlesens, darunter auch seiner Schwester Mann mit fünf kleinen Kindern; so seien die Menschen: wenn sie reich seien, wollten sie noch mehr haben. Der große, schöne, hochgewachsene Bursch redete in allem freiweg, aber ganz ohne Zorn oder Anklägerei; man fühlte, ihm war bei seinen zwanzig Jahren das Leben lieb, und er wußte sich nichts Bessers als Heu- und Holzmachen oder Treiben auf der Gemsjagd, den Sonntag das Wirtshaus oder die Schießstätte.

Richter machte ihn völlig zutraulich durch das wenige, was er einwarf, ihm war rein und gut zumute allem Menschlichen gegenüber. Ich blieb hinter ihnen zurück, es wäre mir lieber gewesen, wir gingen nun allein; der Abend fiel ein, die Sterne leuchteten zwischen den Bäumen auf, diese Stunde ging mir über alles, ich hätte tief ins Dunkel hineinmögen, zugleich aber auch ins Freie hinaus, übers Tal hin, wie das jetzt eigentümlich dalag, jeder Baum für sich, jede Hütte, jeder Heustadel wie in der Kirche. Wir kamen auch an eine Waldblöße, der Bursch trennte sich von uns und lief senkrecht hinab durchs Krummholz, wir sahen hinüber auf dunklen Wald, hinunter ins Seitental, der Augenblick, wo Tag und Nacht sich verschränken, war vorüber, das Licht schon kalt, ich sogleich verdrossen, der ganze Spaziergang war mir zuwider, alles so gleichgültig, ich hätte lieber allein in meiner Kammer sitzen mögen und auf den Laufbrunnen horchen oder in einem Buch lesen. Wenn ich nicht das überschwengliche empfing, war ich enttäuscht, in mir, um mich alles so hohl und spitz, das Liebesgefühl erstarrt. Die Bäume standen so hölzern da, eine Wolke hing grau, träg ins Tal hinein, es war nichts. Ich war wie ein Spieler, der alles auf einen Wurf setzte: es ging mir immer um eine Trunkenheit, die ohne Namen war, oder um nichts. Richter war heiter und erfüllt, sein Blick ging hinüber zu den Wäldern, hinab ins Tal, dann hinauf, wo bald die ersten Sterne kommen mußten. Im Hinuntersteigen kam ihm ein Gespräch auf die Lippen, oder er wählte es, weil er fühlte, wie mich die Einbildungskraft zwischen Zuviel und Zuwenig jäh herumwarf: er sprach, wie der reifende Mensch die Fülle über die Überfülle stellen lerne, die fromme Zufriedenheit über die schweifende Sehnsucht. Sein Gang war schnell unterm Reden, sein Blick selten auf den Weg, sondern vor sich, auf ein Etwas hin, zuweilen fast starr. Er sprach für mich, aber nicht eigentlich zu mir. Es war, als ginge er immer hastig auf ein Licht los, das er innerlich gewahr wurde.

Einen anderen Nachmittag begleitete er mich nach Hause. Über einen Wiesenweg kamen meine Hausleute daher, gekleidet wie am Sonntag und jedes eine brennende Kerze in der Hand. Es war hinterm Salzberg jemand aus der Freundschaft gestorben, und sie gingen pflichtgemäß die Nacht im Sterbezimmer durchzubeten. Die drei Gestalten, der alte Mann, die noch jugendliche Frau, seine Tochter, und das hochaufgeschossene Enkelkind, wie sie so eigentümlich in der Dämmerung an uns vorüberschritten, eines hinter dem andern, und wir zur Seite traten und sie uns grüßten, doch anders als sonst: mir war ehrerbietig zumute. Jedes hielt die Kerze ernst und feierlich, als wäre es sein eignes Lebenslicht, das Mädchen Romana ging voraus, sie war sonst ein Kind, jetzt erschien sie als eine Jungfrau; der Alte ging als letzter, seine starke Greisenhand schloß sich fest um die Kerze: er ging mutig-ernst, die Frau, seine Tochter, gottergeben, die Enkeltochter ahnungsvoll. Mir war, sie gingen alle auf ihr Grab zu, aber nichts von Bangigkeit, nur feierlich schön, den Weg alles Lebens. Das Geheimnis der Lebendigen riß mächtig durch mich hin, die Reinheit erschütterte mich, wie von solchen Menschen das Leben gelebt wird. Ich hatte dreifaches Heimweh in mir: nach der unschuldigen Jugend, nach der Mitte des Lebens und nach dem erfüllten Greisenalter; ich hätte mögen in ihnen allen zugleich sein und stand doch nur seitwärts am Wege. Die Lichter entfernten sich, es war noch nicht Dämmerung, aber eine trübe, lichtlose Stunde, alles war weit, leer, fremd. Richter war still, wir stiegen aufwärts. Er sprach von der Reinheit, wie sie überall sein könne, nicht bloß bei den Einfältigen; wie es sich darum handle, überall zum wahren Anschauen vorzudringen, das Entmischte zu erblicken, das von einer göttlichen Kontur umrissen ist. Ich fiel ein von der Reinheit der Jahreszeiten, und wie ich mich zuweilen grundlos sehnen müsse, von der einen in die andre: wie im Winter Eisblumen zuweilen das ganze Glücksgefühl des Hochsommers in die Seele stießen, oder wie ich mich heute nacht habe unerklärlich sehnen können nach dem Einfallen des Föhns in einer Februarnacht, daß ich meinte den Schnee zu hören, der von den Bäumen tropfte, unter die Felswand rieseln, den Bach befreit aufrauschen in ungewissem Licht, und wie dies meiner Seele nahe gewesen sei, die träge feuchte Sommernacht aber, die mich umgab, weit weg und fast unwirklich. Er erwiderte nichts, aber ich fühlte den Widerstand in seiner Seele, daß ich weiterschweife von einem zum andern wo er das Gegebene anschaute und die Grenzen achtete und liebte. Ich fuhr fort: wie immer das Ersehnte so rein scheinen und immer die Sehnsucht nach rückwärts, nach dem als Kind Erlebten, daß mir alles Schöne nur war, als erinnerte es mich an ein Früheres, und die Sehnsucht nach dem Unendlichen, daß ich mich in den Schmerz mit Wollust versenken könne, ja selbst in unwahren und geträumten Schmerz, weil ein Unendliches sich offenbare. Ich fühlte, er duldete und verstand mich, ohne mir mit dem Gefühl nahe zu sein; er sprach nichts aus, leise wandte er das Gespräch: daß es zweierlei Reinheit gäbe und ein Doppeltes in uns nach dieser zweifachen Reinheit suche, verschieden nach den innern Lebensstufen, und daß auf der reifen Stufe das Reine erkannt werde als das Wesentliche und das, was allein Bestand habe. Er verfolgte das weiter, wie die Reinheit immer fest gegründet, erworben und erkämpft werden müsse, wie sie nicht im gestaltlos Großen und Vagen gesucht werden dürfe, sondern wie sie im Kleinsten beruhe, im Einzelnen, im Nichtschwanken, Nichtmischen, Nichtvermischen, in der Zucht und unablässigen Lebendigkeit des Herzens. Er sprach von den hohen gereinigten Begriffen, dem wahren Tempelschatz der Menschheit, von der Reinheit des Erkannten, der Reinheit der Begrenzung. Wie alles durch Kampf und Leiden erworben und erlitten werden müsse; freilich sei alles namenlos bedingt und verhäkelt, aber zugleich doch so frei, so erfüllt und begnadet: wie schließlich der Geist alles zusammenhalte in der lebendigen Reinheit. Er führte das noch weiter aus; ich spürte wohl, daß er vom wirklichen Leben redete, von der Mannhaftigkeit, und daß er auch auf die bleibenden Lebensverhältnisse hindeutete, an die nichts in mir dachte; daß er zwischen zwei Altern stand und vor ihm schon Ehe und Vaterschaft lagen. Ich schwieg; das Tageslicht war nun auch hier oben weg, aber die Farbe trat unsäglich hervor an jedem Ding, an dem Laub der Buchen, der Rinde; andre Stämme, die an der Erde lagen, waren geschält, wie nackt; nicht tot, nicht lebendig, sondern zwischen beiden. Das Wasser floß jetzt neben uns hin, ohne Wirbel, leuchtend tiefes Grün; in mir war ein traumartiges Aufnehmen von alledem. Wir kamen einen Abhang hinunter, da stand ein einsames Bauernhaus; aus dem einen kleinen viereckigen Fenster fiel ein Licht über die Wiese hin, dann schob sich ein Schatten davor, das Licht verschob sich, erlosch dann für eine kurze Weile. In den wenigen dürftigen Zeichen fiel mich das Ganze des Menschenlebens an, die vier Wände, das niedrige Dach über dem Kopf, das Drinnen und Draußen, das Eingeschlossene, das Erbärmliche, das Wunderbare. Ich erkannte dann das Haus, es gehörte zweien Brüdern; der eine war ein Großer mit einem Kropf und schiefgestellten bösen Augen in dem ganz runden kleinen krummnasigen Gesicht. Dieser war unmäßig geizig; dem jüngeren Bruder, der schwachmütig und plump war, lud er Grummet auf, daß ihm fast das Kreuz brach, spannte ihn ein wie einen Zughund, fütterte ihn mit den Abfällen; diese hausten hier allein miteinander, gleichwohl fiel der Schein jetzt wieder sanft und herrlich aus der Kammer wie von einem Stern. Alles, was vorüberkam, und was in der Ferne war, blickte mich an; ich kann es nicht anders sagen: lauter Leben trat aus sich heraus, alles löste mich auf, ein leises, bängliches Gefühl mischte sich ein, aber nur kaum, es war nur die Ahnung der Überfülle, wie bei einem Gefäß, das überzulaufen droht. Richter ging vor mir, er sang vor sich hin; ich konnte die Worte nicht verstehen, mir schien, es waren Goethesche Verse, der Klang war mutig und leidenschaftlich-hoffnungsvoll, es war, als hätte er sich in einen Kahn geworfen und fuhr, seines Zieles sicher, durch die Nacht dahin, indessen ich in dunklen Wellen unterging.

Den letzten Abend kam er spät nachts, klopfte an mein Fenster, ob ich noch wach wäre und in Kleidern: »Kommen Sie«, sagte er, »ich muß Ihnen meinen Baum zeigen, die uralte Riesentanne überm See. Sie sehen sie diese Nacht in ihrer ganzen Größe oder nie.« Er führte mich steil bergauf, der Wind strich durchs nebelfeuchte Krummholz hin, es war ein gewaltiges Wehen über dem Wald; nirgends ein Riß im Gewölk, doch das Mondlicht überall durchgesickert. Richter war belebter, aufgeregter, als ich ihn je gesehen hatte; daran, daß er mich jetzt geholt hatte, erkannte ich, daß er mir sehr wohlwollte. Er klomm schweigend und rasch voraus, als fürchtete er, etwas Großes zu versäumen. Nun waren wir lotrecht über dem See, ich fühlte es. Ich zog mich durchs Krummholz aufwärts, wollte ihn einholen, da trat er selbst zurück, hielt mich am Arm: der riesige Baum stand uns entgegen. Unter uns ging der Sturm, der See schlug laut an sein Ufer, überall floh nachtfarbenes Gewölk schnell dahin: aber der Baum regte keinen Ast, und an dieser einen Stelle, durch irgendwelches Gewände geschützt, schien die Gewalt der erregten Atmosphäre nur dazu da, um das milde Licht stärker und stärker anwachsen zu lassen, als würde es aus fernen Räumen unablässig herangetrieben. In eine mit jeder Sekunde wachsende Helligkeit reckte der Baum schweigend seine Riesenäste, er regte sich nicht und schien gerade darum in einem gewaltigen Tun begriffen. Es war heller und heller geworden: aus der einen Nacht trat eine andre, schönre hervor. Ich sah auf Richter hin: sein Gesicht war verändert, daß ich es kaum erkannt hätte, sein Auge irgendwo – so mußte es sein, wenn er allein ging und sang.

Als wir unten waren, auf einem Weg, im Tannenwald, dessen Zweige sich im Wind bewegten, alles schwarz und weiß, sagte er zu mir: »Wenn Sie in einer Nacht allein dort oben stehen werden, gedenken Sie meiner. Denn man muß allein dorthin: die Nacht, dieser Baum und der einzelne Mensch. Ich verabschiede mich heute von Ihnen, es war unser letzter Spaziergang.« Ich entsinne mich nicht, daß wir mehr als dies gesprochen hätten. Wir traten in sein Zimmer, er zündete eine Kerze an. Ich fühlte, er hätte ans Klavier treten mögen, das aufgeschlagen war, aber er tat es nicht. Er atmete stark; an seinem Gesicht waren noch Spuren der Veränderung, aber schwächer als oben, angesichts der Tanne. Sein Blick nicht mehr irgendwo, aber auch nicht ganz irdische Festigkeit, Aufmerksamkeit, sondern mehr von innen erhellt und bewegt. Er wandte sich, ging im Zimmer auf und ab, trat ans Fenster. Auf einem Tisch lag ein aufgeschlagenes Buch, das Licht der Kerze fiel hell auf die weißen Blätter. Ich kannte das Buch: es war Hölderlins »Hyperion«. Eine Stelle war mit Blei bezeichnet: »Glaube mir, du hättest nie das Gleichgewicht der schönen Menschheit so rein erkannt, hättest du es nicht so sehr verloren gehabt.« Richter trat heran, sein Blick ruhte auf mir mit einem unbestimmbaren Ausdruck: es ist in solchen Augenblicken, als träte das Seelenhafte aus uns heraus, umschwebte uns, würde berührbar. – Er sprach dann von der Zukunft, von dem, was in uns würdig werden müsse und würdig bleiben zu einem höchsten Amt: Vaterschaft.

Vor meiner Seele stand der Baum und die Art, wie er mich hinaufgeführt hatte, mir dies zu zeigen und zu hinterlassen, wie ein Vermächtnis. Ich fühlte das kaum Deutbare, Unauflösliche in alledem, und wie sich unsre ganze Begegnung und Freundschaft in dieser Stunde zusammenfaßte. Er geleitete mich hinaus, nahm eine Kerze mit, mir bis an die Haustüre zu leuchten. Die Bäume rauschten leise, der Himmel hatte sich völlig verdunkelt. Wie er die gekrümmte Hand vors Licht hielt, mir den Schein auf den Weg zu werfen, ich mich noch einmal wandte, ihm ins Gesicht zu sehen, wir beide so allein, über der Kerze die grenzenlose Finsternis, sein Blick noch einmal auf mir, sorglich, etwas vom Vater in seinem Blick, etwas von der Vaterschaft, die von jedem Ältern zu jedem Jüngern geht, da trat in beiden ein unnennbares Gefühl hervor, ganz plötzlich: beide, ich weiß es, fühlten beide – jeder sah sich und den andern dastehen, Gestalt gegen Gestalt, jeder spürte den Gebenden und den Empfangenden, das Geben und das Empfangen, und das ganz außerhalb seiner selbst, das ganze geisterhafte Geheimnis daran und die Finsternis darüber, und so sagten wir uns Lebewohl.








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