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Heinrich Spiero: Raabe - Kapitel 10
Quellenangabe
typebiography
booktitleRaabe
authorHeinrich Spiero
year1925
firstpub1924
publisherA. Ziemsen Verlag
addressWittenberg
titleRaabe
pages329
created20180707
sendergerd.bouillon@t-online.de
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8. Kapitel

Süddeutsche Jahre

Wilhelm Raabe hatte Stuttgart zum Ort seiner ehelichen Niederlassung gewählt. Hier war der Junggeselle gut aufgenommen worden, hier hatten die Hausblätter eine seiner Erzählungen gedruckt. Vielleicht kam auch der Wunsch hinzu, die wolfenbüttler Freunde nicht in die zu erwartenden Schwankungen eines engen Schriftstellerhaushalts hineinsehn zu lassen und das Schifflein der Häuslichkeit zuerst fernab in gerade Fahrt zu bringen. Die Trennung von der Mutter war wohl schwer gewesen, aber der jüngere Sohn war nun schon in den Staatsdienst getreten, Auguste Raabe war sorgenfreier und ihr Vertrauen gehörte Wilhelm wie der ihr rasch ans Herz gewachsenen Schwiegertochter unverbrüchlich.

Die auf Stuttgart gesetzte Hoffnung wurde nicht enttäuscht. So gütig wie vor drei Jahren kamen die dortigen Schriftsteller auch jetzt Wilhelm Raabe und nicht minder seiner schlanken, zarten Frau entgegen. Da war zunächst der Mitherausgeber der Hausblätter, der damals dreiundvierzigjährige Edmund Höfer, ein handfester Erzähler von norddeutschem Klang, der besonders die jüngste Vergangenheit seiner pommerschen Heimat stimmungsvoll zu gestalten wußte, aber freilich allzuviel schrieb und dadurch verflachte. Raabe waren seine militärischen Erzählungen besonders lieb. Auch Friedrich Wilhelm Hackländer entging der Gefahr übergroßer Schreibseligkeit nicht, aber 100 die Buntheit seiner Romane und der Humor seiner kleinen Geschichten schufen ihm mit Recht ein großes Publikum. Beide waren liebenswürdige Gesellschafter, gute Plauderer und Zuhörer auf langen Spaziergängen und am behaglichen Wirtstisch. Dazu kam bis an seinen drei Jahre später erfolgten Tod der Herausgeber des Morgenblatts, Hermann Hauff, des früh verstorbenen Wilhelm Bruder und Nachfolger, und auch Wolfgang Menzel hat Raabe noch kennengelernt; Uhland bekam er nicht mehr zu Gesicht und ward durch Krankheit im Hause sogar an der beabsichtigten Teilnahme an seinem Begräbnis verhindert. Auch Moritz Hartmann zog im Jahre 1863 nach Stuttgart, der einzige im engsten Freundeskreise, der in der Paulskirche gesessen hatte, langjähriger Flüchtling, Kriegskorrespondent in der Krim, ein geistvoller Sprecher und freundlicher Mensch, der den Stadtgenossen Kunde aus der ganzen Welt vermittelte und ihnen dann wieder seine von Raabe gegen allerlei Angriffe verteidigten humoristischen Märchen brachte. Der dritte vielgelesene Erzähler unter den neuen Freunden war der grundgütige Otto Müller, ein Historikus, wie Raabe selbst, berühmt geworden durch seinen anschaulichen Roman über Gottfried August Bürger und nun Spezialist des Theater- und Literaturromans, wie er denn Ekhof, Iffland, Charlotte Ackermann in etwas breiten und rührseligen, aber doch in vielem lebensvollen Geschichten darstellte. Müller steckte voller Anekdoten und Schwänke aus verschollenen Büchern, Blättern und Erinnerungen, und das lockte Raabe ganz besonders. Der andere Müller der Runde, Karl, als Otfried Mylius bekannt, fruchtbar und auf den verschiedensten Gebieten heimisch, teilte mit dem Namensvetter und Raabe das geschichtliche Interesse. Die erste dichterische Vollnatur im Kreise aber war der echtbürtige Schwabe Johann Georg Fischer, dessen unvergeßliches 101 Lied von der müden Stunde, der dritten Stunde nachmittags, Raabe dankbar an den Scheitelpunkt einer seiner spätesten Erzählungen gerückt hat. Fischer war wie Raabe ein unermüdlicher Beobachter des Volkslebens, des Fuhrmanns im Ausspann, der Menschen auf der Gasse und ein unvergleichlicher Deuter der Atmosphäre, des Zaubers der Tages- und Nachtzeiten. War er darin dem andern Schwaben Hermann Lingg verwandt, so mußten seine Verse Raabe ebenso wie die Linggs anziehen und beide trafen sich zudem in der echten Schillerbegeisterung und in der Begeisterung für den Deutschen Schiller.

Wie in Wolfenbüttel, so suchte und fand Raabe auch hier Verkehr außerhalb des eigentlichen Literatenkreises. Der Gymnasiallehrer Scholl trat ihm nahe; der ausgezeichnete Jurist Karl Schönhardt, zwei Jahre jünger als Raabe selbst, ward einer seiner engsten Freunde, und Raabe hat in treuer Zuneigung den Aufstieg des Freundes bis zum Staatsrat und General-Staatsanwalt begleitet. Freilich war auch dieser Jünger der Themis in dem liederreichsten deutschen Lande der Dichtung nicht fern; er, der Fortbildungsschuldirektor und Realschulprofessor Johann Georg Fischer und der Hofschauspieler Feodor Löwe, auch dieser ein Raabefreund, vereinigten sich sogar zu einem Hefte gemeinsam zusammengetragener Strophen. Den Reigen der Fakultäten zu erweitern, trat der ehemalige Arzt Friedrich Notter hinzu; seine Bulwerübersetzung, gemeinsam mit Gustav Pfizer vollbracht, hatte Raabe schon in Magdeburg in Händen gehabt, zur stuttgarter Zeit begann Notter Dante zu verdeutschen, und er brachte, wie Hartmann, als ehemaliger Abgeordneter, wenn auch nur in seiner württemberger Heimat, eine politische Note in den Kreis. Welch ein Erlebnis war es für sie alle, als im Jahre 1867 Ferdinand Freiligrath, von den Banden des Exils gelöst, heimkehrte und zuerst in 102 dem lieblichen Kannstatt, dann in Stuttgart selbst Wohnung nahm, als Raabe dem Dichter, dessen Werke über seiner Schulzeit gewesen waren, die Hand drücken durfte!

Die Wohnung, Gymnasiumstraße 15, war behaglich, wenn auch die drei Treppen für Raabes Neigung zum Asthma manchmal beschwerlich sein mußten. In wenigen Minuten erreichte man den Königsplatz und den Schloßgarten. Am 17. Juli 1863 beschrie ein erstes Kind, Margarethe, die Wände. Es brachte nur Freude, keine Sorge, denn das bescheidene, aber leidlich stetige Einkommen erlaubte ein schlichtbürgerliches Leben.

In der Künstlergesellschaft des Bergwerks fanden sich die Freunde wieder und wieder zusammen. Die meisten von ihnen waren zugleich Mitglieder des Literarischen Sonntagskränzchens, das alle zwei Wochen reihum bei den Familien zusammentraf. Zwischen Kaffee, Kuchen und Zigarre wurde vorgelesen, erzählt, beurteilt. Auch der gewandte Theatermann Feodor Wehl gehörte dazu, Ende der sechziger Jahre trat der eben zur Journalistik übergegangene bayrische Artilleriehauptmann Friedrich Karl Schubert bei, und Auerbach saß, wenn er in die Heimat kam, neben Freiligrath und Ludwig Pfau mit am Tisch. Gemeinsame Ausflüge wurden gemacht, von den grünen Höhen auf die Stadt herabgesehen, das Neckartal und der Schwarzwald durchstreift, dann wieder beim Stotz in der Ledergasse und in anderen alten Kneipen eingekehrt. Durch Hartmann kam Raabe zu den Verleger Eduard Hallberger, der in Über Land und Meer einige seiner kleinen Erzählungen abdruckte. Hallberger suchte damals Mitarbeiter für seine neue Zeitschrift und Autoren für seinen Verlag. Eben waren die ersten Zeichnungen Wilhelm Buschs auf den Münchener Bilderbogen bekanntgeworden. Raabe war diese auf Zerstörung auslaufende Kunst im tiefsten unsympathisch, »er war 103 eigentlich ein Marterkasten«, hat er einmal von Busch gesagt. Aber er erkannte natürlich die Genialität seines niedersächsischen Landsmanns und empfahl ihn gleich am ersten Abend Hallberger, der auch mit Busch in Verbindung trat und ihn für seinen Verlag gewann. Den Besuch von Konzerten und auch, wenn es Trauerspiele gab, den des abonnierten Theatersitzes überließ Raabe der jungen Frau, die davon reichlich Gebrauch machte, bis ihr einst der Wiederholungen von »Agnes Bernauer« zu viel wurden. Sie hörte auch französische Vorlesungen eines tübinger Professors über improvisierte Redekunst und trug durch wohllautenden Gesang zur Geselligkeit in dem immer größer werdenden Bekanntenkreise bei. Von Weinsberg kam der wunderliche Theobald Kerner, der Hüter eines reichen und seltsamen Erbes, noch bis vor kurzem ein kannstätter Bürger, häufig zu den Vereinigungen der Freunde herüber. »Allemal war es ein Fest«. wenn der nach Heyses Wort mit tief verschlossenem Visier durchs Leben gehende, vereinsamte große Erzähler Hermann Kurz von Tübingen in Stuttgart erschien. Einig mit Heyse war Raabe auch in dem Urteil über einen ganz anders gearteten stuttgarter Bekannten, über Heinrich Leuthold, von dem Heyse kurzweg sagte, daß er weder verkannt, noch ein Genie gewesen sei. Raabe war die Begegnung mit dem krankhaften, eiteln, trunksüchtigen, jeder Beherrschung entbehrenden Manne unerfreulich. und er hat den Untergang dieser begabten Natur wohl mit Bedauern, aber ohne innere Teilnahme verfolgt. Um so lebendiger fesselte ihn der merkwürdigste aller damals in Schwaben seßhaften Dichter, der Ostpreuße Friedrich Albert Dulk. Nach unstetem Wanderleben in Ägypten, langer Einsamkeit in einer Höhle des Sinai und einer Sennhütte am Genfer See hatte der nun in Stuttgart eine Heimstatt gefunden; immer beschäftigten ihn weit gespannte dramatische Pläne 104 – gerade damals beendete er sein großer Züge nicht entbehrendes Spiel Jesus der Christ – immer war er voller religiöser und sozialer Reformideen. Dulk lebte in Gewissensehe mit drei Frauen, aber es strahlte, wie noch die junge Isolde Kurz empfand, von ihm und den Seinen eine solche Reinheit aus, daß der gerade in solchen Dingen äußerst peinliche Raabe daran keinen Anstoß nahm. Der »wunderliche, doch auch edelherzige« Mann blieb ihm lange wert.

Der fleißige Herausgeber und Kunstschulprofessor Georg Scherer und der Maler Heinrich Rustige gehörten in den Kreis, und nur mit den beiden größten gebürtigen Schwaben der Zeit kam kein Verhältnis zustande. Eduard Mörike hat Raabe nie gesehen. Während der junge Dichter der Mutter schrieb, er ließe sich tüchtig umtreiben, da die Bewegung immer das beste im täglichen Leben sei, hielt Mörike sich scheu zurück, und Raabe mochte ihn nach den Schilderungen der Freunde nicht aufsuchen; das ruheselige Element (er nannte es wohl einmal grob und deutsch Faulheit) in dem großen Lyriker stieß ihn ab. Friedrich Theodor Vischer aber verschüttete es mit Raabe, als der eben berufene Professor der Ästhetik der jungen Frau Bertha, seiner Tischdame, sein Steckenpferd vorritt und ihr im breitesten Schwäbisch die angebliche Scheußlichkeit ihrer norddeutschen, braunschweigischen Aussprache vorhielt.

Im Jahre 1865 kam Wilhelm Jensen, eben im Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn, nach Stuttgart. Auch er war jung verheiratet, hatte sich aus Wien Marie Brühl, die Tochter eines Universitätsprofessors, ins Haus geholt und wuchs gleich dem sechs Jahre älteren Raabe in Stuttgart fest. Rasch bekannt und bald vertraut, sahen sie sich durch die musikalischen Neigungen der beiden Gesponsen, vor allem aber durch eigenen gemeinsamen Hang zur 105 deutschen Geschichte und durch politische Übereinstimmung noch stärker verknüpft als durch das gleiche Metier. Auch Jensen hing den Zielen des Nationalvereins, der Einigung eines freiheitlich verfaßten Deutschland unter preußischer Führung an, und die Freunde fanden sich dann wohl auch einmal plötzlich auf der Straße zusammen, beide unfreiwillig und handgreiflich aus einer partikularistischen Versammlung entfernt. Wie Freimaurer kamen sie sich oft unter den andersdenkenden Schwaben vor. Leicht machte es ihnen wie ihren Gesinnungsgenossen draußen die preußische Politik ja nicht, Stange zu halten. Es kam wohl vor, daß sie zur Freude eines zugereisten Norddeutschen mitten im Kreise alemannischer Kleinstaatler Preußen als den Hort der Zukunft priesen und dann den Mann aus dem Norden doch wieder tief enttäuschten; denn daheim, nach der Rückkehr vom Stammtisch, hatten sie ihres Jammers über die Politik der preußischen Regierung in der Konfliktszeit kein Hehl, und Raabe durfte, auch aus Jensens Herzen, dem überraschten Gaste ingrimmig lachend sagen: »Ja, lieber Freund, jetzt sind wir in der Familie, da dreht sich der Spieß um und man kann die schmutzige Hauswäsche waschen!« Sie kamen sich dann vor wie Fontanes Alte-Fritz-Grenadiere:

Wir dürfen frech sein und schimpfen und schwören,
Weil wir selber mit zugehören . . .

Aber es war ihnen oft eng und bang ums Herz, und sie wagten in den schwülen Entscheidungstagen von 1866 noch nicht zu hoffen. Wohl glaubten sie des preußischen Waffensieges sicher zu sein und waren wie gelähmt, als nach dem 3. Juli fünf Tage lang die Schlacht von Königgrätz in Stuttgart als vernichtende Niederlage Preußens ausgerufen wurde. Dann war der Sieg, der entscheidende Sieg gewiß – aber würde Preußen ihn nützen, würde es Jensens 106 Heimat zu seinen Händen nehmen, würde es, auf die erwiesene Macht gestützt, den innern Konflikt beenden, die äußere Einheit erreichen? Das geschah dann und mit ihren Gesinnungsgenossen, unter Bennigsens Führung, traten Raabe wie Jensen, dieser nunmehr alsbald Herausgeber der Zeitung der Deutschen Partei Württembergs, hinter den Preußischen Ministerpräsidenten. Daß das Königreich Hannover mit seiner ihm verhaßten Dynastie verschwand, empfand Raabe als Gerechtigkeit der Geschichte – sein einziges politisches Gedicht, Königseid, es hatte ja noch im späten Nachgefühl politischen Frevels dem Verfassungsbruch des Cumberländers von 1837 gegolten.

Er brach den Eid, der König ist verloren!

Jetzt hieß es, die einst im Nationalverein gewonnenen und befestigten Gedanken durch die nächsten Jahre aufrecht hinübertragen und bewähren. Oft genug mußte Jensen auf Raabes Bitte nach tief aufwühlendem Gespräch daheim oder auf dem Hasenberge zum Schluß noch eine Ballade sprechen, die Zeitstimmung in zeitlose Dichtung austönen lassen. Und eigene zeitlose Dichtung trug dann Raabe wie auf Schwingen über die Sorge für Weib und Kind mitten in Naturschönheit und Lebensgenuß »unter den Reben, den Freunden und Freundinnen des Neckartals«, über politische Kämpfe und Ärger hinweg. Fünf Tage nach dem Abschluß der Leute aus dem Walde wurde die erste Zeile zum Hungerpastor geschrieben, und als der nach Jahresfrist beendet war, folgten kleinere Erzählungen. Dann aber bringt das Jahr 1864 den Beginn der Drei Federn; die zwei Jahre vom Frühling 1865 bis zum nächstfolgenden März nimmt Abu Telfan in Anspruch, der Hallberger zuerst für Über Land und Meer und dann als Buch anvertraut wurde; und noch im Herbst 1867 beginnt das Schaffen am Schüdderump, der im Sommer 1869 fertig wird. Die 107 Zeit war erfüllt, es klang hell 1870 in die Gegenwart hinein, und Wilhelm Raabe kehrte mit den Seinen in die Heimat zurück. Wohl hatte der politische Zwiespalt seither manche sonst offene Tür verschlossen – dennoch sah der Scheidende mit warm empfundenem Dank auf Freundschaft und Förderung zurück. Er wußte, wieviel ihm diese acht Jahre im Süden gewesen waren, er wußte, warum ihm Georg Scherer zum Abschied Uhlands Worte zurief:

Nicht rühmen kann ich, nicht verdammen,
Untröstlich ist's noch allerwärts;
Doch sah ich manches Auge flammen,
Und klopfen hört ich manches Herz.

Er fühlte, wie der Freund Johann Georg Fischer in seinem Scheideworte:

Doch ob sich Liebendes und Liebes trennen,
Sie haben ja dieselbe Luft gesogen,
Um allezeit sich wieder zu erkennen;

Und wird ein Hauch denselben Wind erneuen,
So rauscht des Kornes wie des Meeres Wogen,
Verwandtes mit Verwandtem zu erfreuen.

Zum letztenmal kam das Kränzchen in der seit 1864 benutzten Wohnung Hermannstraße 11, mitten zwischen Feuersee und Karlshöhe, ganz nahe am Hasenberge, zusammen. Am 2. Juli gab es eine Abschiedsfeier auf der Silberburg. Am 17. stieg das Paar mit der auf den Tag siebenjährigen Grethe und der am 17. Juni 1868 geborenen Elisabeth in den Zug gen Norden. Alles was man ihnen an liebendem Gedenken und herzwarmen Wünschen mitgab, erwiderte Raabe aus voller Seele und rief den Freunden zu:

Einmal sah er noch vom Wagen
Auf der Freunde Kreis zurück,
Und der Glanz von Jahr und Tagen
Drängte sich in einen Blick. 108

Aus der Ferne, welch ein Klingen,
Aus der Nähe, welch ein Klang!
Und im Rauschen mächt'ger Schwingen
Wird dem Wandrer fremd und bang,

Horch, ein Rufen von den Hügeln –
Und ein Winken aus dem Tal!
Ziehst du fort auf eignen Fiügeln?
Ist's dein Schicksal? deine Wahl?

Sieh, da kommt's von allen Seiten,
Lang vergessen, neu erlebt,
Grüßend im Vorübergleiten,
Licht und Dunkelheit verwebt;

Winterschnee und Blütenbäume,
Lust'ger Weg durch Feld und Hain,
Lebensnot und Dichterträume,
Klug Gespräch beim Lampenschein!

Und die trauten Stimmen sagen;
Weißt du noch? . . . o denke dran!
Alles mußt du mit dir tragen,
Was dich hierher binden kann!

Über deinem Haupte Schwingen;
Aber Blei an deinem Fuß!
Stets in deinen Norden dringen
Wird des Südens warmer Gruß! –

Und vom Wagen in die Runde
Reicht der Freund jetzt still die Hand;
Leuchten wird in ferner Stunde,
Was im Augenblick verschwand! 109

 


 

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