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Quer durch Afrika

Gerhard Rohlfs: Quer durch Afrika - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
booktitleQuer durch Afrika
authorGerhard Rohlfs
year1984
publisherK. Thienemanns Verlag
addressStuttgart - Wien
isbn3-522-60580-2
titleQuer durch Afrika
pages3-373
created19991112
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1874
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Als Weißer war ich natürlich, zumal nordische Araber und Berber höchst selten bis hierher kommen, ein Gegenstand des Erstaunens für die Einwohner. Sobald ich mich auf der Straße sehen ließ, eilten die Leute herbei und betrachteten voll Neugier den weißen Nassara. »Seht«, riefen sie einander zu, »auch seine Haare sind nicht schwarz. – Seine Nase ist gebogen, wie bei den Schua-Arabern. – Ob er mit seinen Augen auch bei Nacht sehen kann? – Ein Weißer kann ja die Sonnenstrahlen nicht vertragen!« usw.; keiner jedoch wurde zudringlich oder legte gar fanatische Unduldsamkeit an den Tag.

Nach den freundlichen Worten, womit mich der Kre-ma begrüßt hatte, glaubte ich, er würde auch für unsere Verpflegung sorgen. Allein vergebens harrten wir abends auf eine Sendung von ihm und hätten den Tag hungrig beschließen müssen, wenn uns nicht die Nachbarn und die Frau des abwesenden Stadtobersten mit Mundvorrat versehen hätten. Am anderen Morgen erschien der Kre-ma in meiner Hütte, entschuldigte sich unter allerlei nichtigen Vorwänden wegen der Versäumnis vom vorigen Abend und versprach, sogleich ein Frühstück zu senden. Ehe er fortging, überreichte er Almas einen Mariatheresientaler; nach der Sitte hat nämlich jede Stadt dem durchreisenden Kam-mai-be einen oder zwei Taler zum Geschenk zu machen. Indes auch das versprochene Frühstück blieb aus, und ich war genötigt, zur Stillung unseres Hungers Ngangala und Birma zu kaufen. Die Birma ist eine Yams-Art mit rankendem Laub, einer mehlhaltigen, etwas bitteren, aber sehr nahrhaften Wurzelknolle, die bisweilen die Größe einer Flasche erreicht und unangebaut wild im Wald wächst. Empört über die Wortbrüchigkeit des Kre-ma ließ ich ihn zu mir rufen. Ich schalt ihn und drohte, indem ich ihm den Taler, den er Almas gegeben, vor die Füße warf, ich würde den Sultan von seinem Benehmen gegen mich in Kenntnis setzen. Ohne ein Wort zu erwidern, hob er den Taler vom Boden auf und steckte ihn gelassen ein. Dann entfernte er sich, mit dem Versprechen, zum Abend Speisen für uns herbeizuschaffen. Natürlich kamen sie ebensowenig wie das Frühstück. Almas ersetzte ich seinen Taler aus meiner Tasche; unsere Abendmahlzeit aber fiel kärglich genug aus, da es auf dem Markt nichts Genießbares außer saurer Milch zu kaufen gab. Immerhin hatte der Rasttag meinen kranken Leuten sowie den ermüdeten Lastochsen gut getan.

Frühmorgens am 16. September verließen wir den ungastlichen Ort und gelangten bald ans Ufer der Ngadda. Der Fluß, der hier gerade von Westen nach Osten strömt, war bis zum Rand mit Wasser gefüllt; in manchen Jahren tritt er aus seinem Bett und überschwemmt alle Felder bis dicht an die Stadt. Seine Breite betrug sechzig Meter bei durchschnittlich sechs Meter Tiefe.

Das Übersetzen über den Fluß ging rasch vonstatten. Die Pferde und Ochsen wurden schwimmend hindurchgeritten, und diejenigen meiner Leute, die nicht schwimmen konnten, ließen sich von anderen auf Kürbisschalen hinüberbugsieren. Am jenseitigen Ufer marschierten wir in der Richtung von 160 Grad dem Ort Mai-schig-eri zu, den wir nach eineinhalb Stunden erreichten.

Mai-schig-eri liegt einen Kilometer von der Ngadda entfernt, die hier in gleicher Breite wie bei Mai-dug-eri von Südwesten nach Nordosten fließt; ich badete gegen Abend im Fluß und fand sein vollkommen süßes Wasser so klar, daß ich bis zu zehn Fuß Tiefe hinab Gegenstände deutlich zu erkennen vermochte. Die Bevölkerung des Ortes, wohl zweitausend Seelen stark, ist aus Negern und Schua-Arabern gemischt. Man brachte uns, im Gegensatz zu der schlechten Bewirtung, die wir in Mai-dug-eri gefunden hatten, Speisen in Hülle und Fülle, und Almas erhielt eine schöne Kulgu (das Kleidungsstück, das arabisch tobe heißt) zum Geschenk, worauf er sich nicht wenig einbildete. Ja, man bezeigte mir förmlich Ehrfurcht; begegneten mir Weiber auf der Straße, so ließen sie sich, den Kopf zur Erde gebeugt, auf die Knie nieder und verharrten in dieser demütigen Stellung, bis ich vorüber war. Leider herrscht unter den Schua in entsetzlichem Grad die konstitutionelle Syphilis, und das Übel wirkt umso verheerender, weil sie gar kein Mittel dagegen kennen. Ich wurde daher von allen Seiten um Medizin angegangen, konnte aber nicht damit dienen, da ich meine Medikamente außer Chinin, Opium und Weinstein (zur Bereitung von Limonade) in Kuka gelassen hatte. Auf Begehren der Kranken schrieb ich ihnen Sprüche auf; sie waschen dann die Tinte von der Schrift, trinken das geschwärzte Wasser und halten dies für die beste Arznei. Ohne Zweifel waren es Araber, durch die den Negern die Venerie zugeführt wurde. Woher käme es sonst, daß z. B. die Kanuri in ihrer doch so wortreichen Sprache keinen Ausdruck für das Übel haben, sondern es mit »franssa« (Franzosen) benennen, einen Namen, den sie nur von aus Norden kommenden Arabern hatten hören und aufnehmen können. Wenn früher, namentlich von älteren Afrikareisenden, welche die Seuche bei den Negern vorfanden, umgekehrt behauptet wurde, durch geschlechtlichen Umgang mit Negern sei die Syphilis erst den Weißen mitgeteilt und nach Europa gebracht worden, so war dieser Irrtum wohl daher entstanden, weil man noch nicht wußte, daß Araberstämme, wie die Schua und die Uled Raschid, bereits seit sechshundert Jahren in Zentralafrika seßhaft sind.

Anderntags zogen wir in der Richtung von 130 Grad am Fluß aufwärts, bald näher, bald etwas weiter von seinem Ufer. In der Ferne sah ich bisweilen eine flüchtige Gazelle oder einen Strauß vorüberjagen. Um während der heißen Tagesstunden zu rasten, hielten wir Einkehr in dem links vom Weg liegenden Dorf Amarua, das ganz von Schua-Arabern bewohnt ist. Ich gewahrte unter den Ärmsten ebenfalls viele Opfer der Syphilis; aber auch der arabische Schmutz ist bei ihnen zu Hause, wie denn alle Schua-Dörfer in dieser Hinsicht sehr unvorteilhaft von den reinlichen Kanuri-Dörfern abstechen. Ursprünglich gelb, haben jetzt schon über die Hälfte der Schua zufolge ihrer Vermischung mit den Negern schwarze Hautfarbe, auch sind sie längst aus Nomaden zu seßhaften Ackerbauern geworden, und in nicht ferner Zeit werden sie sich nur noch durch die Sprache von den Kanuri unterscheiden. Sie reden nämlich den alten arabischen Dialekt, der von ihren vor sechshundert Jahren hier eingewanderten Vorfahren gesprochen wurde und der mit dem heutigen Arabisch, dem Maghrebinischen, Ägyptischen oder Syrischen, nur geringe Ähnlichkeit hat. Ihre Weiber tätowieren und bemalen sich stark an Brust, Rücken und Armen, das Haar hängt ihnen in Löckchen, nicht in Zöpfen um den Kopf, und manche tragen Ringe an den Fußzehen. Als besondere Merkwürdigkeit erwähne ich, daß die Schua-Weiber, wie man mir sagte, beschnitten werden.

Durch einen heftigen Gewitterregen zurückgehalten, konnten wir uns erst nachmittags um drei Uhr wieder in Marsch setzen und blieben in dem Dorf Roding-eri an der Ngadda, die an dieser Stelle weit über ihre Ufer getreten war. Man quartierte uns in einer eigens zur Herberge für Gäste bestimmten geräumigen Hütte ein und bewirtete uns reichlich mit Speisen.

Ein nur einstündiger Marsch zwischen wohlangebauten Getreidefeldern brachte uns am anderen Morgen nach der Stadt Kuintaga, wo ich einen Tag zu verweilen beschloß, um meine Vorräte wieder zu ergänzen; denn von den drei Märkten des Landes, Mai-schig-eri, Kassukala und Kuintaga, ist letzterer der bedeutendste. Die Stadt, deren Häuser zum Teil wie in Kuka aus Tonerde gebaut sind, gehört dem Bruder des Sultans, Musta (Kanuri-Form für Mustafa).

Nachmittags begab ich mich auf den Marktplatz vor der Stadt. Pferde, Rinder, Schafe, Fleisch, Milch und Butter, Honig, getrocknete Fische, Feld- und Baumfrüchte, Tabak, Salz, Sudanpfeffer, rohes und verarbeitetes Leder, Baumwolle, Zeuge und fertige Kleider, Schüsseln und Krüge, Glasperlen und verschiedene andere Karawanenwaren wurden hier feilgeboten. Auch einige Sklaven standen zum Verkauf aus; für einen jungen, kräftigen Burschen verlangte man achtzehn Taler, hätte ihn aber wohl um die Hälfte des geforderten Preises losgeschlagen. Die Buden und Verkaufsstände waren in Reihen abgeteilt, und jeder Artikel hatte seine besondere Reihe; dank dieser Einrichtung kam es nirgends, obgleich der Markt sehr belebt und lärmend war, zu erheblichen Unordnungen. Sowohl Produkte als Waren werden meist im Tausch gehandelt, nur teurere Gegenstände werden mit Geld bezahlt. Ich kaufte mir auf dem Markt, da mein letzter europäischer Anzug schon sehr dünn zu werden anfing, eine Kulgu von weißem inländischen Kattun, reich gestickt und sehr hübsch gearbeitet, und bezahlte dafür dreieinhalb Taler. In einer Bude bemerkte ich eine Partie der Glasperlen, die ich in Kuka verkauft hatte und hier leicht wiedererkannte, weil sie von einer Sorte waren, welche sonst in dieser Gegend nicht vorkommt, sondern nach Timbuktu und den westlichen Negerländern geht, und wirklich sagte der Verkäufer auf Befragen, sie seien von dem Christen, der sich jetzt in Kuka aufhalte.

Nächsten Tag erfolgte der Aufbruch. Es ging gerade ostwärts weiter, zwischen Feldern und an mehreren kleinen Ortschaften vorbei, bis uns gegen Abend ein Urwald von majestätischen Bäumen aufnahm, in dem mehr als mannshohes Gras und dichtes Dornengestrüpp oft ganz den Durchgang versperrten. Unmöglich wäre hier mit dem großen Pferd, das mir Sultan Omar geschenkt hatte, noch mit einem Kamel durchzukommen gewesen; die Lastochsen zwängten sich wohl oder übel hindurch, freilich nicht ohne daß ihnen die Ladung mehrmals vom Buckel gerissen wurde. Zum Glück schien der Mond, und so konnten wir den Dornen so weit ausweichen, daß sie uns nicht noch mehr, als es geschah, Gesicht und Hände blutig kratzten; meine Kleidung aber hing mir in Fetzen am Leib, als wir um halbzehn Uhr die Ngafoli-Felder von Madegon-eri erblickten und kurz darauf in den Ort selbst einritten. Obgleich die meisten Einwohner schon zur Ruhe gegangen waren, fanden wir eine gute Aufnahme. Doch raubte ein Heer blutgieriger Schnaken, die ihren Stachel selbst durch dicke wollene Decken in die Haut senken, Menschen wie Tieren den Schlaf.

Eine Stunde südlich von Madegon-eri fließt der Jadsaram, den man mir als ein schwaches Flüßchen bezeichnet hatte. Wie erstaunt war ich daher, anderenmorgens an seinem Ufer angelangt, einen reißenden Strom von fast fünfhundert Meter Breite vor mir zu sehen. Bei den Uferbewohnern waren keinerlei Vorrichtungen zum Übersetzen über den Strom zu finden, denn sie selbst schwimmen behende hindurch, ihre Sachen auf dem Kopf mit sich nehmend. Meine Leute trieben endlich ein Dutzend großer Kürbisschalen auf, mittels deren unser Gepäck, Stück für Stück einzeln, und auch mein Hund Mursuk, der sehr elend war, hinübergeschafft wurde. Die Pferde und Ochsen, ans Schwimmen gewöhnt, bedurften keiner Nachhilfe. Ich und meine Begleiter ließen uns, indem jeder mit beiden Händen eine Kürbisschale faßte, durch die starke Strömung hindurchtreiben, wobei die Nichtschwimmer von den Eingeborenen unterstützt wurden. Bis nachmittags drei Uhr beschäftigte uns das Herüberholen der Sachen. Als das letzte Stück glücklich gelandet, gab ich den zwanzig Negern, die uns dabei behilflich gewesen waren, ein Schaf, und sofort machten sie sich darüber her, es zu braten und zu verzehren. Außerdem verehrte ich dem Ortsvorsteher einen roten Fes; der Beschenkte setzte ihn in meiner Gegenwart seinem ältesten Sohn auf, wandte sich dann zu mir und sagte, er sei zu alt, um noch die neuen Moden mitzumachen; barhäuptig geboren, wolle er auch so sterben!

Mit dem Flußübergang waren jedoch noch nicht alle Schwierigkeiten dieses Tages überwunden. In östlicher Richtung weiterziehend, hatten wir bedeutende Hinterwasser zu durchwaten; an manchen Stellen ritt ich bis an die Knöchel im Wasser, und der Teil des Gepäcks, der zu schwer war, als daß ihn die Leute auf dem Kopf hindurchtragen konnten, so namentlich mein Zelt und mein Bett, mußte der eindringenden Nässe preisgegeben werden. Endlich, nachdem auch diese letzte Fährlichkeit bestanden war, wurde noch vor Abend Bama, die Grenzstadt des zu Bornu gehörigen Gebietes, erreicht.

Zwischen Bama und der Grenze von Uandala hat man einen Wald zu passieren, in dem oft heidnische Gamergu die Hindurchziehenden überfallen und für die Razzien, die gegen sie angestellt werden, an ihren Feinden, den mohammedanischen Bornuern, Wiedervergeltung üben. Der Stadtvorsteher hielt es daher für nötig, als wir am folgenden Morgen aufbrachen, uns eine Schar mit Spießen, Bogen und Pfeilen bewaffneter Neger zur Bedeckung mitzugeben; sie hatten die große Kriegspauke, Hörner und kleinere Trommeln bei sich und machten damit im Wald, ich weiß nicht, ob mir zu Ehren oder um sich selbst Mut einzuflößen, fortwährend eine greuliche Musik. Dazu führten die nackten Gestalten kriegerische Tänze auf, indem sie heulend in das Dickicht rannten, dann plötzlich mit hochgeschwungenem Speer auf mich zustürzten, doch ebenso plötzlich einige Schritte vor mir wieder stehen blieben, an ihre Schilde schlugen und, indem sie sich tief verneigten, die Spieße neben sich in die Erde steckten. Auch ohne Eskorte hätten indes die Gamergu unsere Karawane, da wir hinlänglich mit Schießgewehren versehen waren, wohl kaum anzugreifen gewagt.

Dichtverwachsenes Unterholz und üppige Schlinggewächse, die mit ihrer Last die höchsten Bäume fast zu erdrücken schienen, machten den Weg namentlich für unsere Tiere äußerst beschwerlich. Abends um sieben Uhr ließ ich an einem Wassertümpel im Wald das Lager aufschlagen und es mit großen Feuern umgeben, da Löwen, Hyänen und besonders viele Büffel den Wald durchstreifen. Es war überhaupt eine sehr unbehagliche Nacht, die wir hier verbrachten; Schnaken in entsetzlicher Menge verscheuchten mir den Schlaf, und von dem starken Tau wurde ich wie von einem Regenschauer durchnäßt.

Sobald die Morgensonne den Himmel rötete, wurde der Weitermarsch angetreten. Wir wandten uns ostsüdöstlich und erreichten um acht Uhr den ersten bewohnten Ort von Uandala, das Dorf Buendje, am rechten Ufer eines kleinen Flusses gelegen. Die Leute müssen ihre Ngafoli-Felder Tag und Nacht bewachen lassen, sowohl gegen die Bergbewohner, mit denen sie in beständiger Fehde leben, als gegen die Affen, die in ganzen Herden aus dem Wald kommen, um die Saaten zu plündern. Wächter, auf hohen Gestellen sitzend, schauen rings ins Land hinaus und verkünden dem Dorf, wenn sie etwas Verdächtiges nahen sehen, mit lautem Alarmruf die drohende Gefahr. Wir verließen Buendje am Nachmittag und gingen dann durch einen lichten, hauptsächlich aus Gummibäumen bestehenden Wald. Als wir eine Stunde darin gewandert waren, brach ein Gewitterregen los, vor dem wir anfangs unter einem breitästigen Baum Schutz suchten. Da er aber nicht aufhörte, befahl ich, die Sachen, die dem Verderben durch Nässe ausgesetzt waren, umzuladen, und vorwärts ging's in Wind und Regen auf dem Weg weiter. Es wurde bereits Nacht, obendrein verbarg sich der Mond hinter dichtem schwarzem Gewölk. Erst um sieben Uhr erreichten wir den Berg Grea und das an seiner östlichen Seite liegende Dorf gleichen Namens. Obgleich ich dem Sultan längst angemeldet war und auch die Ortsbewohner wußten, daß ein Christ ihren Herrn zu besuchen komme, fand ich doch nichts zu unserem Empfang vorbereitet. Der Ortsvorsteher war abwesend; es dauerte lange, ehe ein dürftiges Unterkommen für die Nacht ausfindig gemacht wurde, und das Essen, das man uns schickte, war so schlecht, daß ich vorzog, mich hungrig schlafen zu legen.

Morgens beim Erwachen versetzte mich der Anblick des schönen Berges, ein Anblick, den ich so lange entbehrt hatte, wieder in bessere Stimmung. Bis zum Gipfel war der Grea grün bewaldet, hier und da streckten sich an den Abhängen Getreidefelder hin, aus denen die Hütten freundlicher Weiler hervorlugten, und an seinem Fuß weideten Rinder- und Schafherden in hohem Gras. Als mir nun Hammed eine Schale voll süßer Milch, die er im Dorf aufgetrieben, als willkommenen Zusatz zu meinem Tee brachte, da vergaß ich vollends alles Ungemach der letzten Reisetage. Doloo, die Hauptstadt Uandalas, liegt noch vier Stunden von Grea entfernt. Von hier aus, meinten Almas und der mir von Aba Bu-Bekr mitgegebene Begleiter, müsse ich dem Zeremoniell gemäß den Sultan um Erlaubnis bitten lassen, seiner Hauptstadt nahen zu dürfen. Ich ging aber auf ihre Anweisungen nicht ein, sondern befahl, die Pferde zu satteln, und ritt mit ihnen um halb neun Uhr voran. Der Gatroner und die anderen Diener sollten mit den Lastochsen und meinem kranken Mursuk, dessen Zustand sich mehr und mehr verschlimmerte, langsam nachfolgen.

Gleich hinter Grea ward der Berg sichtbar, an dessen Fuß Doloo gelegen ist. Sodann führte der Weg, oft wahrhaft grundlos, durch einen Wald von Gummibäumen zu dem nordöstlich strömenden Fluß Jakoa. Da an den tiefsten Stellen das Wasser nur bis an den Bauch der Pferde ging, konnten wir ihn leicht durchreiten. Jenseits des Flusses war der Weg womöglich noch unpassierbarer als im Wald, alle Augenblicke blieben unsere Tiere in dem zähen, aufgelösten Tonboden stecken. Wir arbeiteten uns indes mühsam vorwärts, bis wir um halb ein Uhr die Häuser von Doloo erblickten. Jetzt ließ ich unter einem schattigen Baum haltmachen und sandte Hammed ab, meine Ankunft zu melden und um Erlaubnis zum Eintritt in die Hauptstadt zu ersuchen. Nicht lange hatten wir gewartet, da nahte sich vom Tor her eine Reitergruppe. Der an ihrer Spitze auf einem prächtigen Schimmelhengst Reitende, in einen Burnus von feuerrotem Tuch gekleidet, hieß uns willkommen und sagte, daß er gekommen sei, uns in die Stadt zu geleiten, worauf wir uns der Kavalkade anschlossen. Außerhalb am Tor erwartete mich Hammed, der bis dahin die Stadt nicht hatte betreten dürfen.

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