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Quer durch Afrika

Gerhard Rohlfs: Quer durch Afrika - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
booktitleQuer durch Afrika
authorGerhard Rohlfs
year1984
publisherK. Thienemanns Verlag
addressStuttgart - Wien
isbn3-522-60580-2
titleQuer durch Afrika
pages3-373
created19991112
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1874
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Zwölftes Kapitel

Die Hauptstadt Kuka, der Markt und das Reich Bornu

Das heutige Kuka wurde erst in neuester Zeit von dem Vater des jetzt regierenden Sultans, dem Schich Mohammed el Kanemi, erbaut. In Bornu wird die Stadt nie anders als »Kuka« genannt, wogegen man im Sudan, vorzugsweise in Kano, ausschließlich den Namen »Kukaua« hört. Sie erhielt den Namen Kuka von einer einzelnen Adansonie (»kuka« heißt im Kanuri der Riesenbaum, Adansonia digitata), welche, weil der Baum sonst in dieser Gegend noch nicht vorkommt, als besonders merkwürdig erschien, und es ist daher falsch, Kukaua mit »die an Kukabäumen reiche Stadt« zu übersetzen. Kukaua, die Pluralform von Kuka, bedeutet vielmehr: »Die zwei Kuka«.

In der Tat besteht die Stadt aus zwei Teilen, zwei länglichen Vierecken, die durch eine zehn Minuten breite Ebene voneinander getrennt sind. Der westliche, größere Teil heißt Garfote oder Billa-Futebe, der östliche Gergedi oder Billa-Gedibe, eine dazwischen befindliche Gruppe von Häusern und Hütten hat den Namen Ngemsegeni. Außerdem stehen ringsherum zerstreut viele einzelne Häuser und Gehöfte.

Gergedi ist der Sitz der Regierung; hier residiert der Sultan, hier wohnen seine Söhne und Brüder sowie die obersten Beamten des Reiches, und auch die meisten Soldaten und Eunuchen sind hier einquartiert. Garfote hat mehr den Charakter einer Handelsstadt; es ist Wohnort der fremden Kaufleute aus Tripolis, Fesan, Kairo usw., und in seinen Mauern befindet sich die Hauptmoschee. Beide Stadtteile sind mit ungefähr zwanzig Fuß hohen und an ihrer Basis fast ebenso breiten Erdmauern umschlossen, die von außen gerade, von innen aber, damit bei einer Belagerung die Verteidiger bequem zu den oben angebrachten Schießscharten gelangen können, treppenförmig aufsteigen.

Die Bauart von Kuka weicht wesentlich von derjenigen der nordafrikanischen Städte ab, indem hier die Nationalbehausung der Neger vorherrscht. Es ist dies eine kunstvoll von dünnen Baumästen gefügte Hütte mit spitzem, regendichtem Strohdach, die auf einer runden Basis von fünfzehn bis zwanzig Fuß Durchmesser sich zehn bis fünfzehn Fuß hoch erhebt. Um die Wände rankt sich im Sommer, das heißt während der Regenzeit, das grüne Laub der Kürbisse oder Melonen, und nie unterläßt man es, die Dachspitze mit einem, manchmal mit mehreren Straußeneiern zu schmücken. Als Eingang und zugleich als Lichtzulaß dient eine niedrige, mit Matten zu schließende Öffnung. Das Innere enthält nichts als ein paar Kürbisflaschen, Töpfe, Lederbüchsen, Matten und in einigen ein breites mannslanges Rohrbett. Gekocht wird meistens im Freien unter einem gegen Sonne und Regen schützenden Dach. Zur Wohnung einer Negerfamilie, einem sogenannten Fato, gehören in der Regel drei bis vier solcher Hütten, die innerhalb einer Umzäunung von Ton oder Matten zusammenstehen. Die Häuser des Sultans, der Vornehmen und der fremden Kaufleute aber sind aus Erdklumpen errichtet und haben flache Dächer, von denen der Regen nicht genügend ablaufen kann, so daß sie nach jedem starken Regenguß der Reparatur bedürfen.

Von weitem gleicht Kuka, da es der Türme und sonstiger hoher Gebäude ermangelt, hingegen fast alle Höfe und Hütten mit Bäumen beschattet sind, eher einem Wald als einer Stadt. Natürlich nisten auf den Bäumen Schwärme von Vögeln. An die Zweige des Korna-Baums und der Akazie hängt der kleine Webervogel, der unermüdliche muntere Sänger, sein beutelförmiges Nestchen; über fünfzig dergleichen kann man nicht selten an einem einzigen Baum sehen. Turteltauben und graue Waldtauben beleben die höchsten Baumwipfel. In der Regenzeit kommen die Wasservögel von den Ufern des Tschad-Sees hierher, und stets, bei Tag wie bei Nacht, schweben über den Straßen und Plätzen die Aasgeier, ohne welche, da sie rasch alle Fleischabfälle vertilgen, Kuka ein Herd der Pest wäre.

Beide Stadtteile haben nur eine breite und ziemlich gerade Straße, den »Dendal«, von Barth sehr passend mit »Königsstraße« übersetzt. Links und rechts von ihr ist ein Labyrinth enger und krummer Gassen. Steine zum Pflastern gibt es nicht, die Straßen bilden daher in der trockenen Jahreszeit ein Staubmeer und in der nassen Lachen, Sümpfe und Seen, die oft selbst zu Pferd nicht zu passieren sind.

Das Leben in der Hauptstadt beginnt des Morgens nicht eben sehr zeitig. Zuerst durchziehen die Bauern aus der Umgegend die Straßen und bieten laut schreiend ihre Produkte feil. Alle, auch die schwersten Lasten, werden auf dem Kopf getragen; Negerfrauen und Mädchen balancieren Gefäße, die vierzig bis fünfzig Liter Wasser enthalten, auf dem Kopf und verlieren infolge des Drucks vorzeitig das Haupthaar an den betreffenden Stellen.

Wenn die Stadtbewohner sich vom Lager erhoben haben, waschen sie sich sorgfältig Gesicht und Hände, versäumen auch nicht den Fußboden auszukehren, denn im Punkte der Reinlichkeit unterscheiden sich die Kanuri auf das Vorteilhafteste von den Berbern und Arabern Nordafrikas. Nach eingenommenem Frühstück geht es an die Arbeit. Die meisten Hantierungen werden im Freien betrieben, und auch die Handwerker: Baumwollweber, Sattler, Waffenschmiede, Schuster, schlagen ihre Werkstätten auf der Straße, vor der Tür ihrer Wohnung, auf.

Am belebtesten ist der östliche Stadtteil vormittags um zehn Uhr. Da sprengen die hohen Würdenträger, die Prinzen und Anverwandten des Sultans auf feurigen Rossen, gefolgt von einer Schar keuchender Sklaven zu Fuß, den Dendal entlang, um sich in die Ratsversammlung (Nokna) zu begeben. Jener Reiter dort in reicher arabischer Tracht ist Aba Bu-Bekr, der älteste Sohn des Mai; aber vor dem Eingang des Schlosses angekommen, muß auch er so gut wie alle anderen seine gelben Stiefel und den seidenen Turban ablegen, denn niemand, hoch oder niedrig, darf anders als barhaupt und barfuß vor dem Sultan erscheinen; auch er muß sich zur Begrüßung auf den Boden werfen, das Gesicht platt auf die Erde drücken und mit der Rechten eine Handvoll Sand aufs Hinterhaupt streuen. Die Ratsversammlung dauert ungefähr eine Stunde, die meist mit Stadtklatsch und Besprechung der unwichtigsten Vorfälle hingebracht wird. Wer dem Sultan die frischeste und pikanteste Neuigkeit mitzuteilen weiß, ist der erklärte Günstling des Tages. Solange ich in Kuka weilte, war meine Person der beliebteste Gegenstand des Gesprächs. Daß der Weiße selbst auf den Markt gegangen sei und dies oder jenes gekauft habe, daß der Christ, ohne daß man wisse warum, spazieren geritten sei, kurz jeder Schritt, den ich tat, wurde beobachtet und als ein Ereignis weitläufig durchgesprochen. Gegen Ende der Versammlung bringen Sklaven des Sultans kolossale hölzerne Schüsseln voll Speisen in den Saal – an einer einzigen solchen Schüssel haben sechs bis acht Mann zu tragen –, womit die Anwesenden bewirtet werden.

Sind die Teilnehmer an der Ratsversammlung nach Hause zurückgekehrt, dann erstirbt das Leben auf den Straßen; alles zieht sich in das Innere der Wohnungen zurück, um während der heißen Tagesstunden der Ruhe zu pflegen oder zu schlafen. Aber zwischen drei und vier Uhr nachmittags entwickelt sich wieder ein anderes Bild. Herden von Kamelen, Schafen und Rindvieh werden durch die engen Gassen getrieben, und der tägliche Markt beginnt, der bis zum Abend sowohl in dem westlichen Stadtteil als vor den Toren der Oststadt abgehalten wird. Auch in der Stadt selbst liegen in Buden oder auf freiem Raum Butter, süße und saure Milch, Eier, Knoblauch, Erdnüsse, Zwiebeln, gesäuerte Brote, Hühner und täglich frisches Rindfleisch zum Verkauf aus.

Die große Münze bildet auch hier wie in ganz Zentralafrika der Mariatheresientaler mit der Prägung vom Jahr 1780. Als Kleingeld kursieren zumeist die Muscheln einer Cypraea-Schnecke von der Größe einer kleinen Haselnuß, die vom Ostindischen Archipel, namentlich durch den Golf von Guinea an die Südostküste Afrikas gebracht und von da weiter ins Land eingeführt werden. Sie heißen bei den Arabern »kauri«, bei den Kanuri »kungena«, bei den Haussa-Negern »kerdi«. Das Wertverhältnis der Kauri zum Bu-Thir (Mariatheresientaler) stellt sich an den verschiedenen Orten verschieden; es steigt, je tiefer man von der Küste in den Kontinent eindringt. Doch suchen auch die Herrscher und die Großen des Landes den Kurs, je nachdem es ihr Vorteil mit sich bringt, künstlich hinaufzutreiben oder herabzudrücken. Vor noch nicht langer Zeit waren auch noch die hier gewebten langen und schmalen Streifen Baumwollzeug, Gabaga genannt, als Geld im Gebrauch. Übrigens findet allerorten mehr oder weniger Tauschhandel statt.

Mit Sonnenuntergang nimmt der Kanuri seine Hauptmahlzeit ein. Nach derselben versammeln sich in Kuka die Männer auf den öffentlichen Plätzen, wo sie unter einem mächtigen Gummibaum einander mit Neuigkeiten unterhalten, während die Damen, die sich hier von der mohammedanischen Sitte des Verschleierns emanzipiert haben, Besuche machen oder promenieren oder geradezu auf Liebesabenteuer ausgehen. Von ehelicher Treue haben sie, freilich auch die Männer, äußerst laxe Begriffe. Besonders zeichnen sich durch Sinnlichkeit die Pullo- oder Fellata-Frauen aus, deren Hautfarbe, ein helles Bronze, eine eigene Nuance bildet zwischen dem Weiß der Kaukasier, dem Gelb der Malaien und dem Rot der amerikanischen Indianer. Selbst Jünglinge von fünfzehn und Mädchen von zwölf Jahren nehmen an dem nächtlichen Treiben teil, und daß es dabei an unschuldigem Spiel und Gesang nicht sein Bewenden hat, ist bei dem heißen Temperament und der luftigen Bekleidung kaum anders zu erwarten.

Unter der Regierung des jetzigen Sultans hat Kuka weit und breit in den Negerländern den Ruf einer vorzüglichen Hochschule erlangt, und es mögen wohl zwei- bis dreihundert junge Leute im Alter von zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren daselbst studieren. Ihr Studium besteht aber in nichts weiter, als daß sie die zum Beten notwendigen Surate auswendig und die arabische Schrift mechanisch lesen und schreiben lernen, ohne von dem Inhalt nur ein Wort zu verstehen. Statt aller Bekleidung tragen sie ein Ziegenfell um die Hüfte geschlungen; eine hölzerne Tafel, ein kleines irdenes Tintenfaß, ein paar Schreibfedern aus Rohr und eine Kürbisschüssel machen ihre ganze Habseligkeit aus. So ziehen sie bettelnd und, namentlich die Lebensmittelverkäufer, brandschatzend den Tag über durch die Straßen, denn nur ein Teil erhält Wohnung und Beköstigung in den Häusern der Vornehmen, bei denen es Sitte ist, ihre Söhne mit einigen Studenten zusammen unterrichten zu lassen. Nicht viel mehr Verständnis als die Schüler haben die Lehrer vom Arabischen, und da Kanuri keine eigene Schriftsprache besitzt, ist eine fortschrittliche Bildung des Volkes fast unmöglich. Für den Gelehrtesten der Gelehrten galt damals Mohammed Komami, weil er ziemlich korrekt arabisch schreiben, wenn auch nicht sprechen konnte. Allein, obgleich er sich fast mit jeder Karawane aus Tunis, Tripolis und Ägypten Bücher schicken läßt, dürfte er doch den Ruf der Gelehrsamkeit mehr seinem Reichtum, den er durch lukrative Geschäfte zu vermehren weiß, als seinen Büchern verdanken.

Jeden Montag wird der große Markt vor den Westtoren von Garfote abgehalten. Zunächst am Tor werden vor einem Schuppen Pferde verauktioniert. Den Pferden von Bornu gibt man im ganzen Negerland den Vorzug, und in der Tat lassen es sich die hiesigen Händler angelegen sein, durch Kreuzung mit von Norden eingeführten Pferden immer die Rasse wieder aufzufrischen und kräftig zu erhalten. Ich erstand ein brauchbares, aber kleines und kurzgebautes Reitpferd für zwanzig Taler; ehe ich Kuka verließ, sank der Preis für dieselbe Qualität auf zehn bis sechs Taler herab. Große Staatspferde und Grauschimmel, die in Tripolitanien mit zwanzig bis dreißig Taler zu haben sind, erzielten Preise von hundert bis hundertfünfzig Taler. Durch eine lange Reihe von Verkäufern der gröberen Matten, die zur Einfriedung der Höfe, zur Dachbedeckung oder, mit Dornen zusammengeflochten, zum Verschluß der Türöffnungen dienen, gelangt man auf den Platz, wo die Kamele, die Rinder und Esel zum Verkauf stehen. Dicht daran stößt der Sklavenmarkt. Weißhaarige Greise und Matronen, Säuglinge, an fremden Brüsten saugend, junge Mädchen und kräftige Männer, Leute aus Bornu, Bagirmi, Haussa, Logon, Musgu, Uadai und noch entfernteren Landstrichen werden zur Auswahl feilgeboten. Die einen sind ganz nackt, andere haben einige Lumpen um die Hüften geschlagen; die Leute aus Musgu sind daran kenntlich, daß ihre Ober- und Unterlippe, mit einem großen Stück Kupfer, Zinn oder Kürbisschalen durchwachsen, wie ein Rüssel vorstehen und beim Sprechen geräuschvoll aufeinander klappen. Tätowierungen am Körper haben mehr oder weniger alle, auch die Bornuer, Haussaner und Tebu pflegen sich mit drei Längsschnitten die Wangen zu tätowieren. Zwischen den Gruppen der Sklaven gehen die Käufer umher, messen mit der Hand deren Höhe (man spricht von vier-, fünf-, sechs-, siebenspannigen Knaben oder Mädchen), besehen die Zähne, erkundigen sich nach dem Appetit, denn Hunger haben hält man für gleichbedeutend mit gesund sein, und gefällt ihnen die Ware, so wird der Handel abgeschlossen. Junge Burschen kosteten damals fünfzehn bis dreißig Taler, junge Mädchen, unter denen die Fellata die gesuchtesten sind, dreißig bis sechzig Taler, betagte Männer und Frauen, desgleichen kleine Kinder drei bis zehn Taler. Auf den Montagsmarkt werden manchmal Tausende von Sklaven zum Verkauf gebracht, Partien von Hunderten gibt es schon auf dem täglichen Markt.

Nun folgen die Getreidehändler mit großen Ledersäcken voll Weizen, Gerste, Argum, Ngafoli, Reis und anderen Körnerfrüchten; hinter ihnen stehen ihre Lastochsen oder Kamele. Auf einem großen Platz wird Vieh geschlachtet und das Fleisch in Stücken verkauft, auch gleich von Garköchen an einem auf Sandhaufen brennenden Feuer geröstet. Eine von hier abbiegende Straße enthält die im Land gefertigten Kunstarbeiten: zierliche Matten aus Dum, von denen die feinsten, nur fünf Fuß langen und zweieinhalb Fuß breiten mit einem halben Taler bezahlt werden; einfache und buntbemalte Türvorhänge von Stroh zum Schutz gegen das Eindringen der Fliegen; elegante Deckel und Untersätze, ebenfalls aus Dum geflochten, die mit der Leichtigkeit der Pappe die Dauerhaftigkeit des Leders verbinden; Schüsseln in jeder Größe, aus Kürbisschalen oder aus Holz geschnitzt, manche schön bemalt und auf drei oder vier Füßen ruhend, die Deckel mit verzierten Handgriffen versehen; endlich Töpfe, Schüsseln und Krüge von gebranntem Ton, letztere so groß, daß sie gegen zweihundert Liter Wasser fassen. In der nächsten Straße ist der Fischmarkt. Frische und getrocknete Fische vom Tschad-See liegen hier aus, von sechs Fuß Länge bis auf Handgröße. Diese Straße mündet auf einen Platz, wo hohe Stöße Brennholz aufgeschichtet stehen und daneben Körbe voll Holzkohlen. In der unmittelbaren Nähe haben die Grobschmiede ihre Werkstätten aufgeschlagen, indem sie zwei Schläuche als Bälge gebrauchen und das Feuer in einem Erdloch damit anblasen. Sie verfertigen Beile, Hacken und gröberes Eisenzeug. Weiterhin halten die Feinschmiede an Gestellen oder in Buden ihre Arbeiten feil: Spieße, Wurfeisen, Bogen, Schilde und Pfeile; messingene und eiserne Fuß- und Armringe für die Frauen; Scheren, Messer und Zangen. Die Zange ist ein sehr wichtiger Artikel in Bornu, jedermann trägt eine kleine Zange im Lederfutteral mit sich, um die Dornen damit aus den Füßen zu ziehen, welche überall in Feld und Wald den Boden bedecken. Nach den Schmieden kommen die Lederarbeiter. Außer Getreidesäcken und Wasserschläuchen liefern sie die mannigfachsten Erzeugnisse von Leder: Büchsen, Schächtelchen, Kisten, gelbe und rote Pantoffeln mit und ohne Stickerei, Sandalen, Sporen, Pferdegeschirre. Auch eine kleine Auswahl von Löwen- und Leopardenfellen findet man bei ihnen. Hieran reihen sich die zahlreichen Verkaufsstände für fertige Kleider. Baumwollene Gewänder, einfache wie kunstvoll gestickte, im Land gefertigte weiße Toben, Kulga genannt, feinere dergleichen aus Kano, Beinkleider von fabelhafter Weite, weiße Kattunmützen, dunkelblaue Frauentücher und Frauenhemden sind in großer Menge und jedem Bedürfnis genügend zu haben. Den Fruchtmarkt fand ich, da es zur Winterszeit war, nicht sehr reichlich versehen. Es gab Datteln, aber fast so teuer wie in Europa, Koltsche (Erdmandeln), eine Art Tomate, größer als die unsrigen und von bitterem Geschmack, Fukus (eine Gurkenart) und verschiedene eßbare Waldbeeren.

Einige Zelte sind zu Wechslerstuben eingerichtet, in denen man Taler gegen Muscheln umsetzen kann. Gold hat hier gar keinen Kurs, und spanische wie französische Taler sind nur mit Verlust anzubringen. In allen Straßen stehen Verkäufer von Trinkwasser, die aus großen Krügen jedem, der Durst hat, gegen wenige Muscheln einen Trunk reichen. Überall herrscht geschäftiges Treiben, und obgleich weder Polizei noch Militär sich blicken läßt, kommt es doch nie zu störenden Unordnungen; Streitigkeiten oder kleine Diebstähle werden auf der Stelle vom Marktrichter abgeurteilt.

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