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Hugo Freiherr von Blomberg: Psyche - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
authorHugo Freiherr von Blomberg
titlePsyche
publisherCarl Duncker's Verlag
year1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectidb32ad580
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Mars.

Goldgelbe Ernten, grünende Gefilde
Der Heimath – mögt Ihr nie den Gott mehr kennen,
Der Mord, Raub, Hunger, Pest als soviel wilde
Gluthsprüh'nde Rosse läßt am Wagen rennen!
Grau'n und Entsetzen flammt von Seinem Schilde;
Die Städte rauchen und die Dörfer brennen –
Blutström' und Leichen sind von Seinem Bilde,
Sind von des Kriegsgotts Namen nicht zu trennen!
– Und doch, wie leicht bezwingt den Krieg die Liebe!
Wie schmolz des Siegers Trotz viel tausend Male
Zu Nichts vor einer schönen Beute Kuß!
Die Wölfin selber, seiner zorn'gen Triebe
Magd und Symbol, – sie säugt' im Tiberthale
Pflegmütterlich Remus und Romulus.

III.

Nun müßt' ich Euch den Wunderbau besingen,
Wohin der West das schöne Kind getragen,
Die Grazien, die es unsichtbar umringen
Und seine Furcht umwandeln in Behagen,
Die Harmonie'n, die traumhaft es umklingen,
Der Nachtigallen sehnsuchtsvolles Schlagen,
Und wie mit Thau und Sternenschimmer spat
Und ungesehen sich Cupido naht!

Von süßer Angst und reizenden Gefahren,
Von frohen Pulsen, die wie sterbend hüpfen,
– Von uralt neuen, lieblich offenbaren
Geheimnissen müßt' ich den Schleier lüpfen,
Nicht Glut noch Schmelz der Farbe dürft' ich sparen –
Doch laßt mich lieber sacht vorüberschlüpfen.
Denn lockend freilich zeigt sich solch ein Bild,
Doch reizender noch scheint, – was man verhüllt!

So rufet Euch, was Ihr gehört, gelesen,
Gemalt gesehn von schönstem Liebesglück, –
Noch bester, seid Ihr je verliebt gewesen,
Erlebtes ruft, Erträumtes Euch zurück!
Mehr als die Tizian' und Veronesen
Kann der Erinn'rung feuchtverklärter Blick!
Denkt Euch, was Ihr geliebt – ob auch besessen?
Gleichviel! – denkt nur, was niemals Ihr vergessen!

Kurz, träumt zurück des Lebens schönsten Traum –
Denn ach, ein Traum ist Psychens Glück zu nennen!
Der Liebling flieht aus ihrem Arm, wenn kaum
In grauer Dämm'rung Nacht und Tag sich trennen,
Und einsam sieht sie dann im blauen Raum
Die lichtgemähnten Sonnenpferde rennen,
Nicht rennen! schleichen, ach, wie müde Mähren,
Bis sie zu Stall, – und Nacht und Amor kehren.

Ich will die lieben Grazien hier nicht lästern,
Nicht ihre Lieder und Gespräche schmäh'n,
Doch denkt nur, es bekomme heut wie gestern
Nie Psyche sie von Angesicht zu seh'n, –
Und daß sie sich nach ihren ird'schen Schwestern
Zu sehnen anfängt, werdet ihr verstehn!
Denn von Gewohntem plaudern, plaudern hören,
Kann kaum der Mann, und nie das Weib entbehren!

Sie wagt's, dem Liebsten zärtlich angeschmiegt,
Die erste Bitte schüchtern vorzutragen:
Der Gott erschrickt und warnt, denn vor ihm liegt
Blitzhell die Zukunft voll Gefahr und Plagen,
Doch Liebchen weint, – und durch sich selbst besiegt,
Müßt' er nicht Amor sein, könnt' er versagen!
– Stracks wird am Morgen Zephyr abgeschickt,
Das Schwesternpaar an Psychens Brust entrückt.

Was für ein Jubel, niemals auszusagen,
Daß sie die Todtgeglaubte wiedersehn!
Bald geht es auch an mädchenhaftes Fragen,
Wie's ihr ergeht, wie Alles doch geschehn;
Vor Allem denkt, ob sie Begehren tragen,
Zu wissen, ob der Gatte jung und schön,
Wie er genannt, von welchem Rang und Stande,
Von welchen Mitteln, Stamm und Vaterlande!

Das junge Weibchen sieht verlegen drein:
Sie hat den jungen Gatten niemals nur gesehen,
Ihn auszuforschen fiel ihr auch nicht ein –!
Sie weiß sich noch geschickt genug zu drehen:
Ein Jüngling sei er, stattlich, edel, fein,
Bei Tag viel auf der Jagd nach Hirsch und Rehen –
Doch ist sie froh, als reichbeschenkt die Beiden
Auf Zephyrs Flügeln Abends von ihr scheiden.

Kaum sind die Schwestern aus den goldnen Pforten,
So fällt ein Ungethüm sie wüthend an,
Das gerne lauern liegt vor solchen Orten –
Des Namens: Neid – weiß nicht, ob Weib ob Mann,
Denn furienhaft malt man es hier und dorten,
– Doch wenn man der Erfahrung glauben kann,
So übt es mehr an Weibern seine Rechte;
Drum bleiben wir beim männlichen Geschlechte!

Also der Neid fällt Psychens Schwestern an,
Und füllt ihr kleines Herz mit Gift und Galle.
Ach arme Psyche! Hält sie solch ein Bann,
Bald wird Dein junges Glück zu Rauch und Schalle!
– »Die Jüngste fand den reichsten, schönsten Mann
Und wir, die Aelt'ren, sind im andren Falle?
(So flüstern sie) »Was ist's, das wir verschulden?
Sie muß hinab! Wir können es nicht dulden!«

Ihr werdet Mehr von diesen Argen hören,
Und ihrem bösen Plan zu seiner Zeit;
Doch weh', o weh, schon ohne Plan empören
Sie einen Feind von höchster Furchtbarkeit,
Das Glück des jungen Paares zu zerstören:
Wenn man mich recht berichtet, sind Herr Neid
Und Fräulein Fama, eher mehr als minder,
Wo nicht Geschwister, doch Geschwisterkinder!

Dies Hundertmäulig-tausendzüngig-laute
Und Tausendohrig-brausend-flügelschnelle
Hört kaum, was zischelnd ihr der Neid vertraute,
So sagt sie's weiter schon an jeder Stelle,
Daß man ein traulich Nest für Psychen baute,
Ja, weithin schießt sie über Land und Welle
Heuschreckenschwarmgleich, flirrend und verwirrend,
Und sucht sich Venus, nicht des Weges irrend.

Ihr wißt, beim alten Ocean war Die
Und seinem Weib' am fernsten Erdenrand:
Wie fuhr sie auf, wie staunt' und starrte sie,
Als plötzlich Jene rauschend vor ihr stand,
Und ausströmt' in verworr'ne Kunde, wie
Man Psychen dort verlor und wiederfand!
Leicht war's – wenn's Neid und Fama noch nicht thaten –
Für Venus, den Entführer zu errathen.

Gar ähnlich sah's dem Söhnlein, lächelnd nicken,
Und tückisch dann das Gegentheil vollbringen!
Auf brach sie, Glut und Zähren in den Blicken,
– Nie reiste solcher Grimm mit Taubenschwingen!
Doch war sie fern noch von Olympus' Rücken,
Als ihr zween Göttinnen entgegen gingen,
– Auf Erden Die, in Lüften Jene mächtig,
Die schlicht hausmütterlich, wie Jene prächtig.

Mit einem Wort, dort Juno, Ceres hier,
Die weizenblonde Königin der Aehren:
Es stürzt auf Beide Venus voll Begier
– Nicht, daß sie sonst so eng befreundet wären,
Doch brennt zu wild die Leidenschaft in ihr,
Und Antheil sucht sie, wär's bei Leu'n und Bären!
»Wißt Ihr von Amors Tück' und meiner Schmach?«
Ruft sie entathmet – Thränen strömen nach.

Wohl wußten sie – doch leugnen alle Zwei;
Sie mögens mit dem Schalke nicht verderben;
So hold er blickt, plagt er doch frech und frei
Unsterbliche wie Sterbliche – zum Sterben!
Auch wollen sie nicht wissen, wo er sei,
Und hierin glaub' ich nicht, daß sie sich färben:
Wo Amor weilt, weiß oft nur Der allein,
Der das Vergnügen hat sein Wirth zu sein.

Sogar den Ungerathnen zu entschuld'gen
Versuchen sie nach treuer Muhmen Pflicht,
Und deuten an: dem Liebesspiel zu huld'gen
Verschmähe manchmal selbst die Mutter nicht!
Doch Venus wendet sich mit ungeduld'gen
Geberden ab und glühendem Gesicht:
(Ob zorn-, ob schamroth, will ich nicht entscheiden)
Und bess'ren Beistand sucht sie ihren Leiden.

*

 

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