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Hugo Freiherr von Blomberg: Psyche - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorHugo Freiherr von Blomberg
titlePsyche
publisherCarl Duncker's Verlag
year1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectidb32ad580
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Pluto.

Vom eh'rnen Thron, umschrillt von ew'gen Klagen,
Herrscht unten Pluto's grause Majestät:
Sein strenges Walten wendet kein Gebet –
Doch Er, auch Er muß Amors Fessel tragen!
Das Auge hebt er, satt der grausen Plagen,
Zur Oberwelt – was ist's, das er erspäht?
Ein holdes Mägdlein, das durch Blumen geht!
– Und niegeahnt ergreift ihn Lust und Zagen.
Flugs sind die nächt'gen Renner angeschirrt,
Aufkracht der Grund – Sie ringt in seinen Armen –
Hinab! – und nach umsonst die Klage schwirrt!
Wie Cerberus, der Wächter ohn' Erbarmen,
Nun mit dreifacher Zunge kosen wird
Der Herrin Fuß, den weißen, lebenswarmen!

II.

Die Scen' auf Erden hat sich schnell verändert:
Verschwunden ist um Psychen Glück und Lust.
Welk sind die Blumenkränze, bunt bebändert,
Theorb' und Flöte schweigt in Staub und Wust!
Vom Weinen jedes Auge roth umrändert,
Gepreßt von bangen Seufzern jede Brust:
Befangen hält ein Schrecken sonder Gleichen
Das ganze Land durch grause Wunderzeichen.

Von Weheruf die nächt'gen Lüfte zittern,
Und Graungestalten wandeln durch ihr Schweigen,
Die Mauern bröckeln und die Säulen schüttern,
Als ob ein Erdstoß komme sie zu neigen,
Der treue Hund scheint, winselnd, Leid zu wittern,
Und Vögel fallen leblos aus den Zweigen;
Und soll ein Opfer bluten am Altar,
Es sinkt und stirbt, eh' es getroffen war.

Mit wenig Witz erräth zwar Jedermann:
»Uns droht ein Gott, den wir versöhnen müssen!«
Bei drei und vier Orakeln fragt man an,
Und nichts bekommt man da und dort zu wissen;
– Doch wird man endlich durch ein fünftes dann
Mit Jammer aus des Dunkels Qual gerissen.
Ob's Delphi, ob Dodona, weiß ich nicht,
Doch also tönt, was das Orakel spricht:

» Vermählt will Psychen hoher Götter Groll,
Und sterblich nicht, noch Sterblichen verwandt
Ist der Gemahl, der sie umarmen soll:
Von Göttern selbst nicht ohne Furcht genannt,
Ein Ungeheuer, grausam, tückevoll,
Wie Keines je der Tartarus entsandt!
Dem stellt Ihr morgen sie, wo, nah dem Blitze,
Der Fels dort ragt mit wildgezackter Spitze!«

Mit Drohungen, daß jede Seele schaudert,
Fährt das Orakel fort und schließt zuletzt:
»Des Schlimmsten seid gewärtig, so Ihr zaudert!«
– Und Volk und König schweigen tief entsetzt.
Du sprächst; nicht Vogel singt, noch Quelle plaudert
Im ganzen Umkreis dieses Landes jetzt!
Auch Psyche steht in tödtlichem Erblassen,
Dann aber spricht sie, bebend, doch gelassen:

»So sei es denn! Zum Opfer auserkoren
Wie schuldlos immer, sei dies Haupt allein!
Gebt, theure Eltern, Euer Kind verloren,
Für Aller Heil laßt es dem Tode weih'n!
Ach, seh' ich Eure Brust vorn Schmerz durchbohren,
Dünkt nur gering mir jede künft'ge Pein!
Muß ich so schwer den Ruf der Schönheit sühnen
Und fremden Wahn, nicht eigenes Erkühnen?«

Sie spricht's und weint, und Alles weint mit ihr –
Ihr Leser auch? – Doch laßt mich weiter schreiten!
Seht schon am Morgen mit der Braute Zier
Das arme Kind zum letzten Gang bereiten;
Wohl duften Blumen, Fackeln wehn vor ihr,
Doch Schluchzen tönt statt Lied und Klang der Saiten!
Wie Grabgeleit, gebückt und grambeladen
Schlingt sich der Zug bergan auf steilen Pfaden.

Und an der rauhen Felsen rauhster Stelle,
Dem Volke längst verrufen und gefeyt
– Kein Strauch noch Moos, nur ödes Steingerölle,
Kein Laut, wenn nicht ein Geier hungrig schreit! –
An einem Abgrund, jäh, als ging's zur Hölle,
Verlassen sie die unglücksel'ge Maid:
Sie fliehn, und Keiner wagt sich umzublicken
Aus Angst, der – Bräut'gam fall' ihm in den Rücken.

Sie steht allein. Es spielt in Haar und Schleier
Des Windes Hauch: sonst schiene sie von Stein!
Wo aber bleibst Du, grauses Ungeheuer
Das Psychen soll, nach dem Orakel, frei'n?
Gleich Typhon, drachenhaft, Dein Odem Feuer,
Seh' ich Dich schon aus dunkler Kluft – o nein!
Süß lächelnd ruht, unsichtbar blindem Volke,
Der Freier Psychens dort auf goldner Wolke!

»Von Göttern selbst nicht ohne Furcht genannt,
Trotz Ungeheuern grausam, tückevoll –«
Ihr habt den losen Knaben längst erkannt
In seiner Locken luft'gem Goldgeroll,
Den Aphrodite schmeichelnd jüngst verband
Als Helfer und Vollstrecker ihrem Groll:
Ein Blick auf Jene, die er soll verderben, –
Und eitel war der Mutter Wunsch und Werben!

Ganz andern Plänen galt sein stummes Sinnen,
Zum ersten Mal fühlt er den eignen Pfeil!
Kein nied'rer Sclav' soll Psychens Herz gewinnen,
Dem Gott der Liebe werde sie zu Theil!
– Und zu dem Dreigestirn der Charitinnen
Lenkt er den Flug in Heimlichkeit und Eil',
Und spricht: – unwiderstehlich Blick und Lächeln,
Wie um die Knospe Maienwinde fächeln –

Ihr holden Schwestern, treulich mir gewogen
Trotz mancher Knabentück' und Schelmerei:
Umsonst mein Flügelpaar und goldner Bogen,
Steht Eure Gunst mir nicht gefällig bei!
Ein Mägdlein, zwar in irdischem Haus erzogen,
Doch schöner traun, als jene stolzen Drei,
Die um den goldnen Apfel dort gerungen,
Hat – ohn' Erröthen sag' ich's – mich bezwungen!

Helft mir sie bergen vor der Mutter Grimme
In eines Wolkenschlosses goldner Ruh!
Nicht schauen soll sie Euch: mit sanfter Stimme
Nur redet tröstend der Verlass'nen zu,
Vom Morgendämmern bis der Tag verglimme,
Verlassen – arme kleine Psyche Du!
Doch senkt Urmutter Nacht den Sternenschleier,
Dann, holde Schwestern, macht ihr Platz dem Freier!«

»Wollt ihr? O sagt, Ihr wollt!« – Die Schwestern blickten
Sich röther unter langen Wimpern an,
Dann schauten dreist die Jüngern auf und nickten,
Indeß die Dritte ernsthaft sich besann,
Doch eh' um einen Schwung die Räder rückten
An Hyperions strahlendem Gespann,
War auch Aglaja fertig, Ja zu sagen:
– Unmöglich, Amor'n etwas abzuschlagen!

Noch ahnt nicht Psyche, dort am Felsenschlunde,
Daß sie des schönen Liebesgottes Braut,
Daß sie, die so verlassen schien, dem Bunde
Der guten Huldgöttinnen anvertraut –
Da hebt es leise sie empor vom Grunde
In sanften Armen – Niemand ward geschaut,
Doch Zephyr that es, Amors Spielgeselle, –
Und trägt sie fort, wie leichtbewegte Welle.

*

 

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