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Hugo Freiherr von Blomberg: Psyche - Kapitel 5
Quellenangabe
typepoem
authorHugo Freiherr von Blomberg
titlePsyche
publisherCarl Duncker's Verlag
year1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectidb32ad580
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Psyche.

I.

Es war einmal – Wo, wüßt' ich nicht zu sagen,
Und nur das Wann vermocht' ich zu erspähn:
In jener Götterjugend goldnen Tagen,
Da Wünschen half und Wunder noch geschehn –
Ein Mägdlein, schöner, als von seinem Wagen
Der alte Phöbus jemals nur gesehn,
Als je gemalt Veneter Die Meister der Renaissance, Giorgione, Tizian, vor allen in Darstellung schöner Frauen ausgezeichnet, sind gemeint. oder Grieche –
Ein Königstöchterlein, mit Namen Psyche.

Von selbst versteht sich nach der Mährchen Weise,
Daß sie die jüngste dreier Schwestern war,
Und daß im tiefen Spätherbst erst, als Greise
Ihr Blüthentag erfreut das Elternpaar:
Auch daß die Schwestern an der Schönheit Preise
Weit, endlos weit ihr wichen, ist Euch klar!
Die neue Venus – selten anders nannten
Die Eltern sie, wie Alle, die sie kannten.

Und bald in alle Land', auf alle Meere
So weit sie blauen, flog die Kunde hin:
Verlassen habe Paphos und Cythere
Sammt Amathunt die Freudenspenderin,
Selbst im Olymp des goldnen Sitzes Ehre –
Und, ird'scher Augen seligster Gewinn,
Jetzt wandle sie mit magdlicher Geberde
Als jene kleine Psyche auf der Erde.

Da kamen sie – von allen Winden kamen
Pilger zu Land und Segel auf der Well' –
Nicht glaub' ich, daß soviel die Richtung nahmen
Je nach Lorett, Einsiedeln, Compostell! –
Und Stadt, Pallast und Land schien nur der Rahmen
Für jenes süße Bildniß, strahlenhell!
Ein ewig Opferfest hub seine Düfte
Mit Jubel und Gesängen in die Lüfte.

Verwaist dafür, in Straßen und Gefilden,
Blieb jedes Heiligthum der Venus stehn:
Wer wollte lieber kalten Steingebilden,
Als der lebend'gen jungen Schönheit flehn!
»Heil«, klang es »Psyche'n Heil, der sanften, milden,
Der Göttin, die wir gegenwärtig sehn!«
Sie aber, nicht von solchem Ruhm betrogen,
Stand lieblich schüchtern in sich selbst gebogen.

Und also sprach sie bang' im tiefsten Herzen
So manches Mal, wenn Jubel um sie scholl:
»Weh, Vater, Mutter, wenn mit bittren Schmerzen
Dies frohe Spiel einst für Euch enden soll!
Nicht läßt ein Gott mit seinen Ehren scherzen,
Das Maaß der Rache gießt er übervoll!
Schon seh' ich wach und träumend, wie die Stirne
Der mächt'gen Venus auf mich niederzürne!«

– Und traun, so war's! Von goldnen Himmelshöhen
Herblickte diese längst, verstummt vor Zorn,
– Nicht finstrer einst hat Artemis gesehen,
Eh' aus Actäons Schläfe sproß das Horn! –
Und furchtbar endlich bricht, wie Sturmeswehen,
Dies Wort aus ihres Busens tiefstem Born:
»Mir das? Mich, Quell und Urbild alles Schönen,
Wagt ein Gebild aus Erdenschlamm zu höhnen?

Vernicht' ich sie? Erbitt' ich Donnerkeile
Von Jupiter, der schwerlich mir versagt?
Ruf' ich vom nächtlichen Cocyt in Eile
Tisiphone, des Pluto grause Magd?
Und welche Qual – Ich weiß es: Amors Pfeile!
Ihr Weh ward stets am bittersten beklagt!
Ihn ruf ich auf, ihm klag' ich das Verbrechen:
Die Mutter bin ich, und er muß mich rächen!«

Und schmeichelnd lockt sie mit viel süßen Worten
In ihren Schooß den flügelschnellen Sohn:
»Schau«, endet sie, »die freche Bübin dorten!
Nicht Qual genug holt' ich für solchen Hohn
Herauf ihr von der tiefsten Hölle Pforten:
Du, Sohn, allein wahrst ihr den rechten Lohn!
Aus allen Menschen laß mit glüh'nden Trieben
Den Siechsten, Aermsten, Aergsten von ihr lieben!«

Der Schlaue horcht, und spricht kein Wort entgegen;
Den Rosenfinger leicht am Rosenmund,
Scheint er den Feldzugsplan zu überlegen.
Die Mutter, froh, glaubt ihn mit sich im Bund,
Sieht schon von seiner Arglist herbsten Schlägen
Der armen Psyche Busen krank und wund,
Küßt zärtlich ihn und läßt vom Taubenwagen
Erfrischten Herzens sich von hinnen tragen.

Der grauen Tethys Vergl. Ilias XIV., 201. Von der Nereïde Thetis, Achills Mutter, wohl zu unterscheiden., jener Meeresalten,
Okeanus' ehrwürd'gem Eh'gemal,
War ein Besuch schon lange vorbehalten,
– Fern wohnt sie, wo des Tages erster Strahl
Vergebens küßt der Erde Rand, den kalten, –
Doch wundre Keinen solchen Umgangs Wahl:
Vertraut ist allen Göttinnen des Meeres
Die meerentstieg'ne Herrscherin Cythere's!

Und wie sie jetzt mit gleichbewegten Flügen
Meerüber trägt ihr luftiges Gespann,
Aufschauert jede Welle vor Vergnügen:
Auch sieht des Nereus blonde Töchter man
Sich ordnen stracks in anmuthvollen Zügen:
Delphine zügelnd gleiten sie voran,
Des Meeres Roß, den Panther, Stier und Greifen
Mit Ruderfüßen und befloßten Schweifen.

Weit glänzt aus grüner Fluth manch weißer Nacken,
Geschmeidig wogt der Hüften üppig Rund:
In goldnen Locken glühn Corallenzacken
Und Perl' um Perle schlingt sich in den Bund!
Triton und Meercentaur sprengt fast die Backen,
Das Muschelhorn am blaugeschuppten Mund:
Triumph und Jubel schlägt an alle Küsten:
Deß mag sich wohl die stolze Göttin brüsten!

Süß lächelt sie auf's bunte Treiben nieder,
Und Wer es sieht, dem ist's wie Sonnenschein:
Beruhigt ist der Sturm im Busen wieder,
Und wenig fehlt, so könnte sie verzeihn!
Doch schwang gewiß sein schimmerndes Gefieder
Der Sohn bereits, der Rache sich zu weihn,
Und wußt' an's Herz der Frevlerin zu reichen
– Das lehre sie. sich Venus zu vergleichen!

*

 

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