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Hugo Freiherr von Blomberg: Psyche - Kapitel 17
Quellenangabe
typepoem
authorHugo Freiherr von Blomberg
titlePsyche
publisherCarl Duncker's Verlag
year1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectidb32ad580
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Die Elemente.

Kein Element, Nur zwei Elemente Erde und Wasser, sind vertreten. Für das Feuer gilt vielleicht der Salamander auf dem benachbarten Vulcan-Bilde, für die Luft die verschiedenartigen Vögel. Luft, Wasser, Glut noch Erde
Läßt, Amor, Deines Dienstes sich gereuen:
Der »großen Mutter« falbgemähnte Leuen,
Noch Ocean's blaugrüne Wunderpferde –
Ob diese bäumen, jene zornig dräuen,
Du zügelst sie mit lächelnder Geberde,
Daß jäher Sprung zu würd'gem Schreiten werde,
Und lämmerhaft im Joche gehn die Scheuen!
Doch Wer hat Dich, – unstät wie Wellenrosse,
Grausam wie Löwen vormals – umgeschaffen
Zum treuen Gatten sonder Falsch und Fehle?
Dich, Amor, schnell wie Jovis' Blitzgeschosse
Und stark wie Mars und Hercules in Waffen?
Die Schönheit nimmer – Psyche thats, die Seele.

VIII.

Verzeiht, wenn ich zu lang gezögert hätte,
Mich dem ersehnten Schlußgesang zu weihn:
Wir ließen Venus bei der Toilette;
Da, wißt Ihr, darf man nicht zu eilig sein!
Und hättet Ihr mit zugesehn, ich wette,
Von Ungeduld fiel schwerlich Euch was ein!
Auch tröst' Euch dies, daß auf Olympus' Warten
So lang' als Ihr die hohen Götter harrten.

Sie kommt – und Alles rückt und blickt gespannt:
Doch Zeus beharrt in würdevollem Schweigen.
»Wer fehlt noch?« fragt man rechter, linker Hand,
– »»Mercur!«« – Da sieht man himmelan ihn steigen:
An seiner Seit' in bräutlichem Gewand
Ein Erdenkind – ihr demuthvolles Neigen
Muß noch den niegeseh'nen Reiz erhöhn,
Und Gott und Göttin flüstern rings: »Wie schön!«

Erröthend, hoch bis in die goldnen Locken,
Verschlingt Cupido sie mit Flammenblick:
Doch bleich wie Marmor, sprachlos und erschrocken
Hebt Venus sich vom Sitz – und sinkt zurück.
Die Lippen zucken und die Pulse stocken.
Entschieden wider sie hat das Geschick!
Gern stürbe sie, doch muß sie ewig leben:
So bleibt denn nichts Ihr übrig, – als Vergeben.

Doch Jupiter beginnt vom hohen Thron:
»Ihr Götter All', Verwandte, Vielgeliebte!
Ihr wißt, daß Amor, unser theurer Sohn,
Von Alters her manch loses Spiel verübte:
Auch ist bekannt, daß Jeder, Jede schon
Von Euch ob seinem Leichtsinn sich betrübte:
Doch soll es anders sein von dieser Zeit:
Ich Zeus Kronion ordne, daß er frei't!

»Ein Mägdlein hat er selber sich erkoren,
Zwar irdisch nur; doch schön und tugendreich:
Durch fremde Tücke ging sie ihm verloren,
Und Gram um ihn färbt' ihre Wangen bleich, –
Doch jetzo sei ihr Bund vor uns beschworen:
Unsterblichkeit credenz' ich ihr zugleich!
Zur Götterwürde will ich sie erheben,
Und ewig soll sie selig mit ihm leben!

Du aber, Amor's schöne Mutter, zürne
Der Schnur nicht länger noch dem lieben Sohn!
Genug geplagt hast Du die arme Dirne,
Und still in Demuth trug sie Schmach und Hohn:
Versöhne Dich, und küss' ihr Mund und Stirne,
Gieb ihr der unverdienten Leiden Lohn!
Schlecht steht das Grollen Deinem Reiz: sei weise,
Und leucht' uns unbewölkt im Götterkreise!«

Was kann Sie thun? Sie kämpft – und überwindet,
Obwohl die Thränen ihr im Auge steh'n;
Es bricht ihr Stolz, so lang dem Haß verbündet,
Und sie gewinnt's, zu Psychen hinzugehn.
– Und als sie ihr ins Auge sieht, da schwindet
Auch Haß und Groll auf Nimmerwiedersehn,
Und beide Schönsten küssen sich mit Zähren –
»Ein Wunder!« ruft Ihr? Amor kann's erklären!

Da stehen alle Götter von den Sitzen,
Auch Zeus und seine Gattin stehen auf,
Und drängen sich, als gält' es zu beschützen
So seltnen Bund, um Beid' in hellem Hauf:
Und Aller Augen sieht man fröhlich blitzen,
Und jeder Lipp' entströmt der Rede Lauf!
So laute Lust, so seliges Getümmel
War nicht an Juno's Hochzeittag im Himmel!

Wie Amor blickt', und was er sagt' und that,
Hab' ich Euch wohl nicht nöthig zu besingen;
Doch daß auch Pan der Alte lächelnd naht,
Um Psychen seinen Glückwunsch darzubringen,
Daß selbst Oceanus der ferne, spat
Erst angelangt auf Hippogryphenschwingen, Vergl. des Aeschylos »gefesselten Prometheus«, V. 284 ff. Daß den classischen Greif hier der romantische Hippogryph vertritt, wird in ottave-rime wohl erlaubt sein.
Ihr Gruß von Tethys, seiner Alten sagt,
Erzähl' ich gerne Jedem, dem's behagt!

Und nun zu Psyche's Lippen hebt Mercur
Den Nectarkelch der ew'gen Götterweihe,
Und nun als Zeugen bei der Treue Schwur
Schließt Gott an Göttin sich in bunter Reihe;
– Doch, stamml' ich jetzt in kurzen Lauten nur,
Darf ich wohl hoffen, daß man mir verzeihe:
Andeutend nur bis hierher, Bild um Bild,
Hat Raphael Euch Psychens Loos enthüllt.

Nun aber nimmt auf breiter Deckenfläche Wir benutzen diese Stelle, um die Andeutungen unseres Prologes durch eine kurze Notiz über die betreffenden Bilder Raphaels zu ergänzen. Für Agostino Chigi, einen reichen Finanzmann, Intendanten der beiden Päpste Julius II. und Leo X. hat sie der Meister (etwa 1514) erfunden und in dessen römischer Villa in Trastevere (nach ihren spätern Besitzern Farnesina genannt), von seinen bekannten Helfern Giulio Romano, Franc. Penni, Raph. del Colle ausführen lassen, Einzelnes jedoch, namentlich die vorderste Grazie des zweiten Bildes, mit eigner Hand vollendet. Das Werk hat leider sehr gelitten, und ist bereits durch Carlo Maratta (1625-1713) theilweise übermalt und durch 850 Kupfernägel vor der wachsenden Zerstörung geschützt worden; doch machen unmittelbare photographische Nachbildungen des Originals, die wir gesehen, noch immer einen wundervollen Eindruck. Die 10 Compositionen, die nach der vorletzten Stanze unseres Prologes auf die 8 Capitel der Erzählung sich vertheilen würden, stellen Venus Auftrag an Amor (Cap. I.), Amors Bitte an die Grazien (Cap. II), Venus mit Juno und Ceres (Cap. III.), dieselbe zum Olymp zurückkehrend, (Cap. IV ), ihre Klage bei Jupiter (desgl.) den Aufruf Mercurs (Cap. V.), Psyches Rückkehr aus der Unterwelt (Cap VI.), der Venus Entsetzen darüber (Cap. VII.), Amor vor Jupiter (desgl.) und Mercur Psyche zum Olymp geleitend (Cap. VIII.), vor. Von den 14 Gruppen triumphirender Liebesgötter, denen unsere Sonette gewidmet sind, möge das nachfolgende Schlußgedicht eine kleine Uebersicht geben.
Mit mächt'gem Klang der Meister selbst das Wort
Hört Ihr's auch nur, wenn ich dazwischen spreche?
O nein, ich trete lieber schweigend fort,
Und lausche mit – daß Keiner unterbreche!
Hier die Vergötterung, das Brautmahl dort!
Und stimmt' Homer, der alte, selbst die Leyer,
Nicht würdiger besäng' er solche Feier!

Nur Eines, was der Maler Euch verschwiegen
Gönnt noch dem Dichter, da er Abschied nimmt:
Dem scherzhaft leichten Ton mußt' er sich fügen,
Den Apulejus vor ihm angestimmt,
Doch fühlt' er drunter tief die Kunde liegen,
Die ahnend nur dem Alterthum geglimmt,
Von eines Ew'gen Lieb', in deren Armen,
Die bange Menschenseele darf erwarmen!

*

 

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