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Hugo Freiherr von Blomberg: Psyche - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
authorHugo Freiherr von Blomberg
titlePsyche
publisherCarl Duncker's Verlag
year1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectidb32ad580
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Die Heroen.

Was Helm und Schild in Amors Macht bedeute?
Dies Bilderräthsel ist nicht von den schweren!
Es ist der Sinn von tausend alten Mähren
Bis zum Geschwätz von Gestern und von Heute!
Die Helden, mein' ich, und die Kriegesleute
In Einzelgrößen wie zu ganzen Heeren,
Trotz ihrem Stolz und ihrer Siegesehren –
Sind Gott Cupido's allerleichtste Beute!
Von Theseus steht es, von Achill zu lesen,
Wie von dem liebeswüth'gen Paladin
Im Wunderlied des großen Ferraresen! Des Ariosto »rasender Roland«.
Ja, jung und alt ist mancher Held auf Knie'n
Vor einer schönen Frau zu seh'n gewesen,
Die lächelnd zögert', ihn emporzuzieh'n.

VI.

Das Mährchen wiederholt sich wie das Leben:
Ein Beispiel gab ich vorher in den Kauf,
Ein zweites wird Euch jetzt vorüberschweben,
Führ' ich Klein-Psyche's Prüfungen Euch auf.
Wie Aschenbrödel sitzt sie weinend eben,
Vor ihr ein mächt'ger Erbsen-, Linsen-Hauf,
Und halfen Jener treu die weißen Tauben,
Sieht Die ein Aemsenheer geschäftig klauben.

Und schnell ist, was unmöglich schien, vollbracht:
Die Feindin aber sinnt auf neue Proben.
Von grimmen Widdern, die in Waldesnacht
Mit eh'rnen Stirnen geneinander toben,
Soll Psyche pflücken goldner Wolle Pracht:
Solch Festgewand wünscht Venus sich gewoben!
Die Arme geht – aus hohem Schilfrohr spricht
Ihr Rath und Warnung zu – Wer, weiß ich nicht;

Ob Pan, ob Amor – wenn der Mittag glüh
Herunterbrennt, die bösen Schafe ruhen,
Dann sammelt, ungefährdet, ohne Müh
Sie von den Dornen Woll' in ganze Truhen –
Und hofft Vergebung wieder – ach, zu früh!
Zu schwerer'm Gange muß sie sich beschuhen!
Im Felsenthal, durchzischt von Drachenbrut,
Soll füllen sie den Krug mit heil'ger Fluth!

Ein Aar thut es für sie, – und besser hier
Mein' ich den stillen Helfer zu erkennen!
Nicht glaub' ich, daß unheilbar für und für
Ein Tropfen Oel kann einen Gott verbrennen,
Noch, daß ihm schwer sei, Psychens Ungebühr
Von ihrer Schwestern arger List zu trennen!
Vernahm ich doch, daß Diese längst, bethört
Durch Göttermacht, den eignen Leib zerstört!

Es hatt' ein Traum sie an den Ort geladen,
Wo Psyche damals allverlassen blieb,
Als werde sie der West auf luft'gen Pfaden
Entführen (wie ich früher Euch beschrieb);
Und Jede denkt, Cupido wähl' in Gnaden
Sie zum Ersatz für sein verstoßnes Lieb!
Die Thörichten! – Sie wähnen Zephyr's Schwingen
Für sich bereit, sie rufen ihm – und springen!

Genug von ihnen! – Venus aber scheint
So gut als wir den Beistand zu errathen,
Der unsichtbar sich Psychen stets vereint
Und für sie thut die wundersamen Thaten.
Sie zürnt und schmäht, und winterlich versteint
Ihr Busen sich des Mitleids jungen Saaten,
Die manchmal, wenn sie Psychen angeschaut,
Mit zarten Spitzchen sich herausgetraut.

Dann spricht sie finster: »Kommen wir zum Schluß,
Zu sehn, ob überall Erfolg Dich kröne!
Hinab zum Orcus flügle Deinen Fuß,
In's Land des Dunkels und der Klagetöne:
Entbiete seiner Herrin meinen Gruß,
Und von der Salbe, die der Götter Schöne
Mit unzerstörbar ew'ger Dauer schmückt,
Sei mir dies goldne Büchschen vollgedrückt!«

– Nun aber find' ich Seltsamstes berichtet:
Als Psyche sich von eines Thurmes Zinnen
Auf gradem Wege fast zum Styx geflüchtet,
– Da hört den Thurm sie Stimm' und Wort gewinnen,
Und wird für Rath und Lehren ihm verpflichtet,
Daß jeder Fährlichkeit sie mög' entrinnen!
Ein Wunder, traun! – Doch wenn's Erklärung braucht,
Ich denke, Zephyr hat's ihr zugehaucht!

Genug, bewahrt auf jegliche Gefahr
Geht sie den nächt'gen Pfad, der ihr befohlen:
Für Cerberus trägt sie ein Fladenpaar,
Und für den grausen Fährmann zween Obolen.
Schon stellt sie sich am schilf'gen Ufer dar,
Und läßt im lecken Kahn sich überholen.
Ein Greis im Schlamm fleht ihn emporzuziehn,
Doch bleibt sie, wenn auch ungern, taub für ihn.

Gelandet, spricht um Hülf' ein lahmer Knecht Vermuthlich der »Oknos« (Müßiggang) den (nach Pausanias) Polygnot in der Lesche zu Delphi gemalt hat.
Bei einer lahmen Eselin sie an:
Erweichen will durch Elend und Geschlecht
Ein webendes Altweiberpaar sie dann;
Doch hier ist Mitleid Sünde, Starrheit Recht,
Und stumm eilt sie vorbei, so schnell sie kann,
Stillt Cerberus mit seinem Kuchen schon,
Und naht in Demuth Pluto's eh'rnem Thron.

Da sitzt er finster, traurig ihm zur Seiten
Im nächt'gen Purpur sitzt Proserpina:
Erstaunt seh'n sie ein zartes Mägdlein schreiten,
Wo Herkules allein man lebend sah.
Die Botin kniet und sagt – und stockt zu Zeiten –
Den Auftrag, der von Venus ihr geschah:
Sie fürchtet wohl, die Höllenfürstin zürne,
Die aber neigt ihr sanft die Kronenstirne.

Sie reicht ihr das Begehrte, lädt sie ein
Zum Mahl, wie man den liebsten Gast begrüßt:
Gar Noth war Psychen hier, gewarnt zu sein,
Denn bleiben muß, wer Pluto's Kost genießt.
Drum blickt Proserpina so schmerzlich drein,
Die mindre Vorsicht, ach, auf ewig büßt;
Doch zürnt sie nicht, daß glücklicher die Kleine,
Und läßt sie kehren zu des Tages Scheine.

Der zweite Honigfladen und Obol
Hat Cerberus und Charon längst begütet,
Und schon der finstern Schlucht, die dumpf und hohl
Vom Tritte schallt, entsteigt sie leichtgemüthet,
Als – ach, gefahrvoll für der Armen Wohl –
Ein frevler Vorwitz ihr im Herzen brütet:
Des goldnen Büchsleins Inhalt zu besehn,
– Vielleicht durch ihn als Göttin dazustehn!

Unselig Kind! – und, o, sie that es schon!
Ein schwarzer Höllenqualm entsteigt dem Golde:
Weh! fordert sie zurück der Acheron,
Und geizt der Fährmann nach dem dritten Solde?
Schon liegt sie da – der Odem ist entfloh'n,
Ein blasses Bild von Marmor liegt die Holde.
Beweint, ihr Grazien, ewig was geschah –
Doch ist die Lieb', und der Geliebte nah!

Er naht, und vor dem Anhauch seiner Schwingen
Kriecht scheu in's Gold der Höllenqualm zurück;
Und als nun Psychen seine Arm' umschlingen,
Sein Mund sie küßt, mit heißem Frühlingsblick
Durch ihre Nacht des Liebsten Augen dringen,
Da seufzt sie auf – erfüllt ist das Geschick,
Und wonnetrunken, nimmermehr zu scheiden,
Auf ew'gen Bund umschlingen sich die Beiden!

Und wieder leg' ich meinen Griffel hin.
Selbst Raphael hat's nicht gewagt zu malen!
Und hätt' er Iris' Farben zum Gewinn,
Des Morgens Glut, des Mondes sanfte Strahlen,
Ein schwaches Abbild gäb' es immerhin
Von solchem Glück – ein Andres ist's mit Qualen!
So sei denn bessre Kunst von Euch geübt:
Malt's Euch im Herzen, die Ihr je geliebt!

*

 

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